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10.2007

Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker in Malawi

Seit gut 3 Jahren arbeite ich in der Zentrale von Daimler in dem Personalbereich Berufs- und Ausbildungspolitik national und international. Im Schwerpunkt betreue ich unsere internationalen Standorte/Partner, welche in der Regel Werke und Händlerbetriebe auf dem afrikanischen Kontinent sind. Was verbirgt sich hinter den 3 P’s….? Ausgeschrieben heißt es , PublicPrivatePartnership-Projekt, doch was bedeutet dies? Seit 1999 gibt es diese Form der Zusammenarbeit zwischen dem deutschen Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit, kurz BMZ genannt, und privaten Unternehmen. Der Fokus dabei liegt auf Entwicklungsländern und deren Hauptprobleme im eigenen Land.

Das Projekt

Im Falle Malawi fokussieren wir uns auf die Berufsausbildung, das verschulte Bildungssystem Malawis stellt theoretisch eine Grundausbildung im Kfz-Sektor dar. In Wirklichkeit sind jedoch die „Berufschulen“ weder hinsichtlich der technische Ausrüstung, noch bezüglich des Know Hows, auf einem Niveau die Azubis nach Abschluss der Ausbildung in die Lage zu versetzen, Autos und LKW’s zu reparieren.

Die Beteiligten

So diskutierten wir in 2004 zum ersten Mal mit lokalen Vertretern aus Wirtschaft und Staat, über mögliche Maßnahmen welche die angesprochene Situation verbessern sollten. Sowohl unser lokaler Mercedes-Benz Generalimporteur als auch die schulischen Partner waren von der Idee ein regionales Ausbildungszentrum nach deutschen Standards zu errichten begeistert. Mit schon relativ konkreten Vorstellungen, gab es dann mit der GTZ (Gesellschaft für wirtschaftliche und Technische Zusammenarbeit), eine Unterorganisation des BMZ und den lokalen Partnern, Verhandlungen über ein PPP-Projekt wie ich es eingangs beschrieben habe. Ende 2005 wurde dann ein bis in Details ausgearbeiteter Vertrag mit Zielen, Budget, etc. unterschrieben. Nun lag es an mir, die vereinbarten Maßnahmen durchzuführen.

Anlaufschwierigkeiten

Zunächst sollte ein deutscher Experte für Berufsausbildung für 2-3 Jahre nach Malawi entsannt werden, um ein Ausbildungscenter aufzubauen. Drei Tage vor Vertragsunterzeichnung, gab es einen sehr herben Rückschlag: Der ausgewählte Experte hatte es sich aus privaten Gründen kurzfristig anders überlegt und entschied –entgegen der mündlichen Vereinbarung- nicht vor Ort zu gehen. Mir denkt dieser Anruf mit der Absage noch so wie wenn er gestern stattgefunden hätte. Mir wurde heiß und kalt und ich sah dieses tolle Vorhaben mehr als gefährdet. Wo findet man schon auf die Schnelle einen Menschen, mit den entsprechenden Qualifikationen, der sich dann auch noch bereit erklärt für Jahre in eines der ärmsten Länder dieser Erde zu ziehen, um dort jungen Menschen beizubringen wie man Fahrzeuge repariert und wartet?

Blantyre TrainingscenterProjektstart

Wir, die GTZ und Daimler, gaben das Projekt jedoch nicht auf und suchten nach einem adäquaten Ersatz für unseren „verlorengegangenen“ Experten. Ganze 10 Monate dauerte es bis wir adäquaten Ersatz gefunden haben. Am 1. August 2006 schlug also dann tatsächlich unser Ausbilder vor Ort in Blantyre/Malawi auf und begann mit dem Aufbau des Training Centers.

Mit Hochdruck wurden die Themen wie Umbau und Ausstattung der örtlichen Räumlichkeiten angepackt. In enger Abstimmung mit unseren lokalen privaten und staatlichen Partnern, gelang es uns in nur wenigen AzubisMonaten den deutschen Ausbildungsrahmenplan an die lokalen Rahmenbedingungen zu adaptieren und am Ende eine staatlich anerkannte Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker zu erlangen.

Ausbildungsbeginn

Anfang dieses Jahres, konnten wir mit der Auswahl der ersten 16 Auszubildenden beginnen. Diese sollten im neuen Ausbildungscenter eine zweijährige Berufsausbildung starten.

Damit dieses ganze Vorhaben mittel und langfristig auch ohne deutschen Experten funktionieren kann, hat unser Generalimporteur gleich noch zwei Mechatroniker-Azubis bei der Arbeitlokale Ingenieure welche erst jüngst ein technisches Studium absolviert haben, zum 1. Februar 2007 eingestellt.

Startschuss

Am 2. April 2007 war es dann tatsächlich soweit. 13 junge malawische Männer und 3 junge malawische Frauen begannen mit der zweijährigen Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker. Durch die einmalige Konstellation der Auszubildenden, von denen 4 bei unserem Generalvertreter angestellt sind und die anderen 12 bei Händlerbetrieben konzernfremder Marken, sowie 2 die an einem staatlichen technischen Institut unter Vertrag sind, ist der gesellschaftliche Nutzen wirklich außerordentlich. Das Projekt ist für die Menschen in Malawi eine unglaublich große Sache. Alle sind so stolz und glücklich ein solch hochmodernes Training Center in Ihrem Land zu haben. Deshalb blieb es nicht aus, dass ich mich an die Organisation einer offiziellen Eröffnungsveranstaltung gemacht habe.

Die Eröffnungsveranstaltung und der Tod der Präsidentengattin

Direkt nach dem Start der Ausbildung koordinierte und plante ich eine solche Veranstaltung für den Juni ein. In etwa 200 geladene Gäste aus Wirtschaft und Politik hätten an der Einweihung teilnehmen sollen. Doch ein paar Wochen vor dem vereinbarten Termin verstarb die Gattin des malawischen Präsidenten, der natürlich auf Grund des hohen Eröffnungsveranstalung mit dem PräsidentenAnsehens dieses Projekts eingeladen war. In Malawi gelten bei so einem tragischen Vorfall gewisse Regeln. Eine davon heißt: es darf, ab dem Tag an dem die Gattin des Präsidenten gestorben ist, für 30 Tage keine Veranstaltung stattfinden.

Die Feier, die letztendlich am 19. September stattgefunden hat, war einmalig! Ganz tolle Stimmung! Alles passte sehr gut zusammen und sogar die Auszubildenden selbst versuchten sich in die Liste der offiziellen Redner einreihen. Sie wollten aus ihrer Sicht erzählen, wie unendlich stolz sie sind, die ersten Kfz-Mechatroniker-Azubis in Malawi zu sein. So etwas berührt einen dann schon ganz schön! Das waren, in Kurzform, die Hochs und Tiefs von 2 Jahren Arbeit. Ich bin ganz schön stolz und auch sehr glücklich darüber, dass ich ein solches Projekt federführend durchziehen durfte!

Nachdem nun das Training Center erfolgreich eingeweiht wurde, werde ich in meinem nächsten Beitrag über die weiteren Herausforderungen im Zusammenhang mit diesem Projekt berichten. Ich bin mir sicher, es bleibt spannend.

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Dieser Artikel wurde von Fabio Belà geschrieben. In diesem Blog schreiben Daimler-Mitarbeiter und einige wenige Gastautoren. Unsere Autoren kommen aus den unterschiedlichsten Bereichen des Konzerns und schreiben über eigene Eindrücke, Geschichten und ihre persönliche Meinung und geben so Einblicke in den Konzern. Warum wir das machen, finden Sie auf unserer Seite über das Blog.

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Was sagen Sie zu diesem Thema? Derzeit 7 Kommentare Diskutieren Sie mit!

  1. 1. Jürgen Piesche

    Kommentar vom 16. Oktober 2007 um 23:15

    Sehr geehrter Herr Belà,

    zunächst mal: tolle Sache, das mit dem Daimler-Blog, auch wenn ich mir sehnlichst gewünscht hätte, es würde Daimler-Benz-Blog heißen, aber das ist ein anderes Thema…

    Ich bin vor einem Jahr mit einen Mercedes 190D nach Mauretanien gefahren und mir ist dabei natürlich die unglaubliche Verbreitungsdichte alter Mercedes in Afrika aufgefallen. Während in Marokko vor allem W123 das Straßenbild prägen (die grundsätzlich mit 7 Personen besetzt als Überlandtaxi Dienst tun), sind es in Mauretanien besonders W201.

    Der Araber, der unsere 190er gekauft hat (wir waren zu dritt) sagte uns, er würde gerne auch modernere Mercedes importieren, hätte auch die Kundschaft dazu, aber leider niemanden, der die Wagen reparieren kann. So wunderbar reparaturfreundlich wie W123 und W201 sind die Autos heute eben leider nicht mehr. Dabei genießt die Marke dort den besten denkbaren Ruf und ein Mercedes gilt als unzerstörbare Qualitätsikone. Im Prinzip will niemand etwas anderes haben.

    Ich glaube daher, daß Daimler mit dem Weg, in Afrika qualifizierte Mechatroniker auszubilden, eine in jeder Hinsicht richtige Entscheidung getroffen hat. Einerseits erschließt erst diese Maßnahme – die auch auf andere Länder Afrikas ausgeweitet werden sollte – den dortigen Markt auch für Mercedes-Fahrzeuge, die jünger sind als 20 Jahre und damit für die Zukunft, andererseits ist die direkte und qualifizierte Ausbildung der Menschen vor Ort die beste aller denkbaren Entwicklungshilfemaßnahmen.

    Ich wünsche dem Unternehmen und den jungen Auszubildenden dort viel Erfolg!

    mit freundlichen Grüßen
    Jürgen Piesche

    Antwort

  2. 2. Alfred Menzel

    Kommentar vom 18. Januar 2008 um 08:41

    Umsetzung vor Ort
    Für die Umsetzung des Projekts vor Ort bin ich zuständig (Alfred Menzel GSP/MRS) und wie
    Herr Bela schon angedeutet hat, eine Arbeit in eines der ärmsten Länder dieser Erde aufzunehmen ist nicht ganz einfach besonders für die Familie, da ist eine gute Zusammengehörigkeit gefragt und unbedingt von großer Bedeutung.
    Für das gute und schnelle gelingen des Projekts ist Teamwork die Voraussetzung und dass ist
    im Projekt die rote Linie von allem Beteiligten, dafür möchte ich mich auf diesem Weg bedanken.

    Malawische Training Center/alter Ausbildungsstandard
    Ich habe mir einige Malawische Training Center angesehen und mit den Trainingsleitern
    gesprochen, die das Problem sehen aber keine Änderung erreichen können weil es keine Finanzierung für moderne Geräte und Einrichtung gibt. CAN (Controller Area Network,
    COMAND, Telligent Maintenance System usw. ……, dass sind Fremdwörter in den Training
    Centern wie soll man nach der Ausbildung mit so einem alten Wissenstand moderne
    Fahrzeuge diagnostisieren und reparieren. Auch unser Global Training Support hat damit seine Probleme, es gibt keine Grundlage für unsere Trainingskurse.

    Ein modernes Ausbildungszentrum, so wie es jetzt bei unserem Mercedes-Benz Vertragspartner in Malawi entstanden ist, hat einen hohen Umsetzwert nicht nur für die Auszubildenden hier in Malawi auch für unsere Kunden.
    Auch hier gibt es Kunden von A bis S-Klasse und Actros die eine Kundenzufriedenheit wünschen und erwarten und dies ist nur mit Qualifizierung und Unterstützung zu erreichen.

    Besuch
    Beeindruckt war auch die deutsche Delegation die das Training Zentrum am 16.08.07 mit dem Vorsitzenden des Ausschusses für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung Frau Sibylle Pfeifer, unter anderen auch ex Arbeitsminister Herr Riester besuchten.

    Antwort

  3. 3. Ralf Fuchs

    Kommentar vom 23. Juli 2008 um 13:53

    Als World Vision-Pate eines kleinen Jungen in Malawi freue ich mich besonders über diese Aktivitäten zur Förderung junger Menschen in einem der ärmsten Länder auf dem afrikanischen Kontinent.
    Ich war zwar persönlich noch nie vor Ort, kann aber durch die umfangreichen Informationen die mir zur Verfügung gestellt werden gut einschätzen, wie wichtig es ist dort zu unterstützen und den Menschen eine Perspektive für die Zukunft zu bieten.

    Antwort

  4. 4. Tobias Langer

    Kommentar vom 17. Dezember 2008 um 12:46

    Zunächst einmal ein großes Lob an alle Beteiligten, die dieses tolle Projekt zustande gebracht haben.

    Ich freue mich für die Menschen in diesem Land, dass sie solch eine gute Ausbildung machen dürfen und hoffe, dass noch viele weitere junge Menschen in diesen Genuss kommen werden !

    Wie ging es denn dann weiter ?
    Es wäre schön wenn auch in Zukunft regelmäßig über dieses Projekt berichtet werden würde !
    Wie sieht es mit der aktuellen finanziellen Situation aus ?
    Sind Sie auf Spenden angewiesen ?
    Wenn ja, wie kann ich spenden um weitere Ausbildungen bei diesem Projekt zu ermöglichen ?

    Antwort

  5. 5. Oliver Kapffenstein

    Kommentar vom 17. Dezember 2008 um 16:42

    Hallo Herr Langer,

    vielen Dank für Ihr Lob und Ihre netten Worte. Mittlerweile konnten wir schon mit den ersten Absolventen ihren erfolgreichen Abschluss feiern.

    Bei dem Projekt in Malawi handelt es sich allerdings nicht um ein spendenfinanziertes Projekt. Die Daimler AG und die Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) haben die Startfinanzierung geleistet und übernehmen diese auch noch für die Anfangszeit.
    Das Projekt ist so ausgelegt, dass es sich in einigen Jahren selbst finanzieren kann. Dies wird dadurch geschaffen, dass wir auch die Ausbildung von Fremdfirmen übernehmen, die dafür natürlich einen finanziellen Beitrag leisten müssen.

    Antwort

  6. 6. Fabio Belà

    Kommentar vom 22. Dezember 2008 um 08:48

    Eine kurze Rückmeldung an Sie Herr Langer,
    als zuständiger Leiter dieses PPP-Projekts seitens Daimler, tun solche Beiträge wie von Ihnen am 17.12. eingestellt besonders gut, vielen Dank.
    Seit der offiziellen Eröffnung des Trainingcenters ist viel passiert, daher werde ich zu Beginn des neuen Jahres auch einen neuen Blog über die Highlights und die aktuellen Aktivitäten zu diesem Projekt schreiben, bis dahin eine schöne Weihnachtszeit und einen tollen Start ins neue Jahr.

    Antwort

  7. 7. Ulrike Gauss

    Kommentar vom 09. September 2009 um 13:38

    Hallo Herr Bela,

    Na da hat es Dich nach Afrika verschlagen, ist ja interessant. Ich bin in der Zwischenzeit seit 2 Jahren in Rom, die Traumstadt schlechthin. Lass doch mal wissen wie es Dir so geht. Liebe Gruessle Ulrike

    Antwort

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