Ich schreibe hier in meiner Funktion als Leiter des Bereichs Fahrsimulatoren, der im Forschungs- und Entwicklungsbereich von Daimler angesiedelt ist.
Der ECO-Simulator auf der diesjährigen IAA im September wurde von unserer Abteilung aufgebaut und mitbetreut.
Zusammen mit Kollegen der PKW-Entwicklung, dem Kommunikationsbereich und professionellen Fahrtrainern wollten wir zeigen, dass der eigene Fahrstil erheblichen Einfluss auf den Spritverbrauch hat.
Dazu haben wir auf Basis unserer sonstigen Fahrsimulatoren einen messetauglichen Aufbau realisiert. Wir nutzten eine reale A-Klasse Kabine. Der Fahrer konnte alle Hebel, Pedale, Knöpfe und Schalten bedienen wie in einem echten Fahrzeug und die Reaktionen des Fahrzeugs (Beschleunigung, Lenkmoment, …), die dadurch bedingte relative Lage des Fahrzeugs auf der Straße und in der Landschaft und der aktuelle Kraftstoffverbrauch wurde in Echtzeit berechnet.
Das ganze ist also kein Computerspielzeug sondern ein echter Fahrsimulator. Leider konnten wir auf der Messe keine Fahrzeugbewegung darstellen, sondern konnten dem Fahrer nur eine Bild- und Geräuschdarstellung bieten. Dies ist auch ein Grund dafür, warum es dem einen oder anderen Fahrer etwas mulmig wurde. Denn wenn der Bewegungseindruck zur sonst sehr realistisch dargestellten Fahrt fehlt, merkt der Körper, dass da was nicht stimmt.
Unsere Forschungs- und Entwicklungsfahrsimulatoren bei Daimler funktionieren übrigens ganz ähnlich – z.B. unser großer, bewegter Fahrsimulator in Berlin. Dort ist ein Fahrzeugkabine (z.B. die A-Klasse Kabine von der IAA) in einer beweglichen Kuppel – dem so genannten Dom festgeschraubt. Das simulierte Straßengeschehen wird auf einer großen Rundprojektion im Dominneren dargestellt und der ganze Simulator wird über ein Hydrauliksystem bewegt, um die Fahrzeugbewegung nachzuahmen.
Diesen Simulator nutzen wir z.B. um entwicklungsunterstützende Untersuchungen zu Fahrerassistenzsystemen mit Testfahrern/Testpersonen oder sogar sehr frühzeitige Fahrwerksbewertungen von digitalen Fahrzeugprototypen mit Profifahrern durchzuführen.
Wen es interessiert: Einen kurzen Filmbeitrag zum bewegten Fahrsimulator gibt es auch im Internetfernsehen von Mercedes-Benz.
Dieser Artikel wurde von Eberhard Zeeb geschrieben. In diesem Blog schreiben Daimler-Mitarbeiter und einige wenige Gastautoren. Unsere Autoren kommen aus den unterschiedlichsten Bereichen des Konzerns und schreiben über eigene Eindrücke, Geschichten und ihre persönliche Meinung und geben so Einblicke in den Konzern. Warum wir das machen, finden Sie auf unserer Seite über das Blog.
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Ich bin Dominik, studiere Kulturwirtschaft an der Uni Passau, und bin seit gut zwei Monaten Praktikant in der Abteilung Corporate ...
1. Ingo Melzer
Kommentar vom 24. Oktober 2007 um 18:03
Ein Fahrsimulator ist für mich eine sehr spannende Sache. Spürt man eigentlich die Fliehkräfte wie in einem normalen Fahrzeug oder fühlt es sich anders an?
Antwort
2. Eberhard Zeeb
Kommentar vom 25. Oktober 2007 um 09:40
Das hängt sehr stark von der speziellen Auslegung (Bewegungsraum, Dynamik) des Fahrsimulators und vom gefahrenen Manöver ab.
In unserem Berliner Simulator können selbst hochdynamische Querdynamikmanöver wie Spurwechsel, Doppelspurwechsel oder Slalomfahrt sehr realistisch dargestellt werden. Kreisfahrten dagegen z.B. nur sehr schlecht.
Antwort
3. tobe
Kommentar vom 26. Oktober 2007 um 14:24
sehr interessanter artikel. danke für die einblicke. find das daimler blog soweit klasse – weiter so!
Antwort
4. Marian Köller
Kommentar vom 26. Oktober 2007 um 14:36
Ist es denn überhaupt technisch möglich konstant seitlich wirkende Kräfte, wie sie beim Kurvenfahren auftreten, mittels solch eines Fahrsimulators darzustellen?
Da müsste man den ja entweder in eine Art Zentrifuge integrieren oder auf die Seite kippen, wobei bei letzterem ja auch nur die einfache Schwerkraft als “seitliche” Kraft wirken würde.
Antwort
5. Thilo Schwinn
Kommentar vom 13. Juni 2008 um 16:08
Simulationen/Szenarioplanungen helfen frühzeitig potentielle Probleme zu erkennen, Prognosen vorzunehmen und Innovationen zu finden.
Antwort
6. Fedja Delic
Kommentar vom 26. November 2009 um 10:52
So wie ich das verstehe, schreiben Sie in Ihrem Artikel Herr Zeeb, dass sich die bei einigen Probanden vorkommende “Simulator Sickness” reduzieren lässt, indem die Fahrzeugbewegung in der Simulation nachgestellt wird. Ist das richtig?
Antwort
7. Eberhard Zeeb
Kommentar vom 26. November 2009 um 16:02
Ja.
Simulator Sickness tritt dann häufig auf, wenn die verschiedenen Informationskanäle (i.W. Bild und Bewegung) des Menschen nicht stimmig sind bzw. der Erfahrung wiedersprechen.
Besonderns häufig tritt die Simulatorkrankheit deshalb z.B. dann auf, wenn die Bilddarstellung sehr realsitisch ist aber die erwartete Bewegung dazu fehlt oder gar falsch ist.
Wir bemühen uns deshalb in unserem bewegten Simulator die Fahrzeugbewegungen möglichst realistisch nachzubilden.
Antwort
8. R. Wagener
Kommentar vom 18. Januar 2010 um 20:11
Sehr geehrter Herr Zepp,
ich habe schon in Freizeitpaks oder auf der Messe in Simulatoren gesessen. Das ist ja schon ein Erlebnis und man wird doch getäuscht. Aber das was Mercedes da am Start hat ist ja wohl Spitzenklasse! Und kommt doch der Realität am nächsten.
Meine Kolegen und ich haben das Glück, am neuen Simulator mit Hand angelegt zu haben und freuen uns schon auf die Montage in ihrem Hause.
Mit freundlichen Grüßen
R. Wagener
Antwort