Nein, bitte nicht! Keine Abkürzungen durch die Gegend werfen!
Keine Sorge, die Erklärungen kommen.
Diese Dinge sind Reizwörter in so gut wie jeder industriellen Fertigung, in der Menschen arbeiten. Irgendwie muss ja geplant werden, wer von den über 1000 Mitarbeitern nun welche Schraube wo rein dreht, welchen Aufkleber wie anbringt.
Dafür gibt es MTM, ausgeschrieben (aber für ungeübte ein Zungenbrecher) Methods-Time Measurement, was wiederum im Deutschen als Arbeitsablauf-Zeitanalyse bezeichnet wird. Und was macht man damit? Recht einfach: Damit wird jede Bewegung, jeder Handgriff, jeder Schritt den ich oder meine Kollegen tun, zeitlich bereits in der Planung erfasst. Das geht so fein ins Detail, dass einzelne Aktionen nur mit 0,01 Industrieminuten (Dabei wird die Minute nicht in 60 sondern 100 Teile zerlegt) bewertet sind. Muss ich zum Beispiel 3m auf ebener Strecke laufen, so steht in der entsprechenden MTM-Feinanalyse C-GNXC = 0,07 min. So wird letztlich jede kleinste Bewegung (Aufnehmen Werkstück, Laufen, Platzieren, Verschrauben) und viele kleine weitere Faktoren (Gegenstand schwer, Platzieren genau/ungefähr, etc.) beschrieben.
Und da kommt nun REZEI ins Spiel. Was sich hier so nach Japan anhört ist nichts anderes als “Reorganisation der Leistungsentlohnung Deregulierung der Zeitwirtschaft”. Also manchmal, aber nur manchmal, ja, da machen Abkürzung das Leben erheblich einfacher…
Mit REZEI wurde das ehemals starre und von oben diktierte System der Arbeitsaufteilung nach unten, also zu uns verlagert. Weil wir wissen, was und wie wir am besten arbeiten. Natürlich geschieht solch eine Abstimmung gemeinsam mit den Betriebsingenieuren/Planern/Vorgesetzten, die anhand der durch MTM ermittelten Werte gewisse Vorstellung von den Abläufen haben, und uns, die es jeden Tag tun. Dabei kommt es gelegentlich zu Konflikten zwischen den einzelnen Stellen, weil Theorie und Praxis… Aber das muss ja nicht ausgesprochen werden…
Die Art und Weise wie REZEI im Werk Rastatt umgesetzt wird ist in einer Betriebsvereinbarung festgelegt und wird auch gelebt.
Eines unserer Lieblingswörter bei dem ganzen ist der Taktausgleich. Denn das ist die Zeit, in der wir genau NICHTS tun, sprich, die Zeit zwischen zwei Fahrzeugen. Dieser Taktausgleich sollte natürlich möglichst gering ausfallen. Ist er kleiner als Null spricht man bei einer Station von übertaktet. Das kann im Einzelfall vorkommen, was daran liegt, dass jedes Fahrzeug anders ist und bestimmte Ausstattungsvarianten mehr Umfänge haben (Beispiel die Unterbodenverkleidung: Bei Benzinern ist das eine kleine Abdeckung und insgesamt 6 Schrauben, beim Diesel sind es zwei recht große, eine kleine Platte und 15 Schrauben), aber hier wird von Seiten der Produktionssteuerung auf ein gesundes Mischverhältnis geachtet. Aber zurück zum Taktausgleich; es wird von Seiten der Planer versucht, Übertaktungen zu vermeiden und Leerlaufzeiten der einzelnen Arbeitsstationen zu verringern. Das Streben von uns ist es, den Taktausgleich zu optimieren, das Ergebnis aber nicht unbedingt weiter zu erzählen :-)
Denn nun landen wir im KVP, dem Kontinuierlichen Verbesserungs-Prozess. Mit der Zeit ergeben sich Einspareffekte, die im Vorfeld so nicht planbar waren. Stellt man eine Kiste dahin, so ist der Weg nicht mehr so weit, ohne dass sie jedoch stört. Oder wenn Station A diesen Umfang hat, Station B jenen Umfang hat und Station X das noch übernimmt, kann auf Station M ein Mitarbeiter eingespart werden. Solche, dann doch etwas komplexeren Überlegungen finden meist im Rahmen eines Workshops statt. Kannibalismus? In gewissem Sinne. Aber ein weiterer Baustein des KVPs ist der Verbesserungs-Vorschlag, VV. Für jede Optimierung am Produkt, an der Ergonomie und der Produktivität wird der Mitarbeiter, der diesen VV erdacht und geschrieben hat finanziell beteiligt. Um bei AK-Optimierungen (Andere Ausdruck für den oben angesprochenen Kannibalismus) keine Streitigkeiten in der Gruppe hervor zu rufen, werden solche VVs als sog. Gruppen-VV eingereicht, und somit bekommt jeder etwas vom Kuchen ab.
Und nach einem umfangreichen VV landen wir wieder bei MTM, da für die betroffenen Stationen eine neue Feinanalyse erstellt werden muss. Und der Kreislauf beginnt von neuem.
Dieser Artikel wurde von Mario Jung geschrieben. In diesem Blog schreiben Daimler-Mitarbeiter und einige wenige Gastautoren. Unsere Autoren kommen aus den unterschiedlichsten Bereichen des Konzerns und schreiben über eigene Eindrücke, Geschichten und ihre persönliche Meinung und geben so Einblicke in den Konzern. Warum wir das machen, finden Sie auf unserer Seite über das Blog.
Vom Virus angesteckt
Aber nicht dass sie nun glauben, dass ich mit 40 Grad Fieber im Bett liege und ich über mein Leid ...
1. Peter S.
Kommentar vom 18. Januar 2008 um 16:00
:-) bei uns werden Dateien downgeloaded, Flüge gecancelt, commitments werden supported, andere hingegen committen sich zum support.
Es wird upgestreamt und downgestreamt, zur Frauenförderung sagen wir Diversity und auf allen Feldern betreiben wir operational excellence…
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2. markus jordan
Kommentar vom 21. Januar 2008 um 20:26
Danke fuer Deinen Kommentar bei mir – ich kann auch darauf verzichten.
Gruss an die Leute in Rastatt,.. ..
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3. markus jordan
Kommentar vom 21. Januar 2008 um 20:28
Nachtrag zu meinen letzten Kommentar:
Beim Durchlesen meines Kommentares bemerkte ich, das man den missverstehen kann. Deshalb zur Klarstellung: Ich teile Deine Meinung – auf Kommentare selbst kann ich natuerlich nicht verzichten ! :) Schuhmacher bei Daimler find ich auch unnoetig.
Antwort
4. Mario Jung
Kommentar vom 21. Januar 2008 um 20:30
:-) Jetzt war ich aber erstmal geschockt….
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5. Uwe
Kommentar vom 22. Januar 2008 um 12:20
http://de.youtube.com/watch?v=d5zRe8wa4pM
Antwort
6. Mario Jung
Kommentar vom 22. Januar 2008 um 14:39
Nein, Uwe. Da jetzt noch nicht :-) Aber es wäre ein leichtes, das zu spielen.
Das Schönste bei uns sind die Abkürzungen, die mit Abkürzungen erklärt werden. Jeder weiß zwar, was zu machen ist, aber was es heißt? Keinen Plan… Ja, da wird es dann interessant….
Antwort
7. Uwe
Kommentar vom 22. Januar 2008 um 18:09
Eigentlich wollte ich ja den hier verlinken; quasi Eure “Nachbarn” aus Walldorf:
http://de.youtube.com/watch?v=9XUiLtvKqns
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8. Nils König
Kommentar vom 27. Februar 2008 um 09:11
Die Automobilwoche hat gerade einen guten Beitrag zu Abkürzungen bzw. “Verdenglischung” und die Wirkung auf Kunden veröffentlicht. Sehr unterhaltsam :-) http://www.automobilwoche.de/apps/pbcs.dll/article?AID=/20080226/DPA/802260320
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9. BS
Kommentar vom 13. April 2008 um 20:04
Nur so ne Frage am Rande… Funktioniert REZEI auch bei Zeitarbeitern bei Euch? Oder gibts sowas bei Euch nicht oder wurden die mal wieder “vergessen”?
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10. Mario Jung
Kommentar vom 14. April 2008 um 03:10
@BS: Diese ganzen Dinge beziehen sich auf einen Arbeitsplatz. Ob da nun ein Stamm-MA, ein Leiharbeiter, ein Mitarbeiter mit befristetem Vertrag, ein Ferienarbeiter oder ein Flexi arbeiten hat darauf keinen Einfluss.
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