München, Arnulfstrasse im achten Stock. Mit Blick auf die schönen Alpen arbeite ich in der hiesigen Telefonzentrale der Mercedes-Benz Niederlassung. Dort arbeite ich mit meinen sechs Kolleginnen zusammen und bin sozusagen der „Jan im Korb“. Täglich nehmen wir hunderte von Anrufen entgegen und helfen Kunden sowie Mitarbeitern von Mercedes-Benz. Die Niederlassung München ist die größte Niederlassung in Deutschland und dementsprechend viele Kunden betreuen wir.
Täglich erlebe ich alle nur denkbaren Formen der Kommunikation. Schlechter Handy-Empfang ist beispielsweise einer meiner größten Feinde. So ist es gar nicht so leicht, eine Telefon-Nummer zu notieren, die von jemandem diktiert wird, der sein Handy einerseits durch Funklöcher manövriert und andererseits mit einem starken Akzent spricht. Mancher Anrufer, der mit 160 Km/h durch einen Autobahntunnel fährt, wundert sich gar, warum ich seinen Namen nicht verstehe.
Die meisten Gespräche laufen aber erfreulich und ich bin immer wieder überrascht, wie viele Leute bei ihrem Anruf bereits Zettel und Stift bereit liegen haben, um wissbegierig die Durchwahl von Herrn Müller oder Frau Schmidt zu notieren. Den einen oder anderen verblüffen manchmal jedoch unsere technischen Möglichkeiten: Auch wenn ich die Telefon-Nummer des Kunden bereits bei mir im Display sehe, frage ich immer nach der Telefon-Nummer, wenn ich einen Rückruf notiere. Manche rufen beispielsweise vom Festnetz an, möchten aber auf dem Handy zurückgerufen werden. Hat man jetzt einen Kunden in der Leitung, der seine Nummer nicht auswendig weiß, und man liest sie ihm vom Display vor, scheinen gerade ältere Kunden diese Rufnummernübertragung als Inkarnation des „Big Brother“ wahr zu nehmen. Die es natürlich nicht ist. Doch leicht erschrocken heißt es dann manchmal: „Woher wissen sie jetzt meine Telefon-Nummer?“
Außergewöhnliche Anrufe sind das Salz in der Suppe meiner Arbeit. Manchmal, muss ich gestehen, fällt mir eine seriöse Antwort schwer, weil ich schon immer ein kleiner Scherzbold war. Selbstredend helfen wir auch Kunden weiter, die bei Mercedes-Benz München anrufen und einen Porsche oder Audi bestellen möchten. Ich denke, es ist bei solchen Telefonaten aber schon legitim zu fragen, ob diese Anfrage ernst gemeint ist. Ich teile dem Gesprächspartner mit, dass wir die Mercedes sind und wir keine Fahrzeuge dieser Marke verkaufen (oder hab ich was verpasst?). Meistens sind dann beide Seiten leicht verwirrt und das Telefonat wird mit aller Höflichkeit beendet. Wenn der Kunde am anderen Ende der Leitung aber darauf besteht, jetzt unbedingt einen Porsche bestellen zu wollen und der Tonfall deutlicher wird, muss ich davon ausgehen, dass es ihm ernst ist.
Was ich in diesen Ausnahmefällen tue: Durchatmen! Augen schließen und noch mal mit ruhiger, aber bestimmter Stimme sagen: „Entschuldigen Sie, aber wir sind Mercedes-Benz, wir verkaufen keine Fahrzeuge von Porsche.“ Und darauf hinweisen, sich mit diesem Anliegen doch bitte an die Porsche-Niederlassung zu wenden. Die Nummer haben wir dann sogar parat…
Dass das nur die Ausnahmen sind und die meisten der Telefonate sehr nett und für beide Seiten erfreulich ablaufen, dürfte ebenfalls klar sein…
Dieser Artikel wurde von Jan Haisenko geschrieben. In diesem Blog schreiben Daimler-Mitarbeiter und einige wenige Gastautoren. Unsere Autoren kommen aus den unterschiedlichsten Bereichen des Konzerns und schreiben über eigene Eindrücke, Geschichten und ihre persönliche Meinung und geben so Einblicke in den Konzern. Warum wir das machen, finden Sie auf unserer Seite über das Blog.
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1. Petra-Tina Balatinac
Kommentar vom 19. Mai 2008 um 10:11
Hallo Herr Haisenko,
ich denke solche, etwas ungewöhnlichen Anrufe, führen mit unter dazu, dass man den Job am Telefon gerne macht.
Wenn ich bedenke bei wievielen Hotlines ich durch die Werkswechsel, in meinem Fall, bereits anrufen musste, dann freut man sich umso mehr wenn am anderen Ende der Leitung ein kompetenter Mitarbeiter sitzt, der nicht nur gute Laune hat sondern auch gute Laune versprüht.
Nicht selten ist es mir passiert das ich dann lachend am Telefon sitze und auch nach dem Gespräch noch schmunzeln muss. Neugierig wie wir Frauen hin und wieder ja sind, schaut man dann auch gern mal im who-is-who nach, mit wem man da eigentlich gerade so nett geplaudert hat.
Ich bestelle jetzt zwar keinen Mercedes, aber ein Anruf beim UHD, wenn einem ein netter Mitarbeiter mit Rat und Tat zur Seite steht, ist eine wesentlich nettere Angelegenheit, als wenn man einen Mitarbeiter erwischt der unmotiviert und lustlos ans Telefon geht.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen schönen Wochenstart und viele nette Anrufer :o)
Grüßle,
Petra-Tina Balatinac
Antwort