Der Stern im Leben einer Alleinerziehenden (Teil 2)

Gestern hatte ich meinen ersten Beitrag hier im Blog damit beendet, dass es mein Traum wäre, einmal ein neues Auto zu kaufen. Den Wunsch, mir je einen Wagen leisten zu können, der nicht schrottreif, sondern hochwertig und vor allen Dingen sicher ist, hatte ich wirklich schon begraben. Aus diesem Grund auch den Führerschein immer vor mir her geschoben.

In den letzten fünf Jahren – seit mein Sohn auf der Welt ist und ich alleinerziehend bin – zerplatzten meine wenigen Träume und Wünsche wie Seifenblasen. Eine nach der anderen. Man existierte nur noch wie ein Roboter. Zur Kita, zur Arbeit, zur Kita und heim. Geld verdienen, um über die Runden kommen zu können. Mehr war einfach nicht möglich. Würde man zu zweit verdienen, wäre alles viel einfacher. Aber es gab kein zweites Gehalt und der Tag hatte leider nur 24 Stunden.

Somit fiel auch die Möglichkeit weg, sich zusätzlich zur Vollzeitstelle einen Nebenjob zu suchen. Wenn ich mein Leben damals und heute betrachte, ist das ein Unterschied wie Tag und Nacht. Aus der Hoffnungslosigkeit, trotz Job, wieder zurück in ein „normales“ Leben. Es gibt nach wie vor kein zweites Gehalt und der Tag hat auch immer noch nur 24 Stunden. Auch meinen Sohn muss ich weiterhin in den Tagesablauf einkoordinieren. Fällt ein Kinderarzttermin mal in die Arbeitszeit, ist es dank der Gleitzeit und der netten Chefs gar kein Problem, auch mal eher zu gehen bzw. später ins Büro zu kommen.

Vor einigen Wochen kam es dann zum Supergau und unsere Tagesmama sprang uns aus gesundheitlichen Gründen ab. Was nun? Mein Sohn muss um 17 Uhr abgeholt und für ca. anderthalb Stunden betreut werden, bis ich ihn nach Feierabend abholen kann. Nach einigen Telefonaten, Aushängen auf diversen schwarzen Brettern und Befragungen meiner Mitmenschen, fand ich glücklicherweise über eine Tagesmüttervermittlungsstelle wieder eine neue Tagesmutter für meinen Sohn und war mehr als erleichtert darüber.

Da mein Gleitzeitkonto einige Überstunden aufwies und auch mein Vorgesetzter kein Problem darin sah, war es mir möglich 3 Wochen lang jeweils eine Stunde weniger zu arbeiten als eigentlich nötig, so das ich meinen Sohn selbst um 17 Uhr abholen konnte. Es waren 3 stressige Wochen in denen ich immer inständig hoffte, dass die S-Bahn ja keine Verspätung hat und ich somit den Anschlusszug nicht verpasse. Ein Zeitfenster von 5 Minuten, um vom Bahnhof zum Kindergarten zu hetzen, ist nicht sonderlich groß, also darf der Nahverkehr bitte nicht trödeln.

Für mich ist der Stern zu einer Art Leuchtstern geworden, der mir den Weg aus der Hoffnungslosigkeit gewiesen hat, in der ich keine wirkliche Chance auf Verbesserung sah.

Durch die Arbeit hier hat sich vieles in meinem Leben verändert – zum Positiven hin. Es ist nicht einfach, alleinerziehend und mit allen Problemen auf sich allein gestellt zu sein. Aber es fällt einem leichter, wenn man motiviert, gut gelaunt und mit einem Lächeln auf dem Gesicht durch den Tag geht, weil man mit sich und seinem Leben zufrieden ist. Und einen Job zu haben, der dich glücklich macht, trägt entscheidend dazu bei.

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