Vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion über alternative Antriebe sollte die Historie nicht außer Acht gelassen werden. Als Mitarbeiter von Mercedes-Benz Archive & Sammlung möchte ich auf die technischen Innovationen im Bereich der Elektroantriebe aufmerksam machen, die bereits seit 1899 von der Daimler-Motoren-Gesellschaft angeboten wurden, jedoch mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges auf Anordnung der damaligen Regierung wieder aus dem Programm genommen wurden.
Elektrische Antriebsquellen für Fahrzeuge wurden schon immer von vielen Automobilherstellern als Alternative zu Verbrennungsmotoren angesehen. Von 1895 an zeigte sich in Frankreich, England und den USA ein verstärkter Trend zum Elektrofahrzeug.
Die 1879 gegründete Firma Altmann, die 1898 in “Motorfahrzeug- und Motorenfabrik Berlin AG (MMB)” firmierte und 1902 von der Daimler-Motoren-Gesellschaft Zweigniederlassung Berlin-Marienfelde übernommen wurde, hatte 1897 neben den Lizenzen zum Bau von Daimler-Motorfahrzeugen auch Patente des amerikanischen Unternehmens Columbia Electric Co. zum Bau von Elektromotoren erworben. Bereits im Februar 1899 lief die Produktion von Elektromotoren in Berlin-Marienfelde an, die von MMB sowohl für Personenwagen als auch für Lastwagen und Omnibusse angeboten wurden.
Dabei handelte es sich um Elektro-Automobile, deren Elektromotoren über Akkumulatoren-Batterien angetrieben wurden. Aufgrund der relativ geringen Reichweite von ca. 30 bis 40 km musste die Batterie während der Standzeit an entsprechenden Ladestationen wieder aufgeladen werden.
Elektro-Lieferwagen und -Lastwagen erfreuten sich schnell größerer Beliebtheit. Berliner Kaufhäuser, wie Herman Tietz (Hertie), oder Hotels nutzten die Elektro-Automobile für ihre speziellen Zwecke. Doch bereits 1902 beschloss der Aufsichtsrat der Daimler-Motoren-Gesellschaft nach dem häufigen Auftreten von Mängeln und Schäden bei Elektromotoren, den Produktionszweig Elektro-Fahrzeuge abzustoßen und die Produktion einzustellen.
Das bedeutete jedoch noch nicht das Ende der Elektrofahrzeuge bei der Daimler-Motoren-Gesellschaft, denn von April 1909 an übernahm die Zweigniederlassung Berlin-Marienfelde den alleinigen Vertrieb von Fahrzeugen des Systems “Mercédès-Electrique (Lohner-Porsche)” für das Deutsche Reich.
Bei diesen Elektro-Fahrzeugen handelte es sich um Personenwagen, Droschken, Lieferwagen, Krankenwagen, Lastwagen, Kommunal- und Feuerwehrfahrzeuge, die über an den Vorder- oder Hinterrädern eingebauten Radnabenmotoren angetrieben wurden, wobei die Leistung pro Motor ca. 10 PS, die Höchstgeschwindigkeit ca. 20 km/h und die Reichweite ca. 75 Kilometer betrugen.
Patente von Ferdinand Porsche
Zur Speisung der Motoren diente eine Akkumulatoren-Batterie. Zwischen Wagen und Motoren schaltete sich ein “Controller”, eine Schaltwalze, ein, durch welchen der Strom unter Verwendung biegsamer Kabel den Motoren zugeführt wurde.
Dieses System ging auf Patente von Ferdinand Porsche zurück, der für die Firma Lohner in Wien den batterie- und später auch benzin-elektrischen Antrieb mittels Radnabenmotoren entwickelt hatte. Im Jahr 1906 verkaufte die Firma Lohner ihre Patente an die Österreichische Daimler-Motoren-Gesellschaft in Wiener Neustadt, die kurze Zeit später mit der Produktion und dem Vertrieb von Fahrzeugen des Systems “Mercédès-Electrique (Lohner-Porsche)” im Gebiet des damaligen Österreich-Ungarn begann.
Den Vertrieb für das Deutsche Reich übernahm, wie bereits erwähnt, Berlin-Marienfelde. Darüber hinaus bot die Daimler-Motoren-Gesellschaft ihren Kunden für den Betrieb elektrischer “Oberleitungs-Automobil-Linien” Elektro-Omnibusse vom System “Mercédès-Electrique-Stoll” an. Diese Omnibusse besaßen einen auf dem Dach montierten Stromabnehmer, über die der Strom von einer Oberleitung zu den Radnabenmotoren geleitet wurde.
Bis Mitte August 1910 befanden sich 35 Elektro-Omnibusse System “Mercédès-Electrique-Stoll” auf zehn Linien mit einer Gesamtlänge von 37 Kilometern im Deutschen Reich und in Österreich-Ungarn im Einsatz. Gegenüber der Gesamtzahl an Omnibussen mit Verbrennungsmotoren nahm sich der Anteil an Elektro-Omnibussen sehr gering aus. Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges im Sommer 1914 stellten jedoch sowohl die Österreichische Daimler-Motoren-Gesellschaft in Wiener-Neustadt die Produktion als auch Berlin-Marienfelde den Vertrieb von Elektro-Fahrzeugen ein.
Dieser Artikel wurde von Uwe Heintzer geschrieben. In diesem Blog schreiben Daimler-Mitarbeiter und einige wenige Gastautoren. Unsere Autoren kommen aus den unterschiedlichsten Bereichen des Konzerns und schreiben über eigene Eindrücke, Geschichten und ihre persönliche Meinung und geben so Einblicke in den Konzern. Warum wir das machen, finden Sie auf unserer Seite über das Blog.
1. Peter Schloetzer
Kommentar vom 05. November 2008 um 11:59
Hallo Herr Heintzer,
klasse Beitrag, super interessant. Ergänzend zum Thema “Elektro-Omnibusse” in Ihrem letzten Abschnitt von mir noch der Hinweis darauf, das wir (die Daimler AG) seit Jahren der weltweit führende Omnibushersteller bei Hybridbussen sind. Letztes Jahr haben wir mit weltweit über 39.100 verkauften Komplettbussen und Fahrgestellen der Marken Mercedes-Benz, Setra und Orion unsere Position als Weltmarktführer für Omnibusse größer acht Tonnen zulässigem Gesamtgewichterfolgreich ausgebaut. Dieser erneute Rekordabsatz bestätigt ebenfalls unsere führende Marktposition in allen Kernmärkten.
Das sind zwar “nur” Hybridbusse, aber wer weis…
irgendwann fahren die (hoffentlich) auch rein elektrisch.
MfG Peter Schlötzer
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2. Sabine Kunz
Kommentar vom 05. November 2008 um 13:45
Hier im Stuttgarter Großraum fährt ein Elektro-Omnibus mit Oberleitung: Linie 101, zwischen Oberesslingen und Obertürkheim.
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3. Domenico
Kommentar vom 05. November 2008 um 23:10
would be very interesting to read this blog in English.
thanks
CFO in a Mercedes Car Dealer (Italy)
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4. Wolff Horbach
Kommentar vom 09. November 2008 um 10:34
Hallo Herr Heintzer,
dass Sie diesen Beitrag aus der Sicht “Archive & Sammlung” schreiben ist ja klar. Leider geht Ihre Überschrift daneben. Es müsste eher heißen: Der Elektromotor – seit 1914 nicht mehr im Angebot. Der jetzige Titel suggeriert, dass Daimler seit 1899 Elektromotoren im Angebot hat. Und das ist definitiv falsch. Es war eben nur eine Episode vor Hundert Jahren.
In Wirklichkeit hat Ihr Unternehmen die Entwicklung von modernen, umweltfreundlichen Autos verschlafen. Viel zu lange hat man auf PS-Protze gesetzt. Und jetzt, wo der Absatz drastisch zurückgeht, rufen Daimler nach staatlicher Unterstützung. Mit anderen Worten: Der Steuerzahler soll für eine verfehlte Modellpolitik die Zeche zahlen!
Mich würde eher interessieren, wann denn Daimler (endlich) mit dem ersten Elektroauto der Neuzeit aufwartet. Mit einem richtig marktfähigen, und nicht mit den Design-Studien, die nach den Automessen gleich ins Museum gehen.
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5. Uwe Knaus (Moderator)
Kommentar vom 09. November 2008 um 13:54
@ Wolff Horbach:
Hier hat Pitt Moos über den smart ed gepostet. Er ist bereits im Einsatz und geht 2010 in Serie. Ein kleiner Schritt und ich bin mir sicher, größere werden folgen.
http://blog.daimler.de/2008/08/11/teures-oel-und-viele-schimpfen-dass-daimler-schlaeft/
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6. Peter Schloetzer
Kommentar vom 10. November 2008 um 09:31
Hallo zusammen,
spontan fällt mir ein Slogan zum smart ed ein:
Ein kleiner Schritt für Smart, ein großer Schritt für die Menschheit!
Ich bin mir auch sicher das der smart ed einschlgen wird wie ein Meteor ;-)
In diesem Sinne sind wir nicht schlecht aufgestellt.
Und noch eine Anmerkung meinerseits zum Thema: „… die Entwicklung von modernen, umweltfreundlichen Autos verschlafen…“
Durch weiterentwickelte Motoren, konsequenten Leichtbau und gute Aerodynamik verbraucht die neue Mercedes-Benz C-Klasse bis zu 17 Prozent weniger Kraftstoff als das Vorgängermodell aus dem Jahre 2000. Eine vom TÜV bestätigte Öko-Bilanz über den gesamten Lebenszyklus der neuen Limousine ergab, dass sich die Kohlendioxid-Emissionen (CO2) in der C-Klasse um 15 Prozent verringern.
Somit ist die neue C-Klasse das weltweit einzige Auto in diesem Marktsegment mit Umwelt-Zertifikat. Es bestätigt die umweltgerechte Entwicklung der Limousine. Darüber hinaus wurden auch die Angaben in der umweltbezogenen Produktbeschreibung vom TÜV geprüft.
MfG Peter Schlötzer
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7. Marius
Kommentar vom 11. November 2008 um 15:16
Wenn man das Glück hat einen smart ed jemals kaufen zu dürfen dauert es bestimmt nicht lange bis dieser mangels Nachfrage oder aufgrund von unausgereifter Akkutechnologie vom Markt verschwindet.
Die Technologie ist allerdings schon längst vorhanden (was andere Firmen und selbst hobby Bastler aus den USA schon bewiesen haben).
Einer Vermarktung als massentaugliches Auto steht die große Skepsis der Autofahrer gegenüber, welche dem E-Auto grundsätzlich ablehnend begegnen. Da muss das Marketing greifen und das E-Auto nicht als mögliche Alternative sondern als DIE Alternative bewerben.
In den letzten 50 Jahren gab es so gut wie keine Elektroautos von den großen Autoherstellern – warum ist das so?
Selbst zur vorletzten Jahrhundertwende gab es schon Elektroautos.
Laut Wikipedia hatte ein Detroit Electric damals schon eine Reichweite von 340 km – da erscheinen die 100 km des smart ed ja lächerlich (ja gut, dafür fährt man mit den ed auch 100 statt 30 km/h).
Man hat fast das Gefühl es hätte sich trotz neuer Akkutechnologien nicht viel getan.
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8. Mario Jung
Kommentar vom 11. November 2008 um 18:19
@Marius: Die 340km wurden in Tests erreicht. Wie weit wohl ein smart ed kommt, wenn er unter idealisierten Bedienungen über einen Rundkurs schleicht?
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9. Pitt Moos
Kommentar vom 12. November 2008 um 11:22
in reverence to our italian friend (and maybe others).
I am very happy that the smart ed and the ev in general capture more and more interest. We have btw. done and are still doing some research in preparation of marketing the vehicle, and I do not at all share Marius’ germanic pessimism about dwindling request in the markets. I am convinced of the contrary.
ev’s were the thing more than 100 years ago, because internal combustion engine cars were very unreliable then and had weak infrastructure. Both changed rapidly and Cadillac invented the electric starter motor and that was the end of ev’s then. In those days, nobody gave a hoot about weight, safety or emissions to name but a few, To do an ev today is by far trickier. Which is why historic comparisons may be misleading.
Mario is right. Laboratory conditions are diferent than real life plus some publish figures for performance and autonomy that should say OR and not AND. Ex: Mitsubishi claims 130 km/h and 160 km for the iMiev.
But to reach the 160 km, you need to pass into an eco-mode which reduces power to 18 kW, which is sufficient for normal city driving but not for a top speed of 130.
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10. Ralf Rieger
Kommentar vom 21. November 2008 um 19:24
Die Batterietechnologie war offensichtlich nicht wirtschaftlich genug. Sonst hätte Daimler mit der Erfahrung und Innovationsbereitschaft so eine Technologie auf den Markt gebracht. Akkus haben den Ruf teuer und schwer zu sein.
Kann es interessant sein, auf Oberleitungstechnologien in Ballungszentren zu setzen, so dass man mit kleineren Batterien auskommt? Dann fndet beim Fahren ein Laden zumindest temporär statt. Bei Bussen funktioniert das schon sehr lange. Bei PKW wäre das vielleicht anspruchsvoll bezüglich der Technologie zur Stromabnahme. Hat das bei Daimler schon jemand mal evaluiert?
Interessant auch was es so in Kalifornien gibt:
http://www.ftd.de/politik/international/:Netz-von-Ladestationen-Kalifornien-f%F6rdert-Elektroautos/441940.html
Technisch nichts Neues. Sogar das Prinzip des Wechselns einer Batterie wurde schon vor langer Zeit bei Pferdewechselstationen praktiziert.
http://de.wikipedia.org/wiki/Poststation
Da scheinen auch Investoren betiligt zu sein , die u.a. so ein Modell Namen Tesla pushen wollen. Den Typ muss man aber auch mit dem Mikroskop suchen. Interessant ist das Vorgehen in Kalifornien eigentlich nur wegen des Business Development …
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11. Matthias Hammler
Kommentar vom 16. Juli 2009 um 13:47
Leider versäumen wir (DAI) uns in der Öffentlichkeit als innovativ zu präsentieren. Am 15.7. hat RWE zusammen mit SIXT, ADAC, Ruf-Porsche, Tesla, e-bikeboard und einem E-Motoradhersteller eine große Präsentation am Potsdamer Platz in Berlin genau gegenüber der MBVD Zentrale zu der e-mobility gestartet. Außer dem ausgestellten ed-smart war von Mercedes nichts zu sehen. Schade – hier hätten einige Vertreter unseres Hauses den kommenden Pilottest in Berlin wirksam vertreten müssen!
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12. Roger
Kommentar vom 26. Juli 2009 um 00:34
Mal sehen wann der SLS eDrive mit Elektroantrieb auf den Markt kommt, da dürften viele drauf gespannt sein. Die Planung soll ja bereits laufen wie die Medien berichten.
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