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11.2008

Streifzüge durch das Archiv: Der erste Werbeleiter von Benz & Cie.

Auf meinen Streifzügen durch das Daimler Konzernarchiv begegnen mir immer wieder viele faszinierende Themen und Ereignisse, aber auch kleine Geschichten, die es zu vermerken lohnt.

Es ist besonders schwierig, organisatorische und personelle Hintergründe zur Werbegeschichte nachzuvollziehen, wenn keiner der ehemals Werbeverantwortlichen mehr für ein Interview zur Verfügung steht und die Informationen aus vielen kleinen Primär- und Sekundärquellen zusammengepuzzelt werden müssen.

Umso mehr war ich kürzlich überrascht, in dem 1937 veröffentlichten Buch „Ich baute Autos“ von Dr. August Horch einen nützlichen Hinweis zu bekommen.

Im Vorwort wurde ein gewisser Andreas Josef Keil gebührend als, „[…] Manne, der stets bestrebt war, dem deutschen Kraftwagen die gebührende Geltung zu verschaffen […]“ herausgestellt.

Karl Benz gegenüber Werbung und Reklame misstrauisch

Nichts Besonderes möchte man meinen wenn man nicht weiß, dass Andreas Josef Keil seit 1898 als Reklamechef bei Benz & Cie. agierte und auch für August Horch, der von 1896 bis 1899 Betriebsleiter der Wagenbauabteilung bei Benz war, Dienste in Wort und Schrift übernahm. Groteskerweise stand Karl Benz Reklame und Werbung sehr misstrauisch gegenüber. Wagen müssen für sich selbst sprechen, so Benz, um Menschen und Märkte zu erobern. „Wissen Sie“, sagte Benz einmal wörtlich zu Horch, „der Keil ist ein ganz brauchbarer Mann, aber ich sage Ihne, er wär noch brauchbarer, wenn er nicht so viel schreibe tät.“

Diesen kleinen Streifzugbeitrag möchte ich einem unserer Firmengründer widmen, der heute am 25. November seinen 164. Geburtstag gefeiert hätte: Karl Benz. Meinen herzlichsten Glückwunsch!

Horch, August (1937): Ich baute Autos. Vom Schlosserlehrling zum Autoindustriellen. Berlin: Schützen-Verlag.
Siebertz, Paul, 1943: Karl Benz. Ein Pionier der Verkehrsmotorisierung, München. Berlin: Lehmann.

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Dieser Artikel wurde von Verena Mühr geschrieben. In diesem Blog schreiben Daimler-Mitarbeiter und einige wenige Gastautoren. Unsere Autoren kommen aus den unterschiedlichsten Bereichen des Konzerns und schreiben über eigene Eindrücke, Geschichten und ihre persönliche Meinung und geben so Einblicke in den Konzern. Warum wir das machen, finden Sie auf unserer Seite über das Blog.

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Was sagen Sie zu diesem Thema? Derzeit 7 Kommentare. Diskutieren Sie mit!

  1. 1. Ralf

    Kommentar vom 25. November 2008 um 12:48

    Hallo Verena,
    fürs Archiv einige Photos aus einer portugiesischen Illustrierten des Jahres 1914.
    Automobilausstellung in Porto zeigt Sportwagen Mercedes 8/18.
    (link via meinname/homepage)
    Dokumente zum Export nach Portugal vielmals willkommen !
    Grüße
    Ralf

    Antwort

  2. 2. Olaf

    Kommentar vom 30. November 2008 um 21:26

  3. 3. Michael

    Kommentar vom 06. Dezember 2008 um 13:15

    Hallo Verena,
    finde es schön das hier auch jemand über den Benz schreibt. Denn viele vergessen das Benz der Erfinder des Autos war und nicht der Daimler
    Liebe Grüße von einem Benzler

    Antwort

  4. 4. Verena Mühr

    Kommentar vom 08. Dezember 2008 um 09:55

    Hallo Michael,

    vielen Dank für deinen Kommentar :-)

    Ich finde es wichtig, dass man unsere beiden Firmengründer sowohl in ihren gemeinsamen Erfolgen als auch in ihrer Einzelleistung betrachtet und dass – wenn Interesse an der Thematik besteht – man sich auch einmal die Zeit nimmt, die Persönlichkeiten der beiden Automobilpioniere kennen zu lernen: Gottlieb Daimler in seinem Streben, auf dem Land, im Wasser und in der Luft zu motorisieren und Karl Benz als Treiber dessen, was heute als Automobil verstanden wird.

    Einen sonnigen Tag,
    Verena Mühr

    Antwort

  5. 5. Carsten Möhle

    Kommentar vom 11. Dezember 2008 um 01:30

    Sehr geehrte Frau Mühr,

    da Sie im MB Archiv arbeiten und auf dieser Website keinerlei Kontaktadressen stehen:

    Gibt es noch den Werbeprospekt für das Fahrzeug von Paul Graetz, mit dem er Afrika von 1907-1909 durchquerte?

    Mit sonnigen Grüßen aus Windhoek
    Carsten Möhle

    Antwort

  6. 6. Verena Mühr

    Kommentar vom 11. Dezember 2008 um 16:00

    Oberleutnant Paul Graetz gelang die erste motorisierte Durchquerung Afrikas mit einem Automobil der Vorläuferfirma der Benz-Werke Gaggenau (ab 1911). Der Spezialwagen wurde von der „Süddeutschen Automobilfabrik GmbH Gaggenau“ (SAG) auf den Wunsch Paul Graetz’ hin gebaut, diesen als Lasten- und Transportmittel in Afrika erproben zu wollen, um dort neue Verkaufsmöglichkeiten zu erschließen. Zwischen Benz und SAF bestand bereits ab 1907 eine Interessengemeinschaft.

    Da der Wagen ein Gaggenauer Spezialkraftfahrzeug war, gab es hierzu leider keine Prospekte. Quellen des Daimler-Archivs beschreiben den Wagen allerdings sehr anschaulich:

    Es handelte sich um einen Kraftwagen mit Omnibuschassis und einem 35-PS Vierzylindermotor. Der vordere Benzinkessel fasste 145 Liter, jener unter den Hintersitzen 250 Liter. Auf letzterem ruhte ein Blechkoffer, der das gesamte Reisegepäck beherbergen konnte. Die Trommeln in den Hohlräumen der vier Reservereifen am hinteren Teil des Wagens wurden mit Proviant gefüllt. Durch das Zurückklappen der Rücklehnen der Vordersitze konnten sich Fahrer und Beifahrer kleine Nachtlager herstellen, die durch ein im Inneren des Wagens angebrachtes Moskitonetz abgeschlossen werden konnten.

    Es existieren übrigens Werbeanzeigen von 1908, die sich auf die Afrikadurchquerung beziehen und den gelungenen Einsatz des SAG-Wagens thematisieren.

    Eine schöne Adventszeit!
    Verena Mühr

    Antwort

  7. 7. Walter Hedderich

    Kommentar vom 15. Dezember 2008 um 12:51

    Sehr geehrte Frau Mühr,

    aus dem gleichen Grund wie mein Vor-Schreiber möchte ich eine Frage stellen.

    Im Internet kann man finden, daß die “Daimler Motoren Gesellschaft” 1911 an die Börse Mannheim (?) oder Stuttgart gegangen ist, heute würde man dazu wohl IPO sagen. Können Sie das genaue Datum (Tag) herausfinden? Vielleicht findet sich dieses in dem Werk von Harry Niemann: Die Daimler Motorengesellschaft. 1890-1926. Delius Klasing, Bielefeld 2002, ISBN 3-768-81242-1, was aber nicht im Handel oder in Bibliotheken erhältlich ist.

    Für die Mühe Dank im Voraus,
    Walter Hedderich

    Antwort

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