In den vergangenen Tagen haben sich Werkleitung und Betriebsrat an mehreren Standorten geeinigt, dass es Anfang nächsten Jahres Kurzarbeit geben wird. Dabei sind die Regelungen ganz unterschiedlich und es sind auch nicht alle Beschäftigten eines Standortes gleichermaßen betroffen. Das Wort „Kurzarbeit“ ist derzeit in aller Munde. Auch den Begriff der “Arbeitszeitverkürzung” hört man immer wieder.
In meinem Bereich (Arbeits- und Sozialrecht) bekomme ich momentan mit, dass das ganze Thema sehr aufwändig und kompliziert ist. Es wird viel gerechnet, verhandelt, Anträge müssen gestellt werden etc. Glücklicherweise macht man solche Berechnungen ja auch nicht so oft. Kurzarbeit gab es das letzte Mal im Jahr 1993.
Was ich auch merke und was ich sehr gut finde, ist, dass allen Beteiligten -Unternehmensleitung, Werkleitung und Betriebsrat- wirklich an einer guten Lösung gelegen ist, die der Situation gerecht wird. Und in der stecken wir nun eben alle gemeinsam drin, weshalb wir an einem Strang ziehen sollten. Ich habe den Eindruck, dass dieses “Zusammenrücken” in schwierigen Zeiten unserem Daimler und uns Mitarbeitern gut tut.
Was bedeutet Kurzarbeit eigentlich für die Betroffenen?
Nach Ende der Weihnachtsferien wird die Arbeitszeit in vielen Bereichen deutlich abgesenkt. Das ist eine Reaktion auf die gesunkene Nachfrage. Professor Kreßel hatte vor einiger Zeit hier die unterschiedlichen Instrumente und Stufen erklärt, wie wir mit unserer Produktion auf die aktuelle Situation reagieren können und müssen.
Durch die verlängerte Weihnachtsruhe passen wir uns bereits der geänderten Nachfragesituation an. Dazu werden vor allem Resturlaub und Zeitkonten genutzt. Doch der Spielraum der Zeitkonten ist danach an einigen Standorten ausgeschöpft.
Eine sogenannte Arbeitszeitverkürzung (das ist ein anderes Instrument als Kurzarbeit und wird oft durcheinander gebracht, weil es ähnlich klingt) ist die eine Möglichkeit. Doch lässt der gültige Tarifvertrag, in dem diese Arbeitszeitverkürzung geregelt ist, eine maximale Absenkung auf 30 Wochenstunden zu. Leider müssen wir an manchen Standorten noch weiter zurückfahren. Daher haben sich Betriebsrat und Werkleitung an diesen Standorten gemeinsam auf die nächste Stufe -die Kurzarbeit- geeinigt.
So werden die Kolleginnen und Kollegen an diesen Standorten während eines bestimmten Zeitraums im ersten Quartal 2009 nur an vier bzw. drei Tagen in der Woche arbeiten. Auch weitere Blockpausen sind geplant.
Finanzielle Absicherung
Finanziell abgesichert sind sie trotzdem: Zu dem abgesenkten Monatsentgelt erhalten die Betroffenen Kurzarbeitergeld von der Bundesagentur für Arbeit und gegebenenfalls einen Zuschuss zu diesem Kurzarbeitergeld von Daimler.
Überblick über die Vereinbarungen an den einzelnen Standorten:
In den Nutzfahrzeugwerken sieht es anders aus
Hier kommt im ersten Halbjahr 2009 keine Kurzarbeit in Betracht, da die Zeitkonten noch genügend “Luft” haben. Werkleitung und Betriebsrat haben über den Zeitraum bis Ostern gesprochen. Dabei wurde für die Monate Februar und März eine Vier-Tage-Woche vereinbart. Betriebsferien gibt es an Fasching und Ostern. Diese Arbeitszeitverkürzung (4-Tage-Woche und Betriebsferien) wird aber über die flexiblen Arbeitszeitkonten und über Urlaub abgedeckt, also ohne Kurzarbeit.
In den Aggregate-Werken Gaggenau, Mannheim und Kassel laufen die Gespräche noch.
Das Beispiel der Nutzfahrzeugwerke zeigt, dass es nicht an allen Standorten Kurzarbeit gibt. Vielerorts reichen die Zeitguthaben aus, um den Produktionsrückgang aufzufangen. An allen übrigen Standorten laufen die Gespräche noch. Gegenstand sind -wie gesagt- die Instrumente
Es wird also stets geprüft, an welchem Standort welches Instrument angewendet werden kann, um gemeinsam mit dem Betriebsrat die beste Lösung für jeden Standort zu finden.
Zentrale
So wollen auch wir in der Zentrale solidarisch sein. Wer will, kann seine Weihnachtsruhe verlängern. Der letzte Arbeitstag ist bei vielen der 19. Dezember, erster Arbeitstag ist dann wieder der 12. Januar 2009.
Deshalb bin auch ich dann mal weg, allerdings schon ab sofort, das war meine letzte Aktion in diesem Jahr. Meinem Überstunden- und Alturlaub-Konto tut es gut. Ich bin ab dem 12. Januar wieder am Platz und wünsche allen ein frohes Fest und einen gelungenen Jahreswechsel!
Dieser Artikel wurde von Marina Krets geschrieben. In diesem Blog schreiben Daimler-Mitarbeiter und einige wenige Gastautoren. Unsere Autoren kommen aus den unterschiedlichsten Bereichen des Konzerns und schreiben über eigene Eindrücke, Geschichten und ihre persönliche Meinung und geben so Einblicke in den Konzern. Warum wir das machen, finden Sie auf unserer Seite über das Blog.
1. Frank Hamm
Kommentar vom 12. Dezember 2008 um 16:41
Sollte ich Zeitungen für detaillierte Infomrationen über die Situation für Daimler-Beschäftigte lesen? Nein!
Schließlich bekomme ich hier einen viel besseren Überblick und erfahre auch mehr, als ich von den klassischen Medien bekomme.
P.S. Nachträglich (zum 12. Januar) schöne Feiertage und eine schöne Zeit :-)
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2. mk_michael
Kommentar vom 12. Dezember 2008 um 19:34
Nunja, das wird im Januar sicher einige Unternehmen aus der Branche treffen. Habe gelesen dann die US Hilfen für automotive just zurückgewiesen wurden – mal schauen wo das ganze hinführt.
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3. Thomas
Kommentar vom 14. Dezember 2008 um 13:37
Interessant, dass das zweitgrößte Pkw-Werk gar nicht erwähnt wird.
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4. mikel
Kommentar vom 14. Dezember 2008 um 22:18
@Frank Hamm
Es kommentieren hier sehr viele Benzler…oder?
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5. Udo Bangert
Kommentar vom 15. Dezember 2008 um 13:01
@Thomas
Bremen arbeitet sicher auch an einer Vereinbarung.
Solidarität findet man als Gewerkschafter und Betriebsrat natürlich gut. Trotzdem müssen dann auch die Rahmenbedingungen stimmen. Sprich man kann Projekte nicht einfach mit Meilensteinen/Terminen weiterlaufen lassen aber die Kapa runterfahren. Da wird man um Verlängerung von Projekten oder gar Streichungen womöglich nicht umhin kommen.
Die Krise bietet die Chance (noch) besser zusammenzuarbeiten und sich neu auszurichten.
Wir konzentrieren uns zum Teil noch zu sehr aufs
Auto und zu wenig auf das Thema “Ganzheitliche
Mobilität”. Die meisten Menschen wollen Mobilität,
was oft Auto heißt aber nicht immer.
Sollte bei den Mitarbeitern Angst aufkommen, kann auch das Gegenteil geschehen, nämlich das man sich abschottet, das wäre fatal.
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6. Mr. Mercedes
Kommentar vom 16. Dezember 2008 um 12:30
Bremen hat eine Vereinbarung!
Ab 19. Januar bis 30. April machen wir eine 4-Tage-Woche: montags 7:45 h, dienstags bis donnerstags 7:00 h, freitags frei, macht 28:45 h pro Woche.
Was die “Krise” angeht, die ist meiner Meinung nach nicht sooo schlimm, wie es in den Medien dargestellt wird.
Unsere Absatzzahlen der letzten Jahre:
1997: 715.055 Fahrzeuge;
1998: 922.795 Fahrzeuge;
1999: 1.080.267 Fahrzeuge;
2000: 1.151.861 Fahrzeuge;
2001: 1.229.668 Fahrzeuge;
2002: 1.232.334 Fahrzeuge;
2003: 1.216.938 Fahrzeuge;
2004: 1.226.773 Fahrzeuge;
2005: 1.216.838 Fahrzeuge;
2006: 1.251.797 Fahrzeuge;
2007: 1.293.184 Fahrzeuge;
2008: 1.151.200 Fahrzeuge von Januar bis November!!!
Und da redet ihr von “Krise”?????
1993 hatten wir schon mal Kurzarbeit. Danach durften wir ohne Ende Sonderschichten schieben ….
Frohes Fest und Guten Rutsch!
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7. Dennis Reimer
Kommentar vom 18. Januar 2009 um 20:32
Ich lese hier das es im Bereich Transporter, schon eine Regelung geben würde nur leider ist meinen Kollegen und mir eine solche bis jetzt noch nicht bekannt.
Wie sicher ist die Aussage das für die Monate Februar und März eine Vier-Tage-Woche vereinbart wurde und das es über Fasching und Ostern für die Monate Februar und März eine Vier-Tage-Woche vereinbart. Betriebsferien gibt es an Fasching und Ostern. Diese Arbeitszeitverkürzung (4-Tage-Woche und Betriebsferien) wird aber über die flexiblen Arbeitszeitkonten und über Urlaub abgedeckt, also ohne Kurzarbeit..
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