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12.2008

Weniger Arbeit = mehr Familie

Marina Krets hat es ja hier bereits objektiv und vor allem sehr verständlich geschildert. Aber wie sieht es für mich, als von allen Punkten Betroffenen aus?

• Welche Auswirkung hat der Produktionsstopp auf mein Arbeitszeitkonto?
• Wie läuft das mit den Abfindungen ab?
• Und wie es im Jahr 2009 weiter geht?

Unsere Arbeitszeitkonten sind zur Flexibilisierung der Arbeit da. Es lassen sich Stunden aufbauen, was im Allgemeinen der Fall ist. Oder um so wie jetzt den Produktionsstopp abzufangen. Ich baue pro Tag 40min “Überzeit” auf. Das liegt daran, dass wir eine 35Stunden-Woche haben, allerdings von 22:25 bis 6:05 arbeiten, was 7:40h entspricht.

Und da wir in der Nachtschicht auch die Pausen voll bezahlt bekommen, entstehen diese 40min täglich. Aktuell habe ich ein Guthaben von ca. 30h auf meinem Arbeitszeitkonto, wenn ich am 11. Januar wieder ins Werk gehe wird sich das auf 73h reduziert haben. Minus selbstverständlich!

Dafür werde ich 110 Arbeitstage benötigen um mein Arbeitszeitkonto wieder auszugleichen. Wenn nichts dazwischen kommt.

Jetzt hört sich das erst mal schlimm an, allerdings darf man eins nicht vergessen: Ich habe 4 Wochen Winterurlaub ohne einen Tag meines Jahresurlaubs dafür opfern zu müssen und bekomme weiterhin mein Geld. Ich kann also recht gut damit leben, habe ich doch eh in den letzten Jahren immer mindestens die gleiche Zeit über Weihnachten zuhause verbracht. So mies, wie man überall lesen konnte, ist die Stimmung nicht gewesen in den letzten Tagen. Die meisten freuen sich, so wie ich, auf diese 4 Wochen!

Auch das Thema Abfindung betrifft mich nun direkter als angenommen. So verlässt meine Frau nach 15 Jahren den Konzern und kümmert sich um unsere kleine Tochter. Dieser Abgang wird uns durch eine stattliche Summe versüßt und hat es uns nicht schwer gemacht diesen Schritt zur klassischen Familie zu gehen!

Und wie geht es dann im nächsten Jahr weiter?
Kurzarbeit! Für 7 Wochen, bis Ende Februar! 3 Tage-Woche. Sonntags abends anfangen, Mittwochs morgen Wochenende! Und das bei rund 90% Netto-Lohn. Das sind die Fakten, das kann man überall nachlesen.
Aber wie ist die Stimmung? Gemischt. Weil wirklich klar darüber, welche Auswirkung das auf den Geldbeutel hat, ist sich niemand. Klar, 2 Tage “frei” die Woche hört sich nicht schlecht an, aber als Daimler-Mitarbeiter Geld vom Arbeitsamt zu beziehen erzeugt ein Ziehen in der Magengrube. Und auch vom Schlafrhythmus mache ich mir etwas Sorgen. 5-Tage Woche mit Wochenende ist eingespielt. Aber 3 Tage Nacht und dann wieder 4 Tage frei, das dürfte anstrengend werden.

Und nach diesen 7 Wochen Kurzarbeit bin ich erst mal außen vor, da ich mich dann in den 2. Block meiner Elternzeit verabschiede und wir 3 Monate eine Vollzeitfamilie sein werden.

Und wer sich dafür interessiert, was ich in den nächsten Wochen so mache, kann gerne meinem Livestream bei Twitter.com folgen.

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Dieser Artikel wurde von Mario Jung geschrieben. In diesem Blog schreiben Daimler-Mitarbeiter und einige wenige Gastautoren. Unsere Autoren kommen aus den unterschiedlichsten Bereichen des Konzerns und schreiben über eigene Eindrücke, Geschichten und ihre persönliche Meinung und geben so Einblicke in den Konzern. Warum wir das machen, finden Sie auf unserer Seite über das Blog.

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Was sagen Sie zu diesem Thema? Derzeit 10 Kommentare Diskutieren Sie mit!

  1. 1. Valentin

    Kommentar vom 16. Dezember 2008 um 10:23

    Muss Dir ehrlich gestehen, dass ich Dich fast um diese Arbeitszeiten beneide… :-)

    Natürlich hat das ganze einen komischen Beigeschmack wg. dem Arbeitsamt, aber 4 Tage Wochende und das über einen längeren Zeitraum würde ich auch mal gerne ausprobieren… :-)

    Wichtig ist in dieser Zeit, dass man sich irgendwas vornimmt, irgendein Projekt, eine Reise o.ä.

    Sonst sind diese Wochen rum und man hat die Zeit einfach totgeschlagen…

    Antwort

  2. 2. Franz Fischer

    Kommentar vom 16. Dezember 2008 um 10:34

    Wie bitte??? “stattliche Summe” Abfindung.
    Was soll das schönreden. Wenn ich nach 22 Jahren Daimler Bandarbeit mit 120000 Euro Brutto auf die Straße stehen soll. Für mich sind das Almosen die ich nicht akzeptieren kann.
    Ich bin Alleinverdiener der noch Frau und Kinder zu ernähren hat.

    Antwort

  3. 3. Mario Jung

    Kommentar vom 16. Dezember 2008 um 10:52

    @Franz: Andere Vorzeichen, andere Einschätzungen. Für uns ist es eine stattliche Summe, da wir eh seit der Geburt unserer Tochter darüber nachgedacht haben, wie wir es realisieren können, dass meine Frau länger pausiert oder ganz ausscheidet. Da kam dieses Angebot mehr als recht.

    @Valentin: Wie gesagt, als richtig schlimm empfinde ich den Zustand nicht, vor allem in Bezug auf die gewonnene Zeit für die Familie…

    Antwort

  4. 4. Petra-Tina Balatinac

    Kommentar vom 16. Dezember 2008 um 11:36

    Hallo Mario,

    das klingt doch soweit alles recht gut für dich und deine Familie :o)

    Wünsch euch auf jeden Fall ein schönes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

    Grüßle,

    Tina

    Antwort

  5. 5. Wolfgang

    Kommentar vom 17. Dezember 2008 um 13:50

    Sicher ist es schön vier Wochen Winterurlaub zu haben, aber ich würde die angesammelten Überstunden lieber bei schönerem Wetter nehmen. Und ob Dir es wirklich nichts ausmacht mit Minusstunden wieder bei einer drei Tage Woche anzufangen wird sich noch zeigen. Gönnen tu ich es Dir´.
    Bin aber der Meinung, daß Du Dir die jetzige Situation schön redest. Ich bin froh das ich weiterhin überwiegend eine fünf Tage Woche habe. Dir und Deiner Familie trotz allen ein schönes Weihnachtsfest, sowie ein gesundes Jahr 2009.

    Antwort

  6. 6. Mario Jung

    Kommentar vom 17. Dezember 2008 um 15:07

    Hi Wolfgang,
    nö, das hat wirklich nichts mit schön reden zu tun. Zum einen kann ich mich an kein Jahr erinnern, an dem ich weniger als 4 Wochen über Weihnachten zuhause war; schönes Wetter ist subjektiv. Mich stören die 3 Wochen Betriebsruhe im August wesentlich mehr, als die Zeit jetzt!

    Zum anderen sind Minusstunden nun mal nichts anderes als ein zinsloser Kredit der Firma: Ich bekomme Geld für Leistungen, die ich erst in den nächsten Monaten häppchenweise zu erbringen habe.

    Vielen Dank für die Weihnachtswünsche, die ich Dir und all den anderen Leser auch schicken möchte: Ruhige, erholsame Weihnachtstage und einen guten Start in einer hoffentlich unturbulenteres Jahr als vorhergesehen.

    Antwort

  7. 7. Jens Dörr

    Kommentar vom 17. Dezember 2008 um 18:07

    Servus Mario,

    immer wieder ein Vergnügen, Dich im Daimler-Blog zu lesen. Du lässt Dir nicht den Mund verbieten und redest – besser: schreibst – Tacheles. Dinge, die wirklich zählen und die interessant sind. Und gut, dass nichts davon zensiert wird! Das würdest Du Dir aber auch nicht bieten lassen, wie ich Dich einschätze. Bin mal gespannt, wann ARD und ZDF auf Dich zukommen, wenn mal wieder ein Beitrag über die Kurzarbeit bei Daimler produziert werden soll. Wie zuletzt bei einer Umfrage vor dem Museum in Untertürkheim im TV zu sehen war, möchten sich dazu viele ja nicht in der Öffentlichkeit äußern. Is ja auch okay, aber wo liegt eigentlich das Problem in der Art der offenen Kommunikation, wie Du sie im Blog pflegst? Da sehe ich keins – vielmehr einen Gewinn! Ein guter Journalist trägt das, was Du hier schreibst, früher oder später ohnehin zusammen.

    Walk/Run on!

    Antwort

  8. 8. Frank Walter

    Kommentar vom 18. Dezember 2008 um 10:08

    Hallo zusammen , bin das erste mal hier auf dieser Seite. Bin bei einer externen Firma beschäftigt und finde Eure Themen sehr interessant und sachlich geführt. Vor allen Dingen Mario Jung lässt sich hier anscheinend nicht verbiegen. Weiter so , frohe Weihnacht und ein gutes neues Jahr 2009.
    Frank Walter

    Antwort

  9. 9. Myri

    Kommentar vom 13. Januar 2009 um 09:48

    Hi Mario ich brauche Deine Hilfe zum Thema Nachtschicht bei Daimler. Bitte nimm mit mir Kontakt auf über http://www.stern-freund.de Gästebuch (Myri)

    Antwort

  10. 10. Potenziale digitaler Kommunikation - Maksim Mur’ye

    Pingback vom 01. Februar 2009 um 22:52

    [...] den Artikel im Daimler-Blog beschäftigen sich die Mitarbeiter mit solchen Fragen wie: • Welche Auswirkung hat der [...]

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