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03.2009

Gottlieb Daimler (I): Das Leben eines großen Schwaben

Wir alle arbeiten in einer Firma, die nun den Namen eines Erfinders des Automobil – der andere war bekanntlich Karl Benz – trägt. Doch fragt man die Kollegen gezielt nach der Person Gottlieb Daimlers, nach seinem Leben, das voller Höhen und Tiefen war, so sind die Antworten häufig nur nebulös, oder schlicht falsch. Ich nehme nun den 17. März – den 175. Geburtstag Daimlers – zum Anlass, in dieser Woche seinen Lebensweg in Kurzform auf dem Daimler-Blog zu beschreiben. Als Einer, der seine ganzen „Daimler-Jahre“ im historischen Bereich verbracht hat, liegt es mir am Herzen, das Wissen über diesen großen Mann weiter zu tragen.

I. Die frühen Jahre – vom Büchsenmacher zum Krisenmanager

Gottlieb DaimlerDas Leben des genialen Visionärs, Erfinders und Konstrukteurs Gottlieb Wilhelm Daimler, beginnt am 17. März 1834 in Schorndorf, einem Städtchen, das um 1840 knapp 4000 Einwohner zählt. Dennoch gehört Schorndorf damals nach Stuttgart, Tübingen und Urach zu den bedeutendsten Städten im Königreich Württemberg.

Die Eltern Gottliebs, die eine Bäckerei und ein Gasthaus betreiben, ermöglichen ihm eine fundierte Ausbildung. So kann Gottlieb nach dem Besuch der Elementarschule auch die beiden Klassen der berühmten Schorndorfer Lateinschule absolvieren. Neben der Lateinschule besucht Gottlieb die 1821 in Schorndorf gegründete Zeichenschule, in der sich seine exzellente zeichnerische Begabung entfaltet. Nach dieser Ausbildung soll der junge Gottlieb ein Handwerk erlernen.

1848 wird der Büchsenmacher J. Chr. Wilke sein Lehrherr. Das Gesellenstück Gottlieb Daimlers von 1852 ist eine doppelläufige, an Beschlägen und Knauf fein ziselierte Pistole. An eine handwerkliche Zukunft des frisch gebackenen Büchsenmacher-Gesellen in Schorndorf ist jedoch nicht zu denken. Das beginnende Maschinenzeitalter, die industrielle Revolution, großartige Erfindungen wie Dampfmaschine, Gasmotoren und Eisenbahn locken den 18-jährigen, erschließen ihm ein weites, erfolgversprechendes Feld, das seinen Neigungen sehr entgegen kommt. Der junge Mann besucht folgerichtig die Königliche Landesgewerbeschule in Stuttgart zur weiteren Ausbildung. So wird Ferdinand Steinbeis, der große Förderer der württembergischen Industrie, auf den vielfältig Interessierten aufmerksam und schickt ihn, ausgestattet mit einem Reise- und Ausbildungszuschuss der Regierung, in eine Maschinenfabrik in Grafenstaden bei Straßburg im Elsaß, die vor allem Eisenbahnbedarf herstellte.

Daimlers MeisterstückAm 20. Januar 1853 beginnt Daimlers Karriere mit der Sammlung praktischer Erfahrungen als Industriearbeiter. Als in Grafenstaden der Lokomotivbau aufgenommen wird, verlässt Daimler das Werk, um sich an der Polytechnischen Schule in Stuttgart auf die neue Herausforderung vorzubereiten. Physik und Chemie, Maschinenbau, Geschichte, Volkswirtschaft und Englisch stehen auf dem Stundenplan. 1859 kehrt er nach Grafenstaden zurück, aber er kann sich für den Lokomotivbau nicht mehr so recht erwärmen. Im Sommer 1860 verlässt Daimler Grafenstaden und fährt nach Paris, wo er einige Monate arbeitet. Ein weiteres Stipendium von Ferdinand Steinbeis erlaubt es ihm nach England, dem Ziel aller Technikbegeisterten und Wissbegierigen jener Zeit, zu fahren. In Leeds, Manchester und Coventry findet Daimler Arbeit und studiert hier auch Maschinenfabrikation, Gewindeherstellung und Schiffbau.

Danach kehrt er in seine Heimat zurück und wirkt fast bis zum Ende des Jahres 1863 in Geislingen in der dortigen Metallwarenfabrik „Straub und Schweizer“, die später zu der Firma WMF werden sollte. Steinbeis unterstützt ihn auch nach seiner Rückkehr in die Heimat. Auf seine Veranlassung und der von Emil Kessler, des Gründers der Karlsruher Maschinenfabrik, erhält Daimler im Dezember 1863 eine Anstellung beim „Bruderhaus Reutlingen“.

Bruderhaus Reutlingen

Die von dem sozial engagierten Gustav Albert Werner gegründete Unternehmung beschäftigt vor allem Vollwaisen, Verarmte und Behinderte in einer Papierfabrik, einer Holzbearbeitungsanstalt und einer Maschinenfabrik. Letztere ist bei Daimlers Eintritt in finanziellen Schwierigkeiten. Daimler wird mit der Sanierung beauftragt, die ihm auch gelingt. In den fünf Jahren seiner Reutlinger Tätigkeit findet Gottlieb Daimler zwei Menschen, welche in seinem weiteren Leben zentrale Rollen spielen sollten.

Zum einen trifft er Emma Pauline Kurz aus Maulbronn. Er heiratet sie 1867. Zum anderen ist es der 1846 geborene Wilhelm Maybach, der als Vollwaise im Bruderhaus Zuflucht fand. Maybach fällt ihm wegen seines hohen technischen Verständnisses, seiner hervorragenden Leistungen und seines Erfindungsreichtums auf. Als Daimler 1868 zur Maschinenfabrik Karlsruhe als Vorstand der Werkstätten wechselt, die vor allem Eisenbahnmaterial herstellen, nimmt er Maybach mit. Die Beiden bleiben von nun an bis zu Daimlers Tod im Jahre 1900 beruflich und privat unzertrennlich. Das Organisationstalent Daimlers bringt die Maschinenfabrik Karlsruhe sicher durch die unruhigen Zeiten des Krieges mit Frankreich von 1870/71.

Fortsetzung folgt.

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Was sagen Sie zu diesem Thema? Derzeit 6 Kommentare. Diskutieren Sie mit!

  1. 1. Gerald Starke

    Kommentar vom 17. März 2009 um 10:32

    Mehr zu Gottlieb Daimler gibt es auch im Daimler VideoCast (www.daimler.com/videocast_de/) unter Geschichte oder hier: http://tinyurl.com/c6fqc3

    Gerald Starke

    Antwort

    Antwort von Lisa am 25. Dezember 2012 um 11:59:

    Vielen Dank für den tollen Link. Gottlieb Wilhelm Daimler ist schon eine interessante Person.

    Antwort

  2. 2. starcooks

    Kommentar vom 02. Februar 2011 um 15:10

    Sehr interessanter Artikel. Ich wusste gar nicht, das Herr Daimler auch mal bei der Vorgängerfirma WMF gearbeitet hat. Man lernt doch einfach nie aus.

    Leider geht der videocast nicht mehr

    Viele Grüße

    Peter

    Antwort

  3. 3. hahn

    Kommentar vom 03. Februar 2011 um 10:29

    Sehr interessanten Lebenslauf hat Herr Daimler.
    Für mich wäre das ein Traum.
    Zu der damligen Zeit war, auch finanziell, bestimmt nicht leicht gewesen einfach in die Welt zu ziehen um sein Horizont zu erweitern?
    Das ist Pioniergeist pur!
    Ich hoffe, dass ich meine Kinder auch so ein interessanten Lebenslauf ermöglichen kann.
    Sie sollen in die Welt hinaus um andere Kulturen und Völker kennenzulernen. Die Welt wächst zusammen man kann sich nicht mehr nur innerhalb der eigenen Gartenzaun verwirklichen.
    Wir als Exportnation brauchen die ganze Welt um unser Produkt abzusetzen.
    Wir sehen dass der Binnenmarkt gesättig ist.
    Sehr grossen Respekt und Hochachtung habe ich auch vor Herrn Gustav Albert Werner für sein selbstloses und soziales Engagement für die schwachen und hilfsbedürftigen.
    Und ich wünsche mir, dass Daimler auch in Zukunft seine soziale Verantwortung den Mitarbeitern und den Menschen an der er ja seine Produkt verkauft nie aus den Augen verliert.
    Die Geschicht lehrt uns, dass alle grosse Kulturen und Weltreiche irgendwann mal unter gehen.
    Aber ich hoffe, dass Daimler es besser macht und solange Menschen auf diesem Planet gibt Ihnen, der Name “Daimler und Mercedes-Benz” immer ein Begriff ist.
    In diesem Sinne: Auf die nächsten 125 Jahren und noch mehr!

    Antwort

  4. 4. Jan

    Kommentar vom 19. Juni 2012 um 23:25

    Ich muss ja sagen, dass ich große Hochachtung vor Gottlieb Daimler habe. Was er geschafft hat ist einfach phänomenal. Würde gerne mir eine Scheibe von ihm abschneiden ;).

    Antwort

  5. 5. Edmund Hirner

    Kommentar vom 09. Januar 2013 um 18:36

    Der 1.Teil dieser Daimler-Biografie ist gut gelungen und würdigt die außergewöhnliche Entwicklung von Gottlieb Daimler vom Büchsenmacher zum genialen Erfinder und Ingenieur schon im frühen Stadium seines Wirkens.Die Risiken und Schwierigkeiten die sich bei diesen Ingenieur-und Unternehmensleistungen in dieser Zeit Gottlieb Daimler in den Weg stellten,
    können wir uns heute kaum mehr vorstellen.Aber ohne den Partner Wilhelm Maybach,wäre auch Gottlieb Daimler nicht -oder nur sehr schwer-zu seinen Erfolgen gekommen.Daher müssen auch die besonderen Verdienste von Wilhelm Maybach hervorgehoben werden,denn er hat viele
    Ideen und physikalische Gesetze(Thermodynamik etc.) in konstruktive Elemente und Bauteilkonstruktionen für die Produktion entwickelt und gezeichnet..
    Mein Urgroßvater-Paul Schweizer-Werkmeister bei den L&C ARNOLD,Stahlrohrmöbelfabrik in Schorndorf- hat im Auftrag von Gottlieb Daimler in der Zeit zwischen 1882 und 1890 einige Stahlteile angefertigt und durfte als Anerkennung seiner guten Arbeit mit dem 1.Prototyp des
    4-rädrigen Fahrzeugs von Schorndorf nach Welzheim bei einer Probefahrt mitfahren.Dabei wurde das Fahrzeug-das zum 1.Mal ohne Pferde den
    Berg an der Eselshalde hochfuhr,von wütenden und ängstlichen Bauern
    mit Dreschflegel aufgehalten und und mit den Worten bedroht,wenn das “Teufelsfahrzeug” nicht umkehre werde man die Leute im Fahrzeug verprügeln!
    Aber es ging gut aus und die Daimler-Fahrzeugen gingen von da an in alle Welt.
    Es grüßt ein Ingenieur aus dem Schwabenland, der sowohl in den früheren MAYBACH-WERKEN in Friedrichshafen arbeitete als auch an DAIMLER-BENZ ,Sindelfingen Maschinen als freier Unternehmer lieferte.

    Antwort

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