Mein Name ist Harald Klein. Ich nenne mich „Diversity-Manager Daimler Trucks“, bin seit 20 Jahren beim Daimler und seit 13 Jahren im Personalwesen. Vor acht Jahren bin ich irgendwie auf das Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie gestoßen. Ich hatte in der Zeitung gelesen, dass die Zukunftsforscher Familienfreundlichkeit als Megathema für den Standort Deutschland ausgemacht hatten. Vor dem Hintergrund der schrumpfenden Bevölkerung, höchstem Bildungsniveau von Frauen und der zunehmenden Bedeutung nicht-materieller Werte wie Gesundheit und Nachhaltigkeit hätten nur Unternehmen eine Überlebenschance, die ihren Beschäftigten die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ermöglichten – so hieß es…
Diese Aussagen haben mich absolut überzeugt – sicherlich spielte dabei eine Rolle, dass ich zu diesem Zeitpunkt gerade Vater meiner süßen Tochter Amalia geworden war. Seit damals durfte ich im Werk Wörth an vielen Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie maßgeblich mitwirken und diese gestalten: Der Erhalt des Zertifikats ‚berufundfamilie’ als eines der ersten beiden deutschen Großunternehmen, die Kinderstadt Astropolis mit 660 Kindern auf dem Werksgelände, die erste sternchen-Kinderkrippe, die 2004 von der damaligen Familienministerin Renate Schmidt und Personalvorstand Günther Fleig eröffnet wurde.
Und heute? Nach acht Jahren hat meine Begeisterung für dieses Thema keinen Deut nachgelassen!
Nun möchte ich hier im Daimler Blog von einer Veranstaltung letzten Mittwoch berichten, bei der ich mit über 400 Menschen zusammentraf, die zu einer ständig wachsenden Fangemeinde gehören. Es war das jährlich in Berlin stattfindende Bundesnetzwerktreffen „Erfolgsfaktor Familie“ am 6. Mai 2009. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer, Arbeitgebervertreter, Arbeitnehmervertreter, Politiker aller Parteien des Bundestages, Unternehmer, Personaler wie ich und der unbestrittene Star des Tages, Frau Ursula von der Leyen waren bedingungslos davon überzeugt, dass Familienfreundlichkeit für deutsche Unternehmen ein Schlüssel zum Erfolg ist.
Ich war eingeladen als Teilnehmer an der Podiumsdisskusson „Nicht nur in guten Zeiten – Flexibilität für Unternehmen und Beschäftigte als Chancen in der Krise“. Und ich muss sagen, ich war mächtig stolz darauf, dass wir hier als Vorzeigeunternehmen eingeladen waren.
Ich denke, ich konnte in der Diskussion gut vermitteln, dass familienfreundliche Personalpolitik bei Daimler auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ein bedeutendes Thema geblieben ist. Obwohl wir derzeit jede Ausgabe äußerst kritisch hinterfragen müssen, halten wir wie geplant am Ausbau von fast 600 Krippenplätzen an 14 deutschen Standorten bis 2012 fest. Ansonsten sind wir natürlich in der glücklichen Lage, dass wir in den letzten Jahren viel in Familienfreundlichkeit investiert haben und jetzt in der Wirtschaftskrise davon profitieren können. Dass beispielsweise Arbeitszeitflexibilität ein echtes Winwin-Modell ist, hat sich jetzt gezeigt, wo die Auftragseingänge seit November 2008 so dramatisch zurückgegangen sind. Durch die hohen Zeitguthaben, die wir in den letzten Jahren aufgebaut haben, mussten wir erst jetzt im Mai im Kurzarbeit gehen. So haben wir ein halbes Jahr gewonnen. Das ist für sowohl die Belegschaft als auch für das Unternehmen ein gewaltiger Vorteil.
Am meisten begeistert mich, dass trotz der ganzen schlechten Nachrichten zur wirtschaftlichen Lage, jetzt alle so zusammen halten, dass jeder bereit ist, notwendige Einbußen in Kauf zu nehmen. Eine Welle gegenseitiger Beschuldigungen ist ausgeblieben. Ich glaube, das ist auch ein Erfolg von familienbewusstem und werteorientiertem Führungsverhalten.
Die ganzen familienfreundlichen Maßnahmen von Kinderbetreuung bis Pflegepause, die wir bei Daimler haben sind konkurrenzlos gut. Bei der Podiumsdiskussion hat die Zuhörer jedoch am meisten begeistert, dass unsere Führungskräfte nach der Förderung von Diversity und somit auch familienbewusstem und werteorientiertem Führungsverhalten beurteilt und bezahlt werden – und dass es sich hierbei um eins von nur sieben LEAD-Kriterien handelt. Das hat kein anderes Unternehmen!
Dieser Bericht ist nun natürlich überaus positiv und ich weiß auch, dass nicht immer alles Gold ist, was glänzt. Aber im Vergleich mit anderen, die am gleichen Thema arbeiten, bin ich doch selbst immer wieder erstaunt, was sich in acht Jahren Projekt „Beruf und Familie“ bei Daimler und ganz besonders im größten und schönsten Lkw-Werk der Welt bewegt hat.
Dieser Artikel wurde von Harald Klein geschrieben. In diesem Blog schreiben Daimler-Mitarbeiter und einige wenige Gastautoren. Unsere Autoren kommen aus den unterschiedlichsten Bereichen des Konzerns und schreiben über eigene Eindrücke, Geschichten und ihre persönliche Meinung und geben so Einblicke in den Konzern. Warum wir das machen, finden Sie auf unserer Seite über das Blog.
Day of Caring – In lila Shirts auf Mission im Böcklerpark
Mittwoch, 29. April 2009, 10 Uhr. Wir streifen uns die lila T-Shirts über, steigen gut gelaunt in die Busse und ...
1. Anja-Valeska Weber
Kommentar vom 25. Mai 2009 um 12:23
Hallo Herr Klein,
Daumen hoch für Ihren Beitrag zum Thema Beruf und Familie . Ich finde es super wenn auch einmal zu diesem Them etwas geschrieben wird.
Ich möchte auch ein ganz großes Lob an die Handhabe unserer Vorgesetzten bzw. des Konzerns mit der Vereinbarung Beruf und Familie ausprechen. Ein aktuelles Beispiel. Mein Sohn ist Erstklässler und besucht nach der Schule eine Kita mit Schülerhort da ich Vollzeit beschäftigt bin.
Wie Sie sicher aktuell aus den Medien erfuhren streiken die Kitas im Raum Stuttgart tageweise nunmehr seit Anfang/Mitte Mai. Da ich nicht immer anderweitig betreuen lassen kann war ich nun schon des öffteren während der Streiks nicht im Büro. Ich frage mich welcher andere AG lässt dies zu? In vielen Unternehmen muss man die freien Tage die man sich wünscht doch Wochen zuvor ankündigen. Ein Streik kündigt sich einen Tag vor Beginn an!
Ich freue mich auf weitere interessante Beiträge zum Thema.
Herzliche Grüße
Anja-Valeska Weber
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