So endete der 1. Teil: […] Während der Veranstaltung rief mich mein Teamleiter an und fragte: „Kannst du nach der Veranstaltung noch mal ins Büro kommen, ich muss dich dringend heute noch sprechen…“
An seiner Stimme merkte ich sofort, dass es sich um etwas Ernstes handelt. Die nächsten 4 Stunden saß ich nachdenklich im Mercedes Event Center, während ein Vortrag nach dem anderen an mir vorbei ging. Immer wieder versuchte ich mich zu konzentrieren, doch meine Verunsicherung wegen des Telefonats holte mich ständig ein. In den ersten Vorträgen wurde immer wieder die ernste Lage in unserem Unternehmen betont. Ich zählte eins und eins zusammen und kam zu dem Ergebnis, dass ich wohl in naher Zukunft gehen muss.
Verschiede Fragen schossen mir durch den Kopf: Wie geht es mit Daimler weiter? Wie geht es mit meiner Abteilung und meinem Team, der Innovationswerkstatt, weiter? Wie geht es mit mir weiter?
Endlich war es 16 Uhr und ich machte mich schnell auf den Weg ins Parkhaus. Diesmal hatte ich mein Auto auf Anhieb gefunden und ich verspürte ein kleines Erfolgserlebnis. Doch vom 4. Stock des Parkhauses bis zur Ausfahrt im Erdgeschoss hat es eine halbe Stunde gedauert, denn fast alle Teilnehmer des Events verließen gleichzeitig das Werk.
Nach diesen ganzen Strapazen machte ich mich endlich auf den Weg ins Büro. Je näher ich meinem Arbeitsplatz kam, desto größer wurde meine Aufregung. Den beiden an mir vorbei laufenden Kollegen versuchte ich meine Anspannung nicht anmerken zu lassen und grüßte beide mit einem freundlichen Lächeln. Als ich den besorgten und gestressten Gesichtsausdruck meines Teamleiters sah, war ich schockiert. Wir gingen in ein Besprechungszimmer und setzten uns. Da ich nicht wusste was auf mich zukommt, saß ich regungslos da und schaute meinen Teamleiter fragend an. „Ich fang mal so an“, sagte er. „Die momentane Situation ist dir ja auch bekannt. Und du hast auch sicherlich mitbekommen, dass wir in allen Bereichen sparen müssen. Aufgrund der aktuellen Lage soll ein Mitarbeiter unserer Abteilung bis zum Jahresende die Nachbarabteilung „Modulstrategie“ unterstützen.“
Ein riesiger Stein fiel mir vom Herzen, da ich mit einer Kündigung rechnete und mit großer Erleichterung sagte ich ohne zu zögern: „Ich mach es!“. Denn im Gegensatz zu dem, was ich erwartet hatte, war dies ein sehr viel kleineres Problem. Die nächsten Tage verbrachte ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Zum einen freute ich mich auf die neue Herausforderung und zum anderen war ich traurig dass ich mich von meinem, mir mittlerweile sehr ans Herz gewachsenen, Team vorübergehend verabschieden muss. Doch ich tröstete mich damit, dass ich in 9 Monaten wieder zurückkommen würde. Nach der Abteilungsrunde wurde der Verleih meiner Person an die Modulstrategie offiziell bestätigt.
Am ersten April hatte ich meinen ersten Arbeitstag in Sindelfingen. Meine neue Abteilung hat mich sehr herzlich aufgenommen und mir jede Hilfestellung bei der Einarbeitung gegeben. Dafür bin ich sehr dankbar. Während der Einarbeitung hatte ich noch einige Male meine Kollegen in der Innovationswerkstatt unterstützt, z.B. bei einem großen Kreativworkshop. Aufgrund der großen Teilnehmerzahl wurde meine Hilfe beim Moderieren gebraucht. Da ich noch zum Team Innovationswerkstatt gehöre, bekomme ich auch regelmäßig Informationen darüber, welche Workshops in den nächsten Wochen geplant sind und welche Neuigkeiten es in der Abteilung gibt. Die nächsten Monate wird meine Tätigkeit das Coachen der Modulstrategie Sitzkomfortsysteme umfassen. Unsere Modulstrategie hat zum Ziel, baureihenübergreifend einen verbindlichen Modulbaukasten für attraktive und nachhaltig wirtschaftliche Produkte zu entwickeln. Die Erarbeitung der Modulstrategien wird durch crossfunktionale Teams geleistet, die sämtliche Module und Fahrzeugarchitekturen so gestalten, dass Baureihen künftig aus einem gemeinsamen Modulbaukasten heraus bedient werden können.
Ich freue mich, dass mir die Chance geboten wurde mein Spektrum zu erweitern und ich hoffe, dass ich einen Beitrag für unser Unternehmen in dieser schwierigen Zeit leisten kann.
Dieser Artikel wurde von Yildiz Tosun geschrieben. In diesem Blog schreiben Daimler-Mitarbeiter und einige wenige Gastautoren. Unsere Autoren kommen aus den unterschiedlichsten Bereichen des Konzerns und schreiben über eigene Eindrücke, Geschichten und ihre persönliche Meinung und geben so Einblicke in den Konzern. Warum wir das machen, finden Sie auf unserer Seite über das Blog.
F-Cell Roadster – Entstehung
Wir sind Friederike Baral, Modellbaumechanikerin Fachrichtung Karosseriemodellbau und Manuel Faix, Auszubildender zum Elektroniker für Automatisierungstechnik. Wir befinden uns beide im ...
1. Kadir Karacoban
Kommentar vom 29. Mai 2009 um 08:30
Hallo Yildiz,
ich fand deine beiden Beiträge sehr interessant und wünsche dir weiterhin viel Erfolg=)
ich bin mir zudem auch sicher, dass du und deine Kollegen aus dem Team Innovationswerkstatt einen großen Beitrag für das Unternehmen geleistet habt. Genau diese zukunftsorientierte Projekte sind es, auf die unser Unternehmen in dieser schwierigen zeit setzen und investieren muss…
Liebe Grüße aus Möhringen
Antwort
2. Ali Ayhan
Kommentar vom 29. Mai 2009 um 08:58
Selam Yildiz
sehr spannend geschrieben, jeder der mal in einer ähnliche Situation war kann deine ängste aus vollem Herzen mitfühlen.
So schlecht ist das ja nicht das du verliehen worden bist , dadurch kannst du dein Wissensspektrum und deine Betrachtungsweise der Dinge auf jeden Fall erweitern, was dir in Zukunft sicher Vorteile in der Innovationswerkstatt bringen wird.
So dann bin ich mal auf deine nächsten “spannenden Geschichten gespannt” bis dahin alles Gute und viel Erfolg.
Grüße aus Möhringen
Antwort
3. Marco Slama
Kommentar vom 28. August 2009 um 03:28
Ich konnte die Zeilen gar nicht schnell genug lesen nach dem Anruf von Herrn P.G.
Antwort