Ein Blick hinter die Kulissen der Lean Management Expertenausbildung

Heute schreibe ich zum ersten Mal im Daimler-Blog, um Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, einen Blick in meine aktuelle, spannende Tätigkeit zu geben: als Experten – Trainee in der TOS Lean Management Expertenausbildung.

Aber zuerst zu meinem persönlichen Hintergrund: Nach meinem Studium zum Wirtschaftsingenieur in Karlsruhe bin ich im März 2007 bei Daimler über die CAReer Nachwuchsgruppe eingestiegen. Nach einer sehr interessanten Zeit und unterschiedlichen Stationen unter anderem bei FUSO in Japan war ich Mitte 2008 in meiner Zielstelle bei OMCD (Operational Management Counsel Department) angelangt.

OMCD hat bei Daimler Trucks die Aufgabe, Lean Management (= Ganzheitlicher Ansatz zur schlanken Unternehmensführung ähnlich Toyota) nachhaltig zu implementieren.

Somit wird dafür gesorgt, dass unsere Geschäftsprozesse nach und nach in jedem Bereich jeden Tag ein bißchen besser und „schlanker“ werden, also unnötige Verschwendung weitestgehend beseitigt wird. Dies geschieht entsprechend unserem „Truck Operating System“, kurz TOS, worin die Leitgedanken und Elemente unseres Produktions- und Managementsystems niedergeschrieben sind.

Unser Bereich könnte also als eine Art „Wächter über das TOS“ sowie interne Unternehmensberatung zum Thema Lean Management gesehen werden. Meine Aufgabe bei OMCD war im Bereich „Performance Management“, also beispielsweise die Durchführung von Prozess-Benchmarks zwischen Daimler Trucks Werken.

Wie kam es jetzt dazu, dass ich in die Lean Management Expertenausbildung aufgenommen wurde? Nun, OMCD hat nicht nur die Aufgabe, Daimler Trucks in Richtung schlankes Unternehmen zu beraten und in der Umsetzung zu unterstützen, sondern auch Mitarbeiter im Lean Management intensiv zu schulen und somit dieses Denken nachhaltig im Unternehmen zu verankern. Dazu wurde die TOS Expertenausbildung ins Leben gerufen. Ca. 20 Leute pro Jahr haben somit die Chance, Lean Management im Detail kennen zu lernen. Dies geschieht in einer Kombination aus Projekteinsatz und theoretischer Schulung.
Insgesamt gibt es 4 praktische Einsätze à 3 Monate. Diese Projekte werden jeweils von einem Trainer begleitet. Der Trainer hat die Aufgabe die Trainees auszubilden und persönlich/fachlich zu coachen. Im Projekt werden Fähigkeiten und Kenntnisse – z.B. hinsichtlich TOS, Projektmanagement, Lean-Manufacuring oder Produktionsplanung – erworben und trainiert.
Die theoretischen Schulungen finden in Blöcken statt, meist am Ende oder zwischen den Projekteinsätzen. Dazu gehört auch, dass man nach den Schulungseinheiten und am Ende der Ausbildung Prüfungen bestehen muss. Diese werden von den TrainingCentern von Daimler (Trucks und Cars) in Kooperation mit der Hochschule Reutlingen abgenommen und garantieren ein hohes Niveau der Ausbildung. Nachdem alle Projekteinsätze und Theorieschulungen erfolgreich absolviert wurden, erhält man dann am Ende der Ausbildung ein Zertifikat für die Expertenausbildung ausgestellt. Insgesamt dauert die Ausbildung somit 1 Jahr; momentan unter Berücksichtigung der aktuellen Blockpausen in den Werken z.B. im Sommer ca. 15 Monate.

Wie geht es mir in der Ausbildung? Ich habe im April 2009 im Werk Wörth mein erstes Projekt begonnen. Dort geht es um das Thema Standardbegehung: Ein definierter Bereich am LKW-Montageband wird hierbei genau unter die Lupe genommen und unter Lean-Gesichtspunkten optimiert. Unser Projektteam besteht dabei aus dem Teamleiter, dem Meister, verschiedenen Mitarbeitern aus beiden Schichten am Band, sowie aus einem weitereren Experten-Trainee und unserem Trainer. Gemeinsam wurden zuerst einmal die Mitarbeiter des Bandes in den Grundprinzipien des Lean Managements geschult, um sie auf den weiteren Projektverlauf vorzubereiten. Außerdem gab es einen Benchmark-Besuch in Mannheim im Motorenwerk, um den Horizont zu erweitern und Ideen für den eigenen Bereich zu sammeln und ggf. zu übertragen. Dann ging es darum, den IST-Zustand am eigenen Band in Wörth genau zu analysieren und Verschwendung im Prozess aufzuzeigen. Aufgrund der Einbeziehung der Mitarbeiter des Bandes und deren Erfahrung kamen sehr viele gute Verbesserungsideen zu Stande. Diese wurden unmittelbar bewertet und aktuell werden diese in einem Probebetrieb am Band getestet. Für viele Mitarbeiter bedeutet dies im Übrigen einen deutlichen Einschnitt, da gewohnte, eingeschliffene Arbeitsabläufe geändert werden. Dies erfordert einige Überzeugungsarbeit, da viele Mitarbeiter „schon seit 30 Jahren so schaffen“ und somit Veränderung ungewohnt ist. Deshalb muss man einen solchen Probebetrieb sensibel vorbereiten und die Leute von Anfang an in den Prozess mit einbeziehen und ihre Ideen und ggf. Einwände ernst nehmen.

Mir macht diese Art der Arbeit bisher sehr viel Spaß und ich bin sehr froh, dass ich die Chance auf diese Ausbildung erhalten habe. Wobei es allerdings ein deutlicher Einschnitt gegenüber meiner bisherigen Tätigkeit im Büro ist. Jeden morgen um 7.30 Uhr das Projektteam auf die Arbeit einzustimmen und zu moderieren war auf jeden Fall eine große Herausforderung. Den ganzen Tag über muss viel überwacht werden, Termine koordiniert werden, Fragen beantwortet werden und selber teilweise Umbau-Arbeiten am Band durchgeführt werden. Wahrlich vielfältig, was dabei alles anfällt. Und nachdem das Projektteam dann gegen 16 Uhr heimgeht, gibt es oft noch Nachbereitungen und Vorbereitungen für den kommenden Tag zu erledigen, Abstimmungen mit dem Trainee-Kollegen, sowie ein Feedback-Gespräch mit dem Trainer. Gerade dieses fast tägliche Feedback-Gespräch ist super und hilft ungemein, sich fachlich weiterzuentwickeln und ggf. Fehler sehr schnell zu korrigieren. Vergleiche ich es noch mal mit der Tätigkeit im Büro bisher, ging es dort auf jeden Fall ruhiger zur Sache und es konnte konzentrierter an einem Thema gearbeitet werden. Direkt in der Produktion und in so einem Verbesserungs-Projekt speziell ist man eher als „Feuerwehr“ unterwegs und man muss sehr flexibel und spontan vieles entscheiden. Aber wie gesagt, dies macht sehr viel Spaß und ist unheimlich abwechslungsreich.

Kurz vor Ende des Projekts in Wörth steht aktuell der Theorie-Block an. Ein bisschen fühl ich mich dabei wieder in die Uni-Zeit zurückversetzt, wobei auch die Schulungsblöcke nicht nur reine Frontalvorträge mit reinem Theorie-Input sind. Gerade einige Vor-Ort-Begehungen lockern die Einheiten auf und fördern den Bezug zur Praxis.

Nachdem der Beitrag doch schon recht lang ist, würde ich gern an dieser Stelle aufhören. Sobald ich ein Stück weiter bin in der Ausbildung, werde ich über die neuen Erfahrungen und Eindrücke wieder berichten. Bis dahin freu ich mich auf jeden Fall über Kommentare oder Fragen!

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