Wir von der Scheinwerfer-Vorentwicklung sind ja an unregelmäßige Arbeitszeiten gewohnt: naturgemäß kann man Scheinwerfer im Fahrbetrieb nur nachts testen. Simulationen, Lichtkanäle und -Labors helfen zwar, können aber Fahrversuche nicht komplett ersetzen.
Normalerweise versuchen wir unsere Nachtfahrten möglichst im Winterhalbjahr durchzuführen, weil diese dann noch einigermaßen innerhalb der gewöhnlichen Arbeitszeit stattfinden. Aber jedes Jahr passiert das Gleiche: man kann planen so gut man will, es gibt immer eine Nachtfahrt in der Woche vor oder nach der Sommersonnenwende. Und immer kommt etwas dazwischen, so auch dieses Jahr. Nun aber zur Sache:
In Stuttgart geht die Sonne zur Sommersonnenwende um 21:31 unter, aber dunkel genug ist das noch lange nicht. Relevant ist das Dämmerungsende um 22:13 (wenn man es ganz genau nimmt könnte man noch zwischen bürgerlicher, nautischer und astronomischer Dämmerung unterscheiden – tun wir aber nicht). Wir können also erst um ca. 22:30 richtig anfangen zu testen. Zu dieser Zeit gehen unsere Kollegen bereits schlafen.
Wenn wir richtig Pech haben, ist auch noch Vollmond. Nach der Nachtfahrt müssen (und wollen) wir dann die gesetzliche Ruhezeit einhalten. Ergebnis: wenn wir am nächsten Tag mittags wieder zur Arbeit erscheinen, oder vorher den Nachbarn treffen, dürfen wir uns süffisante Kommentare über das lockere Leben in unserem Bereich anhören…
Egal, wir hätten ja auch was anderes lernen können. Das gute an den späten Nachtfahrten im Sommer ist, dass es meist angenehm warm ist. Im Winter wird es zwar früh dunkel, aber in sternklaren Januarnächten kann man sich so manches Körperteil abfrieren. Im Auto ist es zwar angenehm, aber viel Zeit wird damit verbracht, zwei oder mehr Autos nebeneinander zu stellen und im Stand die Scheinwerfer A & B (& C….) miteinander zu vergleichen. Dieses Bild zeigt den Vergleich von einem Xenon-Scheinwerwer (oben im Bild) mit einem LED-Scheinwerfer (unten im Bild) und entstand um ca. 23:00 bei einer kurzfristigen Spezialaktion (Fernsehaufnahmen). Um einen schönen Vergleich der Lichtfarben fotografieren zu können sind wir sogar auf das Dach eines Gebäudes gestiegen.
Stark motivierend für uns ist dass wir gerade eine ganz spannende Entwicklung begleiten, nämlich die Einführung der LED-Scheinwerfer. Es gibt zwar bereits LED-Scheinwerfer in drei Fahrzeugprojekten mit geringen Stückzahlen aber die große Welle rollt jetzt erst gerade an. An dieser Stelle kann eine Klarstellung nicht schaden: gemeint sind NICHT die Tagfahrleuchten, die es mittlerweile bereits als Nachrüstsatz zu kaufen gibt. Eine Leuchte ist dazu da, dass man sie direkt anschaut und deutlich erkennen kann, also Bremsleuchte, Schlussleuchte, Blinker und eben Tagfahrleuchte. Diese Leuchten haben vergleichsweise geringe Leistungen und streuen in einen weiten Bereich. In einen gebündelten Scheinwerferkegel sollte man jedoch nicht hineinschauen – er muss viel stärker sein als eine Leuchte und ist entsprechend aufwändiger zu konstruieren.
Spannend an den LED ist neben der Lichtfarbe vor allem ihre rasante Entwicklung: die Leistung steigt um ca. 10% pro Jahr. Ihre Energieeffizienz ist bereits doppelt so gut wie die von Glühlampen und wird in wenigen Jahren die von Xenonlampen erreicht oder übertroffen haben – dann steht der endgültige Durchbruch bevor.
Zudem lassen sich mit LED ganz neue Funktionen realisieren wie z.B. ein Teilfernlicht oder Spotlicht.
Dieser Artikel wurde von Jörg Moisel geschrieben. In diesem Blog schreiben Daimler-Mitarbeiter und einige wenige Gastautoren. Unsere Autoren kommen aus den unterschiedlichsten Bereichen des Konzerns und schreiben über eigene Eindrücke, Geschichten und ihre persönliche Meinung und geben so Einblicke in den Konzern. Warum wir das machen, finden Sie auf unserer Seite über das Blog.
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1. Zimmermann,Ulrich
Kommentar vom 16. Juli 2009 um 14:02
Hallo H. Moisel,
Gibt es Erkenntnisse – Untersuchungen über Standzeit von Led- Lampen zu anderen Lichtlampen.
Eine andere Frage: Warum kommt Mercdes – Benz nicht flächendeckend mit LED-Lampen – Vorteil ist doch Sprit- Stromsparend.
Auch der Kunde in kleineren Autos möchte den Vorteil haben. Verpasst hat man den LED-Lampeneinsatz bei Einführung der C-Klasse -oder ist der Teilepreis für so eine Lichteinheit zu hoch.
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2. Verena Hausenstein
Kommentar vom 17. Juli 2009 um 10:01
Danke für diesen informativen Einblick hinter die Kulissen! Ich mag solche Beiträge, bei denen vor allem die persönliche Sicht und ein süffisantes Zwinkern des Autors mitschwingt. Das geht dann weit über einen bloßen Tatsachenbericht hinaus. Bitte weiter so!
Antwort
3. Jörg Moisel
Kommentar vom 17. Juli 2009 um 10:02
@Ulrich Zimmermann
LED Leuchtmittel haben prinzipiell das Potential länger als 10.000h zu halten – das ist einer ihrer größten Vorteile.
Wie Sie richtig vermuten ist das Haupthindernis bei der Einführung der noch sehr hohe Teilepreis.
Bezüglich der Spritersparnis sind LED momentan besser als Glühlampen aber noch nicht so gut wie Xenon-Lampen. Erst in einigen Jahren werden sie die Effizienz von Xenon-Lampen erreichen.
Antwort
4. Steffen Hörz
Kommentar vom 20. Juli 2009 um 10:40
Hallo Herr Moisel,
bezieht sich die Lebensdauer nur auf die LEDs oder die gesamte Leuchteinheit? Im Gespräch mit einem Kollegen habe ich erfahren, daß bei den LED- Scheinwerferen eher ein Ausfall der Elektronik zu befürchten ist, der dann die Lebensauer der gesamten Leuchteiheit beschränkt, da hier nichts repariert werden kann. Und das bei einem höheren Preis und (noch) schlechterer Leistung (als Xenon).
Aber das ändert sich natüröich nur, wenn man die Technik in Serie bringt.
Interessanter Bericht!
Antwort
5. christian deserno
Kommentar vom 05. Juli 2011 um 10:16
Ich finde Xenon- und Led-Licht grässlich. Wie oft blenden schlecht eingestellte Xenon-Leuchten. Oder bei kleinen Bodenwellen wird man vermeintlich mit der Lichthupe angeleuchtet, was nicht der Fall ist, sondern nur wieder ein Xenonfahrer vor oder hinterherfährt. Das Auge ist in der Dunkelheit eben nicht auf Lichtfarben die Richtung Tageslicht gehen, eingestellt.
Dem Fahrer eines derartigen Fahrzeuges bringt es zweifelsfrei Vorteile, dem Gegenverkehr und Vordermann bringt es keine Vorteile, jedoch aber mitunter Nachteile. Wenn ich mir vorstelle, dass bald selbst das preisgünstigste kleinste Auto mit LED Leuchten ausgeliefert wird, muss ich dann nachts mit getönter Brille fahren?
Antwort