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08.2009

Unsinn macht Sinn

Schon mal ein Auto online im Konfiguratior zusammengestellt? Natürlich, denke ich mal. Nur so aus Spaß. Um zu sehen, wie hoch man den Preis für einen Opel Corsa treiben kann. Was es alles für den Porsche 911er als Extras gibt. Und so weiter. Und immer machen die Konfiguratoren einen Check, ob das geht, was man will. Und oft kommen Dinge zum Vorschein, da fragt man sich was das soll?! Wieso muss man eine Chromzierleiste nehmen, wenn man ein Lederlenkrad will? Das ist dann halt Marketing, oder so. Und Okay, einige Dinge sind logisch: Lautsprecher zum Beispiel müssen verbaut sein, wenn man ein Radio will.

Und dann sind da noch einige Punkte, die sehen unlogisch aus. Ein B200 Turbo gibt es nicht mit 15″ Felgen. Neben dem Aspekt dass es wahrlich unsportlich aussehen würde, passt schlicht und ergreifend die Bremsanlage nicht in die Felgen.

Aber nun ein Beispiel, da muss man schon sehr tiefes Verständnis haben:

Ich will einen B160 BlueEFFICIENCY mit ECO-Start-Stop-Automatik. Dazu, weil praktisch, eine Anhängerkupplung. Halt! Sagt der Konfigurator. Aber nur mit Ersatzrad und ohne TireFit. Erst mal überlegen, was für einen Sinn das macht.

Keine Idee. Okay, dann will ich mal diese Kröte schlucken und mache weiter. Musik höre ich doch auch ganz gerne im Auto, also den Power-Sound dazu. Nö, sagt der Konfigurator, geht nur, wenn ich die Anhängerkupplung entferne. Ahja? Okay!
Nehme ich aber stattdessen einen B160 mit AUTOTRONIC und OHNE die ECO-Start-Stop-Automatik kann ich die Anhängerkupplung OHNE Ersatzrad nehmen, das wird aber beim Power-Sound dann doch wieder Pflicht. Das verstehe mal jemand.

Aber, man glaubt es fast nicht, es hat eine recht einfache Erklärung:

Die abnehmbare Anhängerkupplung wird im Normalfall in der rechten Seitenverkleidung hinter einer Klappe im Kofferraum wunderbar verstaut. Bei Fahrzeugen mit ECO-Start-Stop-Automatik allerdings ist dort die kleine Zusatzbatterie für diese Funktion verbaut. Also muss die Anhängerkupplung ausweichen. Und zwar in doppelten Ladeboden im Kofferraum. Dort wird sie in der Felge des Ersatzrades fixiert. Daher benötigt man das. Jetzt noch das Problem mit dem Power-Sound? Der Subwoofer will auch ins Ersatzrad, findet dort nun aber keinen Platz mehr.

Jetzt muss ich mir noch klar werden, auf welchen der drei Aspekte – ökologisch, praktisch oder kulturell – ich verzichten mag und schon kann ich mein Auto weiter konfigurieren.

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Dieser Artikel wurde von Mario Jung geschrieben. In diesem Blog schreiben Daimler-Mitarbeiter und einige wenige Gastautoren. Unsere Autoren kommen aus den unterschiedlichsten Bereichen des Konzerns und schreiben über eigene Eindrücke, Geschichten und ihre persönliche Meinung und geben so Einblicke in den Konzern. Warum wir das machen, finden Sie auf unserer Seite über das Blog.

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Was sagen Sie zu diesem Thema? Derzeit 12 Kommentare Diskutieren Sie mit!

  1. 1. Marcus

    Kommentar vom 24. August 2009 um 10:20

    Ah, solche Sachen können also doch einen wirklichen Grund haben. Man lernt ja nie aus.

    Antwort

  2. 2. Verena Hausenstein

    Kommentar vom 24. August 2009 um 14:13

    *lach* Ja wirklich, gut zu wissen! Danke für den Beitrag. :)

    Antwort

  3. 3. Thilo

    Kommentar vom 24. August 2009 um 15:03

    Danke für die Erklärung! Als absoluter Laie in der KFZ-Wissenschaft stand ich tatsächlich schon mehr als einmal vor dem Problem, dass gewisse Ausstattungswünsche aufgrund vorangegangener Konfigurationen nicht möglich waren. Das ist mehr als unbefriedigend, weil auf den ersten Blick, wie Du völlig zurecht sagst, unlogisch. Was hat das Soundsystem mit dem Schiebedach zu tun?
    Deine Erklärung würde ich mir in den Konfiguratoren beinhaltet wünschen. Wenn ich verstehe, warum etwas nicht geht, kann ich es viel eher akzeptieren. Sonst bleibe ich einfach mit Unverständnis und Frust vorm Bildschirm kleben und nehme eventuell Abstand davon, mir über dieses Tool ein Auto zu basteln und letztenendes auch zu kaufen. Usability is King. Mario, ich denke, Du hast Dir eine Prämie verdient. ;-)

    Antwort

  4. 4. Wingi

    Kommentar vom 25. August 2009 um 11:54

    @Thilo: Richtig, es gibt tatsächlich eine Erklärung, aber der Konfigurator sagt dies nicht!

    Jede Autowerkstatt hat heutzutage eine 3D-Ansicht, um die Bestellnummer eines bestimmten Teil zu finden. Das kann sogar meine Omi bedienen – aber ein Konfigurator zeigt weder die Austattung noch den grund optisch ann.

    Aber was soll’s – es sind ja nur Käufer, die man damit verprellt.

    Antwort

  5. 5. Sabria

    Kommentar vom 25. August 2009 um 12:44

    Zufälle gibt’s! Genau diese Erklärungen kann ich für den Glossar-Eintrag zu Online-Konfiguration im eCommerce brauchen, den ich heute schreiben muss. Danke!

    Eine kleine Anmerkung noch: Es wäre für den Kunden sicherlich hilfreich, einen Einblick in die weisen Entscheidungen des Konfigurators zu bekommen. Es braucht nämlich nur ein bisschen Kommunikation, um aus dem vermeintlichen Unsinn wieder Sinn zu machen.

    Antwort

  6. 6. Wenn Unsinn Sinn macht » gpoul’s Out Of Memory Blog

    Pingback vom 25. August 2009 um 20:15

    [...] mal die Onlinekonfiguratoren der Autohersteller probiert hat, kennt das Problem. Und doch haben manche Dinge die erstmal unsinnig erscheinen einen Sinn. Man erfährt ihn nur (normalerweise) nicht ;-) Posted by gpoul at 8:15pm CEST Filed [...]

  7. 7. Martin

    Kommentar vom 27. August 2009 um 17:41

    Ja, aus meiner Uni Zeit weiß ich noch, dass mit Ulm durchaus Kooperationen im Bereich “Explanation-based constraint programming” (http://www.constraintsolving.com/econspeople.html) stattfanden. Vielleicht möchten die Kollegen vom Konfigurator noch mal schauen …

    Antwort

  8. 8. Martin

    Kommentar vom 27. August 2009 um 19:44

    Noch eine Anmerkung: Der Subwoofer will hoffentlich nicht ins Ersatzrad, sondern auch in die rechte Seitenverkleidung. Die Anhängerkupplung hat immer das Nachsehen ….

    Antwort

  9. 9. Christian

    Kommentar vom 30. August 2009 um 14:56

    Jaja, der liebe Konfigurations(un)sinn – Hinzu kommt noch, dass neben technischen Restriktionen, wie sie manchmal nicht wirklich im ersten Augenblick erkennbar sind, auch noch der Mensch steht und konfiguriret. “Fehler” kann man komische Konfigurationen nicht nennen, denn – zumindest in meiner Branche – bestehen die Fahrzeuge aus gut und gerne 10000 Konfigurationsregeln. Da verliert man schonmal den Überblick und für eine algorithmische Konfiguration sind viele Rechner echt überfordert ;.-)

    Antwort

  10. 10. Werbematten

    Kommentar vom 30. August 2009 um 16:01

    Immer schon zum spielen wenn mann etwas Zeit hat. Nur manchmal verliert mann den überblick. Um eine option möglich zu machen geht es nu zusammen mit dies, und das geht wieder nicht mit das zusammen, mann vierliert dann den überblick.

    Antwort

  11. 11. Peter

    Kommentar vom 31. August 2009 um 09:16

    Das liebe ich: Blogs direkt aus dem Arbeitsleben, aus der Produktion, mit Hintergrundinfos die es sonst nirgends gibt! Perfekter Beitrag

    Antwort

  12. 12. Thomas Stapf

    Kommentar vom 04. September 2009 um 11:28

    Daß eine bestimmte, existierende Sonderausstattung, in meinem Falle in einem Modell der E-Klasse, gar nicht lieferbar ist, war für mich nicht nur persönlich ärgerlich. Als absoluter Mercedes-Fan von klein auf dachte ich auch, daß es für unseren Arbeitgeber negativ ist, diese Auswahleinschränkung zu machen.
    Bei dem Extra handelt es sich um die Lenkradheizung, welche ich bei der alten E-Klasse (mit 4-Zylinder-Motor) hatte, die ich aber bei der neuen E-Klasse mit 4-Zylinder Motor nicht bekam. Dieses m. E. geniale Extra ist zwar noch nicht so populär wie z. B. die Sitzheizung, aber man kann es mittlerweile schon bei einem Opel Corsa haben.
    Nachdem man mir über die Mercedes-Website keine genauen Auskünfte geben konnte, habe ich als treuer und loyaler Mitarbeiter direkt unsren obersten Chef angeschrieben, wohl ahnend, daß er nicht selbst antworten würde. Ein Mitarbeiter seines Beschwerdeteams hat sich wirklich mit der Thematik und dem Fachbereich auseinandergesetzt. Das fand ich echt toll, in der Sache ändern konnte ich jedoch leider nichts. Und das, obwohl ich auf mehreren Seiten 9 stichhaltige Argumente vortrug, warum Mercedes die Lenkradheizung doch auch bei 4-Zylinder Modellen anbieten sollte. Bei diesen Argumenten habe ganzheitlich sehr viele Aspekte betrachtet: Die technische Machbarkeit, die Kosten und Nutzen unter Beachtung des kaufmännische Stückzahleffektes, die verkaufs – psychologische Wirkung, die Kundenzufriedenheit, der Werbeeffekt und anderes.
    Zum Schluss kam man mir mit einem meiner Meinung nach ganz lapidaren Argument: Da die Lenkradheizung durch einen Hebel am Lenkrad (ähnlich Blinker und Tempomat) betätigt wird, hätte man eine zusätzliche Variante Lenksäulenverkleidung. Abgesehen davon, daß man diese Variante bei den Fahrzeugen mit V6- und V8- Motor auch hat, habe ich gleich vorgeschlagen, daß es sowieso, aus bestimmten, vorgebrachten Gründen viel besser wäre, die Lenkradheizung, so wie die Sitzheizung, durch einen Wippschalter im Armaturenbrett zu betätigen. Wissend, daß so eine Idee nicht sofort umgestzt werden kann, schlug ich vor, dieses bei der nächsten Modellpflege zu berücksichtigen. Nun bin ich mal gespannt, ob sich hier etwas ändert.

    Antwort

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