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09.2009

Als Arbeitgebermarke in Sozialen Netzwerken?

Ich gebe zu, ich war noch vor wenigen Monaten zurückhaltend bis hin zu skeptisch. Noch im Mai hätte ich eine Wette darauf abgeschlossen, dass ich mich nicht bei Twitter anmelde. Heute stecke ich ganz tief mit drin und betreibe gemeinsam mit Kollegen seit Mitte Juni den Twitter-Account @daimler_career. Unser Ziel ist es, aus dem Umfeld von Karriere- und Einstiegsmöglichkeiten bei Daimler zu berichten und damit das Bild von Daimler als Arbeitgeber weiter zu schärfen. Dabei war die Unterstützung meiner Führungskräfte und des Kommunikationsbereichs ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Nur unglaubliche zwei Wochen hat es gedauert, um die Idee aufzugreifen, zu diskutieren und umzusetzen.

Wir sind nicht das einzige Unternehmen, aber immerhin gehören wir zu den ersten großen Unternehmen, die Twitter als Instrument des sog. Employer Branding nutzen. Das ist der Begriff, mit dem sich die Bemühungen von Arbeitgebern zusammenfassen lassen, sich als Arbeitgebermarke im Bewerbermarkt zu positionieren. An dieser Stelle sei gesagt, dass wir bei der Wahrnehmung und Bewertung als Arbeitgeber durchaus noch Potenzial haben. Und für mich ist die Logik klar: Top-Leute gehen zu Top-Firmen, das ist die Basis für zukünftigen Erfolg.

Was hat das jetzt mit Sozialen Netzwerken zu tun? Als ich vor einigen Wochen in die unglaublich vielen Informationen aus Blogs, Online-Presse, Vorträgen, Studien und vielem eingetaucht bin, fühlte ich mich wie im Rausch. Als mein Blick wieder klarer wurde, haben sich für mich einige Kernaussagen herauskristallisiert: wir erleben gerade, wie sich die Art zu kommunizieren grundlegend ändert (oder ändern muss), egal ob als Einzelperson oder als Unternehmen; zuhören und in den Dialog treten sind nicht nur menschliche Tugenden, sondern werden auch für Unternehmen noch wichtiger als Erfolgsfaktor; was bei uns noch Skepsis und Widerstand erzeugt, wird für die nachfolgende Generation Teil der eigenen Identität sein.

Die rasante Entwicklung von Sozialen Netzwerken hatte zuletzt den Charakter eines Hypes, mehr und mehr zeichnet sich aus meiner Sicht aber ein unumkehrbarer Trend ab. Und statt die Augen zu verschließen und zu glauben, dass das alles vorbeigeht, will ich lieber eintauchen, lernen, verstehen und gestalten.

Dabei kann Twitter nur ein erster Schritt von vielen sein. Die Autoren und Leser dieses Blogs sind vermutlich nicht so schwer davon zu überzeugen, dass sich eine Präsenz in Sozialen Medien lohnt, also in Netzwerken, in denen sich unsere vermeintliche Zielgruppe jetzt und in Zukunft aufhalten wird. Das anspruchsvolle und ehrgeizige Ziel ist, nicht nur Gesprächsthema zu sein, sondern Gesprächspartner zu werden.

Jetzt kommt ein nächster konsequenter Schritt, der zeigt, wie ernst wir es meinen. Wir wollen einen Trainee (m/w) für unser Nachwuchsprogramm CAReer gewinnen, der diese und andere Themen im Dialogmarketing und Relationship Management zukünftig mitgestaltet und ausbaut. Ich finde es sehr aufregend, dass wir damit zum ersten Mal eine Einstiegsposition mit den Anforderungen ausschreiben, die sich aus den oben genannten Erkenntnissen und Zielen ableiten. Die Ausschreibung ist noch bis zum 20.09.09 im Karriereportal online (Ausschreibungsnummer 060012) und ich bin sehr gespannt, wer sich gemeinsam mit uns auf diese Herausforderung einlässt.

Und ich bin mir sicher, dass daraus noch viele Geschichten entstehen, die es hier und anderswo zu erzählen gilt. Wie gesagt, in vielen Dingen sind wir noch in der Konzeptphase und wir sind dankbar für Ideen und Impulse – ich freue mich auf Ihre Kommentare und die Diskussion dazu.

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Dieser Artikel wurde von Daniel Loewa geschrieben. In diesem Blog schreiben Daimler-Mitarbeiter und einige wenige Gastautoren. Unsere Autoren kommen aus den unterschiedlichsten Bereichen des Konzerns und schreiben über eigene Eindrücke, Geschichten und ihre persönliche Meinung und geben so Einblicke in den Konzern. Warum wir das machen, finden Sie auf unserer Seite über das Blog.

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Was sagen Sie zu diesem Thema? Derzeit 8 Kommentare. Diskutieren Sie mit!

  1. 1. Uwe

    Kommentar vom 14. September 2009 um 15:07

    Hehe, so wie Du schreibst erinnern mit das (nur ein ganz klein Wenig, logisch) an diesen Artikel hier:

    http://www.trendopfer.de/wahrheit/2009/08/wenn-unternehmen-twittern/

    Antwort

  2. 2. Fabian Cuffaro

    Kommentar vom 14. September 2009 um 15:33

    Hallo Herr Löwa,

    sehr interessanter Artikel. Aus den von Ihnen beschriebenen Punkten habe ich mich doch spontan am Wochenende auf die erwähnte CAReer-Stelle beworben.

    Bin ja mal gespannt, wies es mit meiner Bewerbung weitergeht.

    Viele Grüße
    Fabian Cuffaro

    Antwort

  3. 3. Wittkewitz

    Kommentar vom 15. September 2009 um 01:53

    Es ist wahrscheinlich eine Denkunmöglichkeit in diesen heiligen Hallen, aber Topleute gehen nicht zu Topunternehmen, weil sie da oft sehr wenig Gestaltungsspielraum haben. Zu Topunternehmen gehen gerne Leute, die sehr lange Gehorsam simulieren, bis sie eine Position haben, die das nicht mehr erfordert. In Topunternehmen sind auch Leute, die auf eine hohe Belohnungen spekulieren. Wie wir aus der verhaltenbasierten Ökonomie wissen, zeigen Aufgaben mit hohen Belohnungen die schlechtesten Ergebnisse.
    Es wäre gut, wenn man verstehen würde, das eine hohe Motivation nur bei viel Freiheit entstehen kann. Vielleicht liest mal ein bei Daimler das Konzept von ROWE, dann kommen sicher Topleute. Denn Freiheit in der Arbeitsgestaltung lädt doppelt so hoch wie Geld und Macht zusammen.

    Antwort

  4. 4. Eiya Iwata, Tokio

    Kommentar vom 15. September 2009 um 08:15

    Es ist sehr interessant, dass ein Unternehmen den Twitter hat.

    Ich kam zu “Daimler_Career”. Aber wie kann ich darin schreiben?

    Antwort

  5. 5. Daniel Loewa

    Kommentar vom 15. September 2009 um 09:35

    Guten Morgen und Danke für die ersten Kommentare und Diskussionsanstöße. Vielleicht der Reihe nach:

    @Uwe – den Trendopfer-Beitrag kenne ich und das ist sicherlich ein abschreckendes Beispiel. Zum Glück geht es uns bei der Freigabe von Tweets nicht so. Gleichzeitig ist diese Form und dieser Kanal der Kommunikation eine Herausforderung für alle Beteiligten, auch für die Führungskräfte, die uns einen Vertrauensvorschuss gewähren.

    @Herr Cuffaro, ich freue mich auf Ihre Bewerbung, viel Erfolg beim Online-Test.

    @Wittkewitz, schade, dass Sie ein solches Bild von uns und unseren Top-Leuten haben. Sicherlich kann Daimler nicht Start-up Flair liefern, aber den Spielraum für Gestaltung kann man sich auch in einem Konzern wie Daimler erobern. Und vielleicht würden wir in einer weiteren Diskussion feststellen, dass Ihre Definition von “Top” sich von der unsrigen unterscheidet, Schönheit liegt wie so oft im Auge des Betrachters.

    @Iwata-san, wenn Sie und der HR-Bereich in Japan Interesse an Twitter etc. haben, können wir uns gerne abstimmen. Ich freue mich auf eine Mail, meine Daten finden Sie im Who-is-Who.

    Antwort

  6. 6. Wittkewitz

    Kommentar vom 15. September 2009 um 11:17

    Das Image, das ich habe, ist jenes, dass ihre Kommunikation verbreitet plus den Horizont auf dem ich die Welt begreife.
    “Top-Leute gehen zu Top-Firmen, das ist die Basis für zukünftigen Erfolg.”

    Dieser Satz beinhaltet keine Aussage, es sei denn, ich unterstelle mit TOP eine Attribution, die “der Erste, der Beste” assoziieren soll. Dann wiederum unterstellt dieser Satz, dass die besten Mitarbeiter zu den Firmen gehen, die zu den besten gehören. Da keine Bezugsgruppe angegeben wurde, gehen wir mal von den üblichen Kennzahlen aus: Gewinn, Marktanteil etc.

    Aufgrund der enormen Transaktionskosten und des hohen Organisationsgrads gehen aber bei diesen komplexen Strukturen sehr wenig kreative und innovative Konzepte den Weg zur Marktreife ohne strategische Planung. Dieser Ansatz ist aber dem evolutiven Ansatz unterlegen. Zudem fühlen sich kreative Köpfe von dem enormen Anteil der administrativen Arbeit am täglichen Pensum unterfordert und beengt. Die komplexe Transaktion hat also nicht nur pekuniäre Nachteile sondern auch persönliche Frustration zur Folge. Wer aber ein High-Potential ist, der läßt sich ungern von Zeitkonten, Spesenabrechnung und ähnlichem gängeln. Der ist mit 30% weniger Gehalt in einer ROWE-Umgebung glücklicher UND leistungsfähiger.

    P.S: ROWE gibt es auch in großen FIrmen. Europa wird das sicher auch 2015 einführen. Manchen Organisationen werden sogar erkennen, dass Strategieansätze wie die strategische Planung ihren Firmen schadet, obwogl sie besser ist als das Management des 18. Jahrhunderts namens carrots&sticks.

    Antwort

  7. 7. Martin Bregulla

    Kommentar vom 28. September 2009 um 18:24

    Hallo Hr Wittkewitz,

    ROWE kannte ich bisher noch nicht. Ich weiß auch noch nicht was sich dahinter verbirgt. Sobald ich aber das iPhone abgelegt und wieder einen Laptop in Griffreichweite habe, mache ich mich mal schlau.

    Ihre Analyse klingt nicht nur glaubhaft. Ich kann sie auch aus eigenen Erfahrungen heraus bestätigen. Ich habe nach neun Jahren Betriebszugehörigkeit als Praktikant, Berater und Mitarbeiter das Handtuch geworfen.

    Ich denke, dass ich mit Fug und Recht von mir behaupten kann, dass es vermutlich intern keinen zweiten Mitarbeiter gibt der funktionalübergreifend mehr System und Prozesswissen angehäuft hat und mehr Optimierungsmöglichkeiten und Einsparpotenziale kennt als Hr. Schmückle jemals finden kann – trotz akribischer Suche in allen Bereichen. Aber jeden Bereich einzeln zu betrachten – ist eben schon der Fehler.

    Der Name Daimler zieht noch immer gute Leute, aber die wirklich guten Leute erkennen heute, dass die Autoindustrie keine Wachstumsbranche in Deutschland mehr ist. Und dass Deutschland generell wenig Zukunftsmärkte bietet. Wir bräuchten alternative Konzepte, neue Ideen/Innovationen und neue Unternehmungen, um einem zunehmenden Abfluss der Talente entgegenzuwirken.

    Deswegen bin ich für jeden Anreiz dankbar und werd mich mal schlaulesen, was hinter Ihrem ROWE steckt.

    Mit freundlichen Grüßen
    Martin Bregulla

    Antwort

  8. 8. Fabian Cuffaro

    Kommentar vom 30. September 2009 um 15:26

    Hallo Hr. Löwa,

    danke für die Glückwünsche! Online-Test bestanden, gleich bekomm ich den Anruf zum Telefoninterview…

    Ich freue mich auf das AC…wenn ich es denn bis dahin schaffe.

    Beste Grüße
    Fabian Cuffaro

    Antwort

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