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10.2009

Arbeitskultur und Arbeitsweise in Japan (Teil 2)

Gestern habe ich ja bereits hier über zwei wichtige Erfahrungen mit japanischen Kollegen während meines 10wöchigen Projekteinsatzes für FUSO in Kawasaki gebloggt. Heute möchte ich das Bild noch mit zwei weiteren Erkenntnissen bereichern:

3. Emotionen müssen erfühlt werden und werden nicht geäußert!

Eines der wichtigsten und schwierigsten Themen bei einer erfolgreichen Zusammenarbeit mit Japanern ist die Art und Weise der Kommunikation. Wichtig hierbei ist, möglichst langsam und nicht zu laut zu sprechen. Lautes Sprechen wird als unhöflich und aufbrausend empfunden. Langsames sprechen ist erforderlich, weil viele Japaner nicht besonders gut in Englisch sind. Man muss Ihnen genügend Zeit geben die englischen Worte in die japanische Denkweise zu übersetzten, um den Inhalt zu verstehen.Zeit und viel Geduld sind hier vor Allem ratsam, weil ich es nicht erlebt habe, dass ein Japaner nochmals nachfragt, wenn er etwas nicht verstanden hat. Weiterhin zeigen Japaner Ihre Emotionen nur sehr wenig und es ist oftmals schwer deren Meinung zu Themen zu erkennen.

Emotionen und Gefühle werden in Japan nur selten geäußert. Sie müssen vielmehr erfühlt werden. Das macht die Kommunikation unheimlich spannend aber auch nicht immer einfach. Besonders auffällig ist, dass es kein klares „Ja“ und „Nein“ gibt.

Man muss daher ein Gefühl entwickeln, wann der japanische Kollege den Sachverhalt verstanden hat, diesem zustimmt oder ihn ablehnt. Eine kleine Übersetzungstabelle (ohne Gewähr,) kann vielleicht helfen oder einen Eindruck geben, dass ein „Ja“ nicht immer „Ja“ bedeutet und ein „Nein“ nicht immer „Nein“:

• Kurz gesprochenes „yes“ -> „habe dir zugehört und dich einigermaßen verstanden“

• Langgezogenes „yes“ mit leichtem „Summen in der Stimme“ -> „habe das Problem verstanden und stimme mit dir überein.“

• Mehrfaches „yes“ mit euphorischem Unterton in der Stimme -> „Stimme mit dir überein und wir können uns gemeinsam an die Arbeit machen.“ Das Nein wird im japanischen oftmals durch das englische „Maybe“ ersetzt…

• Kurzes „maybe“ –> „Stimme deiner Aussage nicht so ganz zu“ oder „habe es nicht richtig verstanden.“

• Langezogenes „maybe“ mit langem „hmmmm“ -> „Ich weiß die Antwort auf deine Frage im Moment nicht, werde aber versuchen dir später eine Antwort zu geben“

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Kommunikation nicht immer einfach ist mit den japanischen Kollegen. Wenn man jedoch geduldig und ruhig kommuniziert und ein Gefühl für deren Emotionen bekommt ist es sehr spannend.

4. Japaner sind verspielt und mögen es bunt!

Insbesondere bei diversen Prozessworkshops machte ich die Erfahrung, dass Japaner Probleme gerne spielerisch darstellen und lösen. Man sollte sich daher nicht zu schade sein, Prozesse bspw. mit Legosteinen oder diversem Spielzeug zu erklären oder nachzuspielen. Diese Art mag zwar unorthodox sein aber die Kollegen waren sofort bei der Sache und fingen an über das Thema zu diskutieren. Prozesse können somit viel einfacher und effektiver verständlich gemacht werden, weil es für alle Beteiligten der anschaulichste Weg ist und sprachliche Probleme vermindert werden können.

Ziel muss es in solchen Workshops sein, die japanischen Kollegen zur Diskussion anzuregen. Gelingt einem dies, so wird relativ schnell ein Konsens in der Gruppe gefunden. Bei der Gestaltung von Powerpointfolien habe ich weiterhin die Erfahrung gemacht, dass es durchaus, entgegen der Norm, hilfreich sein kann, die Folien ein wenig farbenfroher und bildlicher darzustellen. Wer einmal in den diversen Vergnügungsvierteln und Spielhallen in Tokio unterwegs war, kann diese verspielte Art der Japaner und die Liebe zu farbenfrohen Dingen nachvollziehen.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass die Zusammenarbeit mit den japanischen Kollegen sehr viel Spaß gemacht hat und sehr lehrreich für mich war. Trotz der unterschiedlichen Arbeitsweise und Mentalität sollte man immer bedenken, dass diese Art nicht schlechter ist, sondern lediglich anders. Auch bei FUSO werden schließlich seit vielen Jahren sehr erfolgreich Trucks gebaut! Ungemein positiv fiel mir bei den Japanern der Zusammenhalt in der Gruppe auf. Wenn gemeinsame Entscheidungen getroffen werden, werden diese auch sehr verlässlich und konsequent umgesetzt.

Insbesondere wenn man die Regeln der Höflichkeit, Zurückhaltung und Respekt bewahrt und ein bisschen Geduld und Ruhe bei der Entscheidungsfindung mitbringt macht die Arbeit viel Freude und ist zielführend. Bei ausreichender Höflichkeit verzeihen Japaner fast alles.

Ich würde mich über Feedback und weitere Diskussionen zum Thema „Arbeiten in Japan und mit Japanern“ freuen.

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Dieser Artikel wurde von Oliver Thron geschrieben. In diesem Blog schreiben Daimler-Mitarbeiter und einige wenige Gastautoren. Unsere Autoren kommen aus den unterschiedlichsten Bereichen des Konzerns und schreiben über eigene Eindrücke, Geschichten und ihre persönliche Meinung und geben so Einblicke in den Konzern. Warum wir das machen, finden Sie auf unserer Seite über das Blog.

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Was sagen Sie zu diesem Thema? Derzeit 8 Kommentare. Diskutieren Sie mit!

  1. 1. Malte Schmitz

    Kommentar vom 23. Oktober 2009 um 09:55

    Danke für diesen klasse Erfahrungsbericht, der sehr interessant zu lesen war. Viel Erfolg weiterhin im Career Programm!

    Antwort

  2. 2. Sebastian Hertweck

    Kommentar vom 23. Oktober 2009 um 16:06

    Hallo Herr Thron,

    danke für den guten Artikel!

    Ihre Erkenntnisse teile ich, hatte früher auch mit Japanern, wenn auch nur in der Studienzeit, zu tun.

    Viel Glück für Ihre weitere Karriere!

    Sebastian Hertweck

    Antwort

  3. 3. Jutta F.

    Kommentar vom 26. Oktober 2009 um 10:42

    Der Beitrag war sehr interessant, vor allem weil ich viele Eigenheiten aus dem Umgang mit Japanern – wenn auch im privaten Bereich – wiedererkenne.
    Mich würde noch sehr interessieren, ob du von Daimler in irgendeiner Weise auf die fremde Kultur vorbereitet wurdest, wie z.B. durch ein interkulturelles Training oder ob dies für einen 10-wöchigen Aufenthalt nicht für wichtig angesehen wurde.
    Viele Grüße,
    Jutta

    Antwort

  4. 4. Marianne Nold

    Kommentar vom 26. Oktober 2009 um 14:07

    Hallo Herr Thron,

    toller Bericht! Werde in Zukunft die Trainees die auch nach Japan gehen auf Ihren Blog-Eintrag aufmerksam machen!

    Grüße!
    Marianne Nold

    Antwort

  5. 5. Jens Weinsheimer

    Kommentar vom 27. Oktober 2009 um 08:39

    Großartiger Artikel, insbesondere die Übersetzungstabelle. Ich kann nur absolut zustimmen, dass wenn man die Punkte von Herrn Thron berücksichtigt, der Einstand in Japan wesentlich leichter ist und man sich einigen Frust erspart.

    Antwort

  6. 6. Verena Hausenstein

    Kommentar vom 04. November 2009 um 13:59

    Stimmt, Japaner mögen es wirklich bund. Sie sind sehr visuell und auf Bilder fixiert, was mit der Bildverarbeitung des Gehirns zu tun hat. Die von den Japanern mitbenützten chinesischen Schriftzeichen werden wie Bilder verarbeitet, deshalb ist die bildliche Aufnahmefähigkeit sehr,sehr viel besser trainiert als zum Beispiel bei Europäern.
    Ein sehr guter Hinweis zu Präsentationen oder generell zur optischen Gestaltung. :)

    Antwort

  7. 7. Scott Kaschewski

    Kommentar vom 05. November 2009 um 10:33

    Hallo,

    zu meiner Zeit als Marktbetreuer Export im Kundendienst in Wörth durfte ich 4 Mal nach Japan reisen. Meine Erfahrungen:
    • In Großstädten scheint man vor 9 Uhr nicht zu arbeiten…den Grund dazu habe ich mir von einem japanischen Kollegen erklären lassen. Die meisten Japaner wohnen eher bescheiden auf recht engem Raum (4 Personen auf 50qm keine Seltenheit). Wenn die Kinder morgens zum Schulbesuch aufstehen, ist es einfach zu eng, als dass noch eine vierte Person (die Mutter macht die Kinder Schul-fertig) im beengten Raum sein Unwesen treiben kann. Papi steht dann einfach auf, wenn die Kids außer Haus sind.
    • Der arbeitswütige Japaner geht selten vor 19 Uhr nach Hause. Gleicher Grund wie das späte Arbeiten gehen: Kids kommen gegen 16 Uhr nach Hause, aus Platzgründen kommt Papi später, wenn die Kinder schon fast zu bett gehen. Selten, dass der Japaner seine Kinder über mehr als 1 Stunde am Tag/Abend sieht.
    • Hierarchie ganz großes Thema. Ich machte die Erfahrung bei der Tokyo Motorshow 2002: Mein japanischer Kollege begegnete einem Herren, geschätzte Mitte 80 Jahre alt, und begann, sich minutenlang während des Handschlags zu verbeugen. Eine kurze Verbeugung während der Begrüßung war für mich schon normal, dieser lang anhaltende Zustand etwas verwunderlich. Aus diesem Grund fragte ich meinen japanischen Kollegen, warum er sich so lange verbeugte (ich überlegte mir lange, ob ich ihn das fragen sollte, denn der Japaner gibt nur sehr selten etwas aus seinem Privatleben bekannt). Seine Antwort: Der ältere Herr war sein Chef aus seiner vorherigen Firma, er hatte ihn fast 15 Jahre nicht gesehen. Ein Zeichen des Respekts.
    • Thema Hierarchie auch im Privatleben. Im Mai 2004 waren 4 japanische Kollegen zu Gast in Wörth: 1xE3, 1xE4, 2x Sachbearbeiter…das ständige Schicki-Micki Essen am Abend ging mir so langsam auf den Keks, so dass ich diese Herren zu einem Grillabend zu mir nach Hause einlud. Als sie gegen 18 Uhr bei mir ankamen und den Hof betraten, waren sie zu erst erschrocken, denn meine Labrador-Hündin begrüßte sie wild mit dem Schwanz wedelnd. Man merkte doch den großen Respekt, welchen die Herren gegenüber der „Dame in schwarz“ hatten…nach gutem Essen und nem Glas Rotwein (unter den Augen meiner Hündin) nahm ein Sachbearbeiter der japanischen Delegation seinen Mut zusammen und fragte mich, ob er den Hund streicheln dürfte….Ende vom Lied: die japanischen Kollegen standen in einer Reihe, warfen nacheinander den Tennisball, den dann meine Hündin fröhlich zurück brachte. Und auch hier wieder Hierarchie: v.l.n.r.: E3, E4, SB…schön der Reihe und Ebene nach wurde geworfen. Selten zuvor habe ich die Japaner so fröhlich lachend gesehen.
    • Japaner sind so was von gastfreundlich….im November 2001 machten wir eine Geschäftsreise von Tokyo nach Toyohashi ins Auslieferungszentrum für PKW und LKW. Da ich damals noch keinen Laptop hatte, musste ich viele Unterlagen in Ordnern mitnehmen. Diese waren in einem großen Plastikbehälter verstaut. Tokyo Bahnhof aus dem Taxi raus- der japanische Kollege nimmt sofort den Behälter zu sich und trägt ihn….bis zum Gleis…er hat dabei Blut und Wasser geschwitzt…meine Frage nach Ablösung fand er wohl eher peinlich. Meinte er wohl, ich würde ihm eine solche Strapaze nicht zumuten? Gleiches Spiel am Ankunftsbahnhof bis zum Taxi…die Schlepperei hat den Japaner Minimum 2 KG gekostet.
    • Vor seinem Teamleiter geht der Sachbearbeiter nicht nach Hause…fand ich am Anfang schon etwas lustig. Großraumbüro Tokyo, 18. Etage. 20 Japaner Seite an Seite auf engstem Raum, der Schreibtisch eines Jeden kaum breiter als der Bildschirm darauf. 17 Uhr und keiner geht nach Hause. Ca. 18 Uhr, der Teamleiter, welcher seinen Schreibtisch stets am oberen Ende der Schreibtischreihe hat, steht auf, verabschiedet sich und geht Richtung Fahrstuhl…keine Minute später wilde Aufbruchstimmung unter den Mitarbeitern…
    • Während der Arbeitens an sich sehr große Stille in den Büroräumen. Einzige Unterhaltung scheint nur im benachbarten Raucherzimmer (gleicht einer Räucherkammer) statt zu finden. Aber auch nur sehr leise. Der Japaner ist bedacht, mit seiner Gesprächslautstärke die Mitmenschen im gleichen Raum nicht zu belästigen.
    • Japaner unterhalten sich sehr selten über private Angelegenheiten und reden sich ganz selten „per DU“ an. Ich fragte einen japanischen Kollegen, zu dem ich auch privat ein wenig Kontakt aufbauen konnte, warum seine Kollegen, die ihn nun schon über Jahrzehnte kennen, ihn nicht mit dem Vornamen anreden. Er meinte, dass nur eine Person seinen Vornamen sagen würde: Seine Frau. In Japan wäre es so, dass man auch nach Jahrzehnte langer Kollegialität immer noch das Private vom geschäftlichen trenne, und dies beinhalte auch die Anrede.
    • Der Japaner will alles wissen…Während meiner Meetings in Japan wurde sehr viel über LKW Technik gesprochen. Dabei lag das Augenmerk auf Kundenbeanstandungen und deren Abhilfen. Bsp: Motorschaden: der Japaner, in dem Fall der Kunde, wollte wissen, wie es zu diesem kommen konnte. Dazu wurden Schadteile nach Mannheim zur Befundung geschickt mit dem Ergebnis: Kolben durch Überhitzung geschmolzen, Kolbenfresser an den Laufbuchsen, Motorschaden…Dies teilte ich den Japanern so mit…und verschaffte damit reichlich Gesprächsstoff. Allein die Aussage „Überhitzung“ regte die Gemüter auf asiatischer Seite: es kamen Fragen auf: Warum Überhitzung, wie kann eine solche Zustande kommen? Was passiert genau mit dem Kolben bei Überhitzung, welche Teile beginnen als erstes zu schmelzen, welchen Einfluss haben die auf die Laufbuchsen und und und. Der Japaner gibt sich mit einer einfachen Aussage nicht zufrieden und bohrt bis ins letzte Detail…was mich manchmal fast auf die Palme gebracht hätte…
    • Japaner machen keinen Sommerurlaub, wie wir ihn kennen (14 Tage Sonne, Meer, Strand). Für gewöhnlich begibt sich der verheiratete Japaner einmal im Jahr für ein Wochenende mit seiner Frau (und ohne Kinder) in ein Hotel der gehobenen Klasse und lässt sich dort von Kopf bis Fuß bedienen…das ist Entspannung pur für ihn…und das ist sein „Jahresurlaub“. Klar hat er ein Paar Tage mehr im Jahr frei, doch diese nutzt er eher, um mal einen freien Tag mit seinen Kids zu verbringen. Es kommt auch recht oft vor, dass der Japaner Tage oder gar Wochen seines Jahresurlaubes verfallen lässt. Den großen Urlaub genießt der Japaner kurz vor Rentenzeit oder wenn er schon aus dem Berufsleben ausgeschieden ist. Deswegen sieht man auch so viele ältere Japaner in Deutschland/Europa/Amerika. Er verbringt dort seinen „Lebensurlaub“. Darum auch die These, der Japaner fotografiere alles, was er vor die Linse bekommt. Ist in der Tat so, damit er zu Hause berichten und nach Jahren noch in Erinnerungen schwelgen kann. Unser einer geht alle 2-3 Jahre vielleicht auf eine Balearen-Insel…der Japaner macht einmal im Leben eine große Reise…
    • Japaner sind für jede Art von kulinarischen Leckereien offen und probieren alles:
    Als die Japaner 2002 nach Wörth kamen, stand nach dem ersten großen Abendessen in einer Gaststätte der höheren Preisklasse auch ein Abendessen in einer pfälzischen Besenwirtschaft an. Auf der Speisekarte standen Saumagen, Leberknödel und Bratwurst…und es war nix mehr auf den Tellern, als wir die Wirtschaft verließen. Tags drauf gab es in gemütlicher Runde abends Döner Kebab…auch alles leer…
    Fazit: man muss die Kultur und das Verständnis eines Japaners kennen, um einschätzen zu können, wie man in welchen Situationen reagiert und wie man den Japaner aufzunehmen hat. Alles in allem hatte ich schöne Tage in Japan…auch wenn ich kein Freund der asiatischen Küche bin und immer 2-3 KG an Gewicht dort ließ. Seetang zum Frühstück ist eben nicht Jedermanns Sache…Schönen Tag noch…Scott Kaschewski

    Antwort

  8. 8. Vorgestellt: Das Daimler-Blog - Hier bloggen Mitarbeiter von Daimler - WordPress Top 50

    Pingback vom 13. November 2009 um 11:32

    [...] Wir glauben, dass dieser Spagat sehr gut gelungen ist. Es lesen sich interessante Artikel von Praktika in Japan genauso gut, wie interne Fragen zur Arbeitszeitregelung bei Daimler im Krisendezember 2008. [...]

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