Das aktuelle Thema C-Klasseverlagerung in die USA wird ja in der betriebsinternen Öffentlichkeit sehr stark diskutiert. Höhepunkt war wohl der vergangene Freitag, als ca. 15.000 Kollegen der Frühschicht in die Sindelfinger Innenstadt vor das Sterncenter zogen. Mehr als 200 Mitarbeiter fuhren von Untertürkheim mit dem Auto nach Sindelfingen, da so schnell keine Busse aufzutreiben waren. Das Thema trifft den aktuellen Zeitgeist, den wir viel zu lange verdrängt haben. Im Kern geht es einmal um ökonomischen Gründe. Kein Land der Welt wird auf Dauer Handeldefizite/-überschusse dulden können. Das trifft Deutschland doppelt, da wir ja noch Exportweltmeister sind.
Vor diesem Ungleichgewicht haben wir Jahre lang profitiert und wollten deshalb die Probleme der Handelsbilanzdefizite nicht sehen. Die Gefahr ist groß, dass es m. E. hier zu protektionistischen Maßnahmen kommen könnte. Das sich hier Betriebsrat, Gewerkschaften, Bürgermeister, Landräte, Kirchen usw. für die Arbeitsplätze in der Region stark machen ist für mich ein ganz normaler Prozess, da es, je nach Schätzung, in um rund 50.000 Arbeitsplätze in der Region geht.
Studie
Die neuste Studie für die Region des IMU Instituts u. a. im Auftrag der IHK und IG Metall zeigen die Region als einzigartiges Automobilcluster in der Welt. Wobei die Vorteile auch schnell in Nachteile (Monostrukturen) umschlagen können, wie die aktuelle Krise zeigt. Der zweite Aspekt sind ökologische. Transporte, beispielsweise werden durch höhere Energiepreise teurer. Zudem dürfte die CO2 Diskussion mit jeder Dürre, mit jedem Hochwasser oder jeder Missernte an Schärfe zunehmen. Deshalb wird der Trend zu regionalen Kreisläufen wieder stärker werden (müssen).
Rationalisierung, der richtige Weg?
Prof. Götz Werner (Besitzer der DM Drogeriemarktkette) hat sich hierzu Gedanken gemacht. Er schreibt in seinem Buch, dass man radikal ökonomisch und radikal links denken müsste, um für die Überproduktionskrise Lösungen finden zu können.
Im Prinzip ist Rationalisierung ja was Tolles. Menschen müssen weniger viel und weniger hart arbeiten, da dies beispielsweise Maschinen erledigen. Natürlich stellt sich dann sofort die Frage: “Wovon soll ich denn leben, wenn es nicht mehr Arbeit für alle gibt?” Das ist die entscheidende Existenzfrage die sehr viele umtreibt. “Frei sei ein Mensch erst richtig wenn er zu etwas auch nein sagen kann”. Unter Hartz IV gibt es diese Freiheit aber nicht. Dabei gäbe es Arbeit gerade genug z. B. in der Altenpflege, bei der Ausbildung unserer Kinder oder in der Krankenpflege….
Wir alle, Politiker, Arbeitgeber, Gewerkschaften usw. müssten begreifen, dass uns die Produktionsarbeit langsam ausgeht und wir diese Gesellschaft auf andere Beine stellen müssen. Wir können jedes Jahr mehr produzieren, niemand braucht/bräuchte zu hungern.
Lösungsansätze
Die Lösung von Götz Werner ist die von ihm mitinitiierte weltweite Bewegung des “Bedingungslosen Grundeinkommens” (BG). Diese Thesen müssen nun mehr Menschen diskutieren und den ggf. modifizieren, damit dieser Weg begehbar wird. Im Grunde gehen Kindergeld, Rente, Grundsteuerfreibetrag schon in die Richtung eines BG, es ist nur nicht richtig zu Ende gedacht. Wir leben gerade in Deutschland in einer Zeit größten Reichtums, warum soll uns der Übergang zu mehr Konsum und weniger Arbeit nicht gelingen? Unternehmer, Betriebsräte, Gewerkschaften müss(t)en die Treiber dieser politischen Entwicklung sein, da man sich in einem Hamsterrad befindet in dem keine Seite für sich einfach ausbrechen kann. Bisher endeten diese Entwicklungen leider oft in einer Inflation, Depression oder schlimmstenfalls im Krieg. Das will sicherlich keiner. Mit der Wirtschaftskrise ist wohl auch dem letzten klar geworden, dass es der Markt allein nicht richten wird. Es bedarf hier Regularien seitens der Politik. Nach dem letzten Weltkrieg hat man sich zusammengesetzt und ein Grundgesetz zusammen entworfen.
Warum sollte es jetzt nicht gelingen so etwas wie einen Zukunftskongress zu veranstalten, in dem Politiker und Wirtschaftsakteure über langfristige Rahmenbedingungen zum Wohle der Bevölkerung verständigen. Wir sollten möglichst viel Wohlstand für alle produzieren, dies möglichst umweltschonend und mit möglichst viel Freiheit für den Einzelnen. Interessanterweise findet man deshalb Befürworter des BG in allen Parteien, von der FDP, CDU, Grünen, SPD Linken…da sich dort alle Parteien ein Stück weit wiederfinden. Wie sagt Götz Werner “Wer ein Ziel/Vision vor Augen hat findet Wege, wer etwas verhindern möchte findet Gründe”. Warum suchen wir nicht gemeinsam nach lebenswerten Wegen für eine lebenswerte Zukunft?
Prof. Götz Werner war vor kurzem Gast bei Daimler: beim Arbeitskreis Umwelt. Sein Buch wurde ihm dabei aus den Händen gerissen. Die Diskussion unter den ca. 200 Teilnehmern im vollbesetzten Saal war einer im positivsten Sinne, lebhaftesten die es in 15 Jahren Arbeitskreis Umwelt gab.
Schlussfolgerung
Mit einer Produktionsverlagerung werden nur die Symptome einer Krankheit bekämpft , jedoch nicht die Krankheit selbst. Heute die Verlagerung um Kosten zu sparen und morgen andere. Produktion nur noch in Nachfrageländern oder in Ländern mit einem günstigen Wechselkurs.
Was passiert jedoch, wenn sich plötzlich die Parameter ändern? Kaufverhalten, Löhne, Rohstoffpreise, Gesetze oder der Wechselkurs. Vor kurzem gingen die Autoexperten noch davon aus, dass der Luxusautomarkt massiv ansteigen wird, gekauft werden aber gerade eher kleinere Autos.
Udo Bangert, Betriebsrat Pkw-Entwicklung
Dieser Artikel wurde von Udo Bangert geschrieben.
In diesem Blog schreiben Daimler-Mitarbeiter und einige wenige Gastautoren. Unsere Autoren kommen aus den unterschiedlichsten Bereichen des Konzerns und
schreiben über eigene Eindrücke, Geschichten und ihre persönliche Meinung und geben so Einblicke in den Konzern. Warum wir das machen, finden Sie auf unserer Seite über das Blog.
Stellungnahme und Gedanken zu Einstellungsuntersuchungen
Liebe Blog-Teilnehmer, ich muss zugeben, dass uns die negative Berichterstattung doch sehr überrascht hat. Allerdings verstehe ich dies vor dem ...
1. Erhard
Kommentar vom 09. Dezember 2009 um 23:28
Hallo Udo,
ich kann dich nur beglückwünschen zu diesem Blogbeitrag. Als alter Benzmitarbeiter der die Frühpensionierung (auch eine Art des BG) genießt, kann ich nur sagen:
“Wer das macht was ihm Spaß macht, leistet mehr obwohl er nicht arbeitet.”
Dass dir deine Betriebsratsarbeit Spaß macht weiß ich. Deshalb wünsch ich dir und allen Kollegen dass die “C’s” weiterhin aus Sifi kommen.
Mit sonnigen Grüßen
Erhard
Antwort
Antwort von Udo Bangert am 10. Dezember 2009 um 06:37:
Hallo Erhard,
danke für deinen Kommentar, wir bezeichnen uns ja als Homo Sapiens (der kluge Mensch), ich hoffe der Verstand siegt über unsere angeborenen Instinkte. Engagierte Ehrenamtliche oder Rentner wie du, sind notwendig für die Gesellschaft. Prof. Werner sagt ja auch, die meisten Menschen arbeiten gern, weil sie darin einen Sinn sehen und würden auch bei einem BG nicht aussteigen. Ich bin der Meinung, dass Menschen die Angst um ihren Arbeitsplatz haben nicht so produktiv sein werden, als wenn man keine Zukunftsängste hat und sich ganz auf seine Arbeit konzentrieren kann. Es zeichnet sich wohl aktuell eine Lösung für das Werk Sindelfingen und die anderen Werke ab. Ich wünsche mir, dass man da auch an die Zulieferer denkt, wo uns viele Menschen unterstützt haben. In einer sich unterstützenden Gemeinschaft/Gesellschaft lebt es sich auch leichter und schöner.
P.S. Ich denke es zeigt auch Größe vom Daimler, wenn man hier kritische Themen ansprechen und diskutieren darf.
Antwort
2. Yves
Kommentar vom 10. Dezember 2009 um 12:29
Ich bin ein großer Befürworter des “Bedingungslosen Grundeinkommens” und finde gut, dass das Thema hier angesprochen wird.
Häufig wird das Thema ja leider durch Leute, die es nur oberflächlich kennen, sofort durch Platitüden platt gemacht. Hier ist massive Aufklärungsarbeit gefragt.
Natürlich gibt es bei diesem Konzept vielleicht Nachteile, aber die Vorteile überwiegen ganz klar (Bürokratieabbau, Subventionsabbau, Menschenwürde, Leistungserhöhung uvm). Das eigentliche Problem liegt aber eigentlich in den Köpfen und Gewohnheiten, z.B. dass jemand ohne Arbeit nichts Wert sei.
Und ich stimme total zu, dass das Thema stärker in die Öffentlichkeit gebracht und dort diskutiert werden muss, um es den Menschen näher zu bringen und um hier voranzukommen.
Antwort
3. Patrick
Kommentar vom 10. Dezember 2009 um 20:44
Man vergisst nur dabei das ein Grundeinkommen auch die Faulheit eines Menschen unterstützt. Wenn man genau weiss OHNE je einen Finger krumm zu machen Geld bekommt mit dem man gut leben kann.
Ich denke hier wird es sicherlich genug Menschen geben die das voll ausnützen würden ( grade in Niedriglohnsektoren ).
Somit würde uns eine komplette Lohn und Arbeitsgruppe wegfallen, da keiner die Arbeit mehr machen würde ( weil man ja fürs nichtst un genausoviel Geld bekommt ).
Auserdem wäre das in unserem total verschuldeten Staat gar nicht möglich so ein System einzuführen. So Pleite wie wir sind, wer sollte das bezahlen ? Und wo wollen all die Leute arbeiten um das Geld dafür zu erwirtschaften ?
Klar, die Idee ist soweit ganz ok, aber in der heutigen Praxis nicht machbar
Antwort
Antwort von Udo Bangert am 10. Dezember 2009 um 21:38:
Hallo Patrick, du hast m. E. nach eine falsche Weltvorstellung. Prof. Werner fragt darauf immer “Würden Sie aufhören zu arbeiten?” Die meiste Antwort “Ich nicht, da mir die Arbeit Spaß macht, aber die anderen (da die ja faul sein wollen)”. Fast alle Autohersteller könnten gerade deutlich mehr Autos produzieren als verkauft werden. Wenn wir mal die Ökologie beiseite lassen. Es gibt Millionen Arbeitslose die sich Arbeit suchend in Deutschland gemeldet haben. Über eine Millionen in Kurzarbeit (wo die meisten sicher auch arbeiten wollen, allein schon weil sie Kinder oder Familie haben)… Der Ersatzbedarf, von Autos, Kühlschränken, TVs, PCs usw. geht zurück. Ganze Marketingabteilungen beschäftigen sich damit, uns irgendeinen Bedarf einzureden. Da machen wir uns Gedanken, ob wir alles produzieren können was wir Menschen brauchen? Ein junger Ingenieur fragte Prof. Werner “Das geht doch nicht ohne Arbeit Geld zu bekommen!” Folgende sinngemässe Antwort gab er einem Wirtschaftsredakteur einer überregionalen Zeitung: “Sie haben mir erzählt, dass Sie Kinder haben die ins Gymnasium gehen oder studieren. Sie gehen mit ihrer Frau öfters in die Oper… Dann bekommen Sie mehr Transfereinkommen vom Staat als jeder Harz IV Empfänger, ist Ihnen dies bewusst?”. Wieso haben wir trotz Staatsschulden plötzlich Mrd. für die Banken und erst Mitten in der Krise Geld für die Instandhaltung von Schulen…”. Im Grunde liegt es doch nicht an der fehlenden Arbeit, auch nicht am fehlenden Geld, dies ist ja plötzlich da. Es liegt doch irgendwie am Geldkreislauf der doch irgendwo irrational ist. Da mit bedrucktem Papier plötzlich alles geht. Ohne dieses gedruckte Papier soll es nicht gehen? Ich glaube wir haben da einen zu starken Geldfetisch, der uns jahrelang eingeredet wurde. Wie begann Prof. Werner seinen Vortrag “Von was Leben Sie?” Antwort “Von meinem Einkommen”. Antwort Prof. Werner “Das glaube ich nicht, ich habe noch niemand gesehen der Geld essen kann!” Es ist also der feste Glaube daran, dass wir dieses Geld gegen Ware eintauschen können. Solange dies die meisten Glauben und nicht in Frage stellen oder anders erfahren, wird es wohl funktionieren. Zudem schreibt auch Prof. Werner in seinem Buch, dass er von einer stufenweise Einführung ausgeht, da die Menschen und die Wirtschaftssysteme sicher Zeit brauchen sich darauf einstellen zu können.
Antwort
Antwort von Martin K. am 11. Dezember 2009 um 11:28:
@Udo Bangert
Sehr schöner Beitrag hier im Daimler-Blog. Der Ansatz des bedingungslosen Grundeinkommens ist in der Theorie ein schöner. Doch auf die heutige Zeit projeziert muss ich mehr auf die Seite von Patrick stellen.
Generell kann das Grundeinkommen meiner Meinung nach schon eine Alternative sein, jedoch ist dafür der jeweilige soziale bzw. wirtschaftliche Hintergrund eines Landes mitentscheidend. Ich habe in den letzten Monaten gelesen, das das bedingungslose Grundeinkommen in dem afrikanischen Staat Namibia eingeführt wurde. Ich weiß leider nicht mit welchem aktuellen Erfolg, jedoch ist es aus meiner Sicht in diesem Land einfacher und richtig dies zu testen, da
1.) der Großteil der Bevölkerung sehr arm ist, d.h. die Einkommensverteilung ist für alle GLEICH schlecht
2.) der Bildungsstand bei ALLEN sehr niedrig ist und
3.) das Geld vor allem dazu genutzt wird um sich weiterzubilden, sich selbstständig zu machen etc.
Also wenn ein Großteil der Bevölkerung einen ungefähr gleichen Startpunkt bei der Einführung hat, ist das BG Motivation und Verpflichtung zugleich, sein Dasein zu verbessern und dies führt natürlich mittelfristig zu mehr Konsum und somit zu einem Kreislauf der alle und natürlich auch dem Staat zugute kommt.
In Deutschland sieht das aus meiner Sicht etwas anders aus. Auf der einen Seite die besserverdienenden, die eine nicht zu kleine Schicht ausmachen. Dann die breite Mittelschicht und die untere Schicht, die leider immer größer wird.
Würde man in Deutschland von heute auf morgen das Grundeinkommen einführen…was würde passieren?
Die Oberschicht würde natürlich weiterarbeiten, da der Level nicht durch das BG gehalten werden kann. Auf weite Teile der Mittelschicht würde das auch zutreffen, da einerseits für viele die Arbeit Lebenserfüllung ist und viele wahrscheinlich mehr als das BG verdienen.
Jedoch ist Deutschland leider viel durch Neid und Missgunst geprägt. Dies könnte in diesem Fall umschlagen und die Bezieher des BG würden in den Augen der Weiterarbeitenden in schlechtes Licht gerückt und evtl. ausgegrenzt werden. Das geschieht ja teilweise heute schon, wenn man jemanden erzählt das man Hartz IV bezieht. Es könnte zu einer Zweiteilung der Gesellschaft kommen.
Ein anderer Aspekt ist der Mensch an sich, der immer den Weg des geringsten Widerstandes geht. Was ist denn Motivation von Studium, Ausbildung etc.? Meist wohl nicht die Selbstverwirklichung, sondern eher die Aussicht auf ein geregeltes und sorgenfreies Leben. Wenn ich dies jedoch auch so erreiche, ist die Motivation natürlich um einiges geringer. Wenn alle nur noch Philosophie studieren um sich selbstzuverwirklichen, ist der schon heute auftretende Fachkräftemangel noch gravierender. Und wenn man einmal im Strudel von Hartz IV gefangen ist, sind die Kinder leider nicht weit davon entfernt, entweder ungelernten Tätigkeiten nachzugehen oder ebenfalls in diesen Strudel abzurutschen. Es gibt natürlich viele Hartz IV-Empfänger die arbeiten wollen, jedoch fehlt vielen oftmals die Qualifikationen für die freien Stellen. Und diese Schere könnte durch das BG weiter werden.
Fazit: BG ist in der Theorie super (was ehrlicherweise auch der Sozialismus ist), jedoch auf die Praxis in ein Industrieland sehr schwer zu übertragen. Ob es in einem Entwicklungsland langfristig zu mehr Wohlstand führt, das kann man in ein paar Jahren sagen :
Antwort
Antwort von Udo Bangert am 11. Dezember 2009 um 14:05:
Hallo Martin, es hat mal jemand sinngemäss gesagt, das Sein (Verhältnisse) bestimmt das Bewusstsein. Prof. Werner schreibt in seinem Buch ausdrücklich, dass man nicht einfach den Hebel von heute auf morgen umlegen kann. Er geht da von einem mehrjährigen Übergangsprozess aus. Interessant finde ich den Aspekt, dass es ihm erst mal nicht darum geht Geld/Vermögen umzuverteilen (sehen einige ja auch kritsich). Ein BG würde quasi einen Startpunkt bedeuten der sagt, lasst uns von hier aus den Weg in eine bessere Zukunft gehen. Dies hätte den Vorteil, dass den Weg fast alle mitgehen könnten. Bzgl. Studium: Mit einem Grundeinkommen könnte jeder der möchte und fähig ist studieren. Es wäre sogar wünschenswert mehr Ingenieure… auszubilden die rationalisieren, da die Konsequenz ja weniger Arbeit oder Wohlstand für alle anderen wäre.
Das Modell beinhaltet über die Finanzierung über die Mehrwertsteuer sogar eine Maschinensteuer, macht menschliche Arbeit preiswerter. Man könnte dies mit Umweltlenkungssteuern kombinieren. Damit könnte/würde man auch ehrenamtliche oder künstlerische Tätigkeiten würdigen. Das schöne wäre dabei, der gesellschaftliche Wohlstand würde stetig jedes Jahr steigen. Wer einen SL fahren möchte, müsste halt mehr arbeiten als einer der einen Smart oder ÖPNV möchte, es würde also nicht so viel ändern. Ich glaube, dass die meisten Menschen sehr viele Wünsche hätten, ich denke nur mal an das Thema Urlaub/Reisen. Die Menschen würden aber Existenzängste genommen. Es gäbe dann sicher auch Menschen die vielleicht den ganzen Tag Fernseh schauen würden. Menschen die nichts/wenig arbeiten können oder wollen hat es aber schon immer gegeben. Bei Kindern/Rentner/Behinderte ist es ja auch selbstverständlich das man diese mitversorgt, was ja auch richtig ist. Gerade weil durch die Rationalisierung viel weg fällt, braucht man da auch immer weniger Arbeit. Ich würde da auch nicht völlig am Leistungsprinzip rütteln wollen. Ich wünschte mir manchmal, dass man die kurzfristigen Aktienoptionen auch so kritisieren würde, da dies ja nicht immer etwas mit Leistung zu tun hatte. Man darf auf keinem Auge blind sein ;-)
4. ina
Kommentar vom 10. Dezember 2009 um 22:27
Lieber Herr Bangert, mit großer Freude habe ich ihren Beitrag übers bedingungslose Grundeinkommen gelesen.
Lassen sie uns gemeinsam die Parameter ändern, zeigen sie in Ihrem Umfeld den Film “Kulturimpuls Grundeinkommen” von Daniel Häni und Enno Schmidt, verbreiten sie die Idee, indem sie auf folgende websites verweisen:
http://www.unternimm-die-zukunft.de (Prof. Götz Werner)
http://www.initiative-grundeinkommen.de
http://www.achiv-grundeinkommen.de, hier auch: http://www.aktuelles.archiv-grundeinkommen.de („die Tageszeitung zum Grundeinkommen“!!)
http://www.freiheitstattvollbeschaeftigung.de (Dr. Sascha Liebermann und Kollegen)
http://www.forum-grundeinkommen.de (Frank Thomas Direktkandidat aus Braunschweig)
http://www.themen-der-zeit.de/content/grundeinkommen_facebook.1014.0.html
Antwort
Antwort von Kathrin am 11. Dezember 2009 um 14:24:
Hallo Ina,
leider funktioniert dein Link zur Initiative Grundeinkommen nicht. Hierbei handelt es sich wohl um eine passwortgeschützte Seite.
Antwort
Antwort von ina am 11. Dezember 2009 um 18:42:
Sorry Kathrin,
probier’s jetzt nochmal:
http://www.initiative-grundeinkommen.ch
und dort auch:
http://www.grundeinkommen.tv/blog/
Antwort
Antwort von Matthias Dilthey am 24. Dezember 2009 um 00:15:
Noch zwei weitere Links, die sich auch mal kontrovers mit der “Einheitsmeinung” der obigen Link-Sammlung beschäftigen:
Stets aktuelle Nachrichten, wichtige Meldungen und Meinungen rund um’s BGE:
http://www.bge-portal.de
Das “Netzwerk Grundeinkommen”
http://www.grundeinkommen.de
5. Pusteblume
Kommentar vom 11. Dezember 2009 um 01:47
@Patrick:
Relevant ist ja der Schuldenstand relativ zum BIP. Deutschland liegt hier bei etwa 70%. Zum Vergleich, Japan, das in vielerlei Hinsicht mit Deutschland vergleichbar ist (Demographie, starke Exportorientierung), hat einen Schuldenstand von etwa 200%. Wir sind also bei weitem nicht “pleite”. Deutschland ist außerdem insgesamt betrachtet ein Gläubigerland, anders als etwa Großbritannien oder die USA, die Schuldnerländer sind.
Aber Sie sprechen einen wichtigen Punkt an, nämlich die Finanzierung eines Grundeinkommens – oder überhaupt irgendwelcher staatlicher Leistungen. Die rot-grüne Bundesregierung hat Anfang des Jahrzehnts leider einen Riesenfehler gemacht und die Einkommensbasis des Staats stark beschnitten. Wir hatten z.B. unter Helmut Kohl noch einen Spitzensteuersatz von 53%, unter Rot-Grün dann schlanke 42% (vgl. die sehr gute Analyse von Fabian Lindner im Herdentrieb-Blog).
Ganz unabhängig davon, ob man ein bedingungsloses Grundeinkommen einführen möchte: Will man weder die staatlichen Leistungen massiv kürzen, noch die Schuldenquote gewaltig steigern, dann führt kein Weg an einer mindestens teilweisen Rückgängigmachung dieser rot-grünen Reformen vorbei. Unverständlicherweise will die amtierende Bundesregierung diesen Weg nicht gehen, sondern die Steuern senken und damit die Einkommensbasis des Staats weiter schmälern. Eigentlich kann sowas nicht gut gehen…
Antwort
Antwort von Udo Bangert am 11. Dezember 2009 um 06:42:
@ina
Mein Spruch lautet immer “Demokratie kostet Zeit”, da man oft viele/verschieden Aspekte diskutieren/berücksichtigen muss um zu einer guten Lösung zu kommen. Deshalb sollte das BG diskutiert werden. Werde dazu intern deshalb auch auf unserer Arbeitskreis Umwelt Homepage ein Unterverzeichnis anlegen.
@Patrick
Zu Beginn mal der Lieblingswitz des Alternativnobelpreisträgers Dr. Hermann Scheer.
“Ein Außerirdischer kommt an der Erde vorbei, sieht diese in einem verbrauchten/kranken Zustand (zu Ende gehende Rohstoffe, CO2/Umweltbelastungen…die vielen Menschen) und fragt “Erde was hast du?” Da sagt die Erde: “Ich habe Homo Sapiens”, darauf der Außerirdische: “Macht nichts geht auch vorbei !”.
Manchmal hilft da ja ein externer Blick. Wenn jemand nicht wüsste, was Geld für eine Bedeutung für uns hätte, der würde uns doch fragen. “Hey ihr habt eigentlich in dieser Gegenwart alle Mittel um euch ein schönes Leben zu gestalten – Warum tut ihr es nicht?”.
Antwort wäre doch in etwa: “Unser bedrucktes Papier Geld/verbriefte Schulden der Zukunft hindern uns daran”. Da würde ein externer doch den Kopf schütteln und uns für unfähig halten. Wir haben alle Maschinen, Wissen und Fähigkeiten die man dafür benötigt. Sind aber unfähig dies richtig zu organisieren, oder? Diese Frage hat (sich) Prof. Werner gestellt. Es bleibt deshalb für mich nur die Frage “Wo ist der Weg/die Wege die in diese Richtung führt/en? Das Ziel / den Traum (zweifellos auch ein Erfolg der Produktivkräfte der Marktwirtschaft) können wir nicht verleugnen. Wir können uns nur über den Weg dahin streiten. Die Volkswirtschaftslehre oder selbst Adam Smith wollen doch einen größtmöglichen Volkswohlstand erreichen oder habe ich da was falsch verstanden? Was hindert uns, wo ist der Fehler?
Antwort
Antwort von Theo Theodorakoglu am 24. März 2010 um 11:50:
Das, was uns daran hindert sind wir selbst. Wir sind gierig (schon Aristoteles fragte: wann ist genug genug?), und neidisch (Antikes Paradoxon: Ein Bauer hat eine Ziege, sein Nachbar hat keine. Was wünscht sich der ohne Ziege? Genau! Er strebt nicht danach, selbst eine Ziege zu bekommen sondern er wünscht sich, dass die Ziege des anderen stirbt!). Gier und Neid in Kombination mit geringer Bildung sind der Sprengstoff unserer Zivilisation.
Antwort
Antwort von Udo Bangert am 25. März 2010 um 09:07:
Hallo Herr Theodorakoglu,
mein Großvater hatte eine sogenannte Eisenbahnerkuh (Ziege). Diese waren 10 Kinder und die Ziege war mit Überlebensnotwendig. E. U. von Weizsäcker hat mit seinem Buch Faktor 4 doppelter Wohlstand halbierter Naturverbrauch einmal den Nerv der Zeit getroffen. Viele Menschen wollen nicht verzichten (müssen), was in bestimmten Grenzen nachvollziehbar ist. Unzweifelhaft ist aber das dies umweltverträglich erfolgen muss, da wir mit dem europ. Durchschnittsumweltverbrauch für alle Menschen 4 Erden bräuchten die wir nicht haben. Zudem ist die Gier auch ein Triebfaktor des Menschen um neues zu entwickeln / zu probieren. Diese Gier muss aber reguliert werden, da sich viele in der Gesellschaft ehrenamtlich… um einen Zusammenhalt sozialen Ausgleich bemühen, dies muss meiner Meinung nach gesellschaftlich auch honoriert werden. Wer an der Gesellschaft fair teilhaben darf, wird sich in der Regel auch für diese einbringen. Mein Engagement habe ich durch meinen Vater (Handwerksmeister) erlebt, der vielen Vereinen geholfen hat, da diese sich auch wieder um die Kinder und Gesellschaft kümmern.
6. Rainer
Kommentar vom 11. Dezember 2009 um 17:45
Ich freue mich, dass das Thema “bedingungsloses Grundeinkommen” hier so offen behandelt wird. Die baldige Einführung würde viele Probleme des heutigen Sozialsystems lösen.
Antwort
7. Dr. Ludwig Paul Häußner
Kommentar vom 11. Dezember 2009 um 23:12
Betriebswirtschaftliche Logik aufgrund falscher Steuer- und Sozialpolitik
Real betrachtet sind die Amerikaner nicht bereit den deutschen Sozialstaat zu finanzieren – unabhängig von den jeweiligen Wechselkursen Euro – Dollar.
Die Nettopreise für den Export enthalten alle Einkommens- und Ertragssteuern sowie die Arbeitgeber- wie Arbeitnehmeranteile für die Sozialkassenbeiträge.
Aufgrund einer falschen Steuer- und Sozialpolitik werden in den nächsten fünf Jahren wahrscheinlich eins bis zwei Milionen Industriearbeitsplätze abgebaut werden. Daimler ist da nur der Anfang.
Was wäre die Lösung? Wir brauchen eine auf 25% erhöhte MwSt, um damit die Grundfinanzierung für die Sozialkassen sicherzustellen. Dies könnte auch in Form einer sozialen MwSt passieren, die als neue Bundessteuer konzipiert werden könnte. Im Gegenzug könnten die Sozialversicherungseiträge gesenkt werden, wie dies z.B. durch die letzte MwSt-Erhöhung im Jahr 2007 schrittweise bei der Arbeitslosenkasse möglich wurde. Damit würde der Faktor ARBEIT entlastet.
Ich kann nur hoffen, dass sowohl der Daimler Betriebsrat als auch der Daimler Vorsand über ihren rein betriebswirtschaftlichen Tellerrand hinausschauen – auch wenn er für den Daimler Vorstand bis nach Tuscaloosa reicht.
Antwort
Antwort von Udo Bangert am 12. Dezember 2009 um 12:51:
Hallo Herr Dr. Häußner, der Daimler Vorstand und auch der Betriebsrat ist meiner Meinung nach (größtenteils) im betriebswirtschaftlichen Hamsterrad gefangen. Wer nicht mitmacht verschwindet wie Quelle. Es sind also politische Weichen falsch gestellt. Ich vergleiche dies mit den hunderten Parametereinstellungen eines Motors/Getriebes… aber ohne Benzin/Energie läuft das Fahrzeug nicht. Ich habe Systemdynamik studiert, wo es u. a. darum geht die wesentlichen Einflussfaktorn zu identifizieren und diese zu beeinflussen/ändern. Deshalb gehen Belastung des Umweltverbauches oder die Entlastung von Arbeitkosten in eine sinnvolle Richtung. Dr. Hermann scheer spricht ja auch von einer Drecksteuer statt Ökosteuer, da gegen eine Drecksteuer niemand sein kann. Eine stärkung regionaler Kreisläufe ist sicher auch richtig, dass andere Länder zunächst mal nicht unsere Sozial- und Umweltkosten zahlen wollen wie umgekehrt ist auch klar aber regelbar.
Antwort
Antwort von Dr. Ludwig Paul Häußner am 18. Dezember 2009 um 20:15:
Wie hängen das bedingungslose Grundeinkommen (BGE) und Ökoabgaben zusammen?
Ein bedingungsloses Grundeinkommen kann ja nur staatlich garantiert werden. Der Staat sorgt durch diese Rahmensetzung dafür, dass ein Teil der volkswirtschaftlichen Wertschöpfung über Steuern abgeschöpft wird. Dazu ist die MwSt das geeignetste Instrument – auch im weltwirtschaftlichen Zusammenhang. Ein Teil dieser MwSt wird für das BGE sozialisiert, in dem es z.B. über die lebenslange persönliche Steueridentnummer pro BürgerIn ausgezahlt oder mit bisherigen Einkommenssteuerzahlungen verrechnet wird.
Die Ökoabgaben sollen den Ressourcenverbrauch belasten und damit, möglichst ökologisch nachhaltig, begrenzen.
An meinem bisherigen Institut an der Uni Karlsruhe haben wir dazu einen ordnungspolitischen Ansatz mit einem Drei-Ebenen-Modell entwickelt.
1. Ebene: Begrenzung der Naturnutzung durch staatliche oder suprastaatliche Rahmenssetzungen – Stichwort: Suffizienz
2. Ebene: Ökonomisch effiziente Allokation der Produktionsfaktoren durch Entgelte – Ökoabgaben – auf die Verschmutzungs- bzw. Ressourcennutzungsrechte – Stichwort: Effizienz.
3. Ebene: Die aus den Ebenen 1 und 2 resultierenden Einnahmen werden pro (Welt-)BürgerIn rückvergütet (als Ökobonus), im wahrsten Sinne als Grund-Einkommen, weil die Naturschätze ein Menschheitsgut sind – Stichwort: Äquivalenz. Das bedeutet jederR Welt-BürgerIn wir monentär gleich behandelt, was ja in Naturalien nicht möglich ist.
Mehr zum Drei-Ebenen-Modell finden Sie unter:
http://digbib.ubka.uni-karlsruhe.de/volltexte/1000008914 als kostenlosen
Download. Der Titel der Publikation lautet: Klimaschutz und Ernährungssicherheit – Ein ordnungspolitischer Ansatz.
Fazit: Neben dem Grundeinkommen aus der volkswirtschaftlichen Wertschöpfung hätten wir ein zweites Grund-Einkommen aus dem Produktionsfaktor BODEN.
Viellleicht können Sie Hermann Scheer auf diese Publikation hinweisen?
Dr. L.P. Häußner, Karlsruhe
Antwort
8. Dr. Ludwig Paul Häußner
Kommentar vom 11. Dezember 2009 um 23:29
Zu diesem Kommentar noch eine kleine Ergänzung.
Die hier vorgeschlagene soziale MwSt und deren Rückverteilung an die Sozialkassen stellt praktisch schon einen Vorläufer für ein bedingungsloses Grundeinkommens dar. Aus meiner Sicht sollten wir daher bei der MwSt zu einer “dualen MwSt” übergehen. Die bisherige dient zur Fianzierung der Staatsausgaben und die soziale MwSt für die Finanzierung der sozialen Sicherungssysteme einschließlich eines noch einzuführenden bedingungslosen Grundeinkommens.
Antwort
Antwort von Udo Bangert am 18. Dezember 2009 um 17:47:
Hallo Herr Häußner ein Grundsatz unseres bisherigen Steuersystems ist ja, dass meiner Einschätzung nach zu recht, starke Schultern mehr tragen sollen als schwache Schultern. Wenn man die Einkommenssteuer auf die Mehrwertsteuer verlagert, würde dies höhere Einkommen mehr entlasten als niedrige. Diese höheren Einkommen würden aber kaum mehr konsumieren als heute. Die niedrigeren Einkommen durch das BG sehr wohl. Dies birgt aber die Gefahr, dass aus dem Mehrwertsteuer nicht genügend Geld für die BG Summe zusammenkommt. Es dürfte dann auch weiter Konsumzyklen geben, welches auch zu Schwankungen der BG Geldsumme führen würde. Zumal der Konsum ökologische Probleme bringen könnte, die man aber wohl mit Schadstoffsteuern in den Griff bekommen könnte. Vielleicht können Sie hierzu mal einen Link oder eine Datei senden, da diese Frage sich viele Volkswirtschaftler schon gestellt haben.
Antwort
Antwort von Bernhard am 03. Januar 2010 um 10:35:
Hallo Hr. Dr. Häußler,
ich befasse mich schon seit einigen Jahren mit dem bedingungslosem Grundeinkommen (bGE) und bin seit gut zwei Jahren dafür aktiv. Eine Finanzierung des bGE über die Umsatzsteuer (Konsumsteuer) finde ich nicht gerade gerecht. Im Hinblick darauf, dass Bürger-Innen mit einem kleinem Einkommen alles Konsumieren müssen, bezahlen diese für das ganze Einkommen Steuern. Bürger-Innen mit einem gutem Einkommen können einen Teil Sparen und bezahlen dafür keine Steuern. Das bGE sollte aus verschiedenen Quellen finanziert werden, so das die Lasten auch gleich verteilt werden können. (Konsumsteuer + Erbschaftsteuer + Luxusgütersteuer).
Antwort
9. December 13th | schellerscreen
Pingback vom 13. Dezember 2009 um 13:10
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