Ich kann mich noch gut an die Zeit meiner Diplomarbeit erinnern, während der ich ein paar Bewerbungen abschickte, um dann mehr oder minder einen nahtlosen Übergang zum 1. Job zu haben.
Ich fühlte mich seit jeher insbesondere durch das Design von Mercedes-Benz angesprochen, weswegen ich beizeiten auf das CAReer-Programm stieß. Alles klang ziemlich verheißungsvoll: Trainee Finance & Controlling, im damaligen Bereich FTO (Finance Transformation Organization), in dem eine Vielzahl von Projekten zur Entwicklung und Verbesserung der Daimler-weiten Finance & Controlling-Organisation aufgehängt waren. Nach Meistern der ersten Bewerbungshürden (Vorauswahl, Online Test, Telefongespräch) wurde ich schließlich zum Assessment Center für Ende Januar 2008 geladen, wo ich mich mit Bewährungsproben wie Interviews, Präsentationen, Gruppendiskussion, Rollenspiel, Online- & Englisch-Test schließlich auch gegen meine Mitbewerber durchsetzen konnte. Ja und dann war es Anfang Juni 2008 plötzlich soweit: ich hatte meinen ersten Arbeitstag ‘beim Daimler’, wie man hier lustigerweise sagt.
Vorwegnehmend kann ich schon einmal feststellen, dass das CAReer-Programm eine unglaubliche Bereicherung für mich war und ich im Nachhinein sehr froh bin, den Einstieg ins Arbeitsleben im Rahmen eines Traineeprogramms vollzogen zu haben. Das CAReer-Programm war nur ca. 2 Jahre, bevor ich es antrat, in seine aktuelle Aufmachung gebracht worden. Davor existierte eine Reihe von Nachwuchssicherungsprogrammen, die größtenteils nicht nur nach Funktionen, sondern auch örtlich getrennt waren. Mit CAReer wurde ein übergreifendes Nachwuchsprogramm geschaffen, das alle Felder – ob Ingenieure, Wirtschaftler oder was auch immer – zusammenfügte, was von Anfang an einen super Austausch – persönlich wie fachlich – ermöglichte.
Meine erste Station im Projekt war also im damaligen Bereich FTO (Finance Transformation Organization), wo ich auf einem Projekt mitarbeitete, das den konzernweiten Planungsprozess bei Daimler neu entwickelte. Zugegeben: man verlief sich recht zeitig im Dschungel der Abkürzungen und des Konzernslangs. Aber das hatte ich auch nicht anders erwartet und nach einigen Wochen kommt man immer besser zurecht. Während meines ersten Projektes wurden auch die beiden Trainingsmodule abgehalten, wovon das zweite uns CAReerler des Monats Juni 2008 als großes Highlight nach Tokio führte. Hauptzweck dieser Module war es, erste Kontakte zu knüpfen, sich mit ‘Gleichgesinnten’ austauschen zu können, zahlreiche Infos zu Daimler und zum Programm zu erhalten, sowie Rollenspiele und Verhandlungsgeschick zu proben. Beide Module waren wirklich eine interessante Erfahrung.
Nach Tokio ging es für mich dann direkt weiter nach Peking, wo ich mein zweites Projekt beim angestrebten Joint-Venture zwischen Daimler Trucks und einem chinesischen Truckbauer für 3 Monate antrat. Beruflich wie privat eine äußerst spannende und faszinierende Zeit. Ich kann China wirklich nur jedem wärmstens empfehlen. Das tägliche Business wird auf Englisch, oder gar Deutsch, abgehalten; die Gepflogenheiten bei Daimler NEA (Northeast Asia) sind den westlichen auch ähnlich, so dass eine Tätigkeit in China nur wenig von einem Sprung ins wirklich kalte Wasser hat. Zur Exotik der Landes für einen Europäer braucht man auch nicht viel zu sagen: hochfaszinierende Geschichte und Kultur von Land und Leuten, fantastische Kulinarik und eine angenehm zurückhaltende und bedachte Art der Menschen, wie man sie hier selten trifft.
Nach China trat ich dann mein drittes Projekt bei Mercedes-Benz France als Assistent vom dortigen CFO an. Das zusätzliche Auslandsprojekt konnte ich mir aus dem Bereich meiner Zielstelle heraus organisieren, wo auch ein Shared Service Center – Projekt aufgehängt war, im Zuge dessen die Externalisierung von Accounting-Prozessen europäischer Vertriebsgesellschaften (und so auch Teile des Accounting in Frankreich) nach Madrid geplant und durchgeführt wurde. Meine Zeit bei Mercedes-Benz France in der DGAF (Direction Générale de l’Administration et de la Finance) war sehr spannend und arbeitsintensiv. Letztlich habe ich nicht nur Relevantes im Accounting , sondern auch das Vertriebscontrolling, das Risikomanagement, den Einkauf und die Treasury vor Ort kennen gelernt. Die 3 Monate vergingen wie im Flug. In Paris nahe des Arc de Triomphe zu wohnen und jeden Tag mit dem Smart nach Rocquencourt zur Arbeit (bei Versailles) in die Banlieue ouest zu düsen, war wirklich eine tolle Erfahrung, wo ich mich dann so richtig im Arbeitsleben angekommen fühlte.
Teil des CAReer-Programms sind auch der Produktions- und Vertriebseinsatz. So war ich im September 2008 zwei Wochen lang im Motorenwerk Berlin Marienfelde, wo ich von der ersten bis zur letzten Arbeitsstation der 12-Zylinder-Motorenfertigung und -montage Hand anlegen durfte. Absolut spannend, Motoren für S-Klasse, Maybach und SLR mitzubauen. Bei einer Arbeitszeit von 5.45 Uhr bis ca. 14 Uhr waren die zwei Wochen auch mal etwas ganz anderes. Der Vertriebseinsatz, bei dem man in einer werkseigenen Niederlassung von Mercedes-Benz den Verkauf und Service von PKW, NFZ kennen lernen kann, schloss sich unmittelbar nach Paris für mich in Nürnberg an. Ich war sehr beeindruckt, wie viel dazu gehört, um im Vertrieb, quasi an der Front, Fahrzeuge mit allem drum und dran erfolgreich verkaufen zu können.
Durch Bankpraktika und meine Banking & Corporate Finance – Vertiefung während meines Studiums in Frankreich wollte ich im Programm unbedingt auch das Liquiditäts- und Finanzmanagement im Corporate-Bereich kennen lernen. Und so konnte ich die letzten beiden Monate meines Programms schließlich noch im Bereich Treasury Europe verbringen, wo ich viel über die Betreuung von ausländischen Vertriebs- und Financial Services-Gesellschaften in Europa mitnehmen konnte (Eigenkapitaltransaktionen, Bank loans, Kapitalmarktinstrumente, Dividenden etc).
Für mich war das CAReer-Programm eine tolle und sehr intensive Erfahrung, die mir nicht nur bei meinem jetzigen Job im Konzerncontrolling in Stuttgart sehr viel weiterhelfen wird. Eine tolle Erfahrung, die ich jedem sehr empfehlen kann.
Dieser Artikel wurde von Tobias Rehbein geschrieben. In diesem Blog schreiben Daimler-Mitarbeiter und einige wenige Gastautoren. Unsere Autoren kommen aus den unterschiedlichsten Bereichen des Konzerns und schreiben über eigene Eindrücke, Geschichten und ihre persönliche Meinung und geben so Einblicke in den Konzern. Warum wir das machen, finden Sie auf unserer Seite über das Blog.
1. Malte Meyer
Kommentar vom 10. Februar 2010 um 10:45
Hallo Tobias,
ein sehr interessanter Bericht über dein CAReer Programm, der mich nochmal bestärkt, auch diesen Weg zu versuchen.
Ich habe gerade meine Ausbildung zum Industriekaufmann im Werk Bremen abgeschlossen und gehe dann Wirtschaftsingenieur studieren.
Denkst du, dass Daimler den CAReer Weg so weiterführt oder denkst du, dass der Umfang mehr und mehr reduziert wird?!
Denn die vielen Auslandsaufenthalte und Projekte stellen einen tolle Einstieg da, den unser Unternehmen nach wie vor bietet.
Alles Gute auf dem weiteren Weg!
Antwort
Antwort von Romy am 10. Februar 2010 um 19:31:
Hallo Malte,
leider hat Daimler das CAReer-Programm schon gekürzt. Der Niederlassungseinsatz geht nur noch eine Woche und nur in den allerseltesten Fällen wird ein zweites Auslandsprojekt genehmigt. Derzeit kann man froh sein, wenn man überhaupt ein Projekt im Ausland verbringen darf.
Trotzdem kann ich das Programm nur empfehlen. Obwohl ich zugeben muss, dass Einiges noch verbesserungswürdig ist, ist dieses Programm eine Bereicherung und eine hervorragende Möglichkeit einen intensiven Einblick in das Unternehmen zu bekommen. Die Kunst ist dabei jedoch, das Beste daraus zu machen und von Anfang an die richtigen Projekte und Standorte zu wählen.
Ich kann nur hoffen, dass die CAReer-Tore weiterhin offen bleiben….
Viel Glück bei deinem Studium und viel Erfolg beim AC!
Antwort
Antwort von Oli am 11. Februar 2010 um 19:50:
Hi Malte,
wie Romy schon beschrieben hat, wurde im Zuge der Spassmassnahmen auch bei CAReer ein wenig gekuerzt. Angesichts der momentanen Situation finde ich das aber auch in Ordnung und kann das Programm trotzdem absolut empfehlen. Ein Auslandsprojekt ist normalerweise kein Problem, wenn Deine Vorgesetzten Dich unterstuetzen und schon alleine die Moeglichkeit, verschiedene Bereiche des Unternehmens zu sehen, ist wirklich genial. Dazu kommen noch die Trainingsmodule, das Kennenlernen anderer Trainees aus aller Welt usw.
Und so wie es aussieht, werden auch dieses Jahr wieder unveraendert viele CAReer-Stellen ausgeschrieben, da muss man sich momentan noch keine Sorgen machen.
Viel Erfolg beim Studieren und auf Deinem weiteren Weg!
Antwort
Antwort von Tobias am 18. Februar 2010 um 17:15:
Hi Malte,
im Prinzip haben Oli und Romy die Sachlage schon gut beschrieben. Ich gehe nicht davon aus, dass die Anzahl der Trainees in absehbarer Zeit gekürzt wird, denn CAReer wurde ja erst vor wenigen Jahren in dieser Form etabliert, um einheitlich, standardisiert und nachhaltig im Wettbewerb mit den anderen Autobauern die besten Absolventen ins Unternehmen zu holen.
Wahr ist, dass das Programm zw.zeitlich i.d.T. ziemlich abgespeckt wurde, sich aber mittlerweile schon wieder Tendenzen absehen lassen, dass bald wieder an die ursprgl. Form angeknüpft wird. Meiner Meinung verläuft die Kurve der Attraktivität (Auslandsprojekte, -module, Dauer Prod.- & Vertriebseinsatz etc.) da so zeimlich gleichläufig zur Ergebniskurve vom Konzern, nur immer ein wenig versetzt :-) Tendenziell wird man in schwieriger werdenden Zeiten beim Programm sogar in kleinerem Maße abbauen, da jeder weiß, wie es endet, wenn ‘ne zeitlang kein Nachwuchs gefördert wird…
Weiterhin viel Erfolg!!
Antwort
2. Laura
Kommentar vom 28. Juni 2010 um 15:58
Hi Malte,
ich kann dir auch nur empfehlen diesen Weg zu gehen.
Wünsche dir gute Entscheidungen und viel Erfolg,
Laura
Antwort