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05
03.2010

Ein Tag auf dem Genfer Autosalon

Mercedes-Benz der F800

Halb vier schrillt der Wecker. Dieser Morgen beginnt früh, sehr früh. Der Weg zur Arbeit ist heute weit, sehr weit. Es ist Messetag. Auf dem Auftragszettel für heute steht die Berichterstattung vom Genfer Automobilsalon in den internen Medien. Vorfreude pur, nach zwei Jahren „Genf-Abstinenz“. Kurz vor Neun und vierhundert Kilometer südwestlich von Stuttgart wiesele ich mit einer Kollegin und acht Pfund Foto-, Video- und Textmaterial in die Halle 6 des Palexpo-Geländes. Der Countdown für die Mercedes-Benz Pressekonferenz läuft bereits. Fotografen richten ihre Objektive aus. Wir pressen uns ebenfalls in den Medienpulk. Ein Gefühl wie im vollbesetzten Vorfeldbus auf dem Weg zum Ferienflieger. Apropos: Das was jetzt auf die Bühne blubbert, hat auch Flügel. Und was für welche! Nico Rosberg und Michael Schuhmacher steuern das neue F1 Safety Car übers Parkett. 6,3-Liter-V8-Triebwerk, 420 kW, 650 Newtonmeter maximales Drehmoment. Ein Hammerteil, dieser SLS AMG. In nicht einmal vierzehn Tagen beginnt die neue Rennsaison, endlich!

Schlag auf Schlag geht es weiter – wie früher beim Autoquartett, nur eben in echt: E-Klasse Cabrio zum Ersten, E 300 BlueTEC HYBRID zum Zweiten und F800 Style zum Dritten. „Efficiency meets Elegance“, fasst unser Konzernchef den Entwicklungsauftrag für das neue Forschungsfahrzeug zusammen. Auftrag erfüllt, ergänzt mein Bauch. Auf der Bühne kommt das  silberfarbene High-Tech Gefährt noch besser rüber als bei unserer ersten Begegnung vor zwei Wochen in der abgeschirmten Werkshalle.

Am Ende dann das obligatorische Gruppenfoto mit Vorständen und Fahrern an den neuen Autos. Vor allem rund um Dieter Zetsche und Schumi herrscht drangvolle Enge. Während sie routiniert in die Wand aus Mensch und Objektiven hineinlächeln und Fragen beantworten, wird´s rund um den F800 rustikal. Die von ganz hinten, drängen jetzt nach ganz vorne, um sich ganz viel Sicht zu verschaffen. Während auf dem linken Kotflügel der Reißverschluss einer Fototasche wimmert, ploppt hinten rechts ein Stativ gegen den Stoßfänger. Heiligs Blechle, die Messe hat doch noch gar nicht richtig angefangen und die restlichen 645.532 Besucher waren noch gar nicht da. Zum Glück kriegen das alles die Entwickler des Forschungsfahrzeugs nicht mit. Sie sind voll ausgelastet, dem interessierten Fachpublikum die Details ihrer jüngsten Schöpfung zu erläutern.

Derweil bewegt sich der Haupttross ganze dreißig Meter weiter. Rechts von uns lädt BMW zur Präsentation des Fünfers und weiterer Premieren. Zeit ist vor allem auch in Genf knappes Gut. Angesichts der horrend teuren Herbergen am Genfer See greift hier simple Arithmetik. 100 Weltpremieren, die in 7 Hallen auf über 80.000 Quadratmetern frei verteilt sind, müssen im Rahmen von insgesamt 64 akribisch auf jeweils 15 Minuten getakteten Pressekonferenzhäppchen in maximal 10 Stunden abgelichtet bzw. begutachtet werden. Alles klar? Arbeitsteilung ist angesagt. „Wenn du BMW, KIA, Peugeot, Volvo und Mini machst, dann gehe ich zu Audi, Ford, Mazda und Opel und nehme auf dem Rückweg noch Subaru und Alfa Romeo mit“ – „Nee lass mal, ich gehe jetzt erst mal zu Porsche und Citroen. Und Alfa mach ich dann selbst.“ So oder ähnlich hört man es dutzendfach auf dem feuerroten Teppich.

Mancher mag sich fragen, was so besonders ist am Genfer Autosalon, dass sich auch in diesem Jahr rund 10.000 Journalisten dort akkreditiert haben. Die Antwort darauf fällt bei jedem sicherlich etwas anders aus, Für mich ist es neben seiner Leitfunktion als automobiler Frühlingsauftakt vor allem das Kompakte und Konzentrierte, das diese Schau zu einer Art „Brennglas“ unserer Branche macht. Sämtliche wichtigen Hersteller sind mit ihren Jahreshighlights vor Ort. So kann man sich in kurzer Zeit einen sehr guten Überblick über die wesentlichen Trends und Innovationen verschaffen. Diesmal sind es – kaum verwunderlich – die alternativen Antriebe. Rund 60 „grüne Modelle“ werden auf dem Palexpo-Gelände vorgestellt, 16 von ihnen feiern Weltpremiere. Das meiste davon aber noch lange nicht käuflich zu erwerben. Und auch für Abseitiges ist Genf immer wieder gut: Beachcruiser in Knallorange, Miniautos mit Stellplatz im Bahnwagon oder die lapislazuliblaue Luxuslimousine mit 24-Karat Gold Kühler sind nur einige Beispiele hierfür.

Und weil alle präsent sind, ist die Messe auch der ideale Ort fürs Netzwerken. Die Händeschüttel-Frequenz ist extrem hoch, auch wenn in der Fülle der Aufgaben und Kürze der Zeit viele spontane Dialoge auf den Fluren eher knapp ausfallen: „Lange nicht gesehen, wie geht´s denn so? – Prima, sehen wir uns nachher noch irgendwo? Weiß nicht, wird heute eher eng.“ Trotzdem freut man sich über das nette Hallo. Außerdem kann man alles weitere ja auch auf Facebook oder Xing aufarbeiten.

In diesem Jahr sind es aber nicht all die Innovationen zum Thema nachhaltige Antriebe oder die vielen bekannten Gesichter, die bei mir im Gedächtnis besonders haften bleiben. Es ist die letzte Begegnung vor der Heimreise. Als die Messe bereits geschlossen und das letzte Foto längst im Kasten ist. Die F800-Ingenieure sind gerade dabei, das zu richten, was der Tag ihrem Fahrzeug angetan hat. Verschwitzt und müde sind sie. Und strahlen trotzdem über das ganze Gesicht. „Weil die Resonanz so unglaublich toll auf unser Auto ist“, wie einer erzählt, bevor er eifrig weiterschraubt. Mehr gibt es auch nicht hinzuzufügen.

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Dieser Artikel wurde von Thomas Curtius geschrieben. In diesem Blog schreiben Daimler-Mitarbeiter und einige wenige Gastautoren. Unsere Autoren kommen aus den unterschiedlichsten Bereichen des Konzerns und schreiben über eigene Eindrücke, Geschichten und ihre persönliche Meinung und geben so Einblicke in den Konzern. Warum wir das machen, finden Sie auf unserer Seite über das Blog.

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Was sagen Sie zu diesem Thema? Derzeit 3 Kommentare Diskutieren Sie mit!

  1. 1. Peter

    Kommentar vom 05. März 2010 um 11:39

    K L A S S E

    Ich war eben live in Genf auf dem Autosalon…. während ich Ihren Beitrag gelesen habe.
    Packend, direkt, sachlich und wohl auch mit einem verschmitzten Augenzwinkern haben Sie mich für 8 Minuten um 400km versetzt !
    Ich kann nur sagen: D A N K E

    MfG Peter

    Antwort

  2. 2. mete111

    Kommentar vom 08. März 2010 um 20:44

    Hallo,
    echt super Bericht. Ich war selbst dieses Jahr wieder dort und muss sagen, Genf ist einfach etwas ganz Besonderes für jeden Autoliebhaber. Wobei ich sagen muss, dass man als Besucher ganz klar Prioritäten setzen muss, weil man nicht alle Hersteller an einem Tag schafft, wenn man sich die Autos genauer anschauen will.

    Mich haben dieses Jahr Mercedes( wie soll es auch anders sein:) ) und BMW am meisten begeistert, wobei ich etwas enttäuscht von Audi war. Ist aber nur meine bescheidene Meinung.

    Naja für jeden der noch nicht da war, aber mit dem Gedanken spielt hinzufahren, ist der Salon ja noch bis zum 14.März geöffnet. Empfehlen kann ich es euch aufjeden Fall ohne Einschränkungen.

    MfG mete111

    Antwort

  3. 3. PixelPress

    Kommentar vom 15. März 2010 um 23:32

    Hey

    Schön, dass du uns auch einen Einblick in den “Medientag” gibst. Wäre gern auch dabei gewesen…muss ja ein riesen Stress gewesen sein mit den 11′000 Medienvertretern ;).

    Gruss pp

    Antwort

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