Bei einem Teamworkshop der Mercedes-Benz Bank im vergangenen Jahr haben wir uns mit dem Thema beschäftigt, wie wir uns als Abteilung sozial engagieren und selbst mit anpacken können. Unsere erste Idee war, für Obdachlose zu kochen. Das haben wir aber schnell wieder verworfen, da wir Bedenken wegen möglicher Hygienevorschriften und gesetzlicher Verordnungen hatten.
Dann kam uns die Idee, eine Kleidersammlung für Obdachlose zu organisieren. Das schien uns unkomplizierter und mindestens genauso hilfreich. Besonders wichtig war uns, dass unsere Hilfe direkt bei den Menschen ankommt und dass sie die Kleidungsstücke nicht kaufen müssen, sondern kostenlos erhalten.
Wir haben uns hier in Stuttgart informiert, welche Einrichtungen es für Obdachlose und bedürftige Menschen gibt. Dabei sind wir auf das „Café 72“ in Stuttgart-Bad Cannstatt gestoßen. Der Tagestreff ist eine Einrichtung der Ambulanten Hilfe Stuttgart.
Bevor es los ging mit unserer Sammelaktion, bin ich gemeinsam mit einer Kollegin zum „Café72“ gefahren, um mir einen persönlichen Eindruck zu verschaffen.
Im „Café 72“ haben die Besucher die Möglichkeit, Probleme mit Behörden und Ämtern zu klären, Gespräche zu führen, Bewerbungen zu erstellen, Wäsche zu waschen und gegen einen Obolus ein Mittagessen einzunehmen. Es gibt dort auch die Möglichkeit zu duschen. Bei Bedarf erhält man kostenlos neue Kleidung zum Wechseln. Denn meist ist die Kleidung, die sie am Körper tragen, schon so verschmutzt und kaputt, dass es sich nicht mehr lohnt, diese zu waschen. Die Mitarbeiter des Tagestreffs, die sich zum Teil ehrenamtlich engagieren, stehen den Obdachlosen Rat und Tat zur Seite.
Hier treffen sich Menschen verschiedenen Alters und aus den unterschiedlichsten Bevölkerungsschichten – vom Arbeiter über Akademiker, bis hin zu Menschen mit Migrationshintergrund. Schon bei unserem ersten Besuch im „Café 72“ hatte ich die Möglichkeit, mich mit dem einen oder anderen Obdachlosen zu unterhalten. Dabei habe ich erfahren, dass Dinge, die für mich selbstverständlich sind – wie zum Beispiel regelmäßig zu essen, ein Dach über dem Kopf zu haben oder saubere Kleidung zu tragen – für diese Menschen durchaus nicht selbstverständlich ist.
Eine Situation ist mir besonders in Erinnerung geblieben: Während uns eine Mitarbeiterin im „Café 72“ die Kleiderkammer der Einrichtung zeigt, kam einer der Gäste herein und fragte: „Habt ihr denn schon Unterwäsche bekommen?“.
Das hat mich schon sehr zum Nachdenken angeregt und es fiel mir schwer, nach diesem Besuch in der Mittagspause wieder an den Schreibtisch zurück zu kehren.
Mit einer E-Mail an alle Kolleginnen und Kollegen der Mercedes-Benz Bank haben wir diese dazu aufgerufen, die Kleiderschränke durchzuforsten und uns ausrangierte Kleidung, Rucksäcke, Schuhe usw. für eine Kleiderspende an das „Café 72“ zur Verfügung zu stellen.
Es haben uns wirklich viele Kollegen aus den verschiedensten Bereichen bei unserem Vorhaben unterstützt und so haben wir vier Fahrzeuge gebraucht, um alles ins „Café 72“ zu bringen.
Die Freude war groß, als wir dort ankamen. Mit tatkräftiger Hilfe der Cafébesucher brachten wir Kartons, Tüten und Säcke in die Einrichtung und wurden noch zu einer Tasse Kaffee eingeladen. Dabei hatten wir nochmals Gelegenheit, mit dem einen oder anderen Gast ins Gespräch zu kommen. Mir ist dabei bewusst geworden, dass es eigentlich recht schnell gehen kann, in diese Situation zu kommen, sei es durch Verlust des Arbeitsplatzes oder durch eine Scheidung oder, oder, oder.
Sehr gefreut habe ich mich über zwei Telefonate, die ich nach dieser Aktion mit zwei wildfremden Menschen geführt habe: Zwei Frauen haben von unserer Kleiderspendeaktion in der Zeitung gelesen und fanden das so super, dass sie nun auch aussortierte Kleidungsstücke ins „Café 72“ bringen werden.
Dieser Artikel wurde von Annemarie Werner geschrieben. In diesem Blog schreiben Daimler-Mitarbeiter und einige wenige Gastautoren. Unsere Autoren kommen aus den unterschiedlichsten Bereichen des Konzerns und schreiben über eigene Eindrücke, Geschichten und ihre persönliche Meinung und geben so Einblicke in den Konzern. Warum wir das machen, finden Sie auf unserer Seite über das Blog.
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1. Tweets die Kleiderspende für Obdachlose » Daimler-Blog: Einblicke in einen Konzern erwähnt -- Topsy.com
Pingback vom 06. April 2010 um 08:51
[...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Daimler AG News erwähnt. Daimler AG News sagte: Daimler-Blog: Kleiderspende für Obdachlose http://bit.ly/avA7d2 [...]
2. Juergen B.
Kommentar vom 07. April 2010 um 08:00
Eine wirklich gute Idee. Vielleicht können Sie hier die Adresse und einen Ansprechpartner veröffentlichen, damit evtl. weitere Helfer :-) es etwas einfacher haben. Vielleicht fühlt sich der eine oder andere Angesprochen und würde auch gerne was geben, wenn er merkt, das der Weg zur Kleiderbox vom DRK weiter ist als das Cafe um die Ecke.
Ich hoffe Ihre Aktion findet weiteren Anklang.
Mfg
Jürgen Boos
Antwort
Antwort von Ben am 04. Januar 2012 um 10:30:
Ich habe neulich einen Bericht über den Verbleib der Kleidung, die in den DRK Kleiderspendecontainern gesammelt werden gesehen. Erschreckend: http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/die_reportage/hintergrund/altkleider101.html
Dann die Kleidung lieber an das Café um die Ecke geben.
Antwort
3. Sylvia Rothe
Kommentar vom 07. April 2010 um 08:07
Guten Morgen Frau Werner,
sehr interessant Ihr Artikel. Ich werde auch die Möglichkeit nutzen und ein paar gute Kleidungsstücke und auch Kaffee für die Cafeteria hin bringen. Leider sind solche Adressen nicht oft bekannt. Mit etwas gutem Willen könnten wir alle einen kleinen Beitrag leisten. Denn wie Sie schreiben, man kann selbst ganz schnell in dieselbe Situation kommen. Gratuliere Ihrer Abteilung – weiter so! Viele Grüße, Sylvia Rothe
Antwort
4. Kreuzahrtinspektor
Kommentar vom 07. April 2010 um 12:29
Solange solche Aktionen nicht einmalig bleiben, sondern auch nachhaltig begleitet werden, ist dies sehr zu begrüssen. Gut ist es auch zu Hinterfragen und wirkliches Interesse zu zeigen.
Antwort
5. Ulrich.S
Kommentar vom 08. April 2010 um 06:50
Ich finde dies eine hervorragende Idee. Kleidungsstücke werden bei den Obdachlosen dringend benötigt. Die Hilfe die sie hier organisiert haben kommt direkt bei den Betroffenen an. Auch wenn dies eine einmalige Aktion war, haben sie einigen aus der Not geholfen. Schön wäre es natürlich wenn sich diese Aktion wiederholen würde.
Toll das es Menschen gibt., die eine solche Initiative ergreifen und andere bewegen daran teilzunehmen.
Antwort
6. Stefania Lamberti
Kommentar vom 08. April 2010 um 08:48
Ein sehr sinnvoller Impuls aus einem Teamworkshop heraus. Kompliment für die Idee und die persönliche Umsetzung im Café 72. Eine gut überlegte und konsequent umgesetzte Aktion. Schön das es Menschen gibt, die mit offenen Augen durchs Leben gehen und erkennen, dass nicht über jeden Menschen ein Stern leuchtet.
Antwort
7. philipp
Kommentar vom 08. April 2010 um 14:21
Eine gutte Aktion! sollte man öfters machen.
Antwort
8. Pressemitteilungen
Kommentar vom 10. April 2010 um 16:26
Ein tolles soziales Engagement , denn genau diese Zielgruppe hat es auch am meisten verdient. Schön wäre es wenn im Winter, weitere Aktionen gestartet werden, denn genau dann haben es die Obdachlosen am nötigsten. Immer wieder kommt es über die Medien zu Tage, dass gerade diese Menschen aufgrund schlechter Kleidung in winterlichen Monaten zu Tode kommen, da helfen soche Aktionen ungemein.
Weiter so
Antwort
9. Ralf
Kommentar vom 11. April 2010 um 16:25
Schöne Sache. Könnten sich, nein sollten sich, viele andere ein Beispiel daran nehmen. Hoffe auf Wiederholung!
Antwort