Was macht man mit vier Wochen Resturlaub? Am Strand liegen und nichts tun? Zu Hause die Wohnung auf Vordermann bringen, oder all die Dinge angehen, die schon lange auf der Liste der „Must-to-do’s“ stehen? Oder…. etwas ganz anderes? Vor dieser Frage stehend, habe ich mich vor ein paar Wochen für das „ganz Andere“ entschieden, nämlich sozialem Engagement. Dort helfen, wo Hilfe besonders dankbar angenommen wird.
Mein Vorgesetzter war von meiner Idee begeistert, genehmigte kurzfristig meinen Urlaub und sorgte für eine Vertretung, so dass ich ohne Gewissensbisse mein Engagement planen konnte.
Ich entschied mich für die Unterstützung eines sozialen Umweltprojektes. Vier Wochen, im feucht-heißen Tropenklima des 17 Flugstunden entfernten Costa Rica, einem kleinen, neutralen und militärfreiem Land in Zentralamerika, zwischen Panama und Nicaragua, von der Größe Belgiens, mit 4,3 Millionen Einwohnern, drei Klimazonen und 20 Nationalparks. Das klingt exotisch und nach Abenteuer? Sicher, auch…
Auf der im Süden liegenden Halbinsel Osa, in Drake, einer verschlafenen 1000-Seelen Gemeinde mit immerhin drei Kirchen, drei Pulperias (Tante-Emma-Läden) und einer Bar starteten von meinem künftigen „Büro“, – einem kleinen Holzhäuschen am Strand, – meine Aktivitäten. Die örtliche Koordinatorin Daniela, eine kleine, quirlige Tica (als Tico/Tica bezeichnen sich die Einheimischen) nahm sich meiner an und führte mich in meine temporäre Heimat ein; Ich wohnte selbstverständlich mittendrin im costaricanischen „Pura Vida“, also mit Familienanschluss. Als integrierter Teil meiner ebenso herzlichen, wie kinderreichen Gastfamilie fiel es mir leicht, den örtlichen Alltag mit seinen Problemen und Herausforderungen, aber auch schönen Seiten schnell zu verinnerlichen. In kürzester Zeit war ich außerdem im Ort bekannt.
Am Tag nach meiner Ankunft startete auch schon die erste Aktivität. Das Streichen der örtlichen Schule. Bei 90% Luftfeuchtigkeit eine echte Herausforderung, aber gemeinsam mit ein paar Schulkindern und der Lehrerin hat es echt Spaß gemacht.
Mit der Jugendgruppe „Jaguares“ stand Sport und Spiel auf dem Programm, sowie Strandsäubern und kreative Arbeit. Gewinnbringende Erkenntnis hierbei: Aus Tetra Pak lassen sich wunderschöne Geldbörsen recyceln. Im Mittelpunkt stand die Organisation und Durchführung des ersten diesjährigen „Environmental Education“- workshops für die 100 Kinder der vier regionalen Schulen.
Eine echte Herausforderung, vor dem Hintergrund der schwach ausgeprägten Infrastruktur. (Drake verfügt erst seit 5 Jahren über Strom, der nächste Kopierer ist zwei Bootstunden entfernt, das Internet bricht oft zusammen…) All dies erforderte trotz des Pura Vida feelings einen geregelten Tagesablauf, d. h. eine Sechs-Tage-Woche, jeweils von 9-17 Uhr. So kann ein Monat schnell vergehen…
Der Lohn sind die Schulkinder, die mit großen Augen sich äußerst interessiert und wissbegierig über jede neue Abwechslung freuen und hierfür mitunter einen langen Schulweg von bis zu zwei Stunden täglich auf sich nehmen.
Gerade wegen der sehr einfachen Lebensumstände – auch mal ohne Wasser und Strom, ärmliche Verhältnisse in Schulen - haben mich die Aufgeschlossenheit der Ticos (vor allem, wenn man die Landessprache spricht), ihr hohes Maß an Gastfreundlichkeit, sowie ihre ausgeprägte Genügsamkeit und Zufriedenheit stark beeindruckt.
Um ihre Lebensgrundlage zu sichern, bedarf das leider nur schwach vorhandene Umweltbewusstsein der Bevölkerung permanenter Sensibilisierung. Auch vor diesem Hintergrund waren die vier Wochen für mich sehr intensiv, mit erdender Wirkung und dem sicheren Gefühl etwas Nachhaltiges getan zu haben.
Ich habe viel Herzlichkeit erfahren und neue Freunde gefunden, zu denen ich sicherlich noch einmal zurückkehren werde.
Dieser Artikel wurde von Martina Pieri geschrieben. In diesem Blog schreiben Daimler-Mitarbeiter und einige wenige Gastautoren. Unsere Autoren kommen aus den unterschiedlichsten Bereichen des Konzerns und schreiben über eigene Eindrücke, Geschichten und ihre persönliche Meinung und geben so Einblicke in den Konzern. Warum wir das machen, finden Sie auf unserer Seite über das Blog.
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1. Romano Pieri
Kommentar vom 06. Mai 2010 um 15:39
So nun bin ich also der Erste, der diesen Beitrag bewerten darf.
Aus der “Weltstadt Berlin” mit den Marken Gucci, Chanel, Dolce & Cabbana,etc., direkt in den Dschungel. Respekt, wir hoffen nur das dieser Kulturschock, trotz aller Einflüsse die eine Großstadt wie Berlin mit sich bringt, einwenig anhält.
Ich weiß, ich weiß, erst einmal muß man es selbst machen bevor man eine große Klappe riskiert. Es ist schön und anerkennend seinen Urlaub auf diese weise zu verbringen, oder soll ich lieber sagen zu “opfern”.
Es hat dir sicherlich mehr gebracht, als zum hundersten Mal auf einer Liege am Strand zu warten bis der nächste Fresszeitpunkt gekommen ist (dank an alle All inklusive Clubs).
Klasse, freue mich schon auf deine nächste Entwicklungsreise und den anschließenden Artikel. Vielleicht solltest Du eine Sammlung, bei der ich mich gerne beteiligen möchte , organisieren um die Menschen dort unten mit Sachmitteln zu unterstützen.
Bis dann, Romano
Antwort
2. Elmar Thomson
Kommentar vom 08. Mai 2010 um 10:53
Seinen Urlaub auf diese Weise zu verbringen, darüber haben wahrscheinlich bereits viele nachgedacht: nur tun muss man es auch! Respekt und Anerkennung.
Sehr schön geschrieben!
Elmar Thomson
Antwort
3. Sarah Brennauer
Kommentar vom 11. Mai 2010 um 13:52
Wow toll, und da sagt nochmal einer, nach der Uni wär die letzte Chance für solche Aktionen! Sind Sie über eine Organisation dort hingekommen und wenn ja über welche? Dann kann man selbst so etwas auch mal konkret in Angriff nehmen.
Viele Grüße, tolle Sache!!
Sarah Brennauer
Antwort
Antwort von Martina Pieri am 12. Mai 2010 um 12:15:
Hall Frau Brennauer,
vielen Dank für den Kommentar! Ich habe das Voluntariat über eine Organisation gebucht. Ich glaube ohne ist dies gar nicht möglich. Schauen Sie mal unter: http://www.travelworks.de
Viele Grüße
M. Pieri
Antwort
4. gitchn
Kommentar vom 11. Mai 2010 um 15:30
Gut investierter Resturlaub, weiter so!
Antwort
5. Eckehard Thomson
Kommentar vom 09. November 2010 um 02:53
Toll, Martina!
Ich bewundere Dich!
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