Dass sich die Lkw in den letzten 50 Jahren verändert haben, das sieht man auf einen Blick. Doch wie sieht der Fortschritt im Hinblick auf Transportleistung, Verbrauch, Emissionen, Sicherheit, Komfort und Ergonomie aus? Das kann nur anhand aufwändiger Messfahrten beantwortet werden. Mercedes-Benz Lkw hat dafür einen LP 1624, Baujahr 1964, und einen modernen Actros 1844 von Stuttgart über die Alpen nach Mailand geschickt und auf diesem Weg zahlreiche Parameter gemessen und verglichen. Verkabelt waren auch die Fahrer; und zwar zur Messung der Gehirnströme und Herzfrequenz, um daraus Rückschlüsse auf die Belastung und Konzentration während der Fahrt in den Vergleichsfahrzeugen zu ziehen.
Die Messergebnisse zeigen, dass Verbrauch und CO2 pro Tonne Nutzlast in den 50 Jahren fast halbiert und die Partikel- und Stickoxidemissionen um 98 Prozent verringert werden konnten. Im Vergleichszeitraum wurde die Transportleistung nahezu verdoppelt. Die Messungen, die in dieser Art weltweit zum ersten Mal bei Lkw-Fahrern durchgeführt wurden, haben ergeben, dass sich die physische und mentale Beanspruchung durch die modernen Assistenzsysteme und den höheren Komfort deutlich reduziert hat. In Sachen Sicherheit kann Mercedes-Benz Lkw eine drastische Reduzierung des Bremswegs vorweisen: Der LP 1620 kommt bei einer Geschwindigkeit von 80 km/h nach 56 Metern zum Stehen, der neue Actros steht nach 40 Metern. Signifikante Fortschritte im Hinblick auf Schalt-, Lenk- und Bremskräfte entlasten den Fahrer und erhöhen die Sicherheit auf dem Transportweg. Früher gehörten Sicherheitsgurte im Lkw noch zu den „Extras“. Heute bietet Mercedes-Benz Lkw hochmoderne Assistenzsysteme wie den Active Brake Assist (ABA) zur Erhöhung der Sicherheit und Entlastung der Fahrer an und ist damit führend auf diesem Gebiet.
Erleben kann man die Unterschiede, indem man die verschiedenen Modelle selbst steuert, oder, wie in meinem Fall, als Mitfahrer, erfährt:
Morgens acht Uhr, wir starten die Vergleichsfahrt im schweizerischen Chur mit Lkw-Modellen der letzten fünfzig Jahre. Für den Anfang entscheide ich mich für einen der jüngsten Trucks der Flotte, einen Actros 1844. Mit 40 Tonnen Nutzlast sind wir voll beladen. Am Steuer ein Journalist, der seinen Lkw-Führerschein während seines Militärdiensts gemacht hat – und schon ebenso lang keinen Lkw mehr gesteuert hat. Dass die Fahrzeugdimensionen für ihn ungewohnt sind, merkt man. Immer wieder warnt der Spurassistent vor dem Verlassen der Straße.
Der Ausblick aus der Panoramascheibe auf die schweizer Alpenlandschaft ist herrlich. Unsere erste Etappe führt uns an eine Raststätte an der Via Mala. Dort gibt es eine kleine Pause zum Fahrzeug- und Erfahrungsaustausch. Weiter geht’s. Der „Tausendfüßler“ LP 333 aus dem Jahr 1960, auf den ich ein Auge geworfen habe, ist schon voll; ich suche mir daher für den nächsten Streckenabschnitt einen SK 1644 S, Baujahr 1988, aus. Es ist schon etwas unbequemer und auch lauter im Fahrerhaus, der Komfort nimmt deutlich ab. Der Trucker hat mehr Fahrpraxis, doch beim Schalten ruckelt es dennoch immer wieder. Im neuen Actros hat man vom Gangwechsel nur wenig mitbekommen, das ging vollautomatisch. Der Spurassistent meldet sich auf dieser Fahrt nie. Das liegt allerdings nicht am erfahreneren Lenker, sondern schlichtweg daran, dass es keinen gibt. Weiter gehts im Fahrschultruck nach Lostallo, dem Ziel unserer Fahrt. In 80 Kilometern haben wir über 1000 Höhenmeter zurückgelegt. Im NG 80 1635 S von 1989 geht es zurück nach Chur.
Der Fahrer ist ein älterer Transportunternehmer, er hat schon tausende Kilometer im Lkw zurückgelegt. Anschnallen würde ich mich trotzdem gerne, doch einen Gurt finde ich nicht. „Der Sicherheitsgurt gehörte damals noch zur Sonderausstattung“, kommentiert er meinen suchenden Blick. Na gut, dann setze ich meine Hoffnung auf seine Erfahrung, ein bisschen unwohl fühle ich mich trotzdem. Stolz erzählt er, dass sein Truck schneller als 80 Stundenkilometer fahre. Angesichts des fehlenden Gurts verzichte ich lieber auf eine Demonstration. Die Flotte trifft sich im Fahrsicherheitszentrum Driving Graubünden. Hier können wir bei Fahrmanövern auf Dynamik- und Gleitflächen mit Wasserhindernissen den Entwicklungsfortschritt in Extremsituationen verfolgen.
Nach dem Rückblick auf die letzten 50 Jahre frage ich mich, wie wohl der Truck 2060 aussieht. Bei der Vergleichsfahrt in einem halben Jahrhundert wäre ich jedenfalls gerne wieder dabei.
Hier geht’s zu den anderen Videos der durchgeführten Tests:
“Transalp Trucking 2010″ – Abgasmessung
“Transalp Trucking 2010″ – EEG-Messung am Lkw-Fahrer
Dieser Artikel wurde von Bettina Nickel geschrieben. In diesem Blog schreiben Daimler-Mitarbeiter und einige wenige Gastautoren. Unsere Autoren kommen aus den unterschiedlichsten Bereichen des Konzerns und schreiben über eigene Eindrücke, Geschichten und ihre persönliche Meinung und geben so Einblicke in den Konzern. Warum wir das machen, finden Sie auf unserer Seite über das Blog.
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1. Schmidtecker Monika
Kommentar vom 03. Juni 2010 um 06:57
Bettina Nickel würde ich einstellen, mit 1/2 Jahr Probezeit. Dann unbefristet übernehmen
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2. Fuchslocher
Kommentar vom 30. Juni 2010 um 10:17
Der technische Fortschritt wird einem erst bei einer solchen Vergleichsfahrt klar. Das ist ein richtiger Zeitsprung, nur verlagern sich oft die Probleme. Heute hat der Fahrer einen höheren Aufwand durch die moderne Kommunikation, die auch manchmal während dem Fahren erledigt wird (werden muß).
Auch im Auto sind solche Vergleichsfahrten interessant. Nur viele Normalfahrer vergessen wie Sie vor 30-40 Jahren in den Urlaub gefahren sind, und was Sie an Sprit verbraucht haben (vorallem im Bezug auf die Reisegeschwindigkeit).
An der Vergleichsfahrt hätte ich auch gerne mitgemacht, nur wäre es mir wie dem Journalisten ergangen.
PS: Es hat mich auch gefreut, daß der eingeschlichene Fehler im Intranetbericht unverzüglich ausgebessert wurde, und ich ein Danke erhalten habe.
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