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10.2010

Vom Instandhalter zum Student oder was der Tarifvertrag Qualifizierung bewirkt

Mit diesem Beitrag möchte ich denjenigen Mut machen, die vor der Entscheidung stehen sich weiterzubilden und ihren jetzigen Beruf aufzugeben.

Mein Name ist Florian Hörz, ich habe am 10. September 2001 eine Ausbildung, damals noch bei DaimlerChrysler, zum Industriemechaniker begonnen. Diese habe ich erfolgreich im Januar 2005 abgeschlossen und wurde danach direkt in der Abteilung PAC/IS (Produktion Achsen, Instandhaltungs- und Serviceleistungen) als Instandhalter übernommen. Im September 2006 begann ich meine Fachhochschulreife in Abendform nachzuholen. Als dies nach zwei Jahren geschafft war, stand ich vor der bis jetzt wichtigsten Entscheidung in meinem Leben, soll ich meinen Arbeitsplatz bzw. mein sicheres monatliches Einkommen aufgeben und mit 24 Jahren noch zum Student werden.

Nach vielen Gesprächen mit meinen Kollegen, Vorgesetzten, Produktionsplanern und Betriebsingenieuren bin ich auf den Tarifvertrag Qualifizierung aufmerksam geworden. Dieser regelt, kurz gesagt den Fall/Ablauf einer Weiterbildungsmaßnahme. Dies bedeutet, dass man zwar seinen Arbeitsvertrag kündigen muss, man aber eine bis zu 5 Jahre lange Wiedereinstellungsgarantie besitzt. Eine solche  gilt auch bei Abbruch des Studiums/der Weiterbildungsmaßnahme.

Nach einem längeren Gespräch mit dem Personalbereich stand für mich fest, dass ich diesen Tarifvertrag für mich beanspruchen möchte. Als diese Dinge nun alle geklärt waren, habe ich mich an der HTW Aalen für den Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen eingeschrieben.

Dann war es also nun soweit, am 13. März 2009 hatte ich meine erste Vorlesung an der HTW Aalen.
Da ich jetzt meinen Vorbachelor abgeschlossen habe und in das 4. Semester komme, kann ich rückschauend schon einmal sagen, dass meine Ausbildung sowie spätere Berufserfahrung vor allem  in den technischen Fächern von sehr großem Vorteil war. Am Anfang war noch die Umstellung da, jeden Tag Vorlesungen zu besuchen und diese aktiv aufarbeiten, aber dies war auch nach kurzer Zeit geschafft und ist heute ein Selbstverständnis.

Eine weitere Unterstützung, wie ich es auffasse, habe ich durch die Firma erhalten, in dem ich dieses Jahr die Möglichkeit hatte, während meiner Semesterferien als Ferienbeschäftigter in PAC/GPA (Produktion – Getriebeproduktion Achsen) tätig zu sein.

Sollte jemand ebenfalls kurz vor diesem Schritt stehen und mit dem Gedanken spielen ein Studium aufzunehmen, kann ich diesen nur ermutigen, dass sich dieser Schritt auf jeden Fall  lohnt und auch ganz neue Erfahrungen mit sich bringt.

Mein Praxissemester, welches ich im 5. Semester bestreiten muss, werde ich ebenfalls hier im Haus absolvieren. Da ich dies als gute Möglichkeit empfinde, zu sehen, welche Richtung ich später im Unternehmen einschlagen möchte. Für mich steht nämlich jetzt schon fest, dass ich von meiner Wiedereinstellungszusage Gebrauch machen werde und zurück zur Daimler AG komme.

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Dieser Artikel wurde von Florian Hörz geschrieben. In diesem Blog schreiben Daimler-Mitarbeiter und einige wenige Gastautoren. Unsere Autoren kommen aus den unterschiedlichsten Bereichen des Konzerns und schreiben über eigene Eindrücke, Geschichten und ihre persönliche Meinung und geben so Einblicke in den Konzern. Warum wir das machen, finden Sie auf unserer Seite über das Blog.

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Was sagen Sie zu diesem Thema? Derzeit 10 Kommentare. Diskutieren Sie mit!

  1. 1. Kevin

    Kommentar vom 01. November 2010 um 14:14

    Hallo Florian,

    ich würde gerne wisse, ob du noch zu Hause wohnst?

    Antwort

    Antwort von Florian Hörz am 03. November 2010 um 14:24:

    Hallo Kevin,

    nein, unter der Woche wohne ich in Aalen.
    Am Wochenende bin ich oft daheim in Leinfelden.

    Gruß

    Florian

    Antwort

    Antwort von Kevin am 03. November 2010 um 14:44:

    Würde gern mal wissen, wie du dir das alles finanzierst? Übst du nebenher einen Nebenjob aus oder unterstützen dich etwas deine Eltern?

    Antwort

    Antwort von Florian Hörz am 16. November 2010 um 22:16:

    Also ziemlich viel über mein Erspartes bzw. ich habe jetzt mal versucht BaföG zu benatragen, hab aber noch keine Rückmeldung erhalten.

  2. 2. Micha

    Kommentar vom 01. November 2010 um 17:40

    Ich kann dem nur zustimmen! Es ist nie zu spät einen neuen Weg einzuschlagen! Zwar ist es nicht einfach zu Studieren, vor allem wenn man schon im Berufsleben war, doch ist es die Herausforderung, die einen persönlich wachsen lässt und Selbstbestätigung bringt!

    Toller, aufmunternder Artikel!!

    Antwort

  3. 3. Kobel

    Kommentar vom 01. November 2010 um 22:53

    Ich mache auch grad eine Weiterbildung ……

    Antwort

  4. 4. Wolfgang Pfeifer

    Kommentar vom 02. November 2010 um 10:21

    Hallo,
    super, dass Sie sich für eine Weiterbildung entschieden haben und alles gut funktioniert hat (hoffentlich bleibt´s so). Solche Vereinbarungen zur Weiterbildung sind wirklich gut. Allerdings muss man sich schon überlegen, ob man auf sein Gehalt verzichten kann (oder will). Wenn man (noch) jung und ungebunden ist, eventuell noch zu Hause wohnt, ist dies aus mener Sicht ein wirklich guter Weg.

    Es geht jedoch auch anders.
    Ich habe nachdem ich ein paar Jahre nach meiner Ausbildung in der NFZ-Entwicklung gearbeitet habe, über einen Fernkurs meinen staatlich geprüften Maschinenbautechniker gemacht.
    Fernkurs bedeutet, dass man ganz normal arbeiten geht und Abends und am Wochenende sich das Lernmaterial “reinzieht”. Wirklich viel Freizeit bleibt da nicht über. Die so genannten Präsenzphasen (Unterricht) fanden dann meist Freitag und Samstags in der Fernschule statt. Ebenso wie die Klausuren.
    Die Folge: Urlaub und Geld für Fahrt und Unterkunft wurde auch investiert.
    Nach dem Abschluß wollte ich noch ein Studium drauf satteln und habe, ebenfalls nebenher, per Fernstudium meinen Abschluß zum Diplom-Wirtschaftsingenieur (FH) an der Hamburger Fern Hochschule gemacht. Auch hier galt: normal arbeiten, Abends und am Wochenende …..
    Die Vorteile eines solchen Weges sind schnell aufgezählt:
    - man verdient ganz normal weiter
    - das Arbeitsverhältnis besteht unverändert fort
    - man sammelt jede Menge Arbeitserfahrung die ein Vollzeitstudent nicht sammen kann
    - finanzielle Unabhängigkeit
    - Beweis der Selbstmotivation und -organisation
    - und bestimmt noch eine Menge mehr ….

    Da wo es Licht gibt, gibt´s auch Schatten:
    - so gut wie keine Freizeit mehr
    - Private Hochschulen müssen auch privat bezahlt werden
    - man muß sein Zeitmanagement voll im Griff haben
    - soziale Kontakte (Freunde, Verein) werden auf ein Minimum reduziert

    Für mich war´s trotzt aller Widrigkeiten diese Möglichkeit der richtige Weg. Neben dem Techniker und dem Ingenieur haben meine Frau und ich noch unsere Tochter groß gezogen.

    Antwort

  5. 5. Tobias Benz

    Kommentar vom 08. November 2010 um 08:48

    Hallo Florian und alle Leser,

    ich hatte einen ähnlichen Weg. Ich habe nach meiner Ausbildung zum Bürokaufmann (nicht bei Daimler) als Lagerarbeiter im GLC Germersheim angefangen. Nach einiger Zeit habe ich mir dann auch Gedanken über mögliche Weiterbildungen gemacht. Dabei standen bei mir Technischer Fachwirt, Industriemeister oder Fachhochschulreife mit anschließendem Studium zur Auswahl. So wie auch die Entscheidung über Voll- oder Teilzeit Weiterbildung. Ich habe mich nach vielen Gesprächen mit Freunden, Vorgesetzten und der Personalabteilung für die Kombination von Fachhochschulreife (Abendschule) und anschließendem Vollzeit BWL Studium entschieden. Ich habe auch den Tarifvertrag Qualifizierung in Anspruch genommen.

    In den Semesterferien hatte ich auch vor als Ferienkraft meine Finanzen aufzubessern. Dies hat leider nicht geklappt, da die Wirtschaftskrise dazwischen kam.

    Dies hat mir aber auch ermöglicht, dass ich Einblicke und Eindrücke in einem anderen Weltkonzern, der IBM, sammeln konnte. Dies ist mit Sicherheit auch eine Bereicherung für die Daimler wenn ich nach meinem Studium zurück kehren werde, was ich fest eingeplant habe.

    Ich kann es auch nur jedem empfehlen diesen Schritt zu wagen. Im ersten Moment ist es Finanziell natürlich ein großer Abstieg. Ich brauchte auch einige Zeit und einen Sinkenden Kontostand um damit zurecht zu kommen. Ich kann aber auch die beruhigen, die Angst vor der Finanzierung haben. Nach einer Abgeschlossenen Ausbildung und mehrjähriger Berufserfahrung kann man Eltern-unabhängiges BaföG erhalten.

    Wenn man Ungebunden ist würde ich auch jedem empfehlen das Studium Vollzeit zu bestreiten, da sich daraus weitere Vorteile ergeben.

    Ich bin mittlerweile 27 Jahre alt und befinde mich zur Zeit im 5.Semester an der FH in Mainz. Zur Zeit Studiere ich allerdings in Bangkok Thailand. Das ist ein freiwilliges Auslandssemester an einer Partneruniversität (Assumption University). Es ist das großartigste Erlebnis, das ich bisher gemacht habe. Solche Möglichkeiten hat man leider nur als Vollzeitstudent.

    Wie gesagt, traut euch nutzt eure Chancen, bevor Ihr den versäumten Möglichkeiten nach trauert.

    Mit sonnigen Grüßen aus Bangkok,

    Tobias Benz

    Antwort

  6. 6. Reinhardt

    Kommentar vom 12. November 2010 um 02:55

    Vergnüglicher Blogbeitrag.Werd den Blog mal abonnieren. Ich freue mich auf weitere Beiträge!

    Antwort

  7. 7. Bernd Adis

    Kommentar vom 28. April 2011 um 08:55

    Hallo Florian, ich glaube, Du hast alles richtig gemacht und wünsche Dir weiterhin alles Gute und viel Erfolg!

    Gruß Bernd

    Antwort

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