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02.2011

Rasantes Lehrstück: Azubis bauen B55

B55Alles fing mit dem Auftrag unseres Werkleiters an. Er wollte eine besondere Mercedes B-Klasse, etwas wonach man sich den Kopf verdreht. Es war ein ganz gewöhnlicher Tag in unserer Ausbildungszeit, als unser Meister auf uns zu kam und um ein Gespräch bat. Völlig ahnungslos saßen wir dann in einer kleinen Gruppe zusammen und hörten gespannt den Worten unseres Ausbilders zu.

Kurze Fakten: „B-Klasse mit Heckantrieb, V8-Motor, Fahrwerksänderung, eventuell sequentielles Getriebe und Transaxle-Bauweise“

Sofort waren wir Feuer und Flamme von den ersten Impressionen und brachten auch eigene Ideen ein. Aber viele werden sich jetzt fragen, warum gerade eine Mercedes B-Klasse so umzubauen? Naja ein Fahrzeug mit Brennstoffzellenantrieb, sowie die A-Klasse E-Cell gab es schon.

Und sind wir mal ehrlich, gilt die B-Klasse in den meisten Kreisen als etwas angestaubt mit Auslegung auf Wirtschaftlichkeit und Komfort. Und da sich bisher im Konzern noch niemand an das Projekt herangetraut hat, ist das Konzept B55 mal ein Schritt in die Sportive-Richtung.

Das Konzept stand also fest und unsere Arbeit konnte beginnen. Schnell war ein „Opfer“ für unser Projekt gefunden – eine silberne B200 CDI aus unserer Ausbildung. Also ab auf die Bühne damit und das Fahrzeug in seine Einzelteile zerlegen. Als erstes Mal mussten alle technischen Flüssigkeiten abgelassen werden, bevor das Dieselaggregat und die restlichen Antriebskomponenten ihren Dienst endgültig quittieren mussten.

Als nächstes stand der Innenraum auf dem Plan – das graue Stoffgestühl hatte ausgedient und sollte später durch eine hochwertige Alcantara Innenausstattung ersetzt werden, also vorerst alles raus bis schließlich nur noch die Rohkarosse da stand. Ein genauer Blick unter das Blechkleid war jetzt nötig, um weiter Schritte planen zu können. Aufgrund des bei der B-Klasse bestehenden Sandwich-Boden bot sich für unser Vorhaben ausreichend Platz, lediglich einige Änderungen am Unterboden, sowie am Vorbau mussten vorgenommen werden. So entschlossen wir uns die Reserveradmulde zu entfernen um die Hinterachse (W210 E430) einer E-Klasse zu integrieren. Dabei mussten außerdem die Dämpfer-und Federaufnahmen so angepasst werden, dass trotz des neuen Antriebskonzepts die Fahrbarkeit des Fahrzeugs immer noch gewährleistet wird.

Eine Herausforderung war auch das V8-Aggregat (M273) samt Getriebe (7G-Tronic) zu integrieren. Es wurde geschweißt und geflext bist der Antrieb das erste Mal an seinen angestammten Platz saß.

Ein Problem ergab sich  bei der Lenkung. Aufgrund des neuen Motors konnte das alte Aggregat nicht mehr verwendet werden. Getreu nach unserem Motto „geht nicht, gibt´s nicht“ veränderten wir die elektro-hydraulische Lenkung der alten A-Klasse (W168) und begrenzten parallel dazu den Lenkeinschlag.

Um der Leistung des V8 Herr zu werden, hatten inzwischen zeit die neue Hochleistungs-Bremsanlage aus dem Hause AMG sowie ein einstellbares Gewindefahrwerk der Firma KW ihren neuen Platz gefunden. Standesgemäß konstruierten wir eine Eigenbau-Auspuffanlage, um jeden Gasstoß des Motors zu einem echten Klangerlebnis werden zu lassen.

Schließlich war es soweit wieder alle Komponenten auszubauen und endlich Farbe zu bekennen. Ab in die Sonderlackierung mit dem „guten Stück“ – ein trendiges aber auch unschuldiges Weiß sollte unser Gefährt schmücken. Scheinwerfer und Kühlergrill wurden im Kontrast dazu Schwarz eingefärbt. Ein echter Hingucker der dennoch dezent und edel erscheinen sollte.

Wieder in der Ausbildungswerkstatt angekommen ging es an den Zusammenbau. Mit Hilfe des „Elektrikgurus“ Mathias Rieger und unseres Ausbilders Andreas Würz versuchten wir quasi im Rohzustand dem V8 erste Lebenszeichen zu entlocken. Jedoch was wir versuchten, es tat sich einfach nichts. Die Stimmung im Team war angespannt und jeder forschte eifrig nach den Ursachen. Wieder und wieder wurde der Zündschlüssel gedreht, aber immer noch ließ sich nur der Starter zu seiner Arbeit animieren. Nochmal wurden die Daten optimiert und das Automatikgetriebe neu befüllt. Sekunden später versuchten wir es erneut.

Der Starter dreht…die Kraftstoffpumpe läuft…der Motor zündet….und schließlich ging ein sattes V8-Grollen durch die Halle…..alle Köpfe drehten sich um und jeder wusste – er läuft!!!

Die Stimmung war grandios, jedem viel ein Stein vom Herzen und der Klang des 5,5-Liter V8 ließ so einige Probleme, die in der Vergangenheit mit dem Bau des Fahrzeugs aufgetreten sind, vergessen. Doch es stand noch einiges auf unserem Programm. Der Endspurt begann. Bei der Innenausstattung unterstützen uns u.a. unsere Azubi-Kollegen aus Sindelfingen sowie die Firma Johnson-Controls, die wirklich hervorragende Sattlerarbeiten lieferten.

Dann war es soweit, nach ein paar letzten Abstimmungsarbeiten und Veränderungen stand unser Projekt nach circa acht Monaten vor der Fertigstellung. Das Ergebnis kann sich meiner Meinung nach wirklich sehen lassen. Ein echter Wolf im Schafpelz.

Vielen Dank an alle die an diesem Projekt mitgearbeitet  und die B55 zu einem echten Unikat gemacht haben.

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Dieser Artikel wurde von Marcel Schumann geschrieben. In diesem Blog schreiben Daimler-Mitarbeiter und einige wenige Gastautoren. Unsere Autoren kommen aus den unterschiedlichsten Bereichen des Konzerns und schreiben über eigene Eindrücke, Geschichten und ihre persönliche Meinung und geben so Einblicke in den Konzern. Warum wir das machen, finden Sie auf unserer Seite über das Blog.

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Was sagen Sie zu diesem Thema? Derzeit 14 Kommentare. Diskutieren Sie mit!

  1. 1. Mercedes-Benz B 55 Bericht, Videos, Fotos : Mercedes B-Klasse

    Pingback vom 28. Februar 2011 um 16:32

  2. 2. Henric

    Kommentar vom 28. Februar 2011 um 17:55

    Toller Bericht, Hammer Ergebnis! Der Sound alleine ist schon Wahnsinn, aber ihr habt auch ein gut aussehendes Fahrzeug hinbekommen. Mir fehlen noch ein paar Eindrücke vom Innenraum zur perfekten Dokumentation. Vielleicht macht ihr ja noch ein paar Videos, insbesondere auch mit Fahrszenen, da scheint Youtube nur drauf zu warten, das Burnout-Video ist ja ein Quotenrenner ;-)

    Antwort

  3. 3. Mercedes-Benz B 55 Bericht, Videos, Fotos : Mercedes

    Pingback vom 28. Februar 2011 um 18:40

  4. 4. Alexander Tylla

    Kommentar vom 01. März 2011 um 07:48

    Extrem Klasse & absolut sauberer Umbau!
    Der unglaubliche Raubtier-Sound treibt mir die Tränen in die Augen!
    Das mach Lust auf eine Ausstellung des Fahrzeuges auf der Tuning-World-”B”odensee!

    Antwort

    Antwort von Manu am 01. März 2011 um 14:31:

    da wäre ich auch dafür, das sowas der Öffentlichkeit nahe gebracht wird. Wenn nicht auf der Händlermeile, dann eben in den Clubhallen. Gibt noch nen Stellplatz, dessen bin ich sicher.

    Antwort

    Antwort von Alexander Tylla am 02. März 2011 um 07:39:

    Zumal dies auch eine tolle Publicity für die Ausbildung bei Daimler ist und dazu noch unterstreicht, dass es sich bei unseren Auszubildenden & der Ausbildung nicht nur um das Ziel dreht “Knöpfe-Drücker” in die Welt zu setzen, sondern es sich hier gut ausgebildete und hoch motivierte Fachkräfte handelt die nach der Ausbildung echt was drauf haben.

    Antwort

    Antwort von Jan am 02. März 2011 um 12:58:

    Ich denke die 5 Seiten die in der Autobild berichtet wurden sollten als Publicity genügen ;)
    Des weiteren war die B55 auf Stern.de und Focus.de und den Seiten sämtlicher Auto-Zeitschriften zu finden…

  5. 5. Marcel Schumann

    Kommentar vom 02. März 2011 um 09:41

    Es freut mich, dass wir für unser Projekt durchweg so positive Resonaz erhalten.
    Meinen Infos nach, war es auch schon im Glasplast Sindelfingen bei einem Fußball-Event zu sehen. Das Fahrzeug mal auf Ausstellungen bzw. Messen zu zeigen, war auch mein erster Gedanke nach der Projektfertigstellung.
    Leider weiß ich nicht ob es eventuell die Möglichkeit gibt, dieses zu realisieren. Ich werde mich mit einigen Leuten in Kontakt setzen und unser Anliegen einbringen.

    Antwort

    Antwort von Manu am 02. März 2011 um 14:55:

    Wie gesagt nen Messeplatz wirds bestimmt noch geben. Braucht Ihr nur noch die Freigabe dazu.

    Antwort

  6. 6. Karl Heinz Straub

    Kommentar vom 02. März 2011 um 10:24

    Saubere Arbeit, lasst das Baby bitte auch mal ohne Abriegelung auf die Piste… wird dann ein trauriger Tag für die Kameraden im Golf GTI, wenn sie bei Tempo 250 die linke Spur räumen müssen, weil ne B-Klasse souverän vorbeizieht.

    Antwort

  7. 7. Jens Berger

    Kommentar vom 03. März 2011 um 09:25

    Dazu kann ich nur sagen:Entschuldigung aber wie geil ist das denn!!!
    saubere Leistung-grandiose Arbeit

    Antwort

  8. 8. Richard Fehler

    Kommentar vom 06. März 2011 um 17:56

    Faszinierend was die Azubis in Rastatt auf die Beine gestellt haben.
    Kaum zu glauben dass ich bisher nichts davon mitgekriegt habe :)

    Antwort

  9. 9. Alex Kahl @probefahrer

    Kommentar vom 16. März 2011 um 16:17

    Mein lieber Herr Gesangsverein!

    Da habt Ihr Azubis aber ein echtes Meisterstück abgeliefert, Respekt!

    Wenn ich mal wieder in Stuttgart bin, würde ich das Unikat ja gerne mal probefahren! ;)

    Antwort

  10. 10. Ich mag dich, ich mag dich nicht | facebook, personalmarketing, Twitter | blogaboutjob Jobs Karriere Recruiting Arbeit

    Pingback vom 08. August 2011 um 10:47

    [...] Zu häufiges Posten von Nachrichten ist ebenso nervig wie seelenloser Inhalt ohne Mehrwert. Der Leser möchte Infos und Entertainment. Also Berichte mit Mehrwert und Tipps. Bilder versprechen zumeist gute Klickraten und Videos natürlich auch, deren Inhalt das Weiterleiten lohnt. Das ist dann allerdings nicht die dröge Firmenbroschüre sondern eher wie der gute Post und das dazu passende Video der Auszubildenden von Mercedes, die von ihrem Umbau eines Wagens berichten. [...]

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