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09.2011

GASTBEITRAG: Intelligent in die automobile Zukunft

Reduce to the max, finde ich, ist auch heute noch ein gutes Beispiel visionärer Kreativität, gerade weil dieser Werbeslogan bereits 1997 von smart erfunden wurde. In meiner Vision ist die Mobilität der Zukunft nachhaltig und sozial, denn immer mehr Kunden konsumieren ökologisch und ökonomisch zugleich. Sozial ist, wenn wir Autos gemeinsam und effizienter nutzen. Nachhaltigkeit verpflichtet uns, unsere Autos mit erneuerbarer Energie anzutreiben. Das englische Zauberwort dafür ist Sustainable Social Mobility und beschreibt einen intelligenten Weg in die automobile Zukunft.

ECO11 Young Future Mobility Leaders PanelInteressanterweise können wir den grünen Strom aus Sonne, Wind und Wasser nicht nur in den Batterien der Elektroautos speichern, sondern mit Hilfe der Elektrolyse und chemischer oder biologischer Methanisierung auch in Wasserstoff und Methangas umwandeln und langfristig speichern. Das erneuerbare Methangas made in Germany, auch E-Gas oder Windgas genannt, kann in das bestehende Gasnetz eingespeist und in Erdgasautos genutzt werden. Die Kooperation von SolarFuel und Audi beweist das Potential.

Es ist auch nachhaltig, darüber nachzudenken, wie wir mit weniger Autos auskommen. Dann sparen wir die Ressourcen, die für die Produktion, Fortbewegung und Parkplätze überflüssiger Autos nötig sind. In meinen Augen ist es nicht genug, bis 2020 eine Million Elektroautos in Deutschland zu fordern und zu fördern, wie es die Nationale Plattform für Elektromobilität ausgearbeitet hat. Wir müssen darüber hinaus überlegen, wie wir so schnell wie möglich die Anzahl der gefahrenen Elektrokilometer (ekm) maximieren können. Dazu müssen wir die Nutzung der verfügbaren Elektroautos intensivieren. Intelligent geteilte Elektroautos im Stadtgebiet können durchaus eine jährliche Kilometerleistung erreichen, die mit Taxis vergleichbar ist (120.000 km/Jahr).

Das Ziel sind weniger Autos und mehr Nutzer pro Auto. Car Sharing ist ein modernes Wort für ubiquitäre Autovermietung und Ride Sharing kann man einfach mit Mitfahren übersetzen. Zum Glück bin ich nicht der einzige Konsument und Unternehmer, der das Teilen von Autos und gemeinsame Fahrten sinnvoll findet und darin ein Geschäftsmodell für den Massenmarkt sieht. Daimler ist mit den Mobilitätsdiensten Car2go und Car2gether, die gut zusammenpassen, vorne mit dabei. Flinc nennt sich selbst Social Mobility Network. Tamyca fordert auf, das eigene Auto zu vermieten.

Spannend ist bei Car2go nicht nur der One-Way-Betrieb, sondern auch die Tatsache, dass mit der smart Car2go Edition erstmals ab Werk ein Serienfahrzeug für Car Sharing vorbereitet wurde. Aber leider machen tausend smart-on-Demand in 4 Städten noch keinen großen Unterschied. Die Vorbereitung für Car Sharing ab Werk sollte zum Standard für alle Serienfahrzeuge gemacht werden – und zwar modell- und herstellerübergreifend.

Strategisch weitergedacht hat das Konzept der Sustainable Social Mobility weitreichende Konsequenzen für die Autoindustrie, die gerade in Deutschland eine fundamentale wirtschaftliche Bedeutung hat. Die Autoindustrie wird nachfragegetrieben vom Produkt- auf das Dienstleistungsgeschäft umsteigen (müssen). Der dafür notwendige Systemwandel vollzieht sich rasend schnell. Nebenbei ist das auch hilfreich für Recycling und das Management von Cradle-to-Cradle-Stoffkreisläufen. Es ist denkbar, dass wir bereits in 10 Jahren, d.h. 2 Autogenerationen, 25% unserer automobilen Wegstrecke in gemieteten anstatt in gekauften Autos zurücklegen. Der Lernprozess, weniger Autos zu produzieren und dafür deren Nutzung zu maximieren, ist eine echte Herausforderung. Die Nachricht weniger Autos fällt normalerweise in den Bereich Bad News bei den Autokonzernzentralen.

Ecosummit Greenrider Competition

Ecosummit Greenrider Matrix

 

 

 

 

 

 

 

2030 können wir in Deutschland nach Ansicht der Optimisten unter den Energieexperten 100% erneuerbare Energieversorgung erreichen. Aber nur, wenn wir uns wirklich anstrengen. Machen wir also einen Gedankensprung und stellen uns folgendes Szenario vor: Alle Verkehrsmittel, nicht nur Autos, und alle Mobilitätsnutzer sind online. Ein freies Auto zu finden wird zum Kinderspiel. Wenn alle Autos Cars-on-demand sind und 10 Nutzer sich ein Auto teilen, brauchen wir nur ein Zehntel der Autos. Das nenne ich Ressourceneffizienz.

Laut Kraftfahrbundesamt hatten wir zum 01.01.2011 42,3 Millionen zugelassene Pkw in Deutschland. Wie hoch ist die Lebensqualität in Deutschland, wenn wir nur 4 Millionen Pkw auf der Straße haben und gleichzeitig jeder Bürger eine kombinierte Bahn-ÖPNV-Taxi-Car-Ride-Sharing-Smartcard bzw. Smartphone-App in der Hosentasche hat? Da das E-Bike neben dem iPhone das neue muss-ich-haben Gadget ist, das mit geringer Kraftanstrengung unseren Aktionsradius erfreulich ausdehnt, ist das 4-Millionen-Pkw-Szenario in 2030 zwar radikal, aber nicht unvorstellbar.

Jeder zweite Weltbürger lebt urban, Tendenz steigend. Die nachhaltige soziale Mobilität findet vor allem in den Städten statt, die wiederum auf dem Weg zur Smart Green City sind. Dank dem Internet kann man heute überall und jederzeit arbeiten. Wir werden das tägliche Pendeln minimieren, seltener ins Büro fahren und mit Hilfe von Echtzeitinfos verstopfte Straßen und Verkehr zu Stoßzeiten vermeiden. Moderne Firmen haben das verstanden, der Anteil der Arbeitstage im Home Office steigt auch bei Angestellten.

Damit das Potential von Car und Ride Sharing voll ausgenutzt werden kann, müssen wir jedes Auto intelligent nutzbar machen und Angebot und Nachfrage optimal zusammenführen. Dank neuer Versicherungstarife und digitaler Smartphone-Schlüssel können Autos im Privatbesitz schon heute untervermietet werden. Für das spontane Car Sharing brauchen wir nicht nur einen technischen Standard für das Öffnen und Starten der Autos, sondern auch einen gemeinsamen Marktplatz, auf dem jeder private und professionelle Anbieter neue Kunden für seine Autos und Fahrten finden kann. 2010 haben wir im Rahmen unseres Projektes Greenrider an einer offenen, sicheren und effizienten Handelsplattform für nachhaltige soziale Automobilität gearbeitet (s. Infografik).

Ich gehe aus dem Haus. Alle Autos fahren elektrisch. Ich kann jedes Auto benutzen. Das wär doch was, oder?

Ein echtes Premiumangebot.

Autor: Jan Michael Hess ist Geschäftsführer der Berliner Unternehmensberatung Mobile Economy GmbH. 2010 hat er die Firmenstrategie auf die Smart Green Economy ausgerichtet und Ecosummit gegründet. Ecosummit ist ein internationales Smart Green Business Network, das Investoren, Startups, Konzerne und Energieversorger zusammen bringt und dabei Cleantech, erneuerbare Energien, Elektromobilität und Nachhaltigkeit fördert. Ecosummit 2012 findet am 22. und 23. März 2012 in Berlin statt und ist die 3. Konferenz für Entscheider in der intelligenten grünen Ökonomie.

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Was sagen Sie zu diesem Thema? Derzeit 8 Kommentare. Diskutieren Sie mit!

  1. 1. Mario Jung

    Kommentar vom 06. September 2011 um 14:05

    Alles schön und gut. Und sicherlich wird es viele begeistern. Aber ich will MEIN Auto. Ich möchte es nicht teilen und ich möchte meine Sachen im Auto liegen lassen. Mein Auto ist nicht nur reine Mobilität, sondern auch Emotionen (Und wurde uns das nicht all die Jahrzehnte zuvor eingetrichtert?).

    Davon abgesehen, dass hier auf dem Land, wo nicht mal mehr regelmäßig Busse fahren, so ein System kostendeckend und somit überhaupt angeboten werden könnte!

    Antwort

  2. 2. Jens Jaeger

    Kommentar vom 07. September 2011 um 16:03

    Ich kann mich an dieser Stelle Fr Jung nur anschließen. Das Auto ist und bleibt auch ein gewisser Lebensraum, den man durchaus individuell gestalten will.
    Darüber hinaus ist das auch nur für Fortbewegung in Ballungsräumen wie Berlin, ein wirklich nutzbarer und sinnvoller Ansatz. Das sieht bereits im Umland und noch stärker in ländlichen Räumen anders aus. Für die zahlreichen Wochenendpendler innerhalb Deutschland ist das eigene Auto aus meiner Sicht unverzichtbar und bei dieser Mobilitätsanforsderung stößt auch die E-Mobilität (noch) an ihre reichweiten Grenzen.

    Antwort

  3. 3. Urte Zwebel

    Kommentar vom 08. September 2011 um 15:57

    Es sind sicherlich nicht viele, die sich mit privatem Carsharing überzeugen lassen. Ähnlich wie bei Airbnb oder Couchsurfing gibt es aber eine steigende Anzahl von Personen, die bereit sind, auch ihr Auto zu teilen. Die Entscheidung steht und fällt mit den Erfahrungen und einer vernünftigen Versicherung, wie zum Beispiel bei http://autonetzer.de. Im gesamten Mobilitätskonzept wird privates Carsharing eine Ergänzung einnehmen.

    Antwort

  4. 4. Urte Zebels

    Kommentar vom 08. September 2011 um 16:08

    Es ist sicherlich nicht die Mehrheit, die sich mit privatem Carsharing überzeugen lassen. Ähnlich wie bei Airbnb oder Couchsurfing gibt es aber eine steigende Anzahl an Personen, die bereit sind, auch ihr Auto zu teilen. Die Entscheidung steht und fällt mit den Erfahrungen (eigene, Bekanntenkreis, Kontakt) und einer vernünftigen Versicherung, wie zum Beispiel bei http://autonetzer.de. Im gesamten Mobilitätskonzept wird privates Carsharing meiner Meinung nach in ein paar Jahren eine sinnvolle Ergänzung einnehmen.

    Antwort

  5. 5. Peter Remmel

    Kommentar vom 09. September 2011 um 12:50

    Interessant hier in Stuttgart ist das Angebot von “Stadtmobil”, bisher gibt es 270 Fahrzeuge vom Kleinwagen bis zu Cabriolet und Transporter.
    Wenn man wie ich in der Stadt wohnt ist die Situation ideal: S-Bahn, U-Bahn, Bus in Reichweite max. 5 Minuten, 4 Carsharing Parkplätze in unmittelbarer Umgebung (kennt jemand die Parksituation im Stuttgarter Westen ?) Bequemes Buchen per Telefon oder Internet bis zu ca. 10 Minuten vor beacbsichtigter Abfahrt. Mittlerweile nützen auch Firmen dieses Angebot – und meines Wissens ist auch ein Buchen in anderen Städten möglich z. B. nach einer Bahnreise.
    Mittlerweile nehme ich das Firmenangehörigen-leasing nicht durchgehend
    in Anspruch sondern pausiere mal ein Jahr zwischendurch und nutze carsharing.

    Antwort

  6. 6. Christoph Dargel

    Kommentar vom 09. September 2011 um 19:09

    Sicherlich klingt der Gedanke, kein eigenes Auto zu haben, im ersten Moment befremdlich! Für einige Zeitgenossen – auch für mich – ist ein Auto mehr als ein Gebrauchsgegenstand, “heilig’s Blechle” wie man hier so schön sagt.

    Im Grunde erfüllt ein Auto aber einen Zweck. Und dieser Zweck ist Mobilität. Vielleicht wird diese Generation dies nicht verinnerlichen aber hin und wieder ändern sich Ansichten und Werte einer Gesellschaft.

    Noch vor wenigen Jahren wäre es undenkbar gewesen, dass Menschen im Internet – mehr oder weniger – ihr komplettes Leben preis geben. Heute sind Communities und Social Media fester Bestandteil des alltäglichen Lebens. Die Wahrnehmung und die Bedeutung der Privatsphäre und des Datenschutzes und haben sich stark gewandelt.

    Meiner Meinung nach wird es auch bezüglich des Verständnisses und Wertevorstellung von Besitz oder Eigentum einen ähnlichen gesellschaftlichen Wandel geben. Eines der zentralen Themen der nächsten Jahre wird wohl in vielen Lebensbereichen das „Teilen“ sein, „Sharing“ wie es Neudeutsch heißt. Und die Vernetzung über das Internet spielt dabei die Hauptrolle.

    Zunächst wurden im Internet Daten ausgetauscht, also mehr oder weniger legal Filesharing betrieben. Programmiercodes, Musik oder Videos wurden unter einem relativ kleinen Nutzerkreis diverser Plattformen ausgetauscht. Heute haben sich Plattformen mit Millionen von Nutzern etabliert und dieses Phänomen zur Normalität werden lassen.
    Darauf folgten die Social Networks. Hier werden Informationen mitgeteilt, Nachrichten verteilt, Kontakte geteilt.

    Während die Inhalte des Teilens dabei eher digitaler Natur waren, kann man die Tendenz beobachten, dass mit Hilfe des Internets Raum und Zeit überbrückt wird damit Angebot und Nachfrage zusammengeführt werden um so reelle Gegenstände zu teilen.

    Dazu haben sich zahlreiche Plattformen mit dem Ziel des Teilens zwischen Personen, die sich nicht kennen, gebildet. Man kann einen Schlafplatz teilen, eine Wohnung, einen Esstisch, Kochkünste, Zugtickets, Fahrstrecken, Autos und viel mehr.

    Auch wenn “wir” uns das schwer vorstellen können. Es ist wichtig jetzt diese Zeichen und die künftigen Bedürfnisse zu erkennen und mit in diese Richtung zu gehen.
    Den ersten Schritt hat Daimler bereits mit car2gether und car2go getan.

    Antwort

  7. 7. Frank Pelzner

    Kommentar vom 20. Dezember 2011 um 15:55

    Ich beobachte das private Carsharing bereits seit einiger Zeit und bin erfreut über die Entwicklung der verschiedenen Anbieter.
    Einige Seiten, welche das private Carsharing anbieten, z.B. http://www.tamyca.de, sind mittlerweile sogar investiert (http://www.foerderland.de/419+M5fd8c57ba1c.0.html).

    Es scheint also ein, aus mehrer Hinsicht, interessanter Markt zu sein (oder werden).

    Antwort

  8. 8. rent-n-roll

    Kommentar vom 16. Januar 2012 um 17:57

    Privates Carsharing, wie im Artikel erwähnt, gibt es neuerdings auch auf http://www.rent-n-roll.de/. Vorreiter wie Getaround in den USA oder WhipCar in Großbritannien haben viele andere europäische Anbieter inspiriert. Nichtsdestotrotz momentan noch ein sehr ausbaufähiger Markt, da sind die Amis schon weiter!

    Antwort

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