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09.2011

GASTBEITRAG: Blaues Licht und blaue Wunder

Hochleistung aus guten Scheinwerfern schafft Sicht und Sicherheit

Cool Blue Intense„Licht ist Sicherheit“ und „gesehen werden ist genauso wichtig wie selbst sehen“ – solche oder ähnliche Sätze haben wir alle in der Fahrschule gelernt. Manchmal bezweifle ich, dass davon viel hängengeblieben ist. Da rollen mausgraue Autos völlig unbeleuchtet durch die Dämmerung oder Tunnels. An anderen scheinen die Blinker kaputt oder höchstens noch zum kurzen Aufblitzten geeignet.

Gegen solche Lichtsünden können intelligente Assistenten helfen. Wenn in einem Mercedes ein sinnreicher Sensor das jeweils richtige Licht wählt, kann der Fahrer es schon nicht vergessen. Und jene Automatik, die nach dem Antippen des Blinkhebels für drei Signale der Blinkleuchten sorgt, ist für mich eine der besten Errungenschaften der vergangenen Jahre. Sie ist eine soziale Sache, die nicht nur dem Fahrer hilft. Andere Verkehrsteilnehmer bekommen durch sie eine wesentlich deutlichere Information, dass beispielsweise ein Spurwechsel bevorsteht.

Bei der Entscheidung über die Einführung eines neuen Systems bedarf es aber Umsicht und auch einer gewissen konservativen Zurückhaltung. Mich freut, dass Daimler im Spannungsfeld zwischen guter Scheinwerferleistung und Design sich stets für das Licht entscheidet. In den 1990er Jahren suchte ich in einen Ratgeberartikel für ein Fachmagazin die Antwort auf die Frage: Lohnt sich der (damals noch hohe) Aufpreis für Xenon? Mehrere Premiummodelle deutscher Hersteller mussten dazu sowohl exakte Messungen, als auch meine subjektive Beurteilung über sich ergehen lassen. Mit dabei war natürlich die E-Klasse. Ihr großer Freiflächen-Scheinwerfer mit der modernen H7-Halogenlampe stach dabei die Xenon-Variante eines anderen Herstellers deutlich aus – und zwar subjektiv und nach Messwerten. Und die optional erhältliche Xenon-Variante des Mercedes war dann noch einmal besser.

Solche Performance geht verloren, wenn nach einem Austausch, schlechte Lampen im Scheinwerfer Dienst tun. Viele Autofahrer wissen nicht, wie groß die Unterschiede zwischen einer hochwertigen Markenlampe und eine traurigen Funzel ist. Gute Hersteller zentrieren zum Beispiel bei jeder einzelnen Lampe den Brenner – das Teil aus Glas mit der Glühwendel – im Sockel. Das stellt sicher, dass das Licht genau dort auf die Straße trifft, wo es gebraucht wird und niemanden blendet. Und zur größten Kunst bei der Herstellung von Halogenlampen zählt das Füllgas. Klar, es enthält Halogene, hauptsächlich Jod. Die genaue Zusammensetzung bleibt aber das Geheimnis der Lampenproduzenten. Unter Anderem durch die Optimierung der Mischung und des Druck waren die gewaltigen Leistungssteigerungen der vergangenen Jahre möglich. Die Aussage „XX Prozent mehr Licht an den entscheidenden Stellen der Straße“ stimmt – wenn sie von renommierten Firmen kommen. Die europäische Autoindustrie kauft übrigens nur bei den großen Markenherstellern.

Aufbau HalogenlampeUnseriöse Lampenhersteller versprechen dagegen wahre Wunderdinge, die ihre Produkte später nicht einhalten. Schlimmer noch, erfüllen die meisten davon nicht einmal die gesetzlichen Anforderungen. Ich war mehr als einmal bestürzt, wie wenig Licht bei neutralen Tests nach den Bedingungen des Zulassungsverfahrens aus einer mit solch schönen Zusätzen wie „Laser“ oder „Mega“ versehenen Funzeln kam. Manchmal war es weniger als die Hälfte dessen, was eine preisgünstige Standardlampe eines Markenherstellers liefert – und nach den Vorschriften liefern muss.

Inzwischen tauchen ebenso Xenonlampen auf, die das Blaue vom Himmel versprechen. Dabei zählt auch bei HID – High Intensity Discharge, wie die Experten dieses Licht nennen – nicht nur die Farbtemperatur, sprich: Das blaue Licht. Die Elektroden, zwischen denen sich der Lichtbogen bildet, müssen selbstredend genauso exakt positioniert sein, wie bei Halogen-Lichtquellen. Und das Füllgas enthält beileibe nicht nur das namensgebende Xenon. Die exakte Mischung behalten die führenden Hersteller wieder für sich.

Dafür halten sie ihre Versprechen. So liefert beispielsweise die Cool Blue Intense von Osram, die Daimler als erster Autohersteller serienmäßig einbaut, mit 5000 Kelvin ein deutlich weißeres Licht als Standard-Xenon und zusätzlich 20 Prozent mehr Licht.

Und auf Licht kommt es schließlich an. Das gilt gerade auch beim jüngsten Trend: Leuchtdioden (LED) im Hauptlicht. Bei etlichen Scheinwerfern lag in der Vergangenheit der Fokus mehr auf Design, als auf Licht. Hier zählt die Verantwortung der Hersteller. Es wäre schade, wenn der Käufer ein zwar auffälliges, aber der Xenon-Konkurrenz unterlegenes Licht bekäme. Das Problem schlechter Leuchtmittel beim Austausch existiert bei LEDs übrigens nicht. Sie halten länger als ein Autoleben.

Über den Autor: Fritz Lorek ist Automobil-Journalist. Er schreibt für Fachmagazine, Pressedienste und seit kurzem für das Blog autolichtblog.de, powered by Osram. Zahlreiche Veröffentlichungen beschäftigen sich mit Fahrzeuglicht. Dabei ist ihm die Praxis wichtig. Seine Tests von Scheinwerferlampen fanden große Resonanz. Auch die deutsche Zulassungsbehörde Kraftfahrt-Bundesamt interessierte sich für die Ergebnisse.

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Dieser Artikel wurde von geschrieben. In diesem Blog schreiben Daimler-Mitarbeiter und einige wenige Gastautoren. Unsere Autoren kommen aus den unterschiedlichsten Bereichen des Konzerns und schreiben über eigene Eindrücke, Geschichten und ihre persönliche Meinung und geben so Einblicke in den Konzern. Warum wir das machen, finden Sie auf unserer Seite über das Blog.
 

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  1. 1. Tanja

    Kommentar vom 19. September 2011 um 20:12

    Die Frage ist halt, wie diese Lampen dann “einen anleuchten” so dass man geblendet ist. Dies liegt jedoch auch am Car Design!

    Antwort

    Antwort von Fritz Lorek am 21. September 2011 um 20:20:

    Das Design der Scheinwerfer ist in aller Regel in Ordnung und entspricht den Vorschriften. Wenn die Lampe wegen schlechter Toleranzen nicht mehr mit den optischen Eigenschaften harmoniert, kann alles mögliche passieren. So auch Blendung.

    Antwort

  2. 2. Sebastian

    Kommentar vom 20. September 2011 um 06:23

    Licht ist schön, grade wenn es hell ist, aber es darf nicht blenden.
    Wenn ich heute auf der Landstraße unterwegs bin blendetet fast jedes zweite neuere Auto, und das was von hinten kommt blendet meistens auch.
    LED’s sind eine super sache. Aber mann sollte mit einer Außenlichtabhängigen Dämmung arbeiten. Denn wenn im dunkeln vor mir so ein neuer Benz mit LED Rückleuchten steht und ich überlegen muss die Sonnenbrille Nachts aufzusetzen ist auch was Falsch.
    Design Hin oder Her, Sicherheit ist die Mutter aller Fragen. Im Dunkeln nichts sehen ist mist, aber nichts sehen weil man geblendet wird ist viel schlimmer.

    Antwort

    Antwort von Carsten Wagner am 21. September 2011 um 12:03:

    Hallo Sebastian,

    ich hatte vor 10 Jahren beim damals neuen SL (R230) als Elektronik-Entwicklungsingenieur eine Funktion in unsere Steuergeraete implementiert, die genau das Verhalten, welches Sie stört, vermeidet : Dimmung der LED-Bremslichter auf ca. Schlusslicht-Niveau, WENN DAS FAHRZEUG STEHT, also keine Verzögerung des Fahrzugs mehr stattfindet. Logik : Kein Bremsen, keine Bremsleuchten. Diese Funktion, die nicht mal was gekostet hätte, da nur Software, wurde von unserer Zertifizierungsabteilung als nicht zulassungsfähig unter Hinweis auf die ECE R48 abgelehnt. Aktivitäten, eine Zulssungsfähigkeit zu erreichen, so wie beim blinkenden Bremslicht “Gefahrenbremsung”, das war auch damals nicht zulassungsfähig und ist es jetzt doch, gab und gibt es keine.

    Antwort

    Antwort von Fritz Lorek am 21. September 2011 um 20:27:

    Die objektiv messbare Blendung hat in den vergangen Jahrzehnten kontinuierlich abgenommen. Das liegt an der viel höheren Qualität der Scheinwerfer und Lampen, die eine genauere Lichtverteilung möglich machen.
    Eine andere Sache ist, dass sich viele Menschen beispielsweise von der hohen Leuchtdichte der Projektionssysteme (“Linsenscheinwerfer”) gestört und geblendet fühlen. Diese psychologische Blendung ist kein Tick. Man muss sie Ernst nehmen.
    Dimbare Bremslichter wären eine feine Sache und in der ECE wird eine Freigabe diskutiert. In dne USA sind sie längst zulässig.

    Antwort

    Antwort von Sebastian am 22. September 2011 um 06:39:

    Hallo.
    Jaja, die lieben Zulassungen und Gesetze.

    Ich glaube aber mal das Haupt Problem ist der Spagat zwischen Tag und Nacht.
    Tags über wenn die Sonne drauf steht (auch neue LED Ampeln und besagte Rückleuchten) Muss man gut hinschauen und rätzeln.
    Und Nacht Blenden sie dann.
    Von daher würde ich alles Dimmen. (So wie zum Bsp. das Radio wenn man licht an macht.)

    Was mich auch Interessieren würde ist die Frage: Wieso Tagfahrlicht nur vorne?

    Ich hatte es schon ein paar mal das das Auto auf der Landstraße vor mir einfach “weg” war. In diesem Sonnen schatten Spiel, bin ich in ein Sonnenfeld gefahren und er vor mir in das Schatten Feld. Das graue Auto war Optisch nicht mehr da.

    Ich bin sowieso für eine generelle Lichtpflicht, schon zur Sicherheit.

    Antwort

    Antwort von Fritz Lorek am 22. September 2011 um 12:32:

    Hallo Sebastian!
    In der Tat würde auch ich begrüßen, wenn Tagfahrleuchten nur zusammen mit den Rücklichtern leuchten dürften. Sie signalisieren: Auto ist im Verkehr und nicht geparkt. Vor allem im Stadtverkehr hilft dies.
    Der Grund, warum die ECE sich anders entscheiden hat, ist einfach: In Zusammenhang mit Tagfahrlicht wurde immer wieder der zusätzliche Verbrauch als Gegenargument genannt. Horrorzahlen von 0,75 bis einem Liter kursierten. Der echte liegt selbst beim Einsatz des Abblendlichts bei rund 0,15 bis 0,2 Liter. Die Rückleuchten spielen dabei keine Rolle, ob mit LED oder Glühlampen.
    Um den langen Widerstand – auch und gerade aus Deutschland – gegen Tagfahrlicht zu brechen, entschied sich die ECE wie bekannt. Ganz schlimm dabei ist, dass nationale Vorschriften, die eine rückwärtige Beleuchtung auch am Tag vorsahen, geändert werden mussten. Schweden schrieb bis vor kurzem Rücklicht rund um die Uhr vor. Beim Einsatz von Tagfahrleuchten darf es das Land nicht mehr.
    Umgekehrt ist aber nirgends verboten, die Schlussleuchten mit dem Tagfahrlicht zu koppeln. Ich kann nur an die Autohersteller appellieren, dies auch zu tun. In Schweden passiert es mehrheitlich.

    PS: ECE steht für Economic Commission for Europe, eine UN-Organisation, die nichts mit der EU zu tun hat. Infos dazu auf autolichtblog.de

    Antwort

  3. 3. Helmut

    Kommentar vom 20. September 2011 um 07:25

    Alles schön und gut, aber wie objektiv kann ein Bericht sein, der von Osram gesponsort wird?

    Antwort

    Antwort von Marcus Schlüter (Moderator) am 20. September 2011 um 10:34:

    Gastbeiträge bieten einen externen Blickwinkel auf Themen, mit denen sich auch Daimler auseinandersetzt. Ein Sponsoring ist hier gänzlich unerwünscht, denn ganz im Gegenteil ist es wünschenswert, durch andere Standpunkte konstruktiv in den Dialog zu treten. Siehe auch einen Gastbeitrag von Greenpeace.

    Antwort

    Antwort von Fritz Lorek am 21. September 2011 um 20:32:

    Das Sponsoring von autolichtblog.de durch Osram erlaubt es mir, Informationen ins Web zu stellen, für die Leser meiner Zeitschrifteinbeiträge Geld bezahlen müssen. Es sind ansonsten die gleichen Informationen.
    Wäre der Lieferant der neuen Xenon-Lampen für Daimler die Firmen General Electric oder Philips, hätte ich das ebenfalls erwähnt. Auch diese Hersteller produzieren gute Lampen. Aber es ist halt Osram.

    Antwort

  4. 4. Uwe

    Kommentar vom 20. September 2011 um 07:35

    Ah, das berühmte blaue Licht! http://youtu.be/OJJPS5lZaqA

    Antwort

  5. 5. Matthias

    Kommentar vom 20. September 2011 um 08:41

    Ich kann dem Autor in zwei Punkten nur zustimmen:
    1) Durch Blinkmuffel bin schon mehrfach fast in Unfälle verwickelt worden weil erst gebremst, dann abgebogen und in den wenigsten Fällen geblinkt wurde. Ist aber ein eigenes Thema.
    2) Die Lichtausbeute bei Xenon-Licht ist enorm. Bei meinem aktuellen Fahrzeug habe ich mir als SA Xenon-Licht gegönnt und war perplex wie toll ausgeleuchtet eine Straße sein kann. In meinem Vorgängerfzg. (auch ein Benz) hatte ich H7-Licht das gegen das neue Licht wie eine traurige Funzel wirkte.

    Antwort

    Antwort von Chrissi_ am 20. September 2011 um 11:03:

    Dein Vergleich in Punkt 2 hinkt etwas. Du vergleichst Xenon mit H7. Xenon entspricht einer Gasentladungslampe und H7 entspricht der Fassung der Birne. Du vergleichst Äpfel mit Birnen.

    Antwort

    Antwort von Matthias am 21. September 2011 um 10:43:

    Ich korrigiere. Das Bi-Xenon-Licht meines aktuellen Fzg. ist deutlich besser als mein altes H7-Halogenlicht.

    Antwort

    Antwort von Fritz Lorek am 21. September 2011 um 20:36:

    Xenon, vor allem Bi-Xenon ist bei der Lichtausbeute schlicht State of the Art. Und in zwei ansonsten gleich großen Scheinwerfern gewinnt natürlich die Gasentladung. Anders kann es schon mal aussehen, wenn ein sehr kleiner Xenon-Scheinwerfer gegen einen großen Halogen-Typ antreten muss. Das war bei meinem lange zurückliegenden Test der Fall. Damals gab es auch noch keine Bi-Xenon-Scheinwerfer.

    Antwort von Müller am 17. Oktober 2011 um 04:10:

    Ich muss Matthias zustimmen , auch wenn es hier kritisch gegenüber Mercedes wird. Mercedes leistete sich eine Zeitlang bei den 211ern die Unsitte H7 Leuchtmittel in Xenon Leuchten einzusetzen wenn die SA BiXenon nicht gewählt wurde. Das führte dann zu einem sehr funzeligen Licht mit nahezu Null Streulicht vor dem Auto. Da ich mich mit der Bixenonleuchte etwas auseinandergesetzt habe weis ich auch, dass diese bei Abblendlicht sehr verschwenderisch mit dem erzeugten Licht umgeht. Da wird einfach durch eine Klappe mal eben ca 40% des Reflektors abgedeckt… Wenn ich dann noch ein Leuchtmittel einsetze das nur die Hälfte der Lichtleistung eines Xenonbrenners abgibt fehlts natürlich hinten und vorne an Licht…

    Gruß Müller

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