5:30 Uhr, mein Wecker klingelt, es ist dunkel draußen und die Vögel zwitschern, ich laufe über das von der Fußbodenheizung gewärmte Laminat ins Badezimmer. Bevor es endgültig ins Büro geht, mache ich den Kaffeevollautomaten an und bereite mir meinen Milchkaffee mit drei Espressi zu. Die Sojamilch ist bio, die Kaffeebohnen ebenfalls und natürlich fair trade. Ich laufe runter in die Tiefgarage und setze mich in meinen smart – erstmal Sitzheizung an. Angekommen im Büro, kann die Arbeit beginnen. Das ist mein ganz persönlicher alltäglicher Morgen – was für ein Luxus.
Tausende Kilometer entfernt, in einem der ärmsten Länder der Welt, sieht weder der Morgen, noch der Tag, die Woche, der Monat, das Jahr annähernd so rosig und luxuriös aus. Unser egoistischer Lebenswandel, unsere Ernährungsgewohnheiten und der Umgang mit Ressourcen hat auch dazu geführt, dass die Ärmsten der Armen zunehmend
mit klimatischen Katastrophen zu kämpfen haben.
Bolivien ist solch ein Land. Die Lebensqualität ist hier außergewöhnlich schlecht, man kann sogar sagen, die Mehrheit der Menschen dort lebt wie in der Vorzeit – ohne fließend Wasser, keine Gesundheitsvorsorge, keine sanitären Einrichtungen, äußerst geringe Bildungsmöglichkeiten, keine befestigten Straßen. Die Menschen in Bolivien haben mit Erdrutschen zu kämpfen, mit häufigem Frost, Überschwemmungen oder aber sie haben für einen sehr langen Zeitraum überhaupt kein Wasser zur Verfügung. Die Laune der Natur kann hier in jeder Sekunde tausende Menschenleben und/oder Existenzen beenden und zerstören.
Bei diesen Tatsachen frage ich mich ganz persönlich: Reicht es, den Stoffbeutel zum Einkaufen zu nehmen, das Fahrrad statt des Autos, ausschließlich fair trade Schokolade und Kaffee zu kaufen, reicht der Ökostrom für zu Hause sowie die wöchentliche Kollekte und Spende während der Messe? Nein! Selbstverständlich nicht!
Unser Unternehmen wirbt mit „Das Beste oder nichts!“. Wir im Personalbereich gehen sogar noch einen Schritt weiter – wie ich finde. “Mit uns geht ganz schön viel. Wir sind Umsetzungsprofis. Egal wie komplex der Auftrag ist, wir erledigen ihn exzellent!” Ja, ich gebe zu, im alltäglichen Geschäft gibt es viele stressige und schnelllebige Situationen,
die es uns schwer machen, uns durchgehend an diese Werteposition zu erinnern.
Aber! Durch unsere exzellente Arbeit machen wir dieses Unternehmen zu dem, was es heute ist und auch nur dadurch kommen wir in die Situation, Großes und Gutes tun zu können. Wir in Human Resource Management (HRM) leisten mit dem Karitativprojekt „G4B“ – G-Klasse & Anhänger für Bolivien – Hilfe zur Selbsthilfe. Wir – die Personal- und Ausbildungsbereiche der Mercedes-Benz-Cars- und Van-Standorte – nutzen die uns zur Verfügung stehenden Kompetenzen, Talente und Kapazitäten, um bis zum Ende dieses Jahres eine G-Klasse und einen Trailer fit für den Einsatz in Bolivien zu machen. Fahrzeug und Anhänger werden generalüberholt und mit vor Ort erforderlicher Technik ausgestattet. Ende des Jahres werden wir diese G-Klasse und den Trailer als Sachspende an die Caritas International übergeben.
Als Mitglied der Arbeitsgruppe des Werkes Berlin bin ich stolz, dass wir hier ganz aktiv und in Gemeinschaft den Paradigmenwechsel in Bolivien unterstützen können und auch vielleicht ein bisschen mehr tun können als es uns sonst alleine möglich wäre.
Unser Ziel für Bolivien ist die Unterstützung der nachhaltigen Katastrophenvorsorge und zwar unter anderem durch Bohrungen für Bodenproben, um Erdrutsche vorhersagen zu können oder Hinweise für landwirtschaftliche Produktionsflächen zu erhalten.
Um zu den abgelegenen Dörfern über teilweise nicht vorhandene Straßen zu gelangen, bedarf es eines robusten und geländefähigen Fahrzeugs – wie unserer G-Klasse. Jeder Standort übernimmt im Rahmen dieses „karitativen Produktionsverbundes“ eine bestimmte Aufgabe. Am Ende des Projekts wird die G-Klasse und der Anhänger mit einer Satelliten- und Funkeinheit, einer mobilen Bodenmessstation inklusive Labor sowie einem PC-Arbeitsplatz ausgestattet sein, um die Katastrophenvorsorge vor Ort unterstützen zu können.
Meine beiden Kolleginnen Nancy Börner und Kirsten Ziedorn sind zwei von 60 Wildcard-InhaberInnen. Das heißt, diese KollegInnen sind ganz aktiv am Umbau der G-Klasse und des Anhängers beteiligt, denn neben den bereits oben genannten Einbauten müssen für uns zum Teil ganz banale Dinge eingebaut werden. Bedenkt man, dass in Bolivien nicht an jeder Ecke drei bis vier Tankstellen sind, benötigt der Trailer beispielsweise zusätzliche Benzinkanister. Die kurzfristige Beschaffung der Materialien für die Sondereinbauten ist ein logistischer Balanceakt. Aber da wir Umsetzungsprofis sind, werden wir auch diesen Auftrag exzellent erledigen, denn mit uns geht ganz schön viel! Wir machen Großes möglich! Auch das ist Personalarbeit!
Dieser Artikel wurde von Julia Lüde geschrieben.
In diesem Blog schreiben Daimler-Mitarbeiter und einige wenige Gastautoren. Unsere Autoren kommen aus den unterschiedlichsten Bereichen des Konzerns und
schreiben über eigene Eindrücke, Geschichten und ihre persönliche Meinung und geben so Einblicke in den Konzern. Warum wir das machen, finden Sie auf unserer Seite über das Blog.
Ein Leben für die Kunst. Und für Autos.
Was für ein Auto mag wohl ein Psychiater mit eigener Klinik fahren? Oder ein bedeutender Sammler abstrakter Kunst? Und womit ...
1. Hahn
Kommentar vom 17. Oktober 2011 um 07:34
…ein Brunnen mit Handpumpe und eine Reisschälmaschine zusammen für ca.1500$. Habe ich 2011 gespendet.
Antwort
2. Andreas Kellner
Kommentar vom 24. Oktober 2011 um 08:56
Ein ganz toller Beitrag, der sehr zum Nachdenken über unser tägliches Lebensverhalten anregt. Gibt es in meiner Position als Auszubildender der Niederlassung Rhein-Ruhr noch andere Möglichkeiten außer z.B. einer Geldspende mitzuhelfen? An wen muss ich mich wenden?
Vielen Dank schon jetzt den Beitrag und eine Antwort.
Mit freundlichen Grüßen
Andreas
Antwort