“Off Duty”: Feuerwehrkommandant im Schloss Bellevue

Unsere Mitarbeiter sind nicht nur während ihrer Arbeitszeit motiviert, sondern engagieren sich oft auch in ihrer Freizeit in anderen, teilweise außergewöhnlichen Projekten. Diese wollen wir in der Reihe “Off Duty” kurz vorstellen.

Wer sind Sie und was bewegt Sie neben Ihrem Beruf ehrenamtlich tätig zu sein?

Ich heiße Cetin Karanci, bin 40 Jahre alt, seit 1992 mit einer Schwäbin verheiratet und habe 3 Kinder, und komme aus dem schönen Schwarzwald, der Ort heißt Neubulach ist auch bekannt für sein Silberbergwerk.

Seit 1991 bin ich im Werk Sindelfingen tätig, 91-93  in der Vormontage Geb. 46 danach habe ich in die Logistik gewechselt und bin dort auch geblieben.
Von 2003 bis 2005 habe ich die Ausbildung zum Meister für Lagerwirtschaft in der Gottlieb-Daimlerschule in Sindelfingen absolviert. Seit 2005 bin ich als stellvertretender Meister in dem Logistik Gebäude 48/1 tätig.

Im Jahre 1994 bin ich der Freiwilligen Feuerwehr Neubulach – Abt. Liebelsberg beigetreten und habe meine Ausbildungen bis zum Zugführer und als Ausbilder absolviert. 1996 wurde ich in der Feuerwehr Neubulach – Abt. Liebelsberg – zum Abteilungskommandanten gewählt. Dieses Amt übte ich bis Februar 2011 aus und gab es ab, weil ich im gleichen Jahr von der Feuerwehr Neubulach zum Gesamt-kommandanten gewählt wurde. Somit habe ich 5 Abteilungen mit 146 Feuerwehr-angehörigen plus die Jugendfeuerwehr mit 23 Jugendlichen übernommen.

Wie kamen Sie als Feuerwehrkommandant zu einer Einladung vom ehemaligen Bundespräsidenten?

Aufgrund meiner langjährigen Tätigkeit im Ehrenamt wurde ich zur Teilnahme am Neujahresempfang beim Bundespräsidenten vorgeschlagen.
Meine Kameraden der Abt. Liebelsberg haben alle Hebel in Bewegung gesetzt, um mir in einer besonderen Form zu danken. Da es gerade im Schwarzwald, in einem kleinen Städtchen mit ca. 5500 Einwohnern, nicht alltäglich ist, dass ein türkischstämmiger und kein ortsansässiger Schwabe die Feuerwehr Neubulach – Abt. Liebelsberg über 15 Jahre lang geleitet hat.

Es fing alles mit einem „Interkulturellem Arbeitskreis“ an: Ich bekam vom Landratsamt Calw eine Infomail zu dieser Veranstaltung. Ohne nachzufragen, bestätigte ich den Termin.
Ich gab die Information meinem neuen Abt. Kommandanten mit der Bitte, weiter die Tagung zu organisieren. So gingen die Mails hin und her, bis ich von meinem Kreisbrandmeister eine Einladung erhielt, dass ich als Kommandant und Gastgeber auch dabei sein sollte, damit die Gruppe begrüßt und ein wenig von der Stadt Neubulach erzählt wird.

Doch es kam anders. Mir persönlich war die Verwunderung und gleichzeitig die Überwältigung ins Gesicht geschrieben, als ich bei der vermeintlichen Sitzung des „Interkulturellen Arbeitskreises“ neben meinen Kameraden auch noch meine Frau und Kinder, Kreisbrandmeister Hans-Georg Heide, Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel, der ersten Landesbeamtin Dr. Claudia Stöckle, Kreisverbandsvorsitzenden Klaus Ziegler und Neubulachs Bürgermeister Walter Beuerle gegenüber stand und sie meinetwegen anwesend waren.

 

Eine weitere Überraschung sollte folgen: An diesem Abend erhielt ich von der Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem Bundespräsidenten Christian Wulff zwei Dankesbriefe mit Autogrammkarten aus Berlin überreicht.
Ebenfalls wurde ich vom Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel für eine Woche nach Berlin eingeladen, damit er mir mit seinen Mitarbeitern den Bundestag, das Abgeordnetenhaus, das Arbeitsministerium und natürlich auch Berlin zeigen konnte.

Wie gestaltete sich der Besuch beim Bundespräsidenten?

Gegen Ende des letzten Jahres erhielt ich zusätzlich zu den Dankesbriefen eine Einladung zum Neujahrsempfang im Schloss Bellevue, natürlich auch unerwartet und weshalb die Überraschung sehr groß ausfiel. Kurz nach Neujahr waren meine Frau und ich in Berlin.
Ein Tag vor dem Neujahrsempfang fand eine Infoveranstaltung für alle Teilnehmer zum morgigen Tag mit anschließender Führung durch das Schloss statt. Die Geräumigkeit des Schlosses war überwältigend.

Im Schlosshof angekommen, diesmal ohne Partner, mussten wir wie schon am Vortag durch die strengen Sicherheitskontrollen. Danach standen die Regierungsfahrzeuge (Shuttle Service) bereit, die uns zum Schloss ca. 300 Meter fuhren und über den roten Teppich ging es direkt in den großen Saal, wo wir alphabetisch aufgestellt und das Defilee abgehalten wurde. Bis hierhin hielt sich meine Nervosität in Grenzen.

Nach einer halben Stunde war es soweit. Jetzt wurde ich doch sehr nervös. Als mein Name genannt wurde, ging ich zum Bundespräsidenten Wulff und seiner Frau. Wir begrüßten uns mit einem Händedruck und unterhielten uns miteinander. Danach übergab ich das Geschenk, das ich mitgebracht hatte. Es war ein Buch über die Stadt Neubulach mit seinem Silberglanz.

Nach der Begrüßung der Gäste durch den Bundespräsidenten betraten die Bundeskanzlerin Fr. Merkel, H. Rössler, H. Westerwelle, Fr. Böhmer und alle anderen Staatsminister den Saal. Die Organisationen und Führungsregie der BRD mischten sich natürlich unter uns Gäste und wir hatten die Möglichkeit, mit allen zu reden, und diese Chance hat auch jeder gerne genutzt.
Meine Frau und alle anderen Partner hatten in der Zwischenzeit ein Parallelprogramm von der Regierung. Sie besuchten den Bundestag und wurden durch alle Räume geführt. Danach gingen alle gemeinsam zum Mittagessen auf die Terrasse des Bundestages. Es war ein sehr schönes Ereignis, das wir nie vergessen werden.

Neben ihrem Engagement in der Feuerwehr gelten Sie auch als positives Beispiel für Integration in Deutschland. Wie geht man mit soviel Lob um?

Am Anfang war es für mich schon etwas ungewohnt, dass man von fremden Menschen erkannt und angerufen wurde, die sich für die Ereignisse in Berlin interessierten. Natürlich gab ich gerne Auskunft darüber.

Wie motivieren Sie sich nach einem Arbeitstag bei Daimler?

Die Motovation erfahre ich durch die Unterstützung meiner Familie und durch die Tätigkeit als Ausbilder bei der Feuerwehr, bei der ich viel mit jungen Menschen in Verbindung komme, die mir den nötigen Ausgleich und die Motivation geben.

Wie vereinbaren Sie ihr tägliches Arbeitsgeschäft mit einem plötzlichen Feuerwehreinsatz?

Jeder Feuerwehrangehörige hat einen Meldeempfänger (Piepser), über die wir von der Leitstelle Calw aus alarmiert werden können. Bei einem Alarm werden die Daten auf dem Display angezeigt, wie z.B. Schadensausmaß, Gebäude, Adresse und die Alarmierungszeit.
So sehe ich natürlich gleich was anliegt und ob ich bei der Einsatzstelle benötigt werde oder nicht. Zudem habe ich einen Stellvertreter, der die Informationen genauso bekommt und mich immer auf dem Laufenden hält. Bei größeren Einsätzen verlasse ich meinen Arbeitsplatz, so ist es mit meinem Vorgesetzten abgesprochen.

Wie wird es in Zukunft weiter gehen?

Beruflich bin ich sehr zufrieden mit meiner Tätigkeit im Werk Sindelfingen, die mir mit den täglichen Herausforderungen viel Spaß bereitet. Bei der Feuerwehr habe ich letzten Monat die Ausbildung zum „Leiter einer Feuerwehr“ auf der Landesfeuerwehrschule Bruchsal besucht.

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