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09.2012

Social Media Guidelines – Sicherheit für beide Seiten

Vor zwei Jahren haben wir unsere Social Media Guidelines verfasst; 10 Tipps, die helfen sollen, uns sicher im Social Web zu bewegen. Wir haben es bewusst als „Leitfaden“ und nicht als Richtlinie formuliert, denn es handelt sich um Hilfestellungen und nicht um Anweisungen. Hier eine Stelle, die die grundsätzliche Haltung aufzeigt:

[…] Die wachsende Beliebtheit von Social Media ist auch für Unternehmen von großer Bedeutung: Nutzer sprechen im Internet über Firmen, diskutieren über neue Technologien und empfehlen Produkte – oder eben nicht. Wer diese Diskussionsplattformen ignoriert, der ignoriert auch einen äußerst wirksamen Kommunikationskanal. Social Media Engagement kann helfen, Trends frühzeitig zu erkennen, auf Kritik zu reagieren oder eigene Themen anzustoßen. Und wer könnte das Unternehmen und seine Vielfalt in der Öffentlichkeit besser darstellen als die Mitarbeiter? Mit Ihrem Expertenwissen können Sie Diskussionen im Internet bereichern oder nützliche Anregungen für Ihre Arbeit finden. Es ist daher im Interesse von Daimler, Ihr Engagement im Bereich Social Media zu fördern. […]

Mitarbeiter als Botschafter

Das Internet ist für viele Bereiche zum Arbeitsmittel geworden; sozusagen der Zugang zu einer riesigen und in vielen Fällen kostenlosen Bibliothek. Dabei spielt das Social Web eine immer wichtigere Rolle. Es dient als Plattform zum Knüpfen und Pflegen von Netzwerken und für den Austausch von Wissen. Kollegen bringen sich in Diskussionen ein und fungieren so als Botschafter für Marke oder Unternehmen – meist wissentlich, oftmals aber auch nicht.

Aktuell haben wir mehr als 270.000 Kolleginnen und Kollegen, die theoretisch als Botschafter im Internet fungieren können. Diese Funktion hatten sie übrigens auch schon bevor es das Internet und Social Media gab. Denn an der Theke, am Rande der Kegelbahn, oder auf dem Sportplatz sind wir zwar privat unterwegs, aber mitunter als Daimler-Mitarbeiter erkennbar. Spätestens, wenn wir über die Firma oder unsere Produkte reden, werden wir als solche erkannt. Analog funktioniert das auch auf Plattformen, wie beispielsweise dem Mercedes-Benz Passion Blog, oder auf Motor-Talk.

Hier unterhält sich ein fachkundiges Publikum über unsere neuesten Produkte, ihre Technik, oder etwa deren Preisgestaltung. Hier zwei Beispiele, bei denen sich Kollegen als solche zu erkennen geben. Man weiß zwar nicht wer es genau war, aber die Leser wissen: „Aha, das war jemand vom Daimler und der weiß Bescheid.“

In diesem Beitrag wird über die B-Klasse Edition 1 berichtet, wobei die Information im Kommentar – sei sie richtig oder falsch – sicherlich nicht für die Öffentlichkeit gedacht war.

Bei der folgenden Diskussion ging es um die Motorisierung der stärksten A-Klasse, dem A45 AMG. Es wurde spekuliert, dass das Fahrzeug mit 354 PS auf den Markt kommen wird. Im Kommentar wurde dies bestätigt, obwohl diese Daten von Unternehmensseite noch nicht kommuniziert wurden.

Was viele beim Kommentieren möglicherweise auch nicht bedenken, ist die Tatsache, dass die IP-Adresse des Rechners mit übertragen wird. Anhand derer wiederum kann der Seitenbetreiber diesen Kommentar der Daimler AG zuordnen, was möglicherweise den weiteren Diskussionsverlauf, bzw. die weitere Berichterstattung auf seinem Blog zu diesem Fahrzeug beeinflusst.

Grenzen des Botschaftertums

Unter Umständen dachten die Kollegen sie trügen mit ihrem Expertenwissen positiv zum Diskussionsverlauf bei; aus ihrer Sicht mag das so sein, aus Unternehmenssicht eher nicht. Das führt uns ans Ende unseres dreiseitigen Social Media Leitfadens; dort steht eine ebenso wichtige Passage wie die eingangs erwähnte:

[…] „Um die Einhaltung geltender Rechtsvorschriften in Ihrem eigenen sowie auch im Interesse der Daimler AG sicherzustellen, setzen Ihr Arbeitsvertrag, die Verhaltensrichtlinie (Integrity Code) sowie die Richtlinie zum Umgang mit Informationen verbindliche Grenzen.“

Die übersetzte Kurzform lautet: „Benehmt euch ordentlich und plaudert keine Interna aus“.

In beiden Fällen wurden Details genannt, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt waren, was ein klarer Verstoß gegen die „Richtlinie zum Umgang mit Informationen“ ist. Die gilt nämlich nicht nur am Telefon, beim Versenden von E-Mails, sondern auch im Social Web.

Nicht, dass am Ende noch einer auf die Idee kommt, und diesen Beitrag als Ermunterung versteht, sich zukünftig beim Kommentieren intelligenter zu tarnen. Nein, im Gegenteil: die Social Media Guidelines wurden formuliert, um den Veränderungen, die das Social Web mit sich bringt, Rechnung zu tragen. Sie geben uns Bewegungsspielraum und auch Sicherheit – aber bitte für beide Seiten: für Mitarbeiter und Arbeitgeber.

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Dieser Artikel wurde von geschrieben. In diesem Blog schreiben Daimler-Mitarbeiter und einige wenige Gastautoren. Unsere Autoren kommen aus den unterschiedlichsten Bereichen des Konzerns und schreiben über eigene Eindrücke, Geschichten und ihre persönliche Meinung und geben so Einblicke in den Konzern. Warum wir das machen, finden Sie auf unserer Seite über das Blog.
 

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Was sagen Sie zu diesem Thema? Derzeit 14 Kommentare. Diskutieren Sie mit!

  1. 1. Andreas

    Kommentar vom 12. September 2012 um 10:07

    Grenzen zwischen Firmennetz und Internet zu fliessend !!!

    Es ist schön und praktisch, wenn im Firmennetz (Intranet) Social Media eingebunden wird.
    Nur ist es schädlich, wenn man gern sich mit ein bringen möchte in eine Diskussion jedoch nicht mehr erkennen kann ob dies ein interner Beitrag oder ein Internet Blog ist.
    Anmerkungen welche nur für internen Gebrauch gemacht werden, wie zum Beispiel Kosteneinsparpotenziale landen im Internet und dem Kommentator ist es gar nicht bewußt.

    Antwort

    Antwort von Uwe Knaus (Moderator) am 12. September 2012 um 11:23:

    Ja, die Grenzen sind fließend, das stimmt. Im Firmennetz (Intranet) steht immer corpintra.net in der URL – alles andere dort oben im Browser bedeutet Internet – und somit extern.

    Antwort

    Antwort von wolfgang schwarz am 13. September 2012 um 14:09:

    Hallo Herr Knaus,
    bedeutet dies, daß diese Seite extern und auch öffentlich ist?
    Wer soll da noch durchblicken…
    Bei mir erscheint oben im Browser kein corpintra.net….

    Antwort

    Antwort von Uwe Knaus (Moderator) am 13. September 2012 um 18:11:

    Ja, wir sind hier extern und öffentlich. Sobald kein corpintra.net in der URL steht, haben sie das Intranet verlassen.

    Antwort von Thorsten am 14. September 2012 um 07:09:

    Hallo Herr Knaus,

    das ist mein erster Blog. Zu Ihren Kommentaren habe ich noch ein paar Anmerkungen. Ersteinmal: Danke für die Aufklärung wie man intern von extern unterscheiden kann.
    Dennoch finde ich es schade, dass nur in der URL erkennbar ist, ob etwas intern oder extern erscheint. Mir und sicherlich sehr vielen Kollegen ist und war dies nicht bewusst! Zudem, wer schaut schon auf einem Link, welcher auf der Intranetseite ist und nach Daimler aussieht, noch auf die URL die dahinter steht?
    Hier sollten externe Links entsprechend gekennzeichnet werden – z.B. indem man bevor die neue Seite aufgerufen wird, einen kurzen Hinweis einblendet, dass der interne Bereich verlassen wird oder durch eine farbliche Kennzeichnung. Dann wäre es deutlich und man könnte sich entsprechend verhalten. Ohne diesen Hinweis muss man sich nicht wundern, wenn “Internas” öffentlich werden…

    Bis dato bin ich und wahrscheinlich sehr viele Kollegen davon ausgegangen, dass alle Themen, Links, etc. nur Intern sind.

    Mit freundlichem Gruß
    Thorsten

    Antwort von Uwe Knaus (Moderator) am 14. September 2012 um 07:48:

    Thorsten, interessanterweise wurden auf dem Daimler-Blog in den letzten 5 Jahren keine Interna ausgeplaudert. Die Beispiele oben im Text sind alle von anderen externen Blogs, die nicht im Mitarbeiter-Portal verlinkt sind.
    Wir suchen gerade nach einer Lösung – gemeinsam mit der IT – um das im Intranet besser kenntlich zu machen.

  2. 2. Carsten Ulbricht

    Kommentar vom 12. September 2012 um 12:26

    Der Vorgang zeigt wieder einmal, dass es den Mitarbeitern bisweilen schwerfällt zu differenzieren, was intern bleiben soll und welche Informationen das Unternehmen kommunikativ verlassen dürfen.

    Dies widerlegt den immer wied gehörten Einwand, es bräuchte keine Social Media Richtlinien, weil Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse ja schon aufgrund des Arbeitsvertrages nicht kommuniziert werden dürften. Um das Unternehmen und auch die Mitarbeiter vor sich selbst zu schützen, bedarf es in Zeiten von Social Media weitergehender Sensibilisierung.

    Ich bin auch kein großer Freund von Social Media Guidelines mit einigen wenigen “bullet points” a la ” Think before you post” und “Achten Sie Recht und Gesetz”. Um die notwendig Medienkompetenz zu vermitteln und tatsächlich Leitplanken für Mitarbeiter UND Unternehmen zu sein, braucht es schon ein bißchen mehr…

    Da die meisten Mitarbeiter auch auf Grundlage der Begriffe Betriebs– und Geschäftsgeheimnissen nicht genau beurteilen können, was dazu gehört und was nicht, raten wir neben Guidelines, die das veranschaulichen auch zu weitergehenden Schulungen. Es gibt eine Vielzahl von Beispielen, die zeigen, wie es nicht geht… Gerade wenn die Mitarbeiter eine Expertenstellung zu einem bestimmten Thema haben, lohnt sich die Vermittlung weitergehender Medienkompetenz.

    Fälle wie der Faux Pas der ARAG zeigen (siehe http://www.rechtzweinull.de/index.php?/archives/196-Einstweilige-Verfuegung-wegen-verschleierter-Werbung-in-Blogs-Social-Media-Fail-der-ARAG-Rechtsschutzversicherung.html ), dassmit dem Posten unter der IP-Adresse des Unternehmens auch noch einige weitergehende, unter Umständen sogar rechtliche Risiken für das Unternehmen einhergehen können.

    Social Media Guidelines sind also ein wichtiger Schritt, den Daimler ja als eines der ersten großen Unternehmen in Deutschland gegangen ist. Wie der beschriebene Fall zeigt, lohnt jedoch gerade bei Social Media affinen Mitarbeitern eine darüber hinausgehend Sensibilsiierung und Vermiitlung von Medienkompetenz. Auch wenn man über den Begriff sicher diskutieren kann: Manche Unternehmen bieten deshalb so etwas wie einen “Social Media Führerschein” für die Mitarbeiter an…

    Antwort

  3. 3. MoMarie

    Kommentar vom 12. September 2012 um 16:05

    Wichtiges und interessantes Thema wie ich finde, und deshalb gleich mal eine Nachfrage: weshalb diskutieren wir eine Richtlinie, die dem Anschein nach ausschließlich Daimler-Mitarbeiter ansprechen soll, im öffentlichen Daimler-blog und nicht in rein internen Foren?

    Antwort

    Antwort von Uwe Knaus (Moderator) am 12. September 2012 um 17:53:

    Wir diskutieren das hier öffentlich, weil es bei der Nutzung von Social Media um die Interkation von Mitarbeitern im und mit dem Internet geht. Und genau dazu gibt unser Social Media Leitfaden Hinweise. Sehen Sie es als praktische Übung oder Schulung an ;)

    Antwort

  4. 4. Nadja Sailer

    Kommentar vom 13. September 2012 um 11:42

    Ich finde Ihren Beitrag sehr interessant. Es ist immer wieder erstaunlich, wie sich Kollegen und Freunde – die sich privat und “offline” immer gerne über ihren Arbeitgeber austauschen – vor der Tranparenz und der Offenheit des Social Web fürchten. Ich finde den Ansatz, Social Media seitens Daimler aktiv zu fördern, sehr gut – auch für uns junge Mitarbeiter. Ich denke, dass es für uns allen einen guten Grund gibt, beim Unternehmen zu arbeiten – und das darf man dann ruhig nach außen tragen! Zum Thema Richtlinien finde ich gilt, wie bei vielem, der gesunde Menschenverstand – der ist oft ein besseres “moralischer Kompass” als die beste Richtilie.
    Danke also für den interessanten Aritkel!

    Antwort

  5. 5. Stefan Balazs

    Kommentar vom 18. September 2012 um 13:58

    Danke für den gute Beitrag. Ich finde es immer interessant, welchen Verbindlichkeitsgrad Social Media Guidelines in Organisationen haben. Wenn man mehr als nur Tipps mit empfehlenden Charakter haben möchte, wird es beliebig schwierig.

    Aber im vorliegenden Falle gibt es ja augenscheinlich auch noch Dokumente, die im Hintergrund mitgelten bzw. durch die Entfaltung ihrer Geltung die Social Meda Empfehlungen umfassen: Neben dem Arbeitsvertrag gibt es eine Verhaltensrichtlinie und eine Richtlinie zum Umgang mit Informationen.

    Vor einem solchen Hintergrund mag es einfacher sein, Guidelines mit empfehleden Charakter zu erlassen, denn etwaige Verstöße können mit den zu Grunde liegenden Vereinbarungen ausreichend sanktioniert werden.

    Das ist nicht als Kritik zu verstehen, sondern soll unterstreichen, dass unterschiedliche Ausgangslagen unterschiedliche Lösungen zulassen. Es mag daher viele Organisationen, bei denen ohne entsprechendem Hintergrund rein appellative Dokumente nicht weiterhelfen.

    Antwort

    Antwort von Uwe Knaus (Moderator) am 18. September 2012 um 14:24:

    Würde das nie als Kritik verstehen, sondern eher als exakte Analyse ;)
    Wir hatten im Konzen schon alles geregelt – beispielsweise, wie sich Mitarbeiter in der Öffentlichkeit zu verhalten haben, oder welche Informationen öffentlich sind und welche intern bleiben müssen. Deshalb ist es nur logisch, dass sich Mitarbeiter auch im Netz (das Social Web mit eingeschlossen) anständig zu verhalten haben, bzw. sorgfältig mit internen, oder vertraulichen Daten umgehen müssen.
    Je weniger Regelwerke, desto eher werden sie auch gelesen.

    Antwort

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