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10.2012

GASTBEITRAG: Die S-Klasse hat Geburtstag

Als jemand, der im selben Jahr wie die Baureihe 126 das Licht der Welt erblickte ist, eine Infizierung mit dem “S-Klasse Virus” mehr als reine Schlussfolgerung. Meine erste eigene S-Klasse bekam ich mit 4 oder 5 Jahren, ein ehemaliger Geschäftswagen der Firma SIKU, blaumetallic und einfach nur toll. Auch als Kind bekommt man bereits mit, welch gesellschaftliche Stellung solch ein Wagen inne hat, wer mit so einem Wagen fährt bzw. gefahren wird; das waren der Kanzler, der damalige Mercedes-Benz Boss Werner Niefer und eben alle wichtigen Chefs – als Kind nimmt man das ja bekanntlich nicht ganz so genau.

Und auch bei meinen alltäglichen Spielen mit den kleinen Autos war es ganz so wie ich mir das vorstellte, der Chef im blauen 500SE hatte Vorfahrt und konnte auch den Stau oder die Polizeiabsperrungen einfach passieren.

Ich bewunderte immer die großen und geräumigen SEL-Modelle der Baureihe 126, Dank des fast obligatorischen und alle paar Wochen vollzogenen Mercedes-Händler Besuchs mit meinem Vater, war ich stets über die aktuelle Entwicklung im Bilde. Damals herrschte in den Autohäusern mit dem Stern noch eine ganz andere Aura, irgendwie war es eine Mischung aus Respekt und Ehrfurcht die einen begleitete.

Die erste neue S-Klasse die ich von Anfang an begleiten konnte war die Baureihe 140 – nie werde ich vergessen wie mein Brief den ich damals nach Stuttgart schickte, prompt vom damaligen Büroleiter Prof. Niefers – Herrn Renschler – beantwortet wurde. Man schickte mir im April 1991 einen großen Prospekt zur neuen S-Klasse sowie ein kleines Werbemodell des 600SEL mit V12-Motor. Für mich als größten, kleinen Mercedes-Fan war es das Höchste!

Im Herbst 1991 fuhr ich mit meinem Vater einen 300SE zur Probe – natürlich nahm ich nur auf dem Beifahrersitz Platz – es war beeindruckend wie leise der Wagen war, oder aber die grünen und roten Kontrolllämpchen am äußeren Türgriff die der Infrarot-Fernbedienung dienten. Einfach das Auto schlechthin! Leider konnte oder wollte sich mein Vater damals einen solchen Wagen nicht leisten – es blieb also beim Schwärmen meinerseits.

Als ich im Sommer 1997 meinen Führerschein machte und die ersten Kilometer mit (m)einem saharagelben W123 zurücklegte, da wusste ich endlich was es wirklich bedeutet einen Mercedes zu fahren, mein ganzer Stolz – Golf kann doch jeder habe ich mir nur gedacht!

Wie Weihnachten und Ostern zugleich war es damals immer wenn ich den Schlüssel zum S320 meines Vaters bekam – denn auch er konnte nicht lange der Anziehungskraft des W140 widerstehen.

Im Dezember 1999 war es dann endlich soweit – es trat etwas in mein Leben was ich zuvor nie für möglich gehalten hätte: meine erste eigene, richtige S-Klasse!

Erste Hand war ein Kölner Professor, der den anthrazitfarbenen 300SE im April 1988 bei der Niederlassung Köln in Empfang nahm. Er wiederum mochte den Über-Mercedes W140 nicht sonderlich – an dieser Stelle sei gesagt: ein Glück für mich! Denn hätte der er den W140 genauso gemocht wie ich, so wäre der 300SE sicher einige Jahre zuvor bereits gegen ein neues S-Klasse Modell eingetauscht worden. So jedoch wartete er auf den Nachfolger-Typ W220 und ich kam im zarten Alter von 20 Lenzen zu einer gerade einmal knapp 12 Jahre alten S-Klasse.

Dass ich diesen Wagen auch noch im Jahr 2012 besitzen würde stand für mich am Anfang gar nicht mal fest.

Mit der Zeit wurden wir ein eingeschworenes Team, der Dreiliter-Wagen und ich. Wir lernten im Laufe der Jahre bei vielen Treffen hier und dort immer neue und interessante Menschen kennen. Bestes Beispiel hierfür ist mein Kumpel Johannes Schlörb, seines Zeichens Eigner eines nautikblauen 560SEL für den er als Hommage einen kleinen Blog auf die Beine stellte. Und so kam es wie es kommen musste – seit Ende 2007 betreiben wir zusammen “www.fuenfkommasechs.de” und kümmern uns um die S-Klassiker der Achtziger Jahre, aber auch um deren Vorgänger- und Nachfolger-Baureihen.

Eine neue S-Klasse verliert ja nicht ihren Reiz, nur weil man generell mehr auf altes Blech steht, ganz im Gegenteil. Jede neue S-Klasse hat dieses Magische, ihren besonderen Reiz den eben nur eine S-Klasse verkörpert. Und dies auch im Jahr ihres 40. Geburtstages!

Wobei man hier ganz klar sagen muss: nicht die S-Klasse an sich wird in diesen Tagen 40 Jahre alt, sondern vielmehr die Bezeichnung als Solche. Denn besondere, große Repräsentations-Limousinen laufen schon viel länger von den Bändern in Sindelfingen. Jedoch erst im Oktober 1972 mit Präsentation der Baureihe 116 wurden diese Fahrzeuge auch offiziell zur “S-Klasse” gemacht.

Derzeit gibt es wieder eine S-Klasse, die noch während ihrer Produktionszeit als klassisch und zeitlos gelten darf. Mit der Baureihe 221 ist Gorden Wagener ein wirklich toller Entwurf gelungen, dies belegen auch die Verkaufszahlen dieses mittlerweile im 7. Produktionsjahr befindlichen Modells – auch wenn jüngste Meldungen etwas anderes berichten mögen. Am Ende des Tages wird ausgezählt und da wird der W221 bemessen seiner Produktionszeit das erfolgreichste S-Klasse Modell sein und den bisherigen Statthalter W126 abgelöst haben.

Doch man merkt auch die Spannung, die in der Luft liegt – besonders als großer Fan der S-Klasse. Man weiß dass in spätestens einem halben Jahr die neue S-Klasse die Bühne betreten wird.

So oder so ähnlich muss es sich auch 1978 angefühlt haben, ein Jahr vor Präsentation des W126, meiner S-Klasse. Mag sich verrückt lesen, aber als Fan ist man da anders – in unseren Adern fließt Benzin!

Als jemand, der die S-Klasse seit 33 Jahren begleitet, lebt man so etwas. Es ist fast wie die Vorfreude als Kind auf den Heiligen Abend. Ich bin gespannt was da noch alles kommen wird.

Herzlichen Glückwunsch S-Klasse!

GASTBEITRAG: Die S-Klasse hat Geburtstag, 4.5 out of 5 based on 51 ratings

    Dieser Artikel wurde von geschrieben. In diesem Blog schreiben Daimler-Mitarbeiter und einige wenige Gastautoren. Unsere Autoren kommen aus den unterschiedlichsten Bereichen des Konzerns und schreiben über eigene Eindrücke, Geschichten und ihre persönliche Meinung und geben so Einblicke in den Konzern. Warum wir das machen, finden Sie auf unserer Seite über das Blog.
     

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      1. 1. Arild

        Kommentar vom 26. Oktober 2012 um 10:45

        Die Yes-Klasse – sag ja zur vollen Ladung Luxus! Herzlichen Glückwunsch an ein Modell, das auch mich stets sehr beeindruckt hat, und an den Allerweltsautos-verachtenden Autor zu seiner Entscheidung! Was ich mich gerade noch frage: Gab es während vier glorreicher Dekaden Dekadenz eigentlich neben dem Jag XJ einen ebenso dauerhaften Mitbewerber – und zwar einen ernstzunehmenden?

        Antwort

      2. 2. Peter

        Kommentar vom 26. Oktober 2012 um 15:10

        Die Baureihe W126 war und ist meiner Ansicht noch DIE S-Klasse schlechthin. Der 140 war optisch zu “panzerartig” und mit dem 220 fingen die Probleme an (Rost, Airmatic etc.). Ich persönlich bevorzuge allerdings das Coupé (war allerdings früher mit Holzlenkrad und breiten Schlappen die “Ludenkarre”).
        Die automatischen Gurtanreicher: bis heute unerreicht.
        Und das Sacco-Design ist heute im Einheitsbrei ein wahrer optischer Genuß.
        Es wird schwer werden, bei der mittlerweile aufholenden Konkurrenz eine derartige Ausnahmestellung in der Oberklasse wieder einzunehmen…

        Antwort

      3. 3. daniel steinert

        Kommentar vom 29. Oktober 2012 um 08:17

        Mir geht es wie Marc Christiansen – nur habe ich keine S-Klassen gefahren. Bis auf eine: W126, neu als Jahreswagen. Da hatte ich einen Käufer und so fuhr ich 1987 12 Monate einen – heute seltenen, aber deshalb nicht geliebten – 260 SE in Minimalausstattung. Der Käufer sprang damals ab, komischerweise habe ich diesen JW dann am Besten von allen JW verkaufen können. Es war wirklich eine Klasse für sich. Dennoch habe ich mich dann auf die üblichen 190 E, 200 E und 230 E beschränkt. Wenn ich mal in Rente gehe, dann steht ein 560 SEL ganz oben auf meiner Wunschliste.

        Antwort

      4. 4. Christian

        Kommentar vom 30. Oktober 2012 um 10:30

        Ich hatte damals im 2. Lehrjahr (!!!!) einen W116 350 SE in blau, mit blauer Vinylausstattung. Der fiel auf dem Berufsschulparkplatz jedem ins Auge, und war auch bei den Mädels in und vor der Disco angesagt :-) :-) :-). Beim öffnen des Heckdeckels allerdings konnte man in großen Teilen die Strasse sehen, und die Tanknadel fiel stets synchron mit dem ansteigen des Drehzahlmessers.
        Der ging dann für 500 Mark als Taxi nach Kuwait (1993)
        Viele jahre später kam ich an einen W 116 450 SEL 6.3.
        Ein Hammerwagen….. mit über 480.000 Km mit erstem Motor und Getriebe.
        Immer gelaufen ohne Mucken. Für mich eine der schönsten S-Klassen, die es je gab!

        Antwort

        Antwort von Christian am 30. Oktober 2012 um 10:45:

        Oha, kleiner fehler meinerseits. Es handelte sich natürlich um den 450 SEL 6.9 !
        Bei den ganzen 6.3 AMG im Moment kommt man wohl etwas durcheinander ;-)

        Antwort

      5. 5. Uwe

        Kommentar vom 30. Oktober 2012 um 12:32

        Der W116. Die Geburtsstunde eines Synonyms in den besten Jahren unserer Republik: Die S-Klasse!
        In der Tat verstrahlt fortan kein anderes Mercedes-Modell stärker den Charme und das Selbstbewusstsein der “Grande Dame” Mercedes-Benz, wie dieser Wagen und dessen Weiterentwicklung:
        Der W126 im typischen Sacco-Stil.
        Leider muss ich mich hier als typischer 5-Komma-6er-Fahrer ebenfalls dadurch outen, dass der Nachfolger des W126, der W140 diese Eleganz der Grande Dame leider nicht mehr so ganz traf.
        Auch war zur Entwicklungszeit der V8-Typen der Baureihen 116 u. 126 ein Sound-Tuning über die Abgasanlagen weder bekannt, noch notwendig.
        Bei einer zunehmenden Gleichheit im Design bei den neusten Pkw kann ich meine Freude beim Anblick eines bestens erhaltenen Mercedes-Young-Timer absolut nicht leugnen.
        Man spürt förmlich die Aura, welche diese Zeitzeugen vergangener Tage ausstrahlen.
        Gratulation auch von meiner Seite an die Erfinder dieser Fahrzeuge!

        Antwort

      6. 6. 13 Jahre – Love, Peace and Harmony… oder doch nicht?

        Pingback vom 25. Dezember 2012 um 14:55

        […] ich vor einigen Wochen bereits an anderer Stelle geschrieben hatte, war der W126 schon immer mein heimlicher Liebling in Kindertagen. Nicht nur weil […]

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