Zwei einmalige Monate in Hong Kong

Leise surrend schließen sich die golden verglasten Türen des Aufzugs. Ich, dualer Student der Fachrichtung BWL/International Business, bin der Größte. Eindeutig.

Keine Angst, an Größenwahn leide ich nicht. Aber ich werde von den anderen 20 Mitfahrern neugierig beäugt, denn ich bin einen guten Kopf größer als jeder einzelne von ihnen. Willkommen in Hong Kong, auf dem Weg in den 59.Stock des Central Plaza Gebäudes.

Dort, bei Mercedes-Benz Hong Kong Ltd, absolviere ich den 2. Praxiseinsatz im Rahmen meines dualen Studiums. Alle Studenten meines Studienganges sowie der Fachrichtungen BWL/Industrie und Wirtschaftsinformatik bekommen die großartige Möglichkeit, einen Praxiseinsatz – der ca. 10 Wochen dauert- in einer Auslandsvertretung von Daimler zu machen.

Meine Wahl ist dabei auf den Fernen Osten gefallen. Denn ich hatte viele ungeklärte Fragen, zum Beispiel, ob sich die Kultur und Arbeitsweise der Ost-Asiaten wirklich so stark von der unseren unterscheidet, die Städte hochmodern und die Lust nach Luxus (-autos) so ungebremst sind wie immer behauptet wird und nicht zuletzt, ob die Ost-Asiaten ein wenig distanziert sind, wie man öfter hört.

Besonders nachdem ich während der Schulzeit ein Austauschjahr in Argentinien verbracht hatte und dort die offene und herzliche Art der Leute sehr schätzte, war das einer meiner wenigen Zweifel, bevor ich nach Hong Kong geflogen bin. Doch zum Glück ist genau das Gegenteil eingetreten: Ich werde fast überall mit einem freundlichen, ehrlichen Lächeln empfangen und es ist einfach, mit den Hong Kong Chinesen ins Gespräch zu kommen.

Der erste Tag
Das fällt mir auch gleich an meinem ersten Arbeitstag auf, bei dem ich der Belegschaft von MBHK (ca. 90 Mitarbeiter, davon nur 4 „Ausländer“) vorgestellt werde. Schon dabei merke ich: Meine Kollegen sind jung und kaum einer der Mitarbeiter ist über 50 Jahre alt. Ein weiterer Unterschied zum Büro in Böblingen, wo ich meinen 1. Praxiseinsatz im Einkauf gemacht habe, ist: Stille. Teilweise ist es so ruhig, dass ich nur Tastaturgeklapper höre, innerhalb der Teams wird nicht so viel kommuniziert. Nur freitags wird auch mal zwischendurch mehr geschwätzt und die trendige, farbenfrohe HK-Mode ersetzt den üblichen Dresscode.

Ich setze mich an meinen Schreibtisch in der Abteilung Strategy & Planning. Zu meinen Aufgaben der nächsten Wochen gehören unter anderem das wöchentliche Zusammentragen, Verarbeiten und Analysieren unserer  Verkaufszahlen,  der Wettbewerber und der Wirtschaftslage sowie die daraus resultierenden Prognosen. Außerdem bekomme ich die Möglichkeit, einen Eindruck von der Arbeit der anderen Abteilungen zu bekommen, so zum Beispiel durch das Mitwirken beim Media-Launch des neuen SL oder bei einem ausführlichen Rundgang durch unser Ersatzteil- und Neuwagenlager am imposanten Hafen der Stadt.

Diese Abwechslung, interessante fordernde Aufgaben sowie die tolle Betreuung durch meine Vorgesetzten und Kollegen haben zu meiner tollen Zeit in Hong Kong entscheidend beigetragen; dafür noch einmal vielen herzlichen Dank!

Seestern, Hund oder Katze?
Als ob der Morgen nicht schon aufregend genug gewesen wäre, stellt sich mir beim Weg zum Mittagessen die Frage: Was gibt es wohl – Seestern, Hund oder Katze? Zum Glück nichts dergleichen; meine Kollegen gehen mit mir am ersten Tag in ein Dim Sum-Restaurant: Dort gibt es köstliche, fein angerichtete Spezialitäten der kantonesischen Küche, die in kleinen Bambuskörben gegart und serviert werden.  Dadurch dass die Mittagspause stets 1,5 Stunden dauert, habe ich genug Zeit, meine Kollegen über alles Mögliche auszufragen, z.B. über typische Hobbies („Shoppen, Wandern, Essen gehen“),  ihre Ansicht über Deutschland und Deutsche („tolles vielfältiges Land; die Deutschen haben viel mehr Urlaub als wir!“) und die neue A-Klasse („großartig, stylish, wann kommt die AMG-Version???“). Doch auch ich werde nicht verschont: Wie die meisten HK-Chinesen die ich getroffen habe, sind sie sehr neugierig und interessiert an Deutschland, meinem Studium, Freizeitaktivitäten und Daimler in Deutschland.

Dabei höre ich mit offenem Mund zu, als mir die meisten jungen Kollegen erzählen, dass sie noch bei ihren Eltern zu Hause wohnen und sich mit ihnen sowie den Geschwistern ein Schlafzimmer teilen; eine Konsequenz der  extrem hohen Mietpreise in Hong Kong.

In Hong Kong strahlt der Stern
Außerdem haben viele von Ihnen noch nie einen ‚Stern‘ gefahren und besitzen teilweise gar keinen Führerschein. Das liegt vor allem am exzellenten öffentlichen Transport Hong Kongs, der zu Recht als einer der besten weltweit gilt. Trotzdem ist der Automarkt in Hong Kong besonders im Premium-Segment exzellent entwickelt was zusammen mit der guten Arbeit von MBHK dazu führt, dass Mercedes-Benz Cars dort einen der höchsten Marktanteile weltweit aufweist.

Trotz der interessanten Arbeit freue ich mich natürlich auf’s Wochenende, denn: Hong Kong ist eine großartige Stadt! Mit toller Natur -75% Hong Kongs sind unbebaut-, herrlichen Stränden, Bergen zum Wandern, einer atemberauben Skyline, vielen Events und tollen öffentlichen Sporteinrichtungen bietet die Stadt einiges. So habe ich mich dann auch jeden Samstagmorgen – nicht selten bei über 30°C- mit der MBHK Fußballmannschaft zum Training getroffen.

Nach dem Praxiseinsatz habe ich noch zwei Wochen Urlaub. Meine Reise führt mich nach Kuala Lumpur, Pulau Tioman, Singapur und Bangkok.  Jedes Ziel begeistert mich, besonders Singapur mit seinen spektakulären Gebäuden und Bangkok mit seiner chaotischen Quirligkeit und den enorm freundlichen Leuten. Dass ich mich unterwegs mit weiteren ‚dualen‘ Kollegen treffe, macht die Reise perfekt.

Schon wieder auf dem Rückweg
Auf dem Flug zurück nach Deutschland muss ich an die paar Blogeinträge über Auslandspraxiseinsätze von ehemaligen DH-lern denken, die mir schon während meiner Bewerberzeit Lust auf das duale Studium bei Daimler gemacht hatten.

Jetzt nach 2 Semestern an der DHBW und 2 Praxiseinsätzen  kann ich definitiv sagen, dass ich mit Daimler die richtige Wahl getroffen habe. Die Praxiseinsätze sind sehr vielfältig und Daimler eröffnet einem viele Möglichkeiten um später -kombiniert mit eigenem Talent und Fleiß- vielleicht wirklich groß rauszukommen.

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