Umweltorganisation trifft Konzern: Zusammen. Arbeit.

Ist eine Zusammenarbeit zwischen einem Automobilunternehmen wie Daimler und einer [tooltip title=”” content=”non-governmental organisation = Nichtregierungsorganisation” type=”classic” ]NGO [/tooltip] sinnvoll? Wo liegen die Vorteile für beide Seiten, welche Nachteile sind zu beachten, wie kann so eine Zusammenarbeit aussehen? Viele Fragen, die sich sowohl Unternehmen als auch NGO’s immer wieder stellen und die nicht so einfach zu beantworten sind.

Zwei Meinungen prallen aufeinander…und dann?

Das Interesse von Seiten der Unternehmen, mit diesen Organisationen zusammen zu arbeiten, besteht häufig darin, deren oft kritische Meinung mit den eigenen Einstellungen und Vorgehensweisen zu gesellschaftlich relevanten Themen abzugleichen und zu hinterfragen, um dann eventuell Korrekturen vorzunehmen. So sieht sich Daimler in der Verantwortung, „die Vielfalt an Lebensräumen, Arten und Genen für künftige Generationen zu bewahren“ (Siehe Nachhaltigkeitsbericht 2011). Das sind hoch gesteckte Ziele, die nicht einfach zu erreichen sind, schon gar nicht für ein Unternehmen, das Produkte herstellt, die sowohl durch ihre Herstellung, als auch auch durch die Nutzung ganz andere Prioritäten setzen.

Renaturierung in Indien durch Aufforstungsmaßnahmen

Aus diesen Gedanken heraus ist die Zusammenarbeit mit den Organisationen wie dem Global Nature Fund (GNF) u.a. entstanden. So unterstützt Daimler den GNF, der dadurch die Möglichkeit hat, weitere Mittel aus Hilfsfonds (z.B. aus der EU) zu akquirieren. Der finanzielle Beitrag dient als „Eigenkapital“ und wirkt wie eine „Initialzündung“: Würde dieses „Eigenkapital“ fehlen, würden auch weitere Einnahmequellen wegbrechen und die Unterstützung wäre für viele Projekte nicht mehr gewährleistet.

Über die Arbeit des Global Nature Fund hat Ende  November der Geschäftsführer in Deutschland Udo Gattenlöhner auf Einladung des Arbeitskreises Umwelt der Daimler-Mitarbeiter in Untertürkheim berichtet. Unser Arbeitskreis Umwelt besteht schon seit mehr als 15 Jahren in Untertürkheim und in Sindelfingen. Wir laden immer wieder Referenten zu umwelt- und sozialpolitischen Themen – häufig mit Bezug zu unserer Arbeit – ein, um allen interessierten Kollegen Gelegenheit zugeben, sich zu Informieren.

Wie arbeiten Umweltschutzorganisationen und Konzerne zusammen?

Diesmal haben wir uns mit dem Thema der „Zusammenarbeit zwischen so genannten Nichtregierungsorganisationen NGO’s und einem Konzern“, wie Daimler angenommen, da wir meinen, dass es ein wichtiges, aber durchaus nicht unumstrittenes Thema ist.

Unterstützung Projekte für sauberes Trinkwasser

Udo Gattenlöhner vom GNF berichtete bei seinen Ausführungen insbesondere über einen wichtigen Schwerpunkt seiner Organisation, den „Living Lakes“. Dieses Projekt beschäftigt sich mit dem Umweltschutz hinsichtlich der Gewässer, genauer den großen Seen dieser Erde und damit unseren Trinkwasserspeichern. Verbunden damit sind der Schutz von Feuchtgebieten, die Renaturierung von Ökosystemen, die nachhaltige Nutzung sowie die Information und Umweltbildung. Trinkwasser bildet eine wichtige, wenn nicht sogar die wichtigste Grundlage für unsere Existenz auf der Erde. Damit ist es auch eine wichtige Grundlage für ein Unternehmen wie Daimler, denn ohne diese Ressource können auch keine Fahrzeuge entwickelt, gebaut und verkauft werden. Haben wir in Deutschland zurzeit wieder weniger Probleme mit sauberen Trinkwasser (in der Vergangenheit war dies nicht immer der Fall, als sowohl unsere Seen, als auch viele Fließgewässer deutlich verschmutzter waren), so gilt das für viele andere Ländern leider nicht. Ein Konzern wie Daimler, der auch im Ausland produziert und dort Waren einkauft, ist somit indirekt ebenfalls betroffen bzw. verschuldet durch seine dortige produktionsbedingte Umweltbelastung indirekt die heutige Situation. Wir in Europa importieren aus vielen Ländern indirekt durch die Einfuhr von Waren, das Trinkwasser in unseren Produkten. Würden wir alle Waren bei uns produzieren, hätten wir die Trinkwasserbelastung in unserem eigenen Land, würde unser Trinkwasservorrat dafür nicht ausreichen, hätten wir das Problem im eigenem Land.

Solarstrom statt Kerosin

Insofern macht eine Zusammenarbeit zwischen Organisationen wie dem GNF und Daimler durchaus Sinn.
Beeindrucken für mich war ein Umweltprojekt, was der GNF in Kenia am Viktoriasee zusammen mit den Fischern durchgeführt hat. Diese sind auf die Nachtfischerei angewiesen, wofür sie eine Beleuchtung mit Kerosin-Lampen mitführen. Neben der Umweltverschmutzung ( jedes Fischerboot benötigt ca. 1200 Liter Kerosin pro Jahr) besteht eine gewisse Abhängigkeit von den Kerosinlieferanten, wodurch ein Großteil der Einnahmen für den Erwerb des Kerosins aufgewendet werden müssen. Zusammen mit einem namhaften Lampenhersteller konnte auf eine elektrische Beleuchtung umgestellt werden, deren Akkus am Tage mit Hilfe von Solarenergie aufgeladen werden.
Darüber hinaus ergeben sich weitere Aspekte der Zusammenarbeit z.B. bei sozialen Projekten. So saß ein Vertreter des GNF in dem Ausschuss, der für die Vergabe der Fördergelder für 125 Umwelt- und Sozialprojekte in Verbindung mit unserem Jubiläum zum 125jährigen Bestehen von Daimler, verantwortlich war.

GNF-Projekt Kerosinersatz für die Nacht-Fischerei

Zusammenarbeit und Distanz

War die Unterstützung von Umweltverbänden früher eher auf finanzielle Zuwendungen beschränkt, so ergeben sich heute diverse Anknüpfungspunkte für eine vielfältige Zusammenarbeit mit inhaltlichen Themen. Wichtig ist aber ebenfalls, dass trotz einer konstruktiven Zusammenarbeit zwischen NGO’s und Industrieunternehmen, immer eine faire Distanz gewahrt bleibt, um auch Unternehmensinteressen nicht aus den Augen zu verlieren.

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