2 Wochen Hambach – Roboter, Schrauber & schwarzer Kaffee

Tag 1: Irgendwo hinter der Grenze

Da stehe ich nun also mit dicken Handschuhen, schweren Sicherheitsschuhen und Shorts. Die lange Hose hat nicht gepasst. Ich bin einfach zu kurz. Draußen geht gerade die Sonne auf, es ist 6 Uhr morgens und bis heute Abend werden 446 smart über die Produktionsbänder rollen.

Für mich fängt gerade mein zweiwöchiger Produktionseinsatz im smart Werk im lothringischen Hambach, Frankreich an. Alle smart, die irgendwo auf der Welt über die Straßen rollen, wurden hier geboren. Jährlich sind das über 100.000 Autos. Hambach ist mitten im grünen Nirgendwo gelegen, gut 10 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt.

Um mich bei den Franzosen schnell zurechtzufinden, steht mir Trainer Fred für die nächsten 14 Tage zur Seite. Und führt mich dann auch gleich über das Gelände. Die Form der Produktionsstätte ist ziemlich außergewöhnlich:
Die smart durchlaufen eine Plus-Form, getragen von einer durchgehenden Kette. Insgesamt arbeiten hier 1.500 Mitarbeitern, die Hälfte davon direkt für smart, die andere für die sieben Partner auf dem Gelände. Durch deren direkte Angliederung kann in „smartville“ Just-in-time und Just-in-sequence produziert werden. Das macht die Produktion nicht nur super effizient, sondern auch sehr öko: Kurze Lieferwege, wenig CO2-Ausstöße. Bis zu seiner Vollendung passiert ein smart 140 Montagestationen – und das in nur 3 ½ Stunden!

Tag 2: Gebt mir den Schrauber!

Heute geht es in voller Montur ans Band, meinen ersten smart produzieren. In der Produktion wird an verschiedenen Stationen gearbeitet. Ich komme zur Installation der Scheinwerfer. Eine sehr schöne Station, wie ich finde. Es fühlt sich an, als würde ich dem smart Augen verpassen. Und das sind eben verschiedene Augen für verschiedene Länder. Ein Zettel auf der Windschutzscheibe erzählt mir, wohin die Reise des smart gehen soll. Und schon halte ich den Akkuschrauber in der Hand und der erste smart stupst mich an. Papier checken, Scheinwerfer holen, drei Schrauben eindrehen und fertig – nächster smart bitte!

Durch die Halle tönt „Call me maybe“. Die anderen Arbeiter erzählen mir, dass hier jeder seine eigenen CDs mitbringen darf – für eine gute Arbeitsatmosphäre. Ein lauter Gong überlagert plötzlich die Musik, das Band stoppt sofort, alle legen ihre Werkzeuge weg und bewegen sich Richtung Ausgang. Aha, Mittagspause. Diese bringt mich in die Kantine, ganz oben im 4. Stock und nach innen hin komplett verglast mit Blick ins Zentrum der Fabrik, den „Marktplatz“, auf dem die Autos zur Nacharbeit stehen. Ich habe offenbar ordentlich geschraubt, der Marktplatz ist fast leer. Wäre es jetzt Sommer, könnte ich das französische Käsesortiment, natürlich inklusive einem riesen Haufen Baguette, auf der Dachterrasse verspeisen, mit schönem Rundumblick auf die lothringische Landschaft. Der Gong ertönt wieder, zurück in die Hallen, ich werde wohl im Sommer zurückkommen müssen.

Tag 3: Rendezvous mit Robotern

Kaffee gibt es bei den Franzosen nur in einer Farbe – und die ist pechschwarz. Aber die Müdigkeit ist größer als die Sehnsucht nach Milch. Und heute muss ich in Topform sein, schließlich treffe ich mich mit den Robotern. Sie sind zuständig für das Verkleben der Dächer und Windschutzscheiben. Ok zugegeben, sie sehen nicht aus wie Walt Disneys Wall-E, aber sie sind mindestens genauso tüchtig!

Nach dem Rendezvous mit den Robotern, kann ich noch der ein oder anderen Hochzeit beiwohnen. So nennen die Hambacher den Moment, wenn sich Tridion-Zelle und Motor vereinen.

Dann geht’s wieder ab ans Band. Diesmal an die Station „Kit Panne“ – hier wird der smart für schwerere Zeiten gerüstet. Das Pannenkit besteht aus Kompressor, Abschlepphaken und Reifenpumpe. Verstaut wird das Set ganz praktisch unter dem Beifahrersitz – so wird kein Platz verschenkt und die 2,69 Meter perfekt genutzt.

Tag 10: Die Bestimmung gefunden

Kleiner chronologischer Sprung: Heute ist mein letzter Tag in smartville. Zwei Wochen habe ich den Schreibtisch gegen das Band eingetauscht. Es war ein spannender Perspektivwechsel und nicht zuletzt auch ein Training für mein Stehvermögen, im wahrsten Sinne des Wortes – acht Stunden Stehen am Stück ist nicht ohne, wenn man den bequemen Bürostuhl gewohnt ist! Ich kann jedem raten, mal in die Produktion nach Hambach zu gehen – und zwar mehr als nur zwei Tage, dann wirkt es erst richtig.

Zum Abschluss steht heute die Kür an: Eine Elektro-smart Führung mit Fred! Ein kleines Highlight für mich, weil ich in einem früheren Einsatz schon im Produktmanagement des electric drive gearbeitet habe und mein Herz seitdem für den Elektro-smart schlägt!

Der electric drive entsteht auf der gleichen Fertigungslinie wie seine Benzin- und Dieselbrüder und wird seit Juni in verschiedene Länder auf der ganzen Welt ausgeliefert. Damit hat smart ganz klar seine Bestimmung gefunden. Der Elektroantrieb, der schon vor 20 Jahren vorgeträumt wurde, wird jetzt auf die Straßen gebracht. Und ich darf ein Exemplar jetzt mit Fred testen. Testfahrten finden als Teil der Qualitätschecks mit Verbrennern und Elektro- smart per Zufallsprinzip jeden Tag statt. Daher prüfe ich den E-smart nun auf Herz und Nieren: Bremsen, Scheinwerfer, Klimaanlage und Beschleunigung. Ich kann zweifelslos sagen: Fahrt den E-smart – es macht unglaublich viel Spaß, wie schnell er vollkommen geräuschlos davonschießt.

So, und ich bin dann jetzt auch weg. Bleibt nur noch zu sagen: Vielen Dank für all die Eindrücke, die ich in den zwei Wochen gewinnen durfte. Es war sehr schön im französischen Verwandtenkreis der smart Familie!

Zum Abschluss noch ein paar Videoimpressionen zur Produktion des smart electric drive in Hambach

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