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07
07.2014

Future Truck: On the highway to safety!

Future Truck: On the highway to....safety!
Der Truck fährt mit 80 Kilometern in der Stunde über die Autobahn, der Fahrer hat die Hände nicht am Lenkrad, guckt nicht auf die Straße und tippt stattdessen auch noch in sein iPad. Gruselig? Genial! Und sehr wahrscheinlich Alltag aller Trucker in zehn Jahren. Ich konnte mir auf einem Autobahn-Teilabschnitt der A14 bei Magdeburg einen Einblick in das verschaffen, was die Zukunft der Logistik auf der Straße sein könnte. Daimler Trucks präsentierte den Mercedes-Benz „Future Truck 2025“. Der Truck verfügt über das Assistenz-System „Highway Pilot“ und kann damit bei Autobahngeschwindigkeiten bis zu 85 km/h selbstständig (autonom) fahren.  Die Innovation ist kein Selbstzweck oder bloße technische Spielerei, denn die Entwickler haben sich zum Ziel gesetzt, die Trucks der Zukunft noch sicherer und effizienter zu machen und den Fahrer dabei zu entlasten. Wie das?

Mercedes-Benz Future Truck 2025

Kleiner Ausflug in die Welt der Assistenzsysteme: Die Daimler Trucks besitzen seit Jahren Abstandsregelautomaten, automatische Bremsassistenten, Stabilitätsregelungs- oder Spurhalteassistenten. Der neue „vorausschauende“ Tempomat mit Namen „Predictive Powertrain Control“ vernetzt beim Fahren alle Informationen über Topographie und Streckenverlauf mit dem Antriebsstrang und sorgt so für eine (eben vorausschauende) und kraftstoffsparende Fahrweise des Lkw. Und auf allen diesen kleinen elektronischen Helferlein baut der „Highway Pilot“ nun auf.

Entscheidend für die “seherischen” Fähigkeiten des Future Truck 2025 ist die Gesamtausrüstung: Im unteren Bereich der Frontpartie scannt ein Radar-Sensor den Fern- und Nahbereich nach vorne. Der Frontradarsensor erfasst eine Reichweite von 250 Metern und deckt einen Winkel von 18 Grad ab. Der Nahbereichssensor hat eine Reichweite von 70 Metern und erfasst einen Winkel zu den Seiten von 130 Grad. Dieser Radarsensor ist die Basis für die heute schon verfügbaren Sicherheitssysteme „Abstandshalteassistent“ und “Notbremsassistent“. Hinter der Windschutzscheibe befinden sich zudem noch Kameras, die ein- und zweispurige Fahrbahnen, Fußgänger, bewegliche und unbewegliche Gegenstände, sämtliche Objekte innerhalb des bewachten Raums sowie die Fahrbahnbeschaffenheit. Informationen von Verkehrsschildern können die Kameras natürlich auch lesen.

Mercedes-Benz Future Truck 2025

Außerdem teilt sich der Future Truck der Außenwelt mit: Fahrzeugtyp, Position, Abmessung, Fahrtrichtung und Geschwindigkeit. Miteinander kommunizierend, (man nennt das V2V =Vehicle to Vehicle) versetzen sich die Fahrzeuge in die Lage, künftig insbesondere auf Autobahnen oder Fernstraßen ohne Fahrereingriff zu fahren, gefahrlos autonom miteinander zu fahren. Insofern ist der „Highway Pilot“ mit einem Autopiloten vergleichbar, der heute am weitesten entwickelten Form autonomer Mobilität. Wenn sich also z.B. ein Einsatzfahrzeug nähert, zieht der Lkw selbstständig nach rechts, macht eine Gasse frei und fährt erst wieder in die Fahrspur zurück, wenn der Einsatz von Feuerwehr oder Polizei vorbeigefahren ist. Überholen muss der Fahrer allerdings selbstständig, dann schaltet das System wieder auf  “manuell”.

Jeder Fahrer hasst den „Gummiband-Effekt“, wenn der Verkehrsfluss durch ständiges Gas geben und Verzögern speziell auf der Autobahn in Stocken gerät oder zu harten Bremsmanövern zwingt. Hier kann ein System wie der „Highway Pilot“, wenn in vielen Nutzfahrzeugen eingesetzt, den Verkehr durch automatische Fahrt beruhigen und zu weniger Verbrauch und Emissionen beitragen. Diesen Gedanken weitergedacht, benötigen miteinander kommunizierende Lkw dann geringere Sicherheitsabstände, somit weniger Straßenfläche. Die Staugefahr sinkt, die damit verbundenen Kosten ebenfalls und nicht zuletzt könnte das niedrigere Unfallrisiko günstigere Versicherungsprämien mit sich bringen. Weil weniger menschliche Fehler (am Steuer) gemacht werden.

Genau, der Faktor „Mensch“: Ich wollte wissen, wie sich das für einen Lkw-Fahrer eigentlich anfühlt, wenn er scheinbar die Kontrolle aus der Hand gibt.

Dirk Stranz mit dem Future Truck

Dirk Stranz, Versuchsingenieur aus Wörth und leidenschaftlicher Trucker (restauriert gerade einen alten „Freightliner“) sieht das nach einigen gefahrenen Testkilometern mit dem Future Truck 2025 so: „Das Truck-Geschäft ist ein harter Job, daher freut man sich über jede Hilfe, über alles was die Arbeit erleichtert. Das Vertrauen in die Assistenzsysteme baut sich mit der Zeit auf. Kontrollieren ist nicht mehr erforderlich. Ich vergleiche das mit einer gut funktionierenden Beziehung: Man gibt dem Partner einen Vertrauensvorschuss, wenn dieses Vertrauen nicht enttäuscht wird, dann festigt sich das Zusammenspiel, das Vertrauen steigt und man führt eine gute Beziehung.“

Auf den Highway Pilot und den Future Truck 2025 lässt er nichts kommen: „Der Lkw hat mich noch nie enttäuscht, ich kann mich auf ihn verlassen“. Na, ich würde doch nie seine Beziehung infrage stellen…. Stranz wünscht sich mehr Verständnis von den Pkw-Fahrern für die Brummis, ihren Termindruck, die langen, oft langatmigen Frachtfahrten: „Die sollten mal einen Tag mitfahren, das würde das (gegenseitige) Verständnis erhöhen.“

Das ist eben auch ein valider Punkt beim autonomen Trucken: Der Fahrer soll nicht „abgeschafft“, sondern, im Gegenteil; das Berufsbild attraktiver gemacht werden. Das System entlastet bei monotonen Tätigkeiten, der Fahrer gewinnt Zeit für Aufgaben, die beispielsweise bisher nur die Disposition einer Firma macht. Bedeutet eine berufliche Aufstiegsmöglichkeit vom reinen Fahren hin zum Transportmanager. Logistik-Unternehmen mangelt es derzeit zunehmend an qualifizierten Fahrern, der Arbeitsmarkt scheint leergefegt. Warum? Experten geben dafür als Gründe die demografische Entwicklung, hohe Hürden für den Erwerb des Führerscheins für Berufskraftfahrer, den eingeschränkten Verdienst, familienunfreundliche Arbeitszeiten und nicht zuletzt das von der Gesellschaft als gering eingeschätzte Berufsimage der Brummi-Fahrer an. Stimmt vielleicht. Die Fernsehserie mit Manfred Krug als coolem „Franz Meersdonk“ in „Auf Achse“ muss 25 Jahre her sein…

Und wann kommt das autonome Fahren? Wolfgang Bernhard, Vorstand bei Daimler für den Truckbereich, hält eine Markteinführung Mitte des nächsten Jahrzehnts für denkbar, wenn die gesetzlichen Voraussetzungen für autonomes Fahren rechtzeitig geschaffen werden.  Wäre doch was: „Highway to safety“ für den Brummi-Fahrer. Und das AC/DC-Konzert kann er in aller Ruhe nebenbei gucken…on the highway to….safety!

Zum Schluss, wer noch mehr zum Future Truck wissen möchte: Ich konnte beim Expert Talk die beiden Ingenieure Markus Kirschbaum und Georg-Stefan Hagemann interviewen, die mit ihren Teams einen wesentlichen Anteil an der Entwicklung des Future Truck 2025 haben.

 

Future Truck: On the highway to safety! , 4.6 out of 5 based on 19 ratings

    Dieser Artikel wurde von geschrieben. In diesem Blog schreiben Daimler-Mitarbeiter und einige wenige Gastautoren. Unsere Autoren kommen aus den unterschiedlichsten Bereichen des Konzerns und schreiben über eigene Eindrücke, Geschichten und ihre persönliche Meinung und geben so Einblicke in den Konzern. Warum wir das machen, finden Sie auf unserer Seite über das Blog.
     

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      1. 1. Georg Beuerle

        Kommentar vom 29. Juli 2014 um 14:38

        Prima geschrieben, Dan hat’s verstanden – und die beiden Videos ergänzen sehr schön die Weltpremiere = fantastische Aktion, Daimler eben.

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