Eine Exotin in der Welt der Zahlen

Ich sehe vor lauter Fachjargon den Konzern nicht mehr. Beschäftige ich mich doch lieber mit Begriffen wie dem metakommunikativen Axiom (Man kann nicht nicht kommunizieren) und der Lasswell-Formel (Wer sagt was zu wem über welchen Kanal mit welcher Wirkung?).

An der Uni habe ich Kommunikation von der Pike auf gelernt. Kommunikation ist mein Steckenpferd, mein Faible. In ihr gehe ich auf und kann stolz sagen, dass ich genau das mache, was ich immer wollte und wovon ich geträumt habe. Kreativ sein, Kampagnen entwickeln, journalistisch arbeiten, bloggen.

Debitoren, Kreditoren, Financial Target Review, Operative Planning

Moment mal! In meinem internen Stellenprofil steht Accounting & Financial Reporting, nicht Kommunikation. Als Kommunikator in der Welt der Zahlen?

Ohne Affinität zu Formeln, Pivot Tabellen und gefühlten drei Jahren Mathe Unterkurs als PR-Experte im Finanzbereich bei Daimler arbeiten? Das verstehen weder meine Familie, noch meine Freunde. Die Verwirrung ist groß.

Schnappschuss vom ersten Arbeitstag

Das Aktionsfeld der Mitarbeiterkommunikation benötigt man in jedem Bereich. Mitarbeiter sollen informiert, Know-How mobilisiert und Partizipation gefördert werden. In einem Bereich mit mehr als 2.000 Mitarbeitern, die global vernetzt und auf verschiedenen Kontinenten zusammen arbeiten, geht es darum, die bereichsinterne Kommunikation zu gestalten, umzusetzen und zu steuern.

Identität stiften, ein Sprachrohr zur Verfügung stellen, Dialog und Transparenz schaffen. Das ist seit Oktober letzten Jahres mein Job. Und der birgt viele Herausforderungen.

Aller Anfang ist schwer

Bestes Beispiel: Der Welcome Day in der Konzernzentrale in Untertürkheim für alle Mitarbeiter, die – wie ich –  neu im Bereich Accounting & Financial Reporting sind. Da habe ich mit meinen Kolleginnen und Kollegen schon mal etwas gemeinsam.

Mit großer Sicherheit bin ich jedoch die einzige Teilnehmerin, die mit den auf der Veranstaltung fallenden Begrifflichkeiten lediglich eine große Menge von schwarzen, durcheinander fliegenden Zahlen assoziiert, anstatt begeistert in die Hände zu klatschen oder anerkennend zu nicken.

Tapfer und mit dem Credo „Lass dir nur nichts anmerken, die anderen kochen auch nur mit Wasser“, kämpfe ich mich durch den Vormittag und nehme mir vor, zu Hause vielleicht doch mal in  die BWL-Unterlage aus dem Vertiefungsstudium zu schnuppern.

Ich stehe nun oft vor der Herausforderung, interessant und fundiert über Themen, die für mich fachfremd sind, zu berichten und sie gemäß journalistischen Regeln aufzubereiten. Jahresabschlüsse, erfolgreich abgeschlossene Projektinitiativen, Managemententscheidungen.

Kommunikation in der Welt der Zahlen

Es gilt, meine Kolleginnen und Kollegen, in einer von Zahlen getriebener Welt mit anderem Blickwinkel und anderem Fokus, von meiner Arbeit und meinem Beitrag zum Gesamterfolg unseres Unternehmens, zu überzeugen, mitzureißen. Sie sollen meine internen Beiträge, die ich für sie als Fachpublikum verfasse, konsumieren, kommentieren und ihre Meinung einbringen.

Ich habe meinen Job in der Modebranche aufgegeben. Ich habe mein MacBook gegen einen Dell eingetauscht. Ich habe mich gegen Mode-Events und für Accounting-Konferenzen entschieden.

Früher kreisten meine Gedanken darum, wie man eine Modemarke kommunikativ positioniert, welche Blogger Relations eingegangen werden. Eigentlich ein Traumjob. Doch etwas hat mir in dieser schicken Welt immer gefehlt. Als dann der Anruf kam, musste ich nicht lange überlegen.

Weil ich mehr wollte. Bereits während dem Studium war ich zwei Jahre als Werkstudentin bei Daimler tätig. Bereits dort war mir klar, dass ich mich in diesem Unternehmen verwirklichen möchte. International, vernetzt und kooperativ arbeiten.

Ein Teil von einem Weltkonzern mit über 280.000 Mitarbeitern sein. Ich habe mein Einzelbüro verlassen und die Chance auf einen Einstieg bei Daimler, der sich vor allem in meinem Metier und dazu als frisch Graduierte noch schwerer gestaltet, wahrgenommen.

Reason why

Es sind die kleinen, aber feinen Dinge, die den Unterschied machen. Es ist das Unternehmen mit all seinen Facetten, den Produkten, die man tagtäglich auf den Straßen sieht, den Kolleginnen und Kollegen auf der ganzen Welt. Die Möglichkeiten, die Diversität, die Leidenschaft.

Es ist der Stern auf dem Stuttgarter Bahnhofsturm, den ich sehe, wenn ich nach Hause fahre. Es ist gerade die Herausforderung, anders zu arbeiten als meine Kolleginnen und Kollegen im klassischen Kommunikationsbereich, sich den Besonderheiten zu stellen, die einem als Exot begegnen.

Folge deinem Stern

Zwei Features im globalen Newsletter, eine #Kampagne und diesen Blogbeitrag später, bin ich angekommen. Vergessen ist die anfängliche Unsicherheit, denn nun ist es gerade der interdisziplinäre Austausch und die Vielfältigkeit, die mir an meinem neuen Job gefallen und mich inspirieren.

Sitze ich mit meiner Chefin bei unserer Rücksprache in ihrem Büro und mein Blick fällt auf den gescribbelten Mercedes Stern mit der Unterschrift „Folge deinem Stern“ – dann weiß ich jedes Mal auf’s Neue: Ich folge meinem Stern. Ich habe die richtige Entscheidung getroffen. Und die Herausforderungen angenommen.

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