Von Erfolgsfaktoren, Vorsicht und Freude

Es reicht, sich das Auto auf der Bühne anzusehen. Eigentlich alles klar. Die Essenz von Mercedes-Benz. Erfolgsfaktor. E-Klasse.

Für mich symbolisiert sie zurzeit am besten, was in dem Unternehmen Daimler steckt: 1.200 Ingenieure haben 48 Monate an dem neuen Auto gearbeitet. Die neue E-Klasse wurde die intelligenteste Limousine der Welt.

Car-to-x-Kommunikation, Parken per Smartphone-App, modernste aktive und passive Sicherheitsfeatures. Die E-Klasse bildet die aktuelle Spitze der Modelloffensive, die es Daimler ermöglicht hat, sich so erfolgreich zurückzumelden.

E-Klasse

 

Der Absatz wurde 2015 deutlich gesteigert – auf mehr als zwei Millionen Pkw. Mercedes-Benz war erneut die wachstumsstärkste Marke im Premiumsegment. Ausschlaggebend waren dafür insbesondere Kompakt-Modelle, die neue C-Klasse und SUV.

Verstärkend hinzu kamen im vergangenen Jahr das das GLE Coupé, zwei Maybach-Modelle, der CLA Shooting Brake, der Mercedes-AMG GT und das neue C-Klasse Coupé.

Rekordjahr 2015

2015 verkaufte Daimler daher insgesamt so viele Fahrzeuge wie nie zuvor in seiner Geschichte und zwölf Prozent mehr als 2014. Der Konzernumsatz legte um 15 Prozent auf 149,5 Milliarden Euro zu, der Nettogewinn um 23 Prozent auf 8,9 Milliarden Euro.

Daimler Trucks steigerte im Jahr 2015 den Absatz auf 502.500 Einheiten und erzielte damit das höchste Niveau seit dem Jahr 2006. Der Umsatz stieg um 16 Prozent auf 37,6 Milliarden Euro.

Lediglich bei der Bus-Sparte von Daimler ging der Umsatz ging um ein Prozent im Vorjahresvergleich zurück, der Absatz um 15 Prozent. Nur allzu nachvollziehbar angesichts der dauerhaften und schweren Wirtschaftskrise in Lateinamerika, einem zentralen Markt für die Busse.

Vor ziemlich genau einem Jahr, lernte ich bei der Jahrespressekonferenz 2015 Torsten Frech kennen und schätzen. Denn der Kollege ist stellvertretender Chefökonom von Daimler und kennt sich mit Blick auf die weltweiten Automobilmärkte bestens aus. „Wir sehen noch so aus wie vor einem Jahr, das Unternehmen aber (noch) besser, oder?“ sage ich frech zu Frech. „Ich denke, Daimler kann stolz auf die Geschäftsentwicklung im vergangenen Jahr sein“ sagt Torsten Frech.

Gleichmäßiges Wachstum über die Weltregionen

„Dass wir in einem insgesamt doch eher bescheidenen weltwirtschaftlichen Umfeld so ein Ergebnis abliefern konnten zeigt, dass die Strategie stimmt, sei es bei den Produkten, der Ausweitung der Modellpalette oder der regionalen Aufstellung des Unternehmens“.

Dass der Erfolg vor allem der eigenen Stärke zu verdanken ist, werde am Beispiel Mercedes-Benz Pkw besonders deutlich. „Der Pkw-Weltmarkt ist um magere 3%, das Premiumsegment immerhin um rund 9% gewachsen. Und Mercedes hat selbst diese Dynamik noch einmal deutlich übertroffen.“

Zudem habe Mercedes-Benz Pkw in China einen Riesensprung gemacht und im Vergleich zu den Hauptwettbewerbern erheblich Boden gutmachen können.

Wie ordnet er die nähere Zukunft ein, was sind für ihn die großen Themen in der Autoindustrie?

„Auf der Pkw-Seite sind die Aussichten für die Kernmärkte in den USA, Europa und China insgesamt weiterhin günstig, so dass 2016 wieder ein gutes Jahr für Mercedes werden kann. Für die Trucksparte sind die Marktperspektiven dagegen in Summe ziemlich anspruchsvoll. Darüber hinaus werden natürlich die technologischen Herausforderungen nicht weniger, Stichworte sind hier Digitalisierung‘, autonomes Fahren und emissionsfreie Mobilität, um nur ein paar ausgewählte zu nennen.“

Der weltweite Automobilmarkt werde aber langfristig weiter wachsen, und davon werde Daimler profitieren, so Frech.

Realistisch ins neue gute Geschäftsjahr

Daimler rechnet damit, auch im laufenden Jahr weiter zu wachsen und überdurchschnittlich von dem leichten Wachstum der globalen Automobilnachfrage profitieren zu können

sagt Dieter Zetsche gegenüber den Journalisten. Alles deute darauf hin, dass 2016 ein weiteres gutes Jahr für Daimler werde. Allerdings werde das Wachstumstempo etwas niedriger ausfallen als 2015. Die versammelten Journalisten räsonieren:

„War das jetzt im Ausblick vorsichtig? Zu vorsichtig?“ Ehrlich finde ich das. Realistisch. Und nachvollziehbar. Seien wir doch mal ehrlich: 15 Minuten Tagesschau-Sendezeit reichen derzeit doch kaum noch aus, um all die wirtschaftlichen oder politischen Krisenherde abzuhandeln. Die Börse reagiert stets und prompt und global und hysterisch. Und wenn gerade mal einen Tag nichts passiert, dann vollführt Nordkorea bestimmt einen Raketentest.

Bange machen gilt aber nicht. Warum auch? Knapp 280.000 Kolleginnen und Kollegen weltweit haben sich in den vergangenen Jahren gemeinsam angestrengt und dafür gesorgt, dass das Unternehmen etwas „auf der Kante“ hat. Ganz unschwäbisch aber „ned zom Spare“ sondern zum Ausgeben: 2015 wurde bei Mercedes-Benz Cars 4,7 Milliarden Euro für Forschung und Entwicklung investiert. Eine gewaltige Summe. Investiert in die Mobilität der Zukunft.

Blick auf die Zukunft

Ich bin schon die weiteren Schritte bei nachhaltiger Mobilität gespannt – schon 2017 wird Daimler zehn Plug-in-Hybride auf dem Markt haben. Die technischen Fortschritte beim autonomen Fahren im Pkw- und Truckbereich sorgen für Respekt bei der Fachpresse.

Suchen Sie mal, auf Google Maps, wer Googles Nachbar ist: Der Daimler Bereich „Research & Development“ hat schon lange ein eigenes Entwicklungszentrum im Silicon Valley, gut vernetzt. Hier werden neue Technologien entwickelt und der Kundenkontakt zu bekannten digitalen Branchengrößen gepflegt.

Aber man muss nicht gleich über den großen Teich hüpfen, es reicht die S-Bahn nach Sindelfingen, um ein Stück Zukunft zu sehen: Ich treffe Matthias Reichenbach zum Video-Interview. Er beschäftigt sich in der „Tec-Fabrik“ mit der Produktion der Zukunft. Mensch und Roboter arbeiten Hand in Hand.

Reichenbach, der Roboter-Beherrscher und seine Kollegen sind nur ein Beispiel für (Erfolgs)-Faktor „Mensch“ bei Daimler.

Ich setze mich am Ende der Bilanzpressekonferenz in die neue E-Klasse und freue mich. Über Ergebnis, Erfolgsfaktoren, Chefs und Kollegen mit Erdung. Ganz vorsichtig. Aber Ehrlich. :-)

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