Wenn Life-Balance täglich auf dem Programm steht

Seit dem letzten Jahr habe ich im Bereich Health and Safety den Job gefunden, der sich mit Themen auseinander setzt, die insbesondere für die sogenannte Generation Y von ganz großer Bedeutung sein sollen. Tatsächlich sagen aktuelle Studien, dass die gut ausgebildete Internetgeneration sogar die Arbeitgeberwahl davon abhängig macht, ob ein Unternehmen in diesem Bereich gut aufgestellt ist.

Um es nicht zu spannend zu machen – ich beschäftige mich damit, Konzepte und Ideen für die Life Balance und Gesundheitsförderung der Mitarbeiter mit zu entwickeln und an die Standorte von Daimler zu bringen. Dabei gehöre ich selbst der Generation X an, für die diese Themen ebenso wichtig sein können, wie für die „Ypsiloner“. Schließlich stehen viele von uns vor der Herausforderung, Beruf, Familie, Hobby und oft auch noch ein Ehrenamt unter einen Hut zu bringen.

Da ich mich schon seit mehreren Jahren damit auseinander setze, Menschen im Betrieb gesund und fit zu erhalten, war dies nun wirklich kein Neuland für mich. Über Jahre habe ich gelernt, dass es einer gewissen Frustrationstoleranz bedarf, die Currywurstfraktion in Richtung Salat Büfett zu lenken. Wobei ich zugeben muss, dass ich selbst nur sehr ungern die Pommes stehen lasse – und wenn Pommes, dann aber bitte mit Mayo und Ketchup. Aber das muss ja nicht jeden Tag sein.

Die Currywurstfraktion in Richtung Salat Büfett lenken

Auch gelingt es mir und meinen Kollegen aus der Gesundheitsförderung nicht immer, körperlich hart arbeitende Produktionsmitarbeiter zu ausgleichenden Fitnessübungen zu animieren. Man erntet da schon mal verständnisloses Kopfschütteln oder auch nur ein müdes Lächeln.

Allerdings darf ich auch vermelden, dass unsere Gesundheitsangebote immer besser angenommen werden und die Gesundheitszentren, die auf fast allen Werksgeländen zu finden sind, tolle Möglichkeiten bieten und gerne besucht werden. Aber ich weiche etwas vom Thema ab – wobei diese Gesundheitsangebote natürlich auch Teil der Life-Balance-Philosophie sind.

Bei Daimler macht man sich jedenfalls schon seit einigen Jahren länger Gedanken über die Vereinbarkeit von Beruf- und Privatleben. Von 2009 bis 2013 war unser Unternehmen sogar ein Teil eines groß angelegten Forschungsprojektes der Europäischen Union.

Ziel dieses Projektes war es, die Sichtweisen der Mitarbeiter/-innen auf die eigene Life-Balance zu erfassen, die bestehenden Angebote der teilnehmenden Unternehmen zu hinterfragen und neue Maßnahmen zu entwickeln. Unter anderem mündete das Projekt darin, dass Daimler eigene Leitlinien für ein Leben in Balance verabschiedete, die vom gesamten Vorstand unterschrieben wurden. Diese dienen auch heute noch als Basis, um neue Ideen zu sammeln und Maßnahmen abzuleiten.

Tatsächlich finden sich in unserem Unternehmen eine ungeheure Vielzahl von Maßnahmen, die eine ausgeglichene Life-Balance fördern können: Neben den schon genannten Gesundheitsangeboten, stehen verschiedene Arbeitszeitmodelle, Qualifizierungsangebote oder auch die Möglichkeiten zur Kinderbetreuung auf dem Programm – um nur einige zu nennen.

Daimler als Blaupause für Life-Balance

Als großer Konzern nimmt Daimler natürlich eine gewisse Vorreiterrolle ein, die anderen Firmen als Blaupause dienen kann. Mittlerweile werden diese „soften“ Themen und Angebote auch für viele Mittelständler immer wichtiger. So finden sich heute zahlreiche Unternehmen, die ähnlich attraktive Angebote offerieren und somit Arbeitnehmer gewinnen und vor allem auch die bestehende Belegschaft halten und zufriedenstellen wollen.

Insbesondere in strukturschwachen Gegenden kann es ausschlaggebend für einen Bewerber sein, ob die Weiterqualifizierung in Unternehmen stattfindet oder am Wochenende, selbst finanziert, an der Volkshochschule. Auch Themen wie Kinderbetreuung oder die Vereinbarkeit mit der Aufgabe Angehörige zu pflegen nehmen in der Wichtigkeit immer weiter zu.

Life-Balance ist ein Kulturthema

Aber alleine mit einem riesigen Maßnahmenportfolio ist es nicht getan. Life-Balance, und vor allem der selbstverständliche Umgang damit, ist vor allem auch ein Kultur- und damit ein Kommunikationsthema. Entsprechend gehört es zu meinen Aufgaben, die Angebote noch bekannter zu machen und damit auch die Nachfrage zu steigern.

Eine Chance hierzu bietet mir ein Auftritt in den Qualifizierungsseminaren für die neuen Führungskräfte. Hier geht es hauptsächlich darum, diese zu sensibilisieren und als Multiplikatoren zu gewinnen. Für mich ist jedes Seminar, das ich begleite, spannend.

Es macht einfach Spaß, die oft sehr impulsiven Diskussionen zu moderieren. Besonders die Frage, welche Kulturen im bisherigen Arbeitsleben schon erlebt wurden, die einer ausgeglichenen Life-Balance entgegenstehen, gibt einen tiefen Einblick. Den Teilnehmern wird genau bei dieser Fragestellung klar, welche Verantwortung sie als Führungskraft für ihr Team und auch für sich selbst haben.

Nach den Workshops ist es eher die Regel als die Ausnahme, dass die Führungskräfte mit konkreten Fragestellungen auf mich zukommen. Oft werde ich auch direkt in ein Team eingeladen, um die gleichen Fragen auch dort zu diskutieren.

Unterstützung bei Problemen: Wie ich richtig auf jemanden zugehe

Innerhalb des Workshops landen wir häufig bei der Frage, wie man als Führungskraft am besten reagiert, wenn man vermutet, dass ein Mitarbeiter möglicherweise Probleme hat und Unterstützung benötigt. Wie gehe ich richtig auf die Person zu? Welche Möglichkeiten habe ich zu helfen? Fragen, für die ich auch nicht immer die richtige Antwort habe.

Schließlich möchte man niemandem zu nahe treten, seiner eigenen Verantwortung jedoch auch nachkommen. Für die Teilnehmer ist es hier oft schon hilfreich, wenn es zu einem Erfahrungsaustausch kommt und von guten Beispielen berichtet werden kann.

In dem Zusammenhang kommen wir auch auf die Sozialberatung zu sprechen, die Mitarbeiter/-innen sowie Führungskräften zur Seite stehen kann und unkompliziert entsprechende Hilfestellungen vermittelt.

Mail on Holiday: der Mailflut Herr werden

Immer wieder für eine intensive Diskussion gut ist auch der Email-Abwesenheitsassistent „Mail on Holiday“, der Mails während des Urlaubs direkt in den Papierkorb verbannt. Sehen die Fans die Vorteile in einem leeren Postfach nach der Auszeit, kritisieren die anderen den Löschhinweis des Abwesenheitsassistenten – insbesondere dann, wenn fälschlicherweise kein Vertreterhinweis geschaltet wurde und man als Absender betölpelt realisiert, dass man das Anliegen mit zeitlicher Verzögerung erneut senden darf oder gar zum Telefon greifen muss.

„Mail on holiday“ ist übrigens eine abgeleitete Maßnahme aus dem EU-Projekt und es vergeht kaum eine Woche, ohne dass eine Firma bei mir nach Erfahrungen mit dieser Email-Funktion nachfragt. Die „Mailflut“ hat alle erreicht!

Die Herausforderung, Beruf und Familie in Einklang zu bringen

Besonders erfolgreich kann eine Auseinandersetzung mit der Life-Balance auch in „echten“ Teams angegangen werden. So entschied sich beispielsweise das Team von Global Talents Sourcing (GTS), sich einem Life-Balance-Workshop zu stellen, den ich moderieren durfte. Da Talent Sourcing innerhalb des Konzerns immer stärker in den Fokus rückt, wird dies natürlich in Form von Projekten und höherem Arbeitsaufwand spürbar.

Die damit verbundene Herausforderung, Beruf und Familie in Einklang zu bringen, veranlassten das Team, darüber zu diskutieren und Lösungen zu finden. Dabei sagt bereits die Offenheit, teilweise unbequeme Fragestellungen anzugehen, einiges über die im Grund sehr positive Kultur aus, die ich auch an diesem Workshop-Vormittag erleben durfte.

Handy aus und auch mal „Nein“ sagen

Nach einem fachlichen Input, wurden in relaxter Atmosphäre bei Kaffee, Obst und Sandwiches ganz konkrete Fragen zu Verbesserungsmöglichkeiten auf den Tisch gebracht und Ergebnisse festgehalten. Trotz flexibelster Arbeitszeitmodelle im Team und dem selbstverständlichen Umgang mit mobilem Arbeiten wurde deutlich, dass es auch noch Raum zur Optimierung gibt:

Das Abschalten des Mobiltelefons, das bewusste Einplanen von Erholungszeiten oder auch einfach mal „Nein-Sagen“– dies alles sind Möglichkeiten, Belastungen in einem gewissen Maße selbst zu steuern. Die erarbeiteten Resultate werden nun weiter verfolgt und vor allem wird das Gesamtthema weiter im Blick behalten.

Es lebe der Sport oder Life-Balance als tägliches Programm

Natürlich ist mir klar, dass es auch bei Daimler noch genügend Optimierungsmöglichkeiten gibt. Besonders dann, wenn man Life-Balance in seiner ganzen Ausprägung betrachtet. Es gibt Zeiten, da ist das Arbeitsaufkommen sehr hoch oder die Terminleiste ist zu eng getaktet. Manche Stellhebel hat man aber auch selbst in der Hand. Ich persönlich versuche beispielsweise jeden Tag noch eine Sporteinheit zu integrieren, um mir meinen Ausgleich zu schaffen.

Dazu nutze ich mehrmals wöchentlich das Gesundheitszentrum, das ein paar Meter von meinem Büro entfernt liegt. Da ich mein Leben lang intensiv Sport getrieben habe, gehört das für mich einfach schon immer dazu, um mich wohl zu fühlen. Klar passt das nicht für jeden, aber es ist einer meiner Stellhebel.

Abschließend darf ich sagen, dass es keine Selbstverständlichkeit ist, dass Unternehmen sich so intensiv mit solchen Kulturfragen beschäftigen. Dies wird mir von vielen anderen Firmen zurückgespiegelt, die hier noch ganz am Anfang stehen. Aus dieser Sicht sind wir auf einem guten Weg. Und Life-Balance bleibt bei mir bis auf weiteres täglich auf dem Programm.

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Dieser Artikel wurde von geschrieben. Als „gelernter“ Sportwissenschaftler war Andreas Bader 10 Jahre im Gesundheitsmanagement der Daimler BKK tätig. Seit April 2015 beschäftigt er sich im Bereich Health and Safety damit, im Rahmen einer standortübergreifenden Funktion, Konzepte der Betrieblichen Gesundheitsförderung und der Life Balance mit zu entwickeln und zu steuern.

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