Vom Hören und Sehen

Ein Blick hinter die Kulissen der SWR3 Elektrotour

Leistungsfähigkeit, Alltagstauglichkeit und das Fahrgefühl in lokal emissionsfreien Fahrzeugen zu erleben, war das Privileg von 60 Gewinnern einer Verlosung des süddeutschen Radiosenders SWR3. Vom 31. März bis 2. April 2011 ging es geräuschlos und lokal emissionsfrei auf „Elektrotour“ durch das Sendegebiet, das sogenannte „SWR3-Land“: Von Koblenz über Bingen, Worms, Bruchsal, Ludwigsburg, Schwäbisch Gmünd bis nach Ulm führte die Tour mit Elektrofahrzeugen.

25 von rund 30 Elektro-Fahrzeugen der Tour gehörten zur Elektroflotte von Daimler- darunter der smart fortwo electric drive, die A-Klasse E-CELL und der Vito E-CELL sowie die B-Klasse F-CELL. Mit dabei waren auch der Tesla Roadster Sport 2.5, Mitsubishi i Miev, der Peugeot iOn und Citroën C Zero – bei der Praxiserprobung mit Spaßfaktor, so das Credo des Veranstalters wie auch aller Hersteller.

Die Fahretappe am ersten Tour-Tag startete am Deutschen Eck in Koblenz, führte am Kulturufer vorbei und endete in der Nibelungenstadt Worms. Dabei wurde rasch klar: Nicht nur die Zukunft der Mobilität, sondern auch Deutschlands „schönste Ecken“ sind Attraktion der SWR3 Elektrotour. Ich habe die Tour am zweiten Tag begleitet und dabei einen Blick hinter die Kulissen werfen können.

05:50 Uhr: Früh geht es zur SWR3 Tour von Stuttgart nach Worms– passend zum Motto des Tages voll-elektrisch mit der deutschen Bahn. Mit dabei – leichtes elektronisches Gepäck: Foto-Kamera, externes Blitzgerät, Video-Kamera, zweite Video-Kamera für Web-Videos (zur Sicherheit), Diktiergerät (zur Sicherheit: Papier und Bleistift), externes Mikrofon, Blackberry, Foto-Handy – dann kann ja nichts mehr schief gehen.

07.30 Uhr: Noch lange bevor die Teilnehmer auf dem Marktplatz in Worms in „ihr“ Elektrofahrzeug steigen, ist die Organisationscrew am Werk. Da so ein smart fortwo electric drive nicht nur sauber fährt, sonder auch sauber aussehen muss, sind Karsten Straub und seine Kollegen von der Firma Becker früh morgens dabei, den kleinen Elektro-Flitzern den letzten Feinschliff zu verpassen. Das Aufbereiten der Fahrzeuge auf der SWR3 Elektrotour ist dabei kein Job wie jeder andere. Das zumindest findet auch Karsten Straub:

„Ich finde meine Arbeit hier richtig aufregend, weil ich hautnah dabei bin, wenn eine solche neue Technologie vorgestellt wird, und sehen kann, wie die Teilnehmer und die Öffentlichkeit darauf reagieren.“

08.30 Uhr: Kurz nach dem Fahrzeug-Aufbereitungstrupp sind auch die Daimler-Experten vor Ort. Jürgen Schenk, Jochen Eck, Dirk Meyer und Christoph Wunnerlich arbeiten alle an der Entwicklung von Elektro-Fahrzeugen und stehen während der Tour den Teilnehmern für Fragen zur Verfügung. Sie sorgen dafür, dass sowohl die Technik als auch die Bedienung im Fahrer-Briefing den Teilnehmern verständlich und korrekt erklärt wird. Eine optimale Gelegenheit nachzufragen, wie unsere Daimler-Experten die Tour bisher empfinden:

Jochen Eck leitet bei Daimler die Gesamtfahrzeugerprobung Elektrofahrzeuge.

„Sowohl für uns als Mitveranstalter als auch für die Teilnehmer ist es eine tolle Veranstaltung bisher – nicht nur was unsere Fahrzeuge angeht, sondern natürlich auch die Fahrzeuge der Konkurrenz. Wir hören fast nur positive Statements von den Fahrern. Wenn die Leute aus unseren Fahrzeugen aussteigen, sind sie „happy“. Es gibt die eine oder andere negative Stimme, die besagt, dass es nichts Besonders ist, dass sich die Fahrzeuge fast wie ein normales Auto fahren – was fast schon wieder ein Kompliment ist!“

Größenänderungsmart electric drive Cabrio optimal ausgenutzt10.30 Uhr: Nach der Schlüsselübergabe und einem kurzen Fahrer-Briefing geht es an den Start. Die SWR3-Moderatoren Volker Janitz und Anneta Politi geben für den zweiten Tour-Tag die Devise des Tages durch: sparsam fahren.
Die Teilnehmer, die durch ihren Fahrstil den geringsten Stromverbrauch erzielen, gewinnen eine Schnupperfahrt im umweltfreundlichen Supersportwagen SLS AMG E-CELL.

Als die Autos in Worms losfahren, wird klar: Diese Fahrzeuge werden die ruhige Morgenstimmung nicht trüben. Außer einem leisen Surren ist nichts zu hören. Fast geräuschlos bewegt sich die Kolonne über den Marktplatz in Richtung Straße.
Hier wird deutlich: Ein „Sinneswandel“ steht an. Wer kennt das nicht, dass man sich im Straßenverkehr, ob als Passant oder als Radfahrer, zu einem großen Teil auf seinen Hörsinn verlässt? Die Zukunft der Mobilität erfordert es wieder, verstärkt „sehenden Auges“ am Verkehr teilzunehmen. Und senkt vor allem in Großstädten die Lärmbelästigung erheblich.

11:00 Uhr: Abenteuer-Shooting im Kofferraum unseres Fotografen-Vito: Fernab der Landstraße auf einer stillgelegten Route geht es mit drei Fahrzeugen zum Family-Shooting. Kofferraumdeckel auf, Sicherheitsgurte an, Funkverbindung checken, Gleichgewicht halten und los geht’s: Nach dem Funk-Kommando des Profi-Fotografen setzen ein Elektro-smart und zwei A-Klasse E-CELL hinter uns zur Formationsfahrt an.

12:00 Uhr: Ziel der Überlandfahrt ist der Marktplatz in Bruchsal. Hier treffen die Teilnehmer nacheinander ein. Passanten bleiben neugierig stehen und kommen mit den Teilnehmern und Experten der Hersteller ins Gespräch. Denn das Bild eines Automobils an der Steckdose ist für viele noch ungewohnt. „Wie lange dauert das Laden?“, „Kann ich einen smart einfach in der Garage an die Steckdose anschließen?“, „Wie hoch ist die Reichweite?“ und „Sind Elektrofahrzeuge langsamer als solche mit Verbrennungsmotor?“ sind die Fragen, die unsere Fachleute in diesen Tagen mehrfach beantworten.

Die Experten erklären, dass die Fahrzeuge sowohl an einer normalen Haushaltssteckdose mit einer Leistung von 230 V als auch an öffentlichen Ladestationen und Wallboxen laden. Der smart fortwo electric drive kann an einer gewöhnlichen Haushaltssteckdose innerhalb von 8 Stunden maximal aufgeladen werden und hat dann eine Reichweite von 135 km. Zu 20 – 80 % kann er an einer Ladestation oder Wallbox innerhalb von drei Stunden, sowie an einer Haushaltssteckdose innerhalb von 3,5 Stunden aufgeladen werden.

Auch die A-Klasse E-CELL kann an jeder gewöhnlichen Haushaltssteckdose, aber auch an öffentlichen Ladestationen und Wallboxen aufgeladen werden. Bei voller Beladung der Batterien hat sie jedoch eine Reichweite von mehr als 200 km und kann damit auch Überlandfahrten wahrnehmen. Der Elektro-Transporter für die City, der Vito E-CELL, wird an einer Ladestation in 6 Stunden vollständig geladen und legt damit derweil 130 Kilometer zurück. Ebenfalls ein Elektroauto, wenn auch mit Wasserstoff zu betanken, ist die B-Klasse F-CELL. Mit einer Reichweite von rund 400 Kilometern ist sie derzeit der „Ausdauersportler“ unter den Elektrofahrzeugen – und das bei einer Betankungszeit von nur 3 Minuten.

Doch wie bewerten die Teilnehmer den Fahrkomfort, die Leistungsfähigkeit und Alltagstauglichkeit unserer Elektro-Flotte und die Tour allgemein?

13.00 Uhr: Experteninterviews des SWR3 auf dem Marktplatz zum Thema Ladeinfrastruktur. Zeit, um auch den Chef-Entwickler der Elektrofahrzeuge bei Daimler, Jürgen Schenk, zu fragen, wie er die Entwicklung der Technologie und die Verbreitung der Infrastruktur sieht:

„Unsere Technologie deckt schon heute den täglichen Mobilitätsbedarf eines durchschnittlichen Fahrers im urbanen Raum ab: Die meisten Menschen fahren täglich im Schnitt nur 40 Kilometer. Unser elektrischer smart mit einer Reichweite von rund 130 Kilometern kann diesen Bedarf sehr gut decken. Und die B-Klasse F-CELL mit Brennstoffzelle mit rund 400 Kilometern Reichweite kann man durchaus als Langstreckenfahrzeug bezeichnen. Für uns ist wichtig, dass jetzt so bald wie möglich die notwendige Infrastruktur entsteht.“

14:00 Uhr: „Pass auf, der hört dich nicht! Was glauben Sie, wie oft ich diesen Satz heute schon gehört habe!“ sagt Volker Janitz nach seiner Fahrt in der A-Klasse E-CELL mit seiner Co-Moderatorin Anneta Politi.

15.00 Uhr: Start der zweiten Tagesetappe von Bruchsal nach Ludwigsburg: Eine malerische Strecke vorbei am Herman Hesse-Kloster Maulbronn führt die Teilnehmer in rund 1,5 Stunden Fahrzeit und rund 62 Kilometern nach Ludwigsburg auf den Rathausplatz.

17.00 Uhr: Beim Einbiegen auf den Rathausplatz wartet auf die Teilnehmer eine leuchtend-gelbe Überraschung: der Mercedes-Benz SLS AMG E-CELL. Und auf den sparsamsten Teilnehmer eine Fahrt im Supersportwagen. Für alle anderen ist er eine Attraktion und beliebtes Fotomotiv zugleich.

18:00 Uhr: Jetzt sitze ich selbst in einem Elektro-smart. Und bin ganz aufgeregt. Beim Starten in der Fußgängerzone habe ich das Gefühl, dass sich der kleine Sauber-Flitzer erstaunlich gut hier einfügt. Fast, als würde man ihm auch erlauben können, durch das eigene Wohnzimmer zu fahren. Auf leisen Sohlen schleichen wir uns davon – der smart und ich. Und auf der Straße fällt man gerade durch Unauffälligkeit auf. Passanten drehen sich um und schauen hin. Wer hätte das gedacht, dass gerade die leisen Töne im Gewusel der Großstadt zum Hinhören und Hinsehen verleiten?

Am dritten Tour-Tag ging es für die Teilnehmer von Ludwigsburg über Schwäbisch Gmünd nach Ulm. Drei erlebnisreiche Tage unter Strom, die gezeigt haben: Nicht nur vom „Hören zum Sehen“ ist ein Umdenken angesagt, sondern auch in Sachen Automobilnutzung im städtischen Ballungsraum.

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