Gastbeitrag: Sechs Jahre Daimler-Blog

Corporate Blogs: nachhaltiger als Facebook, Twitter & Co – und warum Mitarbeiter dabei eine wichtige Rolle spielen

Unternehmen haben seit jeher ein großes Interesse an einer nach außen gerichteten Kommunikation. War das bis vor wenigen Jahren komplett der PR-Abteilung und dem Pressesprecher vorbehalten, so hat die Entwicklung des Social Webs hier für einen nachhaltigen Perspektivenwechsel gesorgt. Über Werkzeuge wie Blogs, Facebook oder Twitter bekommt jeder Internetnutzer plötzlich eine Stimme. Warum Unternehmen gut beraten sind, die Stimmen ihrer Mitarbeiter zu nutzen, möchte ich in diesem Gastartikel aufzeigen.

Letzte Woche feierte das Daimler Blog den sechsten Geburtstag – herzlichen Glückwunsch! Was auf ein menschliches Leben übertragen den Zeitpunkt der Einschulung markiert, geht in Internetjahren gerechnet schon in Richtung „weises Greisenalter“. Höchste Zeit einmal zu schauen, wie es um die Corporate Blogs bestellt ist und ob sie vielleicht schon zum alten Eisen gehören.

Blogs als Urgestein des Social Webs

Wenn wir heute über das Social Web reden, dann geht es vornehmlich um Facebook, Twitter, Google+, YouTube & Co. Blogs werden dabei meist vergessen, dabei sind sie so etwas wie der Wegbereiter für die Social Networks. Mit den ersten Blogs Mitte der 1990er Jahre erfuhr das Internet eine radikale Wende. Plötzlich konnte jeder im Internet zum Publisher eigener Inhalte werden. Spätestens mit dem Erscheinen von WordPress im Januar 2004 wurde diese Art ins Internet zu schreiben auch deutlich einfacher, als das, was die CMS bis dahin anzubieten hatten. Das lockte auch die ersten Unternehmen an, die vor allem in den USA schnell auf das Corporate Blogging setzten.

In Deutschland dauerte es etwas länger. Das Daimler-Blog war daher einer der Pioniere der Unternehmensblogs in Deutschland und gehört auch heute noch zu den bekanntesten Beispielen. Wenn man, wie eingangs erwähnt, davon ausgeht, dass das digitale Leben sehr viel dynamischer abläuft, so sollte man denken, dass heute fast jedes Unternehmen ein eigenes Blog betreibt. Die Realität sieht leider anders aus. Viele Unternehmen haben für ihre digitale Kommunikation Facebook, Twitter & Co. entdeckt, da diese Kanäle auf den ersten Blick noch einfach zu bespielen sind als ein Blog. Das ist durchaus verständlich, denn ein kurzer Post bei Facebook ist schneller geschrieben, als ein Beitrag im Blog, ein Tweet sogar noch schneller.

Warum Blogs wichtiger als Social Networks sind

Und ja, auch mit Facebook und Twitter lassen sich Markenbotschaften transportieren und Menschen erreichen, doch wer wirklich nachhaltig kommunizieren möchte, kommt an einem Blog als Content-Anker nicht vorbei. Der Grund dafür ist ganz einfach: Die Inhalte bei Facebook und Twitter haben eine extrem kurze Verweildauer, bevor sie von anderen Botschaften verdrängt werden und nicht mehr sichtbar sind. Bloginhalte dagegen werden im Idealfall via Googlesuche auch nach Jahren noch gefunden. Auch werden sie von anderen Blogs verlinkt, wenn sie interessant und nützlich sind. In einem Blog ist es auch kein Problem zum ersten Beitrag zurückzublättern – wer das mal bei Facebook versucht hat, weiß, was für ein Luxus das ist.

Nun bedeutet die Bespielung eines Corporate Blogs nicht gleichzeitig das Aus für andere Social-Media-Kanäle. Im Idealfall fungieren Facebook, Twitter, Google+ & Co. als Signalverstärker für die Inhalte im Blog und ziehen Besucher an. Weitere Pro-Argumente für das Corporate Blog habe ich im UPLOAD Magazin beschrieben.

Aktuell erfahren die Corporate Blogs wieder einen Aufwärtstrend, so dass das Daimler-Blog als Dino gute Chancen hat, auch die Grundschule zu absolvieren. Wir können schon heute gespannt sein, wie es zum 10. Geburtstag des Daimler-Blogs um die Unternehmensblogs in Deutschland bestellt ist.

Warum Markenbotschaften für Unternehmen so wichtig sind

Markenkommunikation funktioniert gerade im Social Web weniger über Lautstärke, als viel mehr über Vielfalt, Authentizität und persönlichem Bezug. Statt einer lauten Beschallung durch die offiziellen PR-Kanäle zu folgen, informieren sich die Menschen im Social Web viel lieber über echte Menschen und deren Botschaften. Egal ob nun auf Facebook, Twitter oder Google+. Mitarbeiter, die sich ein eigenes Netzwerk geschaffen haben und ohne offizielles Mandat positiv über ihren Arbeitgeber berichten, erreichen damit ganz andere Personen, als die offiziellen Kanäle, die oft als Werbung wahrgenommen werden.

Welche Rolle Mitarbeiter dabei spielen

Der twitternde, facebookende und am besten auch bloggende Mitarbeiter kann eine sehr direkte und authentische Verbindung zwischen einem Unternehmen und dessen Interessenten, Kunden, Fans aufbauen. Natürlich gibt es auch dafür Grenzen, die meist in den Social Media Guidelines festgehalten sind, denn es gibt immer auch Themen, bei denen eine One-Voice-Kommunikation wichtig ist. Beispielsweise wenn es um Geschäftszahlen geht oder in Krisensituationen. Gute Richtlinien zur Nutzung von Social Media motivieren die Mitarbeiter eher, als dass sie abschreckend wirken.

Wer sich jetzt immer noch fragt, wie relevant Mitarbeiter als Markenbotschafter wirklich sind, sollte sich einfach einen kurzen Moment Zeit nehmen und überlegen, ob er nicht jemanden aus dem Social Web kennt, der in Verbindung mit einer Marke, einem Unternehmen oder einer Organisation steht…

Corporate Blogs von Adidas, Opel, Telekom, Tchibo, Yello Strom und Audi

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Falk Hedemann ist Freier Journalist und Blogger und berät zudem Unternehmen bei ihrer digitalen Kommunikation, der Content Strategie und der Distribution von Inhalten im Social Web. Als Mitherausgeber des UPLOAD Magazins beschäftigt er sich mit dem professionellen Einsatz von Social Media. Online zu finden ist er auf seinem privaten Blog, bei Twitter und Google+.

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