Syrien-Hilfskonvoi II: Ich war beim Start dabei

Syrien: Ein Land, das vielleicht vielen Menschen jahrelang unbekannt war, bis zum März 2011. Der Arabische Frühling hat auch in Syrien seine Spuren hinterlassen und seitdem herrscht ein Krieg zwischen der Opposition und dem herrschenden Regime.

Für das syrische Volk – vor allem für Kinder, Frauen und älteren Menschen – ist das ein lebensgefährlicher Zustand in Angst und Schrecken, ohne jegliche Sicht auf eine Verbesserung ihrer Lage.

Zu meiner Geschichte: Mein Name ist Moustafa Jamo, ich bin am 13.08.1986 in Efrin (Syrien)
nahe Aleppo geboren und lebe seit meinem dritten Lebensjahr mit meiner Familie in Deutschland. Zum Glück muss ich mittlerweile dazu sagen. Der Krieg hat auch bei mir seine Spuren hinterlassen, denn ich habe Familie und Verwandte mitten im Kriegsgebiet. Alle paar Tage hören zu müssen, dass jemand im Verwandten- und Bekanntenkreis verletzt, entführt oder sogar von einer einschlagenden Bombe getötet wurde macht mich extrem traurig und zugleich wütend. Was genau so schlimm für mich ist, ist die Hilflosigkeit, die ich verspüre und das Gefühl, einfach nichts tun zu können während die Menschen im eigenen Land leiden.

Als ich im September 2013 mein Praxissemester in der Kommunikationsabteilung bei Daimler begonnen habe, stellte ich schnell fest, dass Syrien auch dort ein wichtiges Thema ist. Denn am 19. September 2013 startete Daimler in Kooperation mit Luftfahrt ohne Grenzen e.V. (LoG) einen Hilfskonvoi, bestehend aus insgesamt 14 Trucks mit über 300 Tonnen Hilfsmittel, im Wert von vier Millionen Euro an die türkisch-syrische Grenze, um Flüchtlinge zu versorgen. Ich muss gestehen, ich hätte nicht gedacht, dass sich Unternehmen in diesem Maße für Menschen in Kriegs- oder Katastrophengebieten einsetzen.

Direkt im Anschluss wurde sogar noch ein zweiter Hilfstransport mit Start am 10. Dezember 2013 für Syrien geplant und die Frage, die sich dabei für mich gestellt hat war: „Wie funktioniert solch eine Hilfsaktion eigentlich?“. Ich wollte hinter die Kulissen schauen und wissen, wer alles in solch einem Projekt eingebunden ist und wie viel Aufwand dahinter steckt. Ich recherchierte und wurde von Tag zu Tag schlauer. Aufgrund der großen Resonanz der Mitarbeiter zum ersten Hilfskonvoi, war das Verlangen bei vielen Mitarbeitern da, selbst etwas für die leidenden Menschen zu tun. Das Feedback der Belegschaft hat dazu geführt eine Spendenaktion für Syrien zu starten. Ich ging erst einmal auf die Spendenabteilung zu und kontaktierte Alpay Keskin.

Unter dem Motto „Wings on Wheels – Gegen die Kälte“ hatten Mitarbeiter die Möglichkeit bis zum 6. Dezember 2013 zweckgebundene Geldspenden zu tätigen. Das Unternehmen geht in diesem Fall nach dem „Matchingverfahren“ vor. Kollege Keskin erklärte mir das Matchingverfahren so: Die Mitarbeiter spenden und danach wird die Summe der Spenden durch das Unternehmen nochmals verdoppelt. Es kam ein Betrag von über 50.000 Euro zusammen und das Unternehmen verdoppelte auf gut 100.000 Euro. Dass dann so viel zusammen kam, berührt mich insofern, dass möglicherweise ein Teil davon einem Verwandten oder Bekannten zugutekommen könnte. Durch die erneute Zusammenarbeit mit Luftfahrt ohne Grenzen werden insgesamt 200 Tonnen Hilfsgüter, Zelte für mehr als 1600 Flüchtlinge sowie Winterkleidung und Medikamente nach Gaziantep an den Türkischen Roten Halbmond (Kizilay) und das International Medical Corps übergegeben. Zudem werden drei moderne Krankenwagen an das Grenzgebiet transportiert.

In Begleitung mit Claws Tohsche aus der Presseabteilung Nutzfahrzeuge konnte ich an einem der vielen Vorbereitungsmeetings teilnehmen. So war ich jetzt mitten drin und konnte mir selbst ein Bild über die ganzen Planungen machen. Von Carmen Neumann (Bereich T/WT – Weltweite Transportlogistik), verantwortlich für die Transportlogistik Material und Teile auf der Route Wörth – Aksaray (beides Werke der Daimler AG), habe ich erfahren, dass bei all den Planungen das Wetter eine große Rolle spielt. Gerade im Winter müssen aufgrund der nicht exakt planbaren Witterungsverhältnisse besondere Planungsanforderungen berücksichtigt und Alternativrouten bereitgehalten werden.

Gestern starteten dann sechs Trucks aus dem Werk Stuttgart-Untertürkheim, denen sich zwei weitere in Adana anschließen. Acht Trucks über knapp 4000 Kilometer an ein Ziel zu bringen erfordert sehr viel Planungsgeschick, Organisationstalent und starke Nerven. Ausfuhrverzollung aller Hilfsgüter sowie Zollanmeldung an der Grenze, Schneeketten, Unterkünfte für Fahrer und Konvoi-Begleitpersonen, Wetter und sogar der Sonnenuntergang am Ankunftsort waren nur einige von vielen Details, die vor dem Start geklärt werden mussten. Sonnenuntergang deswegen, weil die Ankunft bei Tageslicht sein sollte, um eine reibungslose Übergabe der Hilfsgüter zu gewährleisten. Durch die interne Reisestelle bei Daimler musste auch noch ein Reiseplan für Mitarbeiter, Fahrer und externes Personal erstellt werden, um den Konvoi auch über Nacht zusammen zu halten. Diese Meetings weckten in mir ein wenig Hoffnung auf bessere Zeiten für die Menschen im eigenen Land.

Mir wurde dann sogar angeboten, nach Kelsterbach – nahe Frankfurt – zur Beladung der Trucks zu fahren. Das konnte und wollte ich als gebürtiger Syrier natürlich nicht ablehnen. Luftfahrt ohne Grenzen hat dort sein Zentrallager und ich schaute mir das Ganze aus der Nähe an. Morgens angekommen, sah ich schon wie die Gabelstapler Paletten in die Trucks verluden. Unmengen Kartons gefüllt mit Decken, Winterstiefeln, Pyjamas, Hygieneprodukten etc. wurden nach und nach in die Trucks verladen. Dabei wurde mir immer klarer, wie viel Aufwand doch hinter solch einem Projekt steckt. Personen, die bei Temperaturen um den Gefrierpunkt herum arbeiteten, um den Menschen im Kriegsgebiet einen möglichst ertragbaren Winter zu ermöglichen.

Am Dienstag, den 10. Dezember 2013, war es dann soweit. Die ersten sechs Trucks fuhren gegen Nachmittags aus dem Daimler-Werk in Stuttgart-Untertürkheim in Richtung Gaziantep (Türkei) los. Mit all den Hilfsgütern an Bord und die Hoffnung auf ein baldiges Ende des Leidens, widmete ich mich wieder mit gemischten Gefühlen meiner täglichen Arbeit.

Es macht mich stolz bei Daimler arbeiten zu können und zugleich bin ich dafür dankbar. Mir wurde mit der Zeit immer deutlicher, dass das Unternehmen nicht nur den Verkauf von Produkten im Vordergrund sieht, sondern auch die Menschlichkeit ganz wichtig ist. Als gebürtiger Syrier möchte ich mich bei all den Menschen, die an dem Hilfskonvoi „Wings on Wheels – Gegen die Kälte“ für Syrien beteiligt waren an dieser Stelle ganz herzlich bedanken.

Den Verlauf des Hilfstransports können Sie die nächsten Tage hier auf unserem Fotoblog verfolgen.

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