Gastbeitrag: Mit einem Unimog in die Welt!

„Dann kaufen wir ihn?“…“Oh mein Gott! Ja, dann kaufen wir ihn!“ Jen und ich waren in diesem Augenblick ziemlich blass um die Nase. Aufgeregt. Ein bisschen verrückt. Ahnungslos, was uns alles erwarten würde. Neugierig, was wir alles erleben würden. Der Beginn eines großen Abenteuers.

Es war ein Sonntagabend nach einem herrlichen Hochsommer-Wochenende im August 2013. Wir saßen bei unserem Lieblingsthailänder um die Ecke. Es drohte zwar ein Gewitter über München hereinzubrechen, aber das war uns in diesem Moment egal.
Die letzten Wochen hatten wir damit verbracht, in ganz Deutschland nach „Autos“ zu suchen. Was wir zu diesem Zeitpunkt bestenfalls ahnten, aber bestimmt noch nicht in vollem Umfang begriffen hatten war, dass wir uns an diesem Sonntagabend für unser neues „Zuhause“ entschieden haben. Ein fahrendes Zuhause mit ein bisschen mehr als 7 Quadratmetern Wohnfläche.

Ein Zuhause, das uns überall hin bringen sollte. Sogar bis auf das Dach der Welt. Das Wahnsinnige daran: an diesem Abend kannten wir beide uns gerade mal 5 Monate. Aber dieses Zuhause sollte es sein und ist es dann tatsächlich geworden. Jen und ich wollten aus dem gewohnten Fahrwasser ausscheren, die Welt sehen, Freiheit genießen, unter anderem die Freiheit über das zukünftige Leben nachzudenken, aber auch die Freiheit einmal unbequeme Wege zu gehen (oder zu fahren).

Vor allem aber wollten wir uns einen Traum verwirklichen: die Welt mit unseren eigenen Sinnen entdecken – so wie sie für uns Wirklichkeit ist. Und das zusammen mit dem wichtigsten Menschen auf dieser Welt. Um diesen Traum zu leben, war uns schnell klar, dass wir ein Fahrzeug brauchten, das sich in jedem Terrain wohlfühlt. Zuverlässig sollte es sein. Und sollte doch einmal etwas kaputt gehen, darf es nicht unmöglich sein, ein Ersatzteil zu finden.

Zudem musste es genug Platz bieten, so dass wir zu zweit darin leben können. Es sollte aber auch nicht zu groß sein. Wie ärgerlich wäre es, wenn wir nicht auf Tuchfühlung mit den Menschen, mit der Kultur in einem fremden Land gehen könnten, weil wir nicht mehr durch die Städte oder die Dörfer fahren können oder dürfen. Wir wollten aber auch die Freiheit haben, einfach mal ein paar Kilometer offroad gehen zu können, um unberührte Natur um uns herum zu wissen.

Um es kurz zu machen: wir mussten etwas sehr Universelles mit Wohnkabine finden. Einen Unimog!

An diesem Sonntagabend waren wir uns sicher, dass wir unser neues Zuhause gefunden hatten. Klar, es waren ein paar Modifikationen nötig, aber im Wesentlichen stand es da, das Glaarkshouse (Glaarks entstand spontan aus unserer beider Familiennamen Glas und Parks). Tom, der Vorbesitzer, hatte mit viel Inspiration und Mühe aus einem 27 Jahre alten 435er 1300L ein wunderschön-gemütliches Gefährt für die Straßen, die Pisten und die Wüsten dieser Welt gebaut.

Wir mussten also nur mehr unser Leben in Deutschland auflösen: unsere herkömmlichen Autos verkaufen, zwei Wohnungen kündigen, Versicherungen auf unbestimmte Zeit ruhend stellen, ach so … unsere Jobs niederlegen, in denen wir in den vergangenen vielen Jahren unsere Frau und unseren Mann gestanden sind, „Tschüss“ sagen und losfahren! Das schien auf den ersten Blick einfacher gesagt als getan! Und die Familie und Freunde zu verabschieden war wirklich hart.

Ach, und einen wichtigen Termin hatten wir noch: Heiraten. In Venedig! Aber da Italien eh auf dem Weg lag, haben wir das einfach „unterwegs“ gemacht. Die große Reise begannen wir also mit dem wohl wichtigsten Ereignis in unserer beider Leben. Und dann fuhren wir los – in einen sehr, sehr langen Honeymoon.

Jetzt sind wir fast ein Jahr unterwegs. Einen 7,5-Tonner nach Nepal zu fahren ist nicht immer ein Zuckerschlecken – aber es sind bestimmt die bisher spannendsten, aufregendsten und lehrreichsten 12 Monate unseres Lebens.

Details zur Route In der bisherigen Rückschau gibt es so viele bedeutsame Momente und Erkenntnisse, dass es schier unmöglich ist, all das festzuhalten.
Wir waren zutiefst beeindruckt und manchmal auch beschämt darüber, mit welcher unendlichen Gastfreundschaft uns zum Beispiel diese einfache Fischerfamilie an der türkischen Schwarzmeerküste begegnet ist.

Die Türken gingen offen auf uns zu, luden uns zum Essen ein und boten uns ihre Hilfe an – egal wie gut wir uns verständigen konnten. Unser Mog, auch wenn er ein bisschen kantig und vielleicht auf den ersten Blick monströs wirkt, war immer ein guter Einstieg in eine tolle Bekanntschaft.

Und als wir dachten, die Neugierde und Gastfreundschaft sei nicht mehr zu steigern wurden wir täglich aufs Neue von den Iranern überrascht. Die Menschen, die wir kennenlernen durften – und es waren eine Menge – waren das genaue Gegenteil von dem wie dieses Land in den Medien porträtiert wird: höflich, hilfsbereit, integer, aufgeschlossen und sehr kritisch gegenüber extremen, auch islamischen, Weltanschauungen.

Wir beide hatten eine Abmachung: wir wollten uns immer offenherzig auf die Menschen einlassen. Im Iran wurden wir mit unserer Abmachung schier an unsere Grenzen geführt – weil wir einfach zu viele Einladungen erhalten haben und auch mal traurig ablehnen mussten. Leider sollten wir feststellen, dass ein Overland-Trip natürlich auch unschöne Seiten haben kann.

Wir hatten gerade erfolgreich die Verschiffung vom Iran in die Vereinigten Arabischen Emirate hinter uns gebracht als es an unserem ersten Morgen irgendwo in den Bergen der arabischen Halbinsel passierte: die Einstiegsleiter war nicht richtig eingehängt und Jennifer fiel 1,40 Meter tief aus dem Shelter auf die Alu-Leiter.

Die Schnitte in Knie, Schienbein und Knöchel waren sehr tief, die Blutung nicht zu stoppen und wir standen mitten im nirgendwo! Die 45 Minuten mit dem Mog ins nächste Krankenhaus schienen fast endlos. Mittlerweile sind die Narben kaum mehr zu sehen und unsere Begeisterung über die medizinische Versorgung in einem staatlichen Krankenhaus in den Emiraten ungebrochen hoch.

Aber auch solche Dinge gehören zum Reisen. Die kommenden Wochen im Oman boten uns dafür Unglaubliches: Der Mog genoss es mindestens so sehr wie wir, offroad die unberührtesten Orten dieses Wüstenlandes zu entdecken. Wir verbrachten wunderschöne Tage in den Dünen und an einsamen Stränden. Nachts bekamen wir Besuch von Riesenschildkröten, die ihre Eier seit Millionen von Jahren an den Stränden des Oman legen – und tagsüber von ein paar Kindern, Delphinen und Zugvögeln.

Endlich in Indien angekommen dauerte es keine zwei Tage und wir verstanden was mit „Incredible India“ gemeint war. Wir hatten neben einem Hindutempel geparkt, wurden dort entdeckt und vom Bürgermeister der Ortschaft Islampur zum Frühstück eingeladen. Dieses entpuppte sich allerdings als eine Art Richtfest für einen neuen Stadtteil, bei dem die „German friends“ kurzerhand zum Hauptakt der Einweihungszeremonie gemacht wurden.

Wir sahen uns also plötzlich von rund 50 Indern umringt, die teils mit einem Schmunzeln und teils mit blankem Erstaunen mitverfolgen konnten, wie ich spontan und sehr unbeholfen eine Art Segnung durchführen musste: Kokosnüsse wurden zerschlagen, Farben auf Straßenschilder getupft, Reden gehalten und natürlich viel fotografiert.

Da Fotografieren in Indien nicht nur leidenschaftlich sondern auch sehr professionell betrieben wird, kamen wir Dank Mercedes auch noch zu unserem eigenen, ganz speziellen „Little Bollywood“. Auf der Mercedes-Benz Instagram-Seite erschein ein Bild vom Glaarkshouse. Kunal, ein indischer Fotograf aus Mumbai, sah es und kontaktierte uns. Ehe wir uns versahen, trafen wir uns zu einem aufregenden Fotoshooting mit einer Mercedes-Benz A-Klasse und unserem Unimog in einem indischen National Park. „Incredible India!“

„It’s not about places! It’s about people!“ hat Kevin, ein vielgereister amerikanischer Bergführer und Priester uns in der Türkei, kurz vor der Iranischen Grenze, in einem sehr intensiven Gespräch mitgegeben. Und er hat recht: Die Menschen in ihrer Einzigartigkeit erleben kann man überall! Auf Reisen – in Echtzeit – hat man den Vorteil, dass man jeden Tag in die fremde Kultur eintauchen kann und so von den spannendsten, merkwürdigsten, wundervollsten, geheimnisvollsten und beeindruckendsten Menschen lernen kann. Egal wo man ist, man muss sich nur aufmachen und zuhören.

Wie es für uns weitergeht? Wir wissen bisher nur, dass wir im Sommer in der Mongolei sein werden. Dazu werden wir nach dem wilden Nepal tatsächlich auf das Dach der Welt fahren. Tibet erleben. Der Gedanke, den Himalaya mit unserem Mog zu überqueren, ist Gänsehaut pur. Aber so ist das Reisen. Ein Traum. Und Freiheit. Jeden Tag.

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Dieser Artikel wurde von geschrieben. Vor ihrer großen Reise hat Jennifer (36) als Kommunikationsdesignerin in einer Münchner Werbeagentur gearbeitet. Peter (41), Diplom-Psychologe und Ökonom, war als Human Resources Manager in einem Schweizer Unternehmen tätig. Mehr Informationen, unsere genaue Route und weitere Reisegeschichten sind auf unserer Website oder unter Facebook zu finden.

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