Daimler Prüf- und Technologiezentrum auf der Zielgeraden

Nun ist der Weg bereitet: Mit der Erteilung der offiziellen Genehmigung für den Baustart hat Daimler einen weiteren Meilenstein zur Realisierung des Prüf- und Technologiezentrums in Immendingen erreicht. Am 18. September 2014 trafen sich Vertreter von Bund, Land und Region im Rahmen einer Pressekonferenz und übergaben die Dokumente.

Nach einer mehrjährigen Suche nach einem geeigneten Standort kann nun das Daimler Prüf- und Technologiezentrum in Immendingen gebaut werden. Die Kolleginnen und Kollegen in Sindelfingen und Stuttgart erhalten mit dem Prüfzentrum in Immendingen ein wichtiges „Handwerkszeug“ und gewinnen mit den Mitarbeitern im Prüf- und Technologiezentrum zusätzliche Schlagkraft, die dem gesamten Forschungs- und Entwicklungsbereich zugute kommen wird.

Und damit wird die Gemeinde in den Fokus der Automobilentwicklung der Zukunft rücken. Im Prüfzentrum wird Daimler neue Fahrzeuge testen, deren Emissionen weiter gesenkt werden. Die Anwendung neuer Leichtbau-Werkstoffe und Leichtbautechnologien wird ebenfalls in Immendingen bis zur Serienreife getestet.

Materialien wie Aluminium oder faserverstärkte Werkstoffe senken durch ihr geringes Gewicht den Kraftstoffverbrauch. Außerdem wird Daimler auf dem Gelände des neuen Prüfzentrums Assistenzsysteme testen und weiterentwickeln.

Diese Systeme unterstützen den Fahrer und tragen zur Verkehrssicherheit bei, weil sie helfen, Unfälle zu vermeiden. Auch das „autonome Fahren“, also das Fahren ohne Fahrer, wird für die Zukunft der Mobilität eine wichtige Rolle spielen – geprüft und getestet in Immendingen.

Die in Immendingen vorhandene Kaserne wird als Technologiezentrum eine neue zukunftsweisende Nutzung finden. Hier werden bereits ab 2015 erste Entwicklungsingenieure einen Arbeitsplatz finden. Die dortigen baulichen Möglichkeiten bieten große Chancen für unser Unternehmen und die Gemeinde Immendingen. Das ist die technische Seite.

Die gesamte Region in und um Immendingen kann von der neu geschaffenen Wirtschaftskraft und Forschungskompetenz profitieren, weil Daimler plant, ortsansässige Firmen sowohl in der Bauphase als auch nach Aufnahme des Betriebs einzubinden. Das ist die wirtschaftliche Seite.

Besonders hervorheben möchte ich aber die menschliche Seite. Es war und ist ein Lerneffekt für alle am Projekt Beteiligten. Uns als Daimler-Mitarbeitern war und ist es ganz wichtig den Dialog mit allen Beteiligten in den Vordergrund zu stellen. Wir wollen die Bürger, Umweltverbände, Naturschützer, Landwirte und ortsansässigen Unternehmen als Partner.

Deshalb haben wir schon zu Beginn der Gespräche mit der Gemeinde über das Prüf- und Technologiezentrum und einen geeigneten Standort ein Forum eingerichtet, in dem sich Privatpersonen, Verbandsvertreter oder Schulklassen über Bauvorhaben sowie Zweck des Prüfzentrums informieren können.

Bis heute gab und gibt es dort zu wichtigen Teilaspekten des Projekts Informationsveranstaltungen mit regen Diskussionen, zum Beispiel, was aus den zivilen Mitarbeitern des ehemaligen Bundeswehrstandortes wird (Daimler zieht auf das Gelände einer ehemaligen Kaserne mit Standortübungsplatz), ob durch das Prüfzentrum Arbeitsplätze in der Region gerade für den Nachwuchs geschaffen werden, ob es nach dem Betreiben der Schießanlage der Bundeswehr eher lauter oder leiser wird und wie umweltverträglich überhaupt das ganze Gelände gestaltet wird.

Viele Fragen wie diese werden auf unserer eigenen Internetseite beantwortet. Ich war auch positiv überrascht und tief beeindruckt mit welcher Offenheit und Herzlichkeit wir von den Immendingern empfangen wurden.

Mich begeistert die Aufgeschlossenheit der Immendinger. Wir müssen uns darüber im Klaren sein: ein Projekt dieser Größe findet nicht nur Wohlgefallen. Die Vertreter des Umweltschutzes beäugen solche Vorhaben wie unser Prüf- und Technologiezentrum natürlich auch kritisch. Das ist ihre Aufgabe.

Wir haben daher auch grundsätzlich zusammen mit den Umweltschutzverbänden die Standortauswahl vorangetrieben und Flächen mit außerordentlicher naturschutzfachlicher Bedeutung ausgeschlossen: So führten Brutplätze des Ziegenmelkers oder des Heldbocks, ein seltener Käfer, geradezu automatisch zum Ausschluss dieser möglichen Standorte.

Waren seltene Tierarten in einem begutachteten Gebiet vorhanden, fiel die Standortoption weg! Und dies war öfter der Fall. Aber von den Vertretern der Umweltschutzverbände kam schließlich auch der Hinweis auf das Bundeswehrgelände in Immendingen.

Wir beziehen die Verbände in alle Schritte mit ein, im offenen Dialog; dies war auch wichtig für die Kartierung von Flora und Fauna. Die gesamte Fläche wurde kartiert, und zwar von Kartierern aus dem Umfeld von NABU, Landesnaturschutzverband und BUND. Ich wandere sehr viel mit meiner Frau und Familie. Daher ist der Schutz von Pflanzen, Natur und Tieren auch für mich von großer Bedeutung.

Aber man hört in diesem Zusammenhang oft von Tieren, auf die ich vorher noch nie gestoßen war… dann muss man sich eben einarbeiten. Und so ist das Projekt auch ein Weiterbildungsprojekt für mich und alle Beteiligten. Man lernt jeden Tag etwas dazu, zum Beispiel zu „Forstfragen“.

Uns war es in all den Gesprächen und Anhörungen wichtig, klar zu machen, dass unsere Autos mit Nutzung des Zentrums durch Entwicklung und Tests leichter und sicherer werden sollen. Die Sinnhaftigkeit des Projektes musste vor dem Bauplan mit allen diskutiert werden. Und das hat gut geklappt.

Das Konzept wurde gemeinsam weiterentwickelt und nicht einfach „vorgelegt“. Es wird auf dem Gelände auf Vorschlag der Natur- und Umweltschutzverbände zum Beispiel zukünftig eine Wildtierpassage geben; es musste abgewogen werden, ob Bäume (Fichten) gefällt werden sollen, weil Magerwiesen kostbarer sind – was auch die Baupläne räumlich veränderte.

Es war und ist immer ein Geben und Nehmen an Informationen. Auch historische Stätten müssen beachtet werden, wie eine Kapelle oder ein Feldkreuz. Hier hat der Dialog mit Gemeinde und Schwarzwaldverein geholfen, auf solche Dinge aufmerksam gemacht zu werden.

Es ist also in Baden Württemberg noch möglich, ein Großprojekt dieser Art zu realisieren. Uns ist gelungen, in einer konstruktiv-kritischen Art mit allen zusammen zu arbeiten. Auch die Bauphase, die im Herbst dieses Jahres beginnt, wird eine erneute Bewährungsprobe.

Wir wollen das gesamte Projekt offen und transparent umsetzen. Und gemeinsam mit den Immendingern zeigen: Da entsteht etwas Zukunftweisendes. Wir freuen uns auf den gemeinsamen Start und haben die Zielgerade vor Augen: „Immendingen baut Zukunft!“

Volker Kauder, Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Meinrad Joos, Leiter der Abteilung Forstdirektion Freiburg, Markus Hugger, Bürgermeister Immendingen, Rainer Imdahl, Projektleiter Daimler AG, Thomas Felgenhauer, Daimler Real Estate, Stefan Bär, Landrat Kreis Tuttlingen, Dr. Lothar Ulsamer, Daimler AG, Guido Wolf, Landtagspräsident Baden-Württemberg, Caroline Anstett, Projektleiterin Daimler AG bei der Übergabe der entscheidenden Genehmigungen für den Baustart des Prüf- und Technologiezentrums

Volker Kauder, Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Meinrad Joos, Leiter der Abteilung Forstdirektion Freiburg, Markus Hugger, Bürgermeister Immendingen, Rainer Imdahl, Projektleiter Daimler AG, Thomas Felgenhauer, Daimler Real Estate, Stefan Bär, Landrat Kreis Tuttlingen, Dr. Lothar Ulsamer, Daimler AG, Guido Wolf, Landtagspräsident Baden-Württemberg, Caroline Anstett, Projektleiterin Daimler AG bei der Übergabe der entscheidenden Genehmigungen für den Baustart des Prüf- und Technologiezentrums

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Über den Autor: Dr. Lothar Ulsamer ist Leiter föderale und kommunale Projekte der Daimler AG 

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