Unser neuer Unimog für Hochwassereinsätze

Im Juni dieses Jahres erfuhren wir durch die THW-Leitung von einer großen Spendenaktion der Daimler AG. Drei Unimog U5023 wollte sie der Bundesanstalt Technisches Hilfswerk zur weiteren Nutzung überlassen. Natürlich war uns bewusst, dass diese Schenkung zweckgebunden für Ortsverbände im Schadengebiet der Hochwasserereignisse vom Juni 2013 in den Ländern Bayern, Sachsen und Sachsen-Anhalt sein sollte.

Bereits ab diesem Zeitpunkt machten wir uns doch berechtigte Hoffnungen, ein potenzieller Ortsverband für diese Spende zu sein. Zum einen gibt es bei uns im THW Ortsverband Bautzen seit vielen Jahren eine Fachgruppe Wasserschaden/Pumpen (WP) und zum anderen sind Hochwassereinsätze bei uns keine Seltenheit. Bereits in den Jahren 1997, 2002 und 2006 musste sich unsere Fachgruppe bei Hochwassereinsätzen beweisen.

Im Jahr 2010 ereilte uns der für unsere Region schlimmste Katastrophenfall. Nach unwetterartigen Regenfällen im August konnten zwei Dämme den Wassermassen der Spree nicht mehr standhalten. Sie brachen so ungünstig, dass fast das gesamte Werksgelände des größten ortsansässigen Unternehmens überflutet wurde. Das Wasser stand auf dem gesamten Werksgelände mit einer Höhe von 1,80 m und richtete an allen Gebäuden und schon fertig gestellten Produkten einen extrem hohen Schaden an. Wir hatten einen Großeinsatz, der über mehrere Wochen andauerte und logistisch sowie technisch/materiell koordiniert werden musste.

Das nächste Hochwasser folgte im Sommer 2013. Am 03.06.2013 begann für uns eine 26-tägige Reise quer durch den gesamten Freistaat Sachsen. Um 13:00 Uhr erfolgte die Alarmierung der Fachgruppe Wasserschaden/Pumpen durch die THW-Geschäftsstelle Dresden. Der erste Einsatzauftrag für uns lautete, ein Regenrückhaltebecken an der sächsischen Landesgrenze in Greiz vor dem Überlaufen zu sichern. Zehn Helferinnen und Helfer mit vier Fahrzeugen mitsamt der 5.000-Liter-Hochleistungspumpe „Hannibal“ machten sich auf den rund 200 Kilometer langen Marsch. Am Einsatzort angekommen, erwies sich die Lage insofern als brisant, als sich in unmittelbarer Nähe das Gelände eines Chemiewerks befand, welches bereits vorher durch die vorbeiführende Weiße Elster überflutet worden war.

Mit einem weiteren Einsatzauftrag sollten wir schließlich in das knapp 140 Kilometer entfernte Meißen verlegen. Hier sollte uns der Scheitelpunkt des Elbe-Hochwassers aber erst noch erwarten … Nach unserer Ankunft in Meißen sollten wir – zusammen mit den Ortsverbänden Alsfeld, Göttingen und Aue-Schwarzenberg – eine Pumpstation an der Bundesstraße B6, unterhalb der Elbbrücke am dortigen Schottenberg-Tunnel, vor einer Überflutung schützen.

In den Abendstunden des 5. Juni 2013 stieg der Elbe-Pegel jedoch so rasant an, dass selbst wir unsere Einsatzstelle samt Helferinnen, Helfern und Technik in wenigen Minuten evakuieren und den Naturgewalten freien Lauf lassen mussten. Kurze Zeit später stand die B6 an besagter Stelle gut drei Meter unter Wasser, auch der Schottenberg-Tunnel war nicht mehr befahrbar und wurde von der Polizei gesperrt.

Es ist dem schnellen und reibungslosen Handeln aller Einsatzkräfte zu verdanken, dass hier nichts und niemand zu Schaden gekommen ist. Nach weiteren, leider vergeblichen Versuchen, dem Wasser Herr zu werden, verlegten wir gegen Mitternacht in einen Bereitstellungsraum der Johanniter. Jedoch gerade nur solange, dass unsere Helfer etwas essen konnten, denn schon bald bekamen wir den nächsten Einsatzauftrag.

Die Eisenbahnunterführung in der Fabrikstraße in Meißen stand unter Wasser. Da diese allerdings zum damaligen Zeitpunkt eine wichtige Verkehrsader in der Stadt war, musste sie befahrbar gehalten werden. Hierbei unterstützten wir mehrere Feuerwehren aus dem Meißener Umland mit unserer 5.000-Liter-Hochleistungspumpe „Hannibal“. Diese Einsatzstelle band unsere Helferinnen und Helfer dann weiter bis zum Sonntagmittag. Bis dahin war der Elbe-Pegel so weit gesunken, dass die Kanalisation an der Stelle wieder funktionierte und wir die Einsatzstelle schließen konnten.

Im weiteren Verlauf der Katastrophe überschlugen sich die Meldungen über die Lage in der Oberlausitz. Die Nachrichtenportale berichteten von Hagel und Starkregen sowie von überfluteten Dörfern und unterspülten Wohnhäusern. Unsere letzte Einsatzstelle in Meißen konnten wir glücklicherweise rechtzeitig erfolgreich beenden und verlegten noch in der Nacht vorsorglich zurück nach Bautzen, wo mittlerweile Katastrophenalarm ausgelöst worden war. So schnell wie das Unwetter kam, so schnell entspannte sich die Lage allerdings auch wieder und es gab für uns keine weiteren Einsatzoptionen.

Daraufhin ging es für uns zur Kläranlage nach Riesa, welche wir zusammen mit der Fachgruppe Wasserschaden/Pumpen des THW-Ortsverbandes Freudenstadt sowie der Fachgruppe Elektroversorgung des THW-Ortsverbandes Gotha von der braunen Brühe befreiten. Unsere Aufgabe war es, das Wasser, das sich auf den Flächen zwischen Klärwerk und Elbe gestaut hatte, zurück zu pumpen. Nachdem unsere Arbeit dort getan war, verlegten wir am Freitagmittag zurück nach Bautzen und gönnten unseren Einsatzkräften ein freies Wochenende.

Schon in der Annahme, den Hochwasser-Einsatz für dieses Jahr beenden zu können, wurde unserer Marschverband auf halber Strecke wieder zurück nach Dresden beordert. Nach einer Vorbesprechung in der THW-Geschäftsstelle Dresden traten wir gegen Nachmittag die Fahrt zur mittlerweile fünften Einsatzstelle nach Cossebaude bei Dresden an. Das dortige Stauseebad wurde wiederholt vom Hochwasser in Mitleidenschaft gezogen. Auch für uns nichts Neues, denn zuletzt waren wir 2006 dort.

Für uns hieß das also: Mehrere hundert Meter Schlauch in Richtung Elbe verlegen und Pumpen anwerfen. Tag für Tag konnten wir den Wasserspiegel Zentimeter um Zentimeter senken, bis das Wasser für uns „zu wenig“ wurde. Am Freitagnachmittag konnten wir dann auch hier unsere Schläuche und Pumpen verladen und unsere endgültige Heimfahrt antreten. Gegen 23 Uhr erreichten wir schließlich unseren Ortsverband.

Bisher wurden unsere geballte Einsatzkraft und die schnelle Einsatzbereitschaft durch lange Vorbereitungen etwas ausgebremst. Unsere schwere Technik wie z. B. Pumpen, Schläuche und Aggregate mussten per Hand be- und entladen werden. Ein Ladekran ist an dieser Stelle der Traum aller THW-Helfer und -Helferinnen. Dieser sollte tatsächlich für unseren THW-Ortsverband nun durch die Spende der Daimler-Benz AG wahr werden.

So machten sich unser Schirrmeister und ich, in meiner Funktion als Ortsbeauftragter, am Sonntag, den 07.12.2014, auf den Weg, um einen wahrgewordenen Traum in Empfang zu nehmen: einen Unimog U5023. Unsere erste Station war am Montag, den 08.12.2014, das Mercedes-Benz-Museum in Stuttgart. Bereits beim ersten Blick durch die große Glasfront sahen wir den neuen Unimog. Unsere Vorfreude stieg.

Dr. Wolfgang Bernhard (links), Vorstand für das weltweite Truck- und Busgeschäft, überreichte die Zündschlüssel über die Stiftung THW, vertreten durch den Vorsitzenden Stephan Mayer, MdB, (Mitte) an den Präsidenten des Technischen Hilfswerks, Albrecht Broemme (rechts)

In Stuttgart wurden wir von Mercedes-Benz- und hauptamtlichen THW-Mitarbeitern in Empfang genommen. Der erste Gang führte uns natürlich direkt zu den neuen Einsatzfahrzeugen, welche perfekt in Szene gesetzt wurden und uns den Atem stocken ließen. Im Anschluss daran und nachdem man uns etwas Zeit „zum Luft holen“ gelassen hatte, eröffnete Herr Dr. Bernhard die Spendenaktion offiziell. Obwohl montags eigentlich ein weltweiter Museumsschließtag ist, wurde extra für uns eine sehr interessante Führung durch das Mercedes-Benz-Museum angeboten.

Am Folgetag führte uns unsere Reise in das Mercedes-Benz Werk Wörth, wo wir an zwei Tagen eine komplette Einweisung in die Technik und den Umgang mit den Fahrzeugen erhielten. Sogar erste Fahrtests im leichten Gelände durften wir durchführen, welche mir persönlich ein Gefühl von „Gänsehaut“ bescherten.

Am Donnerstag, den 11.12.2014, traten wir glücklich unsere Heimreise mit unserem neuen Team-Mitglied, dem Unimog U5023, an. Auf dem Weg nach Hause erfragten bereits erste Kameraden telefonisch unsere ungefähre Ankunftszeit im Ortsverband Bautzen. Unser Traum wurde von vielen Kameradinnen und Kameraden in Empfang genommen – ein großer Glücksmoment für uns alle.

Diese Spendenaktion ist eine große Motivationshilfe für unser Team, das mit großem Interesse und Engagement im Ehrenamt für das Technische Hilfswerk im Einsatz ist. Die vielen Katastropheneinsätze in der Vergangenheit sind ein deutliches Indiz für die Wichtigkeit des Ehrenamtes und man kann davon ausgehen, dass weitere große und auch für die Umwelt und Menschen wichtige Einsätze folgen werden.

Albrecht Broemme - Präsident (THW Leitung, Bonn), Frank Thiere - Führer der Fachgruppe Log (Ortsverband Dresden), Dr. Wolfgang Bernhard - Daimler-Vorstand, Robert Stolpe - Ortsbeauftragter (Ortsverband Bautzen), MdB Stephan Mayer - Vorsitzender der THW Stiftung, Frank Hänel - Schirrmeister (Ortsverband Bautzen)


Robert Stolpe ist als Einsatzleiter für den THW Bautzen tätig und kümmert sich auch um die Jugendarbeit. Er und sein Team gelten als Spezialisten für Hochwassereinsätze.

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