Selbstoptimierung: Strom statt Pillen

Neues Jahr – neues Glück. „Kluge und weise Menschen“ legen uns nahe, dass jeder einzelne Tag im Leben für Veränderungen taugt. Aber die Gewohnheitstiere unter uns wissen: Die Weihnachts- und Neujahrszeit sind für neue Vorsätze ideal.

Man arbeitet in der Regel nicht und hat genügend Zeit für grundlegende Gedanken über das Leben. Da darf es dann schon der eine oder andere zünftige Streit mit den Liebsten sein oder eben der neue Vorsatz im Streben nach Glück. Was liegt da näher als ein Vortrag über Selbstoptimierung?

Elektronische Pillen oder Ersatzteile für Maschinenmenschen

Mercedes-Benz Museum. Ich bin auf einem Dialog der Daimler und Benz Stiftung. Das sind in der Regel kultivierte Abende mit wissenschaftlichem Input und niveauvollem Austausch. Doppeldeutige Schenkelklopfer sind jedoch immer erlaubt. Der heutige Vortrag von Prof. Dr. Thomas Stieglitz vom Institut für Mikrosystemtechnik der Universität Freiburg geht „nämlich unter die Haut“. Es geht um Implantate.

Um Selbstoptimierung, aber auch vor allem um die Wiederherstellung von physischen Funktionen durch künstliche medizinische, plastische (ich weiß, woran Sie denken) oder funktionelle Materialien. Die Erfindung des Herzschrittmachers war nicht nur gefühlt im vergangenen Jahrhundert. Heute gibt es bereits „elektronische Pillen“ (Elektrozeutika), welche die Gabe von Medikamenten verringern oder ersetzen“. Ich lerne – wie so oft auf Veranstaltungen der Daimler und Benz Stiftung – einiges: Zeitgemäße Implantate sind in der Regel kabellos (Entzündungsgefahr) und batteriebetrieben, Muskelstimulationen sind auch mit Lichtsignalen möglich und Temperaturunterschiede ermöglichen die Rekuperation von Energie (energy-harvesting).

Da wo Licht, oft auch Schatten

Haben alle diese sogenannten Elektrozeutika und Ersatzteile für Maschinenmenschen jedoch ausschließlich positive oder aber auch negative Begleiterscheinungen? Man denkt einerseits an gelähmte Menschen – aber auch an Militärtechnik.

Fühlt man sich mit Implantaten anders?

Der Mikrosystemtechnik-Experte berichtet von den bestehenden Möglichkeiten. Man ist „als Laie“ beeindruckt. Die Steuerung von Gegenständen mittels Gedankenkraft, fühlende Prothesen sowie die Verringerung von epileptischen Anfällen oder dem Zittern von Parkinson-Patienten. All das sei schon möglich.

Aber wie steht es um die ethische Komponente? Soll man alles tun, was man kann und will? Fühlt sich der Parkinson-Patient mit einem Implantat im Gehirn unterschiedlich? Entscheidet ein Mensch mit Gehirnimplantat eventuell anders? Wann ist man noch Mensch, wann nicht mehr? Auf die Manipulations- und Haftungsfragen wird an dieser Stelle noch gar nicht eingegangen.

Wollen wir alles, was wir können?

Der Mensch: Krone oder Zwischenergebnis der Evolution?

Der Vortrag vom studierten Elektrotechniker Prof. Dr. Thomas Stieglitz liefert einige Denkanstöße. Laut Stieglitz gab es im 20. Jahrhundert Denkrichtungen, die glaubten, dass die evolutionäre Entwicklung des Menschen „am Ende“ ist und man ergo die Evolution künstlich anstoßen müsste. Die Krone der natürlichen Schöpfung sozusagen, die man nur noch künstlich verbessern kann. Mal abgesehen von einigen Fakten, fallen einem jedoch auf Anhieb einige – oder um nicht zu sagen zahlreiche – Beispiele ein, die diese These nicht unbedingt stützen würden.

Körpereigene Selbstschutzfunktionen

Als schließlich Thomas Stieglitz am späten Abend noch erwähnt, dass man hinsichtlich der Leistungskurve allgemein annimmt, dass der menschliche Körper ab circa 18 Uhr von Natur aus bereits auf offline“ eingestellt ist, glaube ich zu wissen, was damit gemeint ist. Äh. Warum bin ich nochmal hier?

Den Podcast zu der Veranstaltung finden sie hier.

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