Homeoffice: Ruhig, entspannt und stressfrei?

Mobiles Arbeiten – Homeoffice, das wäre für mich vor fünf Jahren noch die Arbeit im Außendienst gewesen. Doch die Welt hat sich verändert. Es ist Dienstagmorgen und ich sitze an unserem Wohnzimmertisch, sehe in den Garten und arbeite an meinem Notebook. Mein wichtigstes Arbeitsmittel, das i-Phone, liegt neben mir.

Ich bin Abteilungsleiter bei der Mercedes-Benz Bank und arbeite gelegentlich von zu Hause aus. Das spart Zeit und Nerven und erleichtert meiner ganzen Familie den Start in den Tag. Dennoch bleibt es für mich nur die zweitschönste Art zu arbeiten. Mein ganz persönlicher Einblick:

Anzug = Arbeit

Irgendwie habe ich immer noch ein schlechtes Gewissen, wenn ich zuhause bin und meine Kinder mich morgens fragen, ob ich Urlaub habe.

„Nein, ich arbeite heute mobil“

Meine Kinder schauen mich fragend an.

Nicht nur für meine Söhne Paul, Theo und Willy ist es eine große Umstellung. Auch für mich! Früher war alles einfacher. Wenn der Papa einen Anzug trägt, geht er zur Arbeit. Und wenn er zu Hause ist, hat er Freizeit.

Zeit und Nerven gespart

Früher war aber auch alles komplizierter. Viel komplizierter! Als moderne Großfamilie mit zwei arbeitenden Elternteilen muss morgens jeder auf den Punkt funktionieren. Da ist ein krankes Kind oder ein Fleck auf dem Hemd der Anlass zum Verzweifeln, insbesondere wenn die Tiefgaragenparkplätze im Sekundentakt weniger werden. Was für ein Stress!

Mit dem mobilen Arbeiten spart man sich unglaublich viel Zeit am Morgen – und Nerven. Keine Gedanken über gebügelte Hemden, keine Anfahrt im Stau und vor allem: keine Parkplatzsuche.

Alles geht entspannt vor sich bis meine Frau und die beiden großen Jungs aus dem Haus sind. Willy bringe ich noch schnell zu Fuß in den Kindergarten.

Beginn des Arbeitstags

Um 8 Uhr beginnt mein Arbeitstag. Die erste Telefonkonferenz: „Update aus der Vorstandssitzung“. Ich höre zu und notiere die relevanten Inhalte. Eine Rücksprache mit einer Kollegin ist für 9 Uhr angesetzt. Ich bereite mich noch kurz mit ein paar Stichworten vor. Die Rücksprache findet telefonisch oder über den Instant Messenger Lync statt. Ich suche noch nach den besten Lösungen. Mir persönlich reicht das Telefon meist aus. Und es hat den Vorteil, dass ich mich bewegen kann.

Meine Kollegin ist ebenfalls im Homeoffice. Sie wohnt nur drei Kilometer entfernt von mir. Irgendwie Wahnsinn: Jeder von uns bewegt sich täglich 15 Kilometer im Stau nach Stuttgart und zurück, dabei sind wir nur einen Steinwurf voneinander entfernt.

Selbst aktiv werden

Nach der Eingabe der neuen Gehaltsdaten meiner Mitarbeiter in ein Personalsystem mache ich Mittag. Anstelle eines Treffens mit Kollegen muss ich heute selbst aktiv werden: Zuhause muss man sich selbst darum kümmern, dass etwas zu essen auf den Tisch kommt. Das ist nicht immer ganz einfach. Die Pause ist flugs vorbei.

Vom Wohnzimmertisch zum Dachgeschoss

Ich muss mich beeilen. Um 13 Uhr ist der nächste Telefontermin. Ich gehe dazu lieber an meinen Schreibtisch im Dachgeschoss. Dort habe ich Ruhe, auch wenn später die Kinder wieder durchs Haus toben. Für den Mittag habe ich mir neben den Standardaufgaben Themen wie Rechnungen freizeichnen, Abwesenheiten genehmigen und Emails abarbeiten vorgenommen. Außerdem muss ich noch zwei Präsentationen querlesen. Das geht zu Hause viel besser, als im Büro.

Nein, ich wohne nicht in einer Fertighausausstellung, ich habe vorher nur ein bisschen aufgeräumt.

Verzichten auf das Naschen

Zwischenzeitlich klingelt mehrfach das Telefon. Meine Kollegen haben schnell bemerkt, dass man mit mir im Homeoffice auf kurzem Weg die wichtigsten Inhalte besprechen kann. Da kommt es gerne mal vor, dass ich das Telefon auflege und zwischenzeitlich drei Mailbox-Nachrichten habe.

Mein größter Feind sind die Espresso-Maschine und der Kühlschrank. Im Büro ist das kein Thema, zuhause schon. Alles, was schmeckt, ist in meiner Nähe. Heute bleibe ich stark und verzichte…

Ein Blick auf die Uhr sagt mir: Es ist 18.30 Uhr. Ich habe gar nicht bemerkt, wie die Zeit vergeht. Ich beende den Arbeitstag und bringe Theo zum Fußball.

Ich brauche Menschen um mich

In meinem Büro kommt ständig jemand zu mir an den Schreibtisch. Beim Vorbeigehen ein kurzes „Hallo!“ oder auch nur ein Lächeln von Kollegen. Zu Hause gibt es das nicht. Auch wenn ich heute sehr effizient gearbeitet habe, fehlen mir die Kontakte zu meinen Kollegen. Ich liebe es, Menschen um mich zu haben und ein Gefühl zu entwickeln, wie es ihnen geht. Ein Blick in die Augen ist für mich eben nicht zu ersetzen.

Bei allen Vorteilen des mobilen Arbeitens und der modernen Technik wird es für mich eine tolle Alternative aber nur die zweitschönste Form des Arbeitens bleiben.

Gut, dass es morgen für zwei Tage nach Berlin geht und ich viele Menschen treffe…


Anmerkung der Redaktion: Der Beitrag erschien am 20.10.2016 auf dem Mercedes-Benz Bank Blog unter dem Titel „Hast du Urlaub, Papa?“

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Dieser Artikel wurde von geschrieben. Nach dem Studium zum Diplom-Kaufmann in Augsburg, New York und Turin stieg er 1996 über das CAReer Programm bei der Mercedes-Benz Leasing GmbH ein. Nach Stationen im Bereich Produktmanagement, Used Cars Sales, Sales & Marketing Europa und dem Aufbau von Mercedes-Benz Rent ist er seit Ende 2012 im Zentralvertrieb der Mercedes-Benz Bank angekommen. In seiner dortigen Funktion verantwortet er u.a. die Firmenangehörigen- und Direktgeschäfte der Mercedes-Benz Bank.

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